Papaya Tele für Sound-Gourmets
Die Maybach Texonian T61 CS verbindet klassische Telecaster-Tugenden mit hochwertiger Verarbeitung, edlen Hölzern und einem geschmackvoll umgesetzten Vintage-Aging.
Was ist es? Die Maybach Texonian T61 CS ist eine hochwertige T-Style-Gitarre mit Vintage-Ausrichtung, gealtertem Finish und klassischen Telecaster-Sounds.
- Sound: Twangy, drahtig und vielseitig – von Country über Blues bis Rock überzeugend abgestimmt.
- Verarbeitung: Hochwertige Hölzer, perfekte Bundierung und liebevoll umgesetztes Aging.
- Hardware: LeoSounds-Single-Coils, Locking-Mechaniken und klassische Telecaster-Ausstattung.
- Handling: Angenehm spielbarer Hals mit kräftigem Vintage-Profil und ausgewogener Balance.
- Fazit: Boutique-Telecaster auf Custom-Shop-Niveau mit individueller Optik und hervorragendem Klang.
Inhaltsverzeichnis
Maybach Guitars ist ein mittlerweile bekannter europäischer Hersteller von E-Gitarren und Bässen. Die Marke entstand nach dreijähriger Planungsphase und wurde 2011 offiziell gegründet, um Vintage-Sounds und -Designs mit moderner Fertigung zu verbinden. Die in Europa gefertigten Maybach-Gitarren werden in Tschechien handgefertigt. Vor der Auslieferung werden die Instrumente dann in Deutschland oftmals „geplekt“ (supergenaues Abrichten der Bünde). Dies sorgt für eine optimale Bespielbarkeit.
Die Modelle von Maybach orientieren sich vor allem an Klassikern der 1950er- und 60er-Jahre. Dazu zählen:
- Lester: angelehnt an die Gibson Les Paul (z. B. Lester ’59)
- Albatroz: Modell im SG-Stil
- Jetwing: Modell im Flying-V-Stil
- Texonian & Stradivari: T- und S-Style-Modelle
Maybach ist auch bekannt für seine „Aged“-Modelle, bei denen künstliche Alterungsspuren für eine Vintage-Optik und -Haptik sorgen. Auch der Korpus und die Hardware unserer heutigen Testkandidatin wurden „light geaged“. Ihr fortgeschrittenes Alter – Damen fragt man ja nicht danach – nimmt man ihr sicherlich ab, obwohl sie brandneu ist. Gehen wir ins Detail.
Maybach Texonian T61 CS – Facts & Features
Die Gitarre wird in einem sehr schönen braunen Rechteckkoffer ausgeliefert, der innen mit dunkelgrünem Samt ausgekleidet ist.

Die Maybach Texonian T61 CS in der Farbgebung So Wild Papaya. Der Luxuskoffer im Vintage-Stil ist mit grünem Samt ausgekleidet.
Im Koffer finden wir auch die „Papiere“ und das Zertifikat, dass die Gitarre geplekt wurde.
Die Gitarre ist hervorragend verarbeitet und bedient sich ausgewählter Hölzer. Die LeoSounds-Maybach-Special-Single-Coil-Pickups sind für ihren sehr ansprechenden Sound bekannt. Das leicht ge-agte Finish sorgt vor allem in diesem Farbton für einen individuellen Look, der so ansonsten kaum zu finden sein dürfte. Die Gitarre ist eine absolut klassische Telecaster nach bekannter Bauart und so klingt sie auch. Anbei zum „Anfixen“ schon mal einige Country-Licks auf dem Steg-Pickup.
Was will man mehr? So muss eine gute Telecaster klingen. Den typischen „snappy“ beziehungsweise „twangy“ Sound liefert sie mit Bravour, aber sie kann natürlich auch viele weitere Stilrichtungen überzeugend transportieren, wie wir im Abschnitt Sound später noch hören werden.
Korpus
Der Korpus der Maybach Texonian T61 CS wurde aus gerösteter Erle gefertigt. Diese „Röstung“ befreit das Holz von Feuchtigkeit und macht es etwas resonanter und leichter. Dennoch wiegt die Gitarre laut Küchenwaage ca. 3,6 kg, was für eine Telecaster noch im grünen Bereich ist. Der Korpus wird von zwei geagten Bindings umschlossen.
Die Verarbeitung des Instruments ist absolut top. Das Aging erfolgte mit Liebe zum Detail und wirkt sehr natürlich. Das mag unter anderem auch daran liegen, dass hier Nitrolack zum Einsatz kam, so wie bei den Instrumenten aus der Vintage-Ära.
Die Farbe der Gitarre trifft fast genau den Look meines alten Orange-Overdrive-Verstärkers aus den späten Siebzigern, der inzwischen ebenfalls schön verblasst ist.
Features in Kürze
- Farbe: Wild Papaya
- Schöner Rechteckkoffer inklusive
- Korpus aus gerösteter Erle
- Geschraubter Hals aus massivem Riegelahorn
- Palisandergriffbrett mit Dot-Griffbretteinlagen
- Zweifache weiße Bindings
- Griffbrettradius: 9,5″
- Mensur: 648 mm
- Sattelbreite: 42,8 mm, Knochensattel
- Zwei LeoSounds Maybach Special Single-Coils
- 1 Volume- und 1 Tone-Regler, 3-Wege-Schalter
- Maybach by T-Tune Steg
- Kluson Deluxe Backlock / Locking-Mechaniken
- Besaitung ab Werk: D’Addario EXL110 .010–.046
- Nitrolack, Finish: aged
- Hergestellt in der Tschechischen Republik
Hals
Der Hals aus Ahorn ist auffällig schön geriegelt, was der Gitarre etwas Edles verleiht. Die Bundierung des Palisandergriffbretts erfolgte perfekt. Das gilt gleichfalls für das Abrichten und Polieren der 21 Bünde.
Der Hals ist mit seinem 9,5″‑Radius eher vintage-mäßig als sportlich ausgelegt. Da er recht stabil und kräftig ausfällt, dürfte er nicht jedem liegen. Mit kleinen Händen könnte man es hier schwer haben.
Elektrik & Hardware
Die Hardware der Gitarre wurde geagt, wobei man es erfreulicherweise nicht übertrieben hat. Der „Aschenbechersteg“ glänzt matt, auch die Messingbrücken wurden mattiert beziehungsweise vom Glanz befreit. Letztere sind nicht einzeln einstellbar, sondern werden paarweise justiert. Die Oktavreinheit ist dabei aber überraschend exakt. Auch die Tonabnehmer wurden glaubwürdig gealtert.
Die Telecaster gilt als stimmstabilste E-Gitarre der Welt. Viele behaupten, dass ihre Telecaster selbst nach Wochen im Koffer oder nach Transportwegen und Temperaturschwankungen noch perfekt gestimmt sei. Um die Stimmstabilität auf die Spitze zu treiben, hat man bei der Maybach Texonian T61 CS zusätzlich Locking-Mechaniken installiert. Diese wurden ebenfalls moderat geagt. Auch der Steg wirkt überzeugend echt beziehungsweise glaubwürdig.
Oft sehen Gitarren, die 50 oder 60 Jahre auf dem Buckel haben und ständig gespielt wurden, noch erstaunlich gut aus und nicht etwa so „heruntergerockt“, wie man sie in diversen Custom Shops unter „Heavy Relic“ zu sehen bekommt. Wird eine Gitarre viel gespielt und gut behandelt, kann sie auch nach langer Zeit noch erstaunlich jung aussehen. Natürlich müsste sie bei regelmäßigem Einsatz in einem solchen Zeitraum ein- bis zweimal neu bundiert werden. Das lässt sich nicht vermeiden, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.
Wer sich für die Alterung von Hardware interessiert, findet im Netz einige „nerdige“ Foren, die genaue Anleitungen bieten, wie man ein Aging glaubwürdig vornimmt. Oft wird die Hardware mit Stahlwolle mattiert oder mit Salzsäure behandelt, der Body mit Metallgegenständen malträtiert oder „durch den Dreck gezogen“, mit Asche eingerieben oder Ähnlichem. Manchmal führt dies zu schrecklich unglaubwürdigen Ergebnissen. Das Hantieren mit Säure ist zudem nicht ungefährlich. Besser, man überlässt das Aging – zumindest bei einem wertigen Instrument – den erfahrenen Fachleuten.
Handling
Die Maybach Texonian T61 CS liegt ausgewogen auf den Knien. Das Gewicht beläuft sich laut Küchenwaage auf knappe 3,6 kg, damit ist sie nicht unbedingt ein Leichtgewicht. Der Hals ist recht kräftig, liegt dennoch sehr gut in der Hand und bietet eine angenehme Bespielbarkeit – vorausgesetzt, man verfügt über entsprechend große Hände.
Sound
Dass Maybach Texonian T61 CS auf dem Steg sehr schöne Ergebnisse liefert, haben wir bereits gehört. Checken wir nun, was sie sonst noch kann. Beide Tonabnehmer parallel geschaltet bieten den optimalen Sound für funky Rhythmusgitarren oder Rockabilly.
Auch der Hals-Pickup klingt sehr schön. Der Sound inspirierte mich augenblicklich zu Hendrix-mäßigen Chords und Linien.
Wir schalten auf den Steg-Tonabnehmer. Rocken kann sie auch.
Selbstverständlich muss man mit dem typisch auftretenden Brummen leben, das bei Single-Coil-Tonabnehmern und heftiger Verzerrung naturgemäß auftritt. Dieses hält sich bei den verbauten Tonabnehmern erstaunlicherweise, vermutlich aufgrund der guten Qualität, in Grenzen. Aktive Tonabnehmer oder Humbucker im Single-Coil-Format klingen letztlich einfach nicht genau so wie ein „Einspuler“. Das liegt in der Natur der Sache, auch wenn sie klanglich oftmals sehr nahe herankommen.
Verzerrt auf dem Hals-Tonabnehmer kann sie enorm „bluesy“ klingen.
Insgesamt klingt unsere Testkandidatin so, wie eine sehr gute Telecaster klingen sollte: twangy, drahtig, fett oder bei Bedarf sogar bluesy beziehungsweise jazzy auf dem Hals-Pickup.
Signalweg: Maybach Texonian T61 CS → Peavey Classic 20 Minihead → Mesa/Boogie 1×12″ Thiele-Box mit Creamback-Celestion-Lautsprecher → Sennheiser e906 → MOTU M4 → Mac Studio mit Logic, keine Effekte außer etwas Hall vom Amp.






































„Besser, man überlässt das Aging – zumindest bei einem wertigen Instrument – den erfahrenen Fachleuten.“
Ich wäre für: besser, man es gleich sein. Ansonsten, schöne Gitarre.
@Tai „Hey, Du hast ja eine coole neue Gitarre. Aber – NEIN – OMG!!! Ist die etwa WIRKLICH neu????“
@Metaphistopheles Das hat kein Mojo…
@mort76 Wer Mojos nachmacht oder verfälscht,
oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Umlauf bringt,
wird mit DSDSS nicht unter 2 Jahren bestraft.
(stand so oder ähnlich auf den Geldscheinen mit dem alten Mojo) :-)
@Tai Ich gebe ganz offen zu, ich verstehe diesen Aging-Trend einfach nicht. Wenn ich mir ein neues Instrument kaufe, möchte ich ein neues Instrument haben. Und danach darf das Instrument gerne in meinen Händen alt werden. Aber vielleicht dachte man sich, was bei Jeans funktioniert geht auch bei Gitarren. Ich warte eigentlich nur noch auf den ersten „geageden“ Minimoog. Natürlich gegen einen satten Aufpreis.😉
Hoi! Die CS Special kann jetzt auch mit einem schmaleren Profil und Trussrod am Headstock geordert werden… Beides Punkte, die sich einige Player gewünscht haben… ;) So als Info am Rande. Ansonsten, tolles Review!
Meine Lieblingsgitarre ist eine Japansquier, die mich seit 35 Jahren begleitet. Da fehlt stellenweise Lack, überall sind Kratzer und Dellen drin und hinten am Hals sieht man genau, in welcher Lage ich am liebsten spiele. Heavy Ageing vom Hersteller sieht aber immer ganz anders aus 🙂