Test: Mesa Boogie, Express Plus 5:50, Gitarren-Röhrencombo

18. Dezember 2012

Boogie Express 5:50+

Es gibt ja Momente im Leben eines Autors von Amazona, in denen man seinen Job ganz besonders schätzt. Nämlich dann, wenn sich Equipment von legendären oder gar „kultigen“ Firmen zum Testen ankündigt. So geschehen auch bei unserem heutigen Testkandidaten, dem Mesa Boogie Express Plus 5:50 Gitarrencombo. Was ranken sich nicht alles für Geschichten und Mythen um die von Randall Smith im Jahre 1969 im kalifornischen Städtchen Petaluma gegründete Amp-Schmiede, die auch heute noch ihre Verstärker von einer beschaulichen Anzahl Mitarbeiter weitestgehend in Handarbeit anfertigen lässt. Was einst mit dem Tuning von Fender Amps begann, ist bis heute zu einer stattlichen Linie von Röhren-Combos, Röhren-Tops, Preamps, Endstufen und Boxentypen herangewachsen. Allesamt natürlich mit dem Ziel, den perfekten Röhrensound zu produzieren. Und bei so einem Vorhaben dürfen die Kosten selbstverständlich keine Rolle spielen, was sich logischerweise auch auf den Verkaufspreis niederschlägt. So blieben und bleiben Verstärker von Mesa Boogie wohl für viele oft nur ein Wunschtraum. Aber träumen ist ja erlaubt und der Express Plus 5:50 ist zudem für knapp unter der magischen „Zweitausend-Euro-Grenze“ zu bekommen. Vielleicht doch ein Grund, um aufzuwachen?

-- Der Mesa Boogie Express 5:50+ --

— Der Mesa Boogie Express 5:50+ —

Lieferumfang/Aufbau/Features

Geliefert wird der Express Plus 5:50 inklusive einer Staubschutzhülle, einem Handbuch und nicht zuletzt mit dem passenden Fußschalter. Dieser befindet sich im Auslieferungszustand, mit dem dazu gehörigen und ausreichend lang dimensionierten Kabel, im Innern der zu dreiviertel geöffneten Rückwand des Gehäuses. Die Maße des Combos sind gar nicht mal als beeindruckend, sondern eher sogar als zierlich zu bezeichnen. Denn mit einem Gewicht von 25 kg und einer Gehäusegröße von 570 x 470 x 293 mm ist er, im Gegensatz zu vielen anderen Röhrencombos derselben Leistungsklasse, diesbezüglich eher ein bescheiden auftretender Kollege.

Erwartungsgemäß positiv fällt der erste Eindruck beim Betrachten des Express Plus 5:50 aus. Feinste Verarbeitung und Materialien, wohin der Blick auch geht. Angefangen mit dem robusten und bestens verarbeiteten Tolex-Bezug zum Schutz des Gehäuses, über die Schalter und Knöpfe bis hin zur Rückwand, welche dem Betrachter durch ihre „Offenheit“ einen genauen Einblick auf die Röhren, die Trafos und den verbauten 12″ Celestion Speaker erlaubt. Die Rückseite des Express Plus 5:50 hat aber noch eine Menge mehr zu bieten, schauen wir uns aber zunächst mal das Bedienpanel und die Möglichkeiten an, die der Verstärker besitzt.

Das Bedienpanel

Der Combo bietet grundsätzlich zwei voneinander unabhängige Kanäle, von denen jeder mit ebenfalls zwei Grundsounds ausgestattet ist. Kanal 1 bedient die cleanen und crunchigen Sounds, Kanal 2 widmet sich ausschließlich den Distortion-Sounds. Mittels Metall Mini-Switches lassen sich die jeweiligen Modi Clean/Crunch bzw. Blues/Burn anwählen, somit stehen dem Benutzer faktisch vier Grundsounds zur Verfügung. Allerdings wird der Amp dadurch nicht wirklich zu einem echten Vierkanaler, denn man muss sich schon vorab für zwei der vier verschiedenen Grundsounds entscheiden. Hinzu kommt, dass sich über den mitgelieferten Fußschalter auch nur zwischen den beiden Kanälen wählen lässt. Dennoch bietet der Express Plus 5:50 so schon eine saftige Grundausstattung an Sounds, die vielen Ansprüchen genügen sollten. Hat man sich dann für die Auswahl von einem der vier Presets entschieden, stehen ein GAIN-Regler und eine Dreiband-Klangregelung (TREBLE, MID, BASS) zur Klangformung zur Verfügung. Ein REVERB-Regler pro Kanal bestimmt die Intensität des röhrenbetriebenen Federhalls und das Poti mit der Bezeichnung MASTER schließlich dient zum Justieren der Ausgangslautstärke.

-- Bedienpanel --

— Bedienpanel —

Also alles sehr einfach und übersichtlich angeordnet. Und zudem sehr solide und wertig anfühlend, denn die Potis laufen sehr satt auf ihren Achsen und besitzen keinerlei verwirrende, bunt aufgedruckte Skalierung. Hier heißt es „drehen, hören und staunen“ – soviel sei schon mal vorab bezüglich des zu erwartenden Sounds verraten!

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    sir stony

    Ein echt toller Amp, gar keine Frage. Allerdings finde ich das „Best Buy“ Prädikat angesichts des Preises sehr fragwürdig, denn in dieser Klasse gibt es noch mehr heiße Kandidaten für die verschiedenen Geschmäcker, die ebenso überzeugend sind. Obwohl ich auch der Meinung bin dass so ein Mesa Combo für eine einigermaßen breite Zielgruppe der „Amp für’s Leben“ sein kann – und daran gemessen ist der Preis gar nicht so schlimm.
    Dennoch kann man hier nicht von einem echten Preis-Leistungs Monster sprechen, was für mich ein „Best Buy“ deklarieren sollte. Die 3 Sterne sind aber ohne eine Sekunde des Zweifels angemessen.

  2. Profilbild
    midifail

    Netter Test eines sehr schicken Verstärkers.

    Ich bin glücklicher Besitzer eines 5:50 Plus Topteils und bin sehr begeistert.

    Allerdings sind zwei Stellen des Testberichts nicht ganz korrekt:
    1) Die Preset-Depth Regler regeln nicht global die Intensität des EQs, sondern nur die Intensität des Presets, welches pro Kanal alternativ zu den EQ-Slidern verwendet werden kann. Ist der EQ auf „Sliders“ eingestellt, haben die Preset-Depth-Potis keinerlei Funktion.

    2) Es gibt keinen Brust-Mode. Der nennt sich (wie auch im restlichen Test korrekt bezeichnet) Burn.

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Hey midifail,

      „Brust-Mode“ klingt aber auch witzig :)

      Danke für deine Ergänzungen, ist wohl im Artikel nicht so rübergekommen.

      Viel Spaß noch auf Amazona!

      Stephan

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