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Test: MFB-522, Analog-Drumcomputer

12. April 2009

Kleine Analog-Drumbox aus Berlin

Manfred Fricke ist derzeit sehr produktiv und stellt in kurzer Folge diverse neue Analogdrums vor. Für ein paar Tage konnte ich mir den Prototypen des MFB-522 ansehen, an dem laut Hersteller bereits einige Modifikationen vorgenommen wurden, so dass die kleine Kiste bereits wie das Serienmodell klang, das ab Mai erhältlich sein soll.

Die Bezeichnung 522 deutet es an, dass dieser Drumcomputer keine komplette Neuentwicklung ist, sondern eine überarbeitete Version des in die Jahre gekommenen Modells 502 darstellt. Die Erneuerungen betreffen vor allem die analoge Klangerzeugung, welche komplett überarbeitet und obendrein erweitert wurde. Andere Punkte, wie das MFB-typische Mini-Plastikgehäuse, die Achspotis und das eigenwillige Konzept der 8 Taster für die 16 Sequenzersteps, wurden beibehalten. Schaun mer mal, wie das Ganze sich so macht.

Ein erster Blick auf den MFB-522 Drumcomputer

Wie gesagt, besitzt auch der MFB-522 das kleine Gehäuse, das man von MFB-Geräten wie dem Drumcomputer 503, dem Sequenzer Step64oder dem SynthLite kennt. Es ist kompakt, leicht und handlich, aber auch nur in Maßen bedienfreundlich. Die gering dimensionierte Oberfläche macht sich speziell beim Vorgänger 502, und somit natürlich auch beim 522, suboptimal bemerkbar, denn hier wurden 25 Potis, 15 Taster sowie ein Schalter und der Temporegler untergebracht – es geht also ziemlich beengt zu. Natürlich lassen sich alle Taster vernünftig drücken und Regler drehen, aber wirklich komfortabel ist das nicht unbedingt zu nennen.

Rückseitig kann der MFB-522 immerhin mit vier Einzelausgängen neben der Stereosumme aufwarten, welche allerdings als 3,5mm Miniklinken ausgeführt sind. Daneben passten nur noch Netzteil- und MIDI-Eingangsbuchse; auf MIDI-Out oder -Thru wurde in Ermangelung von Platz und Funktionalität verzichtet.

Klang & Klänge des Analogen Drumcomputers

Der MFB-522 ist ebensowenig der Clone eines Klassikers, wie andere MFB-Drummies vor ihm. Es gibt zwar bedingt durch den Schaltungsaufbau gewisse Ähnlichkeiten im Charakter mit den Roland TRs, aber ein ausgewiesener 808-Clone wie etwa Acidlabs “Miami” ist der MFB-522 keinesfalls. Wer das hier erwartet, würde sich den kleinen Roten wohl kaum anhören. Was jedoch schade wäre, denn der MFB-522 ist es allemal wert gehört zu werden. Klanglich hat er mit dem Vorgängermodell 502 kaum noch etwas gemein, alle Sounds wurden durch die Überarbeitung deutlich aufgewertet. Die meisten Sounds lassen sich editieren, jedoch sind die Bereiche der Parameter nicht all zu weit gefasst, sondern in einem sinnvollen Rahmen begrenzt. Der MFB-522 ist zwar ein Analog-Drummie, aber eben kein Drumsynthesizer wie etwa Vermonas DRM.

Einige Instrumente teilen sich einen Kanal, das heißt, sie lassen sich nicht zur gleichen Zeit spielen, aber sie können im gleichen Pattern auf unterschiedlichen Steps verwendet werden. Andere Klänge sind in verschiedenen Längen bzw. Tonhöhen innerhalb eines Patterns programmierbar.

Die Bassdrum basiert auf einem selbstozillierenden Filter, welches einen runden, weichen Sound erzeugt. Es macht eher “Boom” als “Rumms”, wenn ich es mal so formulieren darf. Tune und Decay können selbstverständlich justiert werden, und mit Tone wird dem Attack mehr Prägnanz verliehen. Das Decay reicht vom kurzen Kick bis zu einer schön ausklingenden, satten Bassdrum, wie sie gern bei (Old School)-Electro und Hip Hop eingesetzt wird. In einem Pattern kann die Bassdrum mit zwei verschiedenen Längen programmiert werden. Wählt man die Bassdrum normal an, gilt das am Regler eingestellte Decay, drückt man die Bassdrum-Taste bei der Instrumentenauswahl zwei mal, wird ein kurzes, fest eingestelltes Decay gesetzt. Leider sieht man den Step-LEDs nicht an, welche Variante dort gesetzt wurde, hier muss das Gehör zu Rate gezogen werden.

Die Snare verfügt nur über Noise- und Tone-Parameter. Ein Decay fehlt, aber das gab es ja bei nur wenigen alten Drummaschinen. Der Sound ist sehr ausgewogen und trifft meiner Meinung nach perfekt den typischen Analog-Snare-Charakter – da stört die begrenzte Editerbarkeit eigentlich nicht. Nicht ganz so gelungen ist hingegen der Rimshot, welcher sich den Kanal mit der Snare teilt. Dem Klang fehlt es ein wenig an Substanz und Präsenz. Als unauffälliger Percussionsound im Hintergrund funktioniert er jedoch passabel.

Der Handclap ist der variabelste Sound der Maschine. Mit den drei Parametern Decay, Filter und Attack lässt sich der Klang vom trockenen “Ratsch” bis zum lang nachhallenden Clap verdrehen. Gefällt mir ausgesprochen gut. Wie die Bassdrum kann auch der Clap in zwei Längen programmiert werden.

Tom und Conga sind ähnlich wie bei der TR-808 als alternativ nutzbare Sounds vorhanden. Mit einem Schalter muss man zwischen beiden wählen, kann sie also nicht parallel einsetzen. Mit Tune und Decay ist die Editierbarkeit denkbar gering, aber bei einem Sinus-basiertem Klang gibt es halt nicht viele Möglichkeiten. Adäquat zu Kick und Clap lässt sich das Tom (bzw. die Conga) in drei Tonhöhen, anstatt mit unterschiedlichen Längen programmieren. Die Anwahl mit 1, 2 oder 3 Tastendrückern kann hier allerdings schon mal nerven, wenn man eine kompliziertere Tom/Conga-Figur programmieren will. Es handelt sich übrigens nur im einen Sound, nicht um drei separate Toms/Congas. Man kann High und Low also nicht auf einem Step setzen, und bei lang ausklingenden Sounds schneiden sich die Drums gegenseitig ab.

Cowbell und Clave teilen sich einen Kanal. Während die Clave nur in der Lautstärke geregelt werden kann, verfügt die Cowbell über Decay und Tune, wobei Tune nicht die Stimmung, sondern die Verstimmung der Klangs regelt. Hier kann man sich den Umstand, dass sich zwei Instrumente einen Kanal teilen zu Nutze machen, indem man die Clave zum Abstoppen einer langen Cowbell verwendet, so dass man auch hier zwei verschieden Längen in einem Pattern programmieren kann.

Bleibt noch das Blech in Gestalt von Cymbal und Hihat. Diese haben zwar eigene Kanäle, nutzen jedoch für den Klang eine gemeinsame Oszillatorbank, auf die übrigens auch die Cowbell zugreift. Demzufolge wirkt sich das Tuning auf diese drei Instrumente gleichermaßen aus. Was zunächst als Einschränkung scheint (und in der Tat auch ist), klingt in der Praxis ganz witzig. Wenn man mit einem Dreh gleich drei Instrumente im Tuning verändert, bekommt man unwillkürlich den Eindruck, dass sich das Tempo verlangsamt bzw. beschleunigt. Ansonsten arbeiten Cowbell, Cymbal und Hihat unabhängig, wobei open und closed Hihat sich natürlich gegenseitig ausschließen. Das Cymbal kann mit Decay und Tone, dem Mischungsverhältnis von zwei Bandpassfiltern, klanglich angepasst werden.

Insgesamt hat der MFB-522 einen gefälligen, runden Klang. Einzelne Sounds erinnern zwar an den Klassiker TR-808, andere sind dafür eigenständiger. Für harte Musikstile scheint mir der Drummie weniger geeignet zu sein, denn man erreicht keine verzerrten oder sonstwie extrem verbogenen Klänge. Aber im weiteren Electro-, Electronica- oder House-Umfeld, sowie 80s Pop und verschiedenen Black Music-Sparten kann man sich den leicht Old School-orientierten Sound gut vorstellen. Übrigens ist der Ausgang der MFB-522 für eine Analogmaschine erstaunlich sauber. Rauschen, Sirren oder Ähnliches sind so gut wie nicht wahrnehmbar.

Pattern und Sequenzer des MFB-522

Die 72 eintaktigen, bzw. bei der Verwendung der Fills zweitaktigen Pattern des Sequenzers arbeitet nach dem hinlänglich bekannten Lauflichtprinzip. Jedoch gibt es hier die Eigenheit, dass für die 16 Steps nur 8 Tasten vorhanden sind. Ergo ist eine Taste für zwei Steps zuständig. Zwischen diesen beiden Steps wechselt man mit der Shifttaste und drückt dann die gewünschte Steptaste. Das ist ziemlich gewöhnungsbedürftig, man kann schnell mal den falschen Step setzen. Ärgerlich wird das, wenn man dabei einen Step erwischt, bei dem eine andere Tonhöhe oder Länge gesetzt wurde. Um den gelöschten Step wieder zu “reparieren” muss man erst die entsprechende Instrumentenvariante neu anwählen, den Step neu setzen, dann zum vorherigen Sound zurück wechseln und den nächsten Step diesmal richtig platzieren. Das liest sich kompliziert und ist in der Praxis auch so. 16 Steptaster, und seien sie so klein wie beim MFB-503, sind mir einfach deutlich lieber.

Neben den Instrumentenspuren gibt es noch eine Accent-Spur, die sogar über zwei Stufen verfügt. Man kann einen positiven oder einen negativen Accent pro Step setzt, der dann für alle Instrumente gleichermaßen gilt. Man hat also zusammen mit der originalen Lautstärke drei Stufen zur Verfügung. Eine eigentliche Justierung der Accent-Stärke gibt es jedoch nicht.

Eine weitere Funktion des Sequenzers ist der Shuffle, welcher über drei Stufen verfügt. Der Shuffle wirkt global, kann also nicht pro Pattern abgespeichert werden. Die Shuffle-Stufen werden nacheinander aufgerufen, jedoch gibt es keine optische Anzeige, welche Stufe gerade aktiv ist. Bei Rhythmen mit wenigen gesetzten Steps kann man nicht immer sofort hören, welche Stufe gewählt wurde oder ob der Shuffle überhaupt aktiv ist.

Ein Größenvergleich mit der Kult-Drumbox Roland TR-808

Workflow oder Work-stop-and-go?

Wie man aus den vorherigen Absätzen entnehmen kann, gibt es beim MFB-522 einige Eigenheiten, die einem das Leben nicht unbedingt leichter machen. Diese Umstände sind allesamt der kompakten Bauweise und damit einhergehend dem Endpreis geschuldet. Kann man sich damit arrangieren? Das hängt meiner Meinung nach nicht unwesentlich davon ab, wie häufig und intensiv man mit dem MFB-522 arbeiten will. Wer den Drumcomputer nur gelegentlich einsetzt, wird vermutlich öfter mal bestimmte Tastenkombinationen oder die Arbeitsroutine mit der Shifttaste vergessen. Wenn man hingegen ständig Beats bastelt, wird man sich über kurz oder lang darauf einfuchsen. Die Frage ist, ob man das auch will oder sich lieber eine etwas besser ausgestattete Maschine zulegt?

Ein anderes Detail gefällt mir auch nicht unbedingt, und zwar, dass der Temporegler keine Rastung besitzt. Stößt man unbeabsichtigt an, findet man das vorherige Tempo nicht exakt wieder.

Midi & Drummodul

Ach ja, MIDI gibt es auch. Über den Eingang kann der Sequenzer mit einem anderen Sequenzer (Drummaschine, Groovebox, DAW) synchronisiert werden. Alternativ ist der MFB-522 auch als Drummodul nutzbar, in dem die Sounds via MIDI-Noten gespielt werden können – und das sogar dynamisch.

Fazit

Hmmmm, nicht ganz einfach das Fazit. Zum einen ist der MFB-522 eine klare Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Die Sounds klingen wirklich gut, insbesondere gefallen mir die Basisklänge Kick, Snare, Clap und Hihat. Auf der anderen Seite hätte ich mir ein großzügigeres Gehäuse und damit einhergehend eine bessere Bedienbarkeit gewünscht. Klar, wäre das auch teurer (und zwar nicht nur 20 Euro), aber ich arbeite nun mal lieber mit einer 808 als mit einer 606. Die “Alternative” wäre derzeit die “Miami” von Acidlab, die jedoch mehr als das Zweieinhalbfache kostet und als 808-Clone einen anderen Ansatz verfolgt. Klein und günstig oder groß und teuer, das muss man abwägen. Was die Sounds angeht, kann ich den MFB-522 absolut empfehlen. Ob man sich mit den Eigenheiten der Bedienung anfreunden kann, ist wohl nur im Selbstversuch zu eruieren.

Plus

  • gute Sounds, insbesondere Kick, Snare, Clap und Hihat
  • Einzelausgänge
  • nebengeräuschfreier Klang
  • Sounds via MIDI dynamisch spielbar
  • leicht zu transportieren

Minus

  • nur acht Tasten für 16 Steps
  • nicht Wurstfinger-kompatibel
  • Shuffleeinstellung nicht sichtbar
  • Temporegler nicht gerastet

Preis

  • UVP: 280 Euro
Klangbeispiele
Forum
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    D-Drummer  

    Sehr lustige Kiste! Hab ich mir gerade angeschafft und kanns nur empfehlen. Klingt super und Bedienung finde ich jetzt nicht so schlecht, muss man sich nur dran gewöhn.

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    ingokognito

    Also „nebengeräuschfreier Klang“ kann ich so nicht stehen lassen. Bei meiner ist über den Mixausgang ein deutlich hörbares Surren zu hören, was vor allem von der Hihat kommt und dass erst deutlich leiser wird, wenn ich die dann über den Einzeloutput rausführe.
    Finde ich merkwürdig, scheint aber bis zu einer Lautstärke von -48db laut MFB normal zu sein.
    Ich bin am Überlegen die deswegen zurückzugeben, aber wenn das normal ist, bringt mich das auch nicht weiter, weil sie an sich eine gut klingende Maschine ist…..

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      mummstyle

      Bei meiner 522 rauscht es überhaupt nicht in den Einzelausgängen. Allerdings bei dem Vorgänger, der 502. Da hatte ich sogar Übersprechnungen verschiedener Drumkanäle!

      Ich würde die 522 umtauschen!

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        ingokognito

        Ich habe sie doch behalten, weil mir der Klang einfach zu gut gefällt.
        Laut Herrn Fricke sind Nebengeräusche bis zu einem bestimmten Pegel normal.
        Daher habe ich mich damit arrangiert.
        Was Du jetzt sagst bringt mich aber wieder zum Grübeln……

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          mummstyle

          Ich würde entweder Herrn Fricke fragen, ob er das Rauschen vielleicht noch reduzieren kann – oder das Gerät behalten und auf dem HH-Kanal ein Noise-Gate benutzen:)

          Hört sich nähmlich echt gut an die 522!

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            ingokognito

            Hähähä, er hatte mir geraten, wenn es zu laut ist, die Maschine umzutauschen ;-)
            Es ist ja auch kein rauschen, sondern eher so ein hochfrequentes sirren, schlecht zu beschreiben.
            Im Mix geht das unter, daher mache ich mir jetzt keine großartigen Gedanken.
            Mit ’nem Noisegate würde ich eher nicht an die Hihats gehen – und da ist es ja am lautesten.
            Ich habe mir jedenfalls extra für die Maschine wieder ein nettes, externes Effektgerät angeschafft und nutze meinen Mixer wieder. Da merkt man erst was einem bei dem ganzen virtuellen Kram gefehlt hat…….;-)

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    Vogelmensch

    Also ich bin mit dem Sound sehr zufrieden,super eigenständiges Gerät.
    Alleine die Rimshot ist etwas lau.
    Keine störenden Nebengeräusche bei meiner 522.

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