Klassisches Gewand - moderner Sound
Der Maybach Motone J ist – genau wie sein Bruder, der Motone P – der Nachbau eines großen Klassikers. Mit einer gelungenen Mischung aus traditionellen Eigenschaften und zeitgemäßen Features bringt er alles mit, was man von einem guten Jazzbass erwartet – und sieht dabei noch unverschämt gut aus. Klanglich präsentiert er sich deutlich moderner, als es die klassische Optik vermuten lässt, was ihn zu einem flexiblen Allrounder macht.
- Verarbeitung: Hochwertige Materialien, sauber gearbeitet, nitrolackiert und stimmig gealtert.
- Spielgefühl: Vertraut, komfortabel und ausgewogen – wie ein gut eingespielter Klassiker.
- Klang: Moderner Jazzbass-Sound mit offener Ansprache und vielen Einsatzmöglichkeiten.
- Preis-Leistung: Angesichts der Ausstattung und Fertigung ein absolut fair kalkuliertes Instrument.
Inhaltsverzeichnis
Aufbau und Verarbeitung
Welche Eigenschaften möchte man an einem klassischen Jazzbass verändern – und welche nicht? Diese Frage stellt sich wohl jeder Hersteller, der es sich zur Aufgabe macht, das große Vorbild von Leo Fender zu interpretieren. Unser Testgerät von Maybach Guitars sieht auf den ersten Blick aus wie ein schön gealterter Fender-Bass und bringt auch die typischen Spezifikationen mit:
- Korpus: Mondfichte
- geschraubter Hals: massiv Ahorn
- Griffbrett: Palisander
- Dot-Griffbretteinlagen
- Griffbrettradius: 184 mm
- Mensur: 864 mm
- Sattelbreite: 38 mm
- Knochensattel
- 20 Bünde
- Tonabnehmer: 2 Amber Waterfall
- 2 Volume- und 1 Tonregler
- Gotoh GB640L Mechaniken
- Besaitung ab Werk: D’Addario .045 – .105
- Nitrolack
- Finish: gealtert
- Farbe: Candy Apple Red
- inkl. Koffer
- hergestellt in der Tschechischen Republik
Bekanntlich steckt der Teufel aber im Detail und der geschulte Blick erkennt sofort, dass unser verwendetes Body-Holz Mondfichte eher außergewöhnlich ist. Hierbei handelt es sich nicht um eine spezielle Untergattung der Fichte, sondern um einen Baum, der kurz vor Neumond gefällt wurde. Dieser etwas eigenartig anmutende Umstand ist keineswegs neu, sondern wird von Geigenbauern seit Hunderten von Jahren benutzt. Man sagt diesen Hölzern eine bessere Stabilität, höhere Dichte und gute Feuchtebeständigkeit nach. In jedem Fall ein kontroverses Thema, denn wissenschaftliche Beweise dafür gibt es keine, jedoch gibt es Erfahrungsberichte vieler Handwerker und Geigenbauer, die den Mythos bestätigen.
Ob das nun wirklich so ist oder nicht, vermag ich natürlich nicht einzuschätzen. Klar ist jedoch, dass die Fichte im klassischen Geigenbau zu den am meist verwendeten Klanghölzern zählt und seit jeher als Deckenholz der Streichinstrumente bevorzugt wird (in Kombination mit Ahorn für Zargen und Boden). Auch der immens wichtige Bassbalken wird in den allermeisten Fällen aus diesem Material gefertigt, was die generelle klangliche Qualität des Holzes nur unterstreicht.
In entsprechend guter Gesellschaft befindet sich unser Maybach Motone J: Sein Korpus aus besagter (Mond-) Fichte plus der Hals aus Ahorn samt Griffbrett aus Palisander scheint doch eine bewährte Wahl zu sein. Mit einer Mensur von 34 Zoll und einer Sattelbreite von 38 mm bringt er auch die klassischen Maße der großen Originals mit sich und auch sonst erleben wir keine großen Überraschungen: Zwei Tonabnehmer der deutschen Custom‑Schmiede Amber Pickups sollen in der beliebten 60er‑Position für einen guten Ton sorgen, das Ganze natürlich im passiven Modus mit zwei Volume‑Reglern und einer Tonblende. Die Hardware in Chrom kommt von Gotoh und steht ebenfalls für eine gute Qualität.
Wirklich spektakulär ist die Nitrolackierung in der beliebten Farbe Fiesta Red. Das Rot leuchtet je nach Lichteinfall mal intensiver und mal matter und ist ein echtes Highlight. Das dezent ausgeführte Aging verleiht dem Maybach Motone J dazu ein haptisch schönes Gefühl, der Bass wirkt wie ein sehr gut gepflegtes altes Instrument und lässt kaum vermuten, dass es sich um einen Neubau handelt. Ich hatte in meinem Leben schon viele Instrumente mit Nitrolacken in meinen Händen und habe da diverse Arbeiten erlebt und muss sagen: Die Jungs von Maybach wissen definitiv, was sie da tun!
Ansonsten gibt es in puncto Verarbeitung nichts zu beanstanden. Jede Schraube sitzt dort, wo sie sitzen soll, der Hals ist bombenfest in seiner Tasche ohne Spalt und die Bünde wurden sauber eingesetzt, scharfe Kanten sucht man vergebens – das passt!
Wie spielt sich der Maybach Motone J
Ein Vorteil und Grund für die große Beliebtheit klassischer Nachbauten ist der Umstand, dass sie sich sofort vertraut anfühlen. Der Maybach Motone J macht hierbei auch keine Ausnahme: Bereits beim ersten Anspielen hat man den Eindruck, dieses Instrument zu kennen. Die Korpusform verschmilzt direkt mit dem Spieler, die Lackierung fühlt sich super unter den Fingern an und der geschliffene Hals macht richtig Spaß.
Läufe jeglicher Art gehen leicht von der Hand, das Profil würde ich mit einem angenehmen „C“ beschreiben und erinnert wirklich an Fender Jazzbässe Ende der 60er‑Jahre. Die Mechaniken sorgen für eine gute Balance, sowohl im Stehen am Gurt als auch im Sitzen und mit deutlich unter 4 kg bringt der Maybach Motone J ein solides Gewicht auf die Waage.
Unplugged gespielt, klingt der Maybach Motone J ausgewogen und warm, selbst mit den nagelneuen Roundwounds sind dem Bass keine harschen Töne zu entlocken. Deadspots konnte ich nicht finden, auch habe ich nicht das Gefühl, dass eine Frequenz besonders im Vordergrund steht. Dieser Jazzbass kommt eher zahm daher und ordnet sich somit direkt in die Kategorie Allrounder ein. Die tiefen Register klingen sauber und klar, die mittleren haben etwas Bauch im Ton und die hohen Bünde bringen wiederum einen leichten, aber angenehm näselnden Touch rein. Im Prinzip klingt der Bass so, wie man es von einem Jazzbass erwartet, jedoch mit etwas weniger „Schmatz“ im Sound, als man es vom Original kennt.
Die Sounds
Ein passiver Jazzbass ist deswegen so beliebt, weil er von sich aus bereits eine Vielzahl von Sounds mit sich bringt. So kann man jeden Pickup einzeln oder beide zusammen spielen, jeweils mit offener oder geschlossener Tonblende. Diese extremen Einstellungen allein ergeben schon sechs verschiedene Möglichkeiten, die unzähligen Nuancen in der Mischung der beiden Volume‑Regler und der Tonblende mal außen vorgelassen. So gesehen hat ein Jazzbass quasi einen passiven EQ on board, was ihn auf der Bühne zu einer echten Allzweckwaffe macht.
Hören wir zuerst in die drei möglichen Kombinationen der Pickups bei offener Tonblende rein:
Schnell wird klar: Der Maybach Motone J liefert genau das, was von ihm erwartet wird, nicht mehr und nicht weniger. Die Tonabnehmer von Amber Pickups wirken offen, dynamisch und schnell in der Ansprache und in meinen Ohren recht neutral im positiven Sinne. Ich höre keine Frequenzen besonders geboostet oder gecuttet, alle Details des Spiels werden übertragen, ohne etwas zu beschönigen. Der Neck‑PU kommt tief, etwas bauchig und druckvoll daher, ohne zu übergewichtig oder fett zu klingen.
Der Tonabnehmer an der Bridge wiederum knurrt sehr schön und hat die durch Jaco berühmt gewordene Nase, wirkt aber weitaus weniger aufdringlich als andere Vertreter. In Mittenstellung ergibt sich dann ein wunderbar ausgewogener und runder Sound, der überraschend modern daherkommt. Überhaupt wirken die beiden Tonabnehmer durch ihre klare Präsenz in den Höhen sehr spritzig, was fast das Gefühl aufkommen lässt, es mit einem aktiven Bass zu tun zu haben.
Natürlich sollte ein passiver, traditioneller Jazzbass auch die Möglichkeit mit sich bringen, old‑school zu klingen und hier kommt der Tone‑Regler ins Spiel. Hier nun ein paar Beispiele mit komplett geschlossener Höhenblende:
Schnell wird klar: Richtig „dumpf“ wird es mit dem Maybach Motone J nicht werden. Die verwendeten Kondensatoren greifen in den Sound zwar ein, nehmen aber bei Weitem nicht so viele hohe Frequenzen weg, wie man es von anderen Tonblenden kennt. Ob man das nun gut finden soll oder nicht, ist wohl subjektiver Natur. Ein Vorteil des geringen Eingreifens ist mit Sicherheit ein etwas entspannterer Umgang mit dem Regler auf der Bühne, da man eben großzügiger drehen darf. Ein wenig Potenzial in der Klanggestaltung hat man dadurch aber auch verschenkt, denn so richtig alte Sounds, wie man sie von einem 60er‑Jazzbass erwartet, kann man mit diesem Bass erstmal nicht erzeugen.
Zum Abschluss noch zwei Beispiele in den anderen Spieltechniken, einmal mit Plektrum und einmal geslappt. Ersteres funktioniert gut, ich habe hierfür zum Neck‑PU den Bridge‑Tonabnehmer etwas hinzugemischt und die Tonblende ungefähr halb offen gelassen. Der Slap‑Sound wiederum ist soweit okay, jedoch fehlt hier im passiven Modus natürlich etwas der EQ, um diesen aufzupeppen. Brauchbar ist er aber in jedem Fall, was beweist, welch toller Allrounder der Maybach Motone J ist.





































…ja, ich weiß, über Geschmack kann man nicht streiten, und so mancher wird mit dem guten alten Deichkind-Zitat „Leider geil“ antworten….
…aber in einer Welt, in welcher Glaubwürdigkeit und Authentizität wichtiger sein sollten denn je, um gegen die (für Musikschaffende inzwischen existenziellen) Fake Bedrohungen der KI-Song Flut zu bestehen:
Fake Aging und „Mondfichten“ empfinde ich da als wenig hilfreich….
Übrigens…. ich glaube, die Farbbezeichnung Fiesta Red ist falsch, korrekt ist (so wie bei Thomann inseriert) Candy Apple Red.
Ich kannte den Besitzer einer Strat in Fiesta Red. Die Farbe hat einen deutlichen Einschlag ins Orange, ein Farbton, der es nur fast schafft, dem Auge zu schmeicheln (im Gegensatz zum Apple Candy Red).
@Klaus-Dieter Die Bezeichnung ist korrekt, das Testmodell von Maybach welches mir zugeschickt wurde hatte in den Specs die von mir genannte Farbe „Fiesta Red“. Der bei Thomann aktuell zu erwerbende Bass ist nicht das Testinstrument und dementsprechend in einer anderen Farbe.
Grüße Sebastian
@Naris Sebastian Stolz So ist es, das ist Fiesta Red. Candy Apple Red sieht anders aus. Ich halte auch die Bilder bei Thomann für falsch (oder halt die Farbbezeichnung in der Produktbeschreibung dort 🙂)