Test: MFB Microzwerg

11. Dezember 2010

MFB Microzwerg

Es ist zwar „erst“ der sechste Zwerg von MFB, aber wohlmöglich ist der Microzwerg das letzte Gerät aus dieser Produktserie. Nicht dass man von Manfred Fricke nichts Neues mehr erwarten kann, nein das Gegenteil ist der Fall, aber mit seinem jüngsten Gerät hat er das Thema halbmodulare Synthesizer im eigenen Reigen im Grunde genommen abgeschlossen. Aber wer weiß …

 

MFBs neue Mittelklasse

MFBs neue Mittelklasse

 

Der kompakte Microzwerg tritt in gewisser Weise die Nachfolge des schon seit einiger Zeit nicht mehr erhältlichen Synth Lite II an. Allerdings handelt es sich hier abgesehen von der Gehäusegröße um zwei grundverschiedene Teile. Der Synth Lite II war ein Hybridsynthesizer mit digitalen Oszillatoren, Speicherplätzen und vollständiger MIDI-Steuerung. Der Microzwerg hingegen setzt wie der Rest der Sippschaft, also Kraft-, Schlag-, Mega-, Nano- und Urzwerg, auf analoge CV-Steuerung sowie vollanaloge Klangerzeugung. Wie bei halbmodularen Synthesizern üblich, ist auch beim Microzwerg der Signalweg intern vorverdrahtet, kann aber über Patchverbindungen aufgebrochen werden. Sowohl um die einzelnen Elemente anders zu verbinden, als auch um mit anderen CV-fähigen Geräten zu interagieren. Da hier sinnvollerweise die weit verbreitete 1Volt/Oktave-Norm zum Einsatz kommt, stehen dem Microzwerg unzählige Spielkameraden zur Verfügung. Quasi alle modernen Modularsysteme von Doepfer bis Cwejman und viele der älteren Systeme sind hierzu kompatibel.

 

Nanozwerg x 2

Grob gesagt haben wir hier einen doppelten Nanozwerg vor uns. Der Microzwerg basiert auf den gleichen Schaltungen, hält aber fast alle Elemente der Tonerzeugung in zweifacher Ausführung parat, was ihn natürlich zu einem deutlich vielseitigeren Synthesizer macht. Da der Microzwerg aber nicht wesendlich größer als der Nanozwerg ist, gibt es bei der Bedienung kleinere Kompromisse. Grundsätzlich hat jede Funktion mit einem Regelweg auch einen eigenen Regler. Aber bei Schaltfunktionen wie der Anwahl von Wellenformen oder Filtermodes teilen sich die beiden Elemente jeweils den selben Taster. Mit einem Shift-Taster wird zwischen ihnen gewechselt. Das kann zu Anfang etwas verwirren, denn man muss stets zur Shift-LED schielen, ob nun 1 oder 2 angewählt ist. Es wird nämlich immer insgesamt umgeschaltet, also entweder zeigt die Oberfläche die „Zustände“ von VCO 1, VCF 1 und LFO 1 bzw. jeweils die Nummern 2 an. Mit zweifarbigen LEDs an den Funktionen (rot für alle Elemente 1, grün für 2) wäre das doch etwas übersichtlicher geworden finde ich. Aber gut, es geht auch so.

 

Patch me if you can

Patch me if you can

 

Oszillator x 2

Im Gegensatz zum Nanozwerg besitzt der Microzwerg zwei gleichwertige VCOs. Sie erzeugen die Standardwellenformen Saw, Square und Triangle, außerdem Noise und lassen sich ringmodulieren. VCO2 kann auch deaktiviert und VCO 1 mit dem Mix-Regler dann ausgeblendet werden, wenn man die Filtereingänge für externes Audio nutzen will. Es gibt auch die Möglichkeit zur Oszillatorsynchronisation, was dem Nanozwerg wie allen 1-Oszillatoren-Synthies naturgemäß fehlt. Doch einen Sync-Schalter sucht man vergeblich. Hier kommen die Patchbuchsen ins Spiel. Flugs eines der mitgelieferten Kabel vom VCO1-Ausgang zum Sync-Eingang gestöpselt und schon läuft VCO2 als Slave. Um es richtig Kreischen zu lassen braucht man aber noch eine Modulation des Slave-Oszillators. Also das nächste Kabel her und die Hüllkurve mit dem CV-Eingang von VCO2 verbunden. An dieser Stelle offenbart sich allerdings eine der Baugröße geschuldete Einschränkung: man kann diesen CV-Eingang nicht abschwächen. Es wird immer mit voller Intensität moduliert. Hier hilft nur der Griff zu externem Equipment. MFB hat dafür das Multifunktionswerkzeug Megazwerg parat, aber ein normaler VCA oder Mixer aus dem Modularsystem tut es auch. Am Gerät selbst kann man die fehlende Modulationstiefe für Sync-Sounds mit dem Tune-Regler einen ähnlichen Effekt halbwegs simulieren.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    mummstyle

    Ich finde auch, dass das der beste MFB-Synth ist! Hat viel vom Kraftzwerg und MFB-Synth II, nur alles verbessert und mit NOCH mehr Charakter!!!

    Genialer, inspirierender Synth!

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    AMAZONA Archiv

    Mit den gleichen Abmessungen wurde uns bisher der Synth Lite II zugemutet. Lobet den Herrn, dass dies nun ein Ende hat. Endlich ein ernst zu nehmender Analogsynthesizer. Weiter so!

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    AMAZONA Archiv

    Ich hab einen und finde es als Neuling enorm schwierig, ihn zu bedienen. Ausserdem bekomme ich fast nur acideske Klänge raus, ähnlich Euren Demos. Das nervt mich total, weil ich was anderes, sauberes will. Abschwächer hat etwas gebracht, klingt trozdem noch „billiger“ als ein darkenergy, der irgendwie viel räumlicher ist. Woran liegt das nur? Bekomme ich den „schöner“ indem ich nen anderen Filter oder nen anderen Oszillator einschleife? Ich habe eine Anregung zu machen: Die guten Tests werden sich bestimmt auf den Verkauf auswirken, wollt ihr da nicht vielleicht mal ein paar Patches aufbereiten, und der Leserschaft zur Verfügung stellen? Grüße, Alex

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      AMAZONA Archiv

      du musst mit der resonanz vorsichtig umgehen, der micro kann durchaus clean klingen, zudem arbeite mit dem filter-space regler, dadurch entschärfst du die resonanz und kannst bei bedarf auch sehr lebendige singende formantsounds erzeugen. ich habe bisher noch keinen einzigen acid like sound benutzt, recorde jeden tag mit dem micro. also, lass dir zeit damit und ergründe das gerät.

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      mummstyle

      Resonanz etwas rausnehmen, Space-Regler nach links und Lautstärke im Mischpult etwas erhöhen. Für cleane Sounds empfiehlt es sich, die MOD-Regler in der Mittelstellung zu lassen. Es kann z. B. bei einer hohen LFO-Rate und etwas aufgedrehtem MOD-Regler zu einer gewissen Portion „Dreck“ im Sound führen.

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    xh9o

    extremes gerät. das mit der zweiten hüllkurve ist schade, aber es geht bspw. über ein doepfer minicase günstig nachzurüsten. dann ist er eigentlich perfekt, irre vielseitig und kompakt. bei mir wird der vco-mix vom micro extern mit dem ouput vom morphing terrarium (synthesis technology/motm) gemischt, und dann in den filter geroutet. die ergebnisse sind sehr schnell sehr sehr unglaublich.

  5. Profilbild
    xh9o

    „Doppelbelegungen von Tasten und LED-Anzeigen, die nur über die Anleitung entschlüsselt werden können, kennt man ja schon von anderen MFB-Synthesizern. Nicht unbedingt die stärkste Seite der Firma.“

    das sehe ich anders. ich mag keine synths, an denen für wirklich alles noch ein rädchen und noch eine led ist. gerade diese doch nur latentest kryptischen wegefür einstellungen, die man alle paar wochen mal braucht, passen doch zum charakter und eben zur… vielschichtigkeit der geräte.

  6. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ich habe die Mk ll-Version, die den Synth wertiger erscheinen lässt, aber dennoch nicht ganz die (äußere) Qualität des Dark Energy erreicht. Trotzdem, ob solo oder in Kombination mit erwähntem DE oder einem Modularsystem, bringt er mehr Farbe ins Spiel. Er kann zwar in Richtung MS-20 tendieren, aber noch viel mehr (zum Glück). Für Sequencer-Sachen ist er mir fast zu schade; da nehme ich lieber den Synth Lite ll oder Nanaozwerg.

  7. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Der Microzwerg hat keine CV/Gate-Ausgänge und kann daher auch keine zweite Hüllkurve antriggern. Das funktioniert nur über einen gemeinsamen Master-Trigger/Gate wie dem A-190-3. Mit einem Master-Dark Energy oder -MicroBrute kann man aber auch deren Hüllkurve direkt dem Microzwerg zuführen und umgekehrt. So gelingen satte Stack-Sounds, aber auch softere Layers.

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