Test: MFB Nanozwerg Pro, Voice-Modul für Eurorack

5. Juli 2017

MFB-Zwerg fürs Eurorack

MFB („Manfred Fricke Berlin“) gehört seit Jahrzehnten zu den kleinen und feinen Synthesizer-Werkstätten, die uns immer wieder mit interessanten Produkten beglücken. Der neueste Spross hört auf den Namen MFB Nanozwerg Pro und ist eine Weiterentwicklung des MFB Nanozwergs, der trotz seiner sehr geringen Größe sehr amtlich zu klingen vermag und sich einer großen Beliebtheit erfreut. Den Testbericht meines Kollegen P. Lange kann ich nur empfehlen.

Aufbau

In erster Linie ist der MFB Nanozwerg Pro ein Nanozwerg ohne eigenes Gehäuse fürs Eurorack mit 24 Teileinheiten. Außerdem wurde der Aufbau an einigen wenigen Punkten geändert. Am Auffallendsten ist, dass eine zweite Hüllkurve hinzugekommen ist. Im Fachjargon handelt es sich hierbei um ein sogenanntes Voice-Modul, da es alle notwendigen Komponenten einer Synthesizer-Stimme enthält.

Steckbrief MFB Nanozwerg Pro

  • monophoner Analogsynthesizer mit einem VCO (Voice Modul fürs Eurorack)
  • Schwingungsformen: Dreieck, Sägezahn, Rechteck, Puls (keine manuelle Änderung der Pulsbreite möglich)
  • Suboszillator mit drei Oktavlagen und Rauschen
  • Multimode-VCF mit 12 dB Flankensteilheit: Lowpass, Highpass, Bandpass und Notch
  • LFO-Schwingungsformen: Sägezahn steigend und fallend, Dreieck, Rechteck, Puls, Zufall. Stufenlose Überblendung zwischen den Schwingungsformen
  • Hüllkurven: 2 ADS mit zuschaltbarer Release
  • 8 Eingänge, 6 Ausgänge
  • MIDI über Miniklinke (das passende Adapterkabel wird mitgeliefert)
  • M-Bus-Anbindung

Manfred Fricke in seinem Atelier in Berlin Zehlendorf

Klangerzeugung

Ein gut klingender VCO liefert das klangliche Grundmaterial für den MFB Nanozwerg Pro mit vier Schwingungsformen: Dreieck, Sägezahn, Rechteck und Puls. Die Pulsbreite lässt sich zwar modulieren, indes nicht manuell einstellen. Zusätzlich steht ein Suboszillator zur Verfügung, der eine oder zwei Oktaven oder eine Duodecime (Oktave plus Quinte) unterhalb des VCOs schwingt. Steht der Suboszillator auf der Stellung Noise, wird ein Rauschgenerator aktiviert. Über das Mixer-Poti blendet man von Stille (sinnvoll bei der Filterung externer Klangquellen) über den VCO zum Suboszillator und schließlich wieder zu Stille. Über den Sync-Eingang lässt sich der VCO zu einer externen Quelle synchronisieren (Hard-Sync), eine lineare FM ist hingegen nicht vorgesehen. Die Tonhöhe wird über einen vierstufigen Fußlagenschalter (32’ bis 4’) sowie einem Tune-Poti mit einem Wirkungsbereich von plus/minus 6 Halbtönen festgelegt.

Das Multimode-Filter des MFB Nanozwerg Pro bietet vier Betriebsarten und ist insgesamt klanglich sehr ergiebig. Die Resonanz reicht bis zur Selbstoszillation und lässt sich tonal sauber über mehrere Oktaven spielen, sofern man das Filtertracking mit der kleinen Potiachse sauber einzustellen vermag. Positiv fällt auf, dass das Ausgangssignal bei höheren Resonanzwerten nicht wesentlich an Lautstärke verliert. Zwei Potis regeln die Modulation der Filter Cutoff, wobei die Hüllkurve auch negativ wirken kann.

Modulation

Die beiden digital erzeugten Hüllkurven des MFB Nanozwerg Pro sind nach dem klassischen Minimoog-Prinzip aufgebaut, will heißen, die Release Zeit wird durch die Decay festgelegt und kann global zugeschaltet werden. Gewiss eine Einschränkung gegenüber einer klassischen ADSR, hingegen kommt man so auch schneller zum Ziel. Insgesamt halte ich den Kompromiss für gelungen. Die beiden Hüllkurven sind fest mit der Filter Cutoff und dem VCA verbunden und können natürlich auch extern abgegriffen werden, um jeden erdenklichen Parameter zu steuern. Hier zeigen sich die modularen Qualitäten des Nanozwergs. Er ist in der Tat ein vollmodularer Synthesizer.

Der LFO, ebenfalls digitaler Natur, besticht durch die stufenlose Überblendung zwischen den Schwingungsformen. Eine Besonderheit, die leider nur sehr selten vorkommt, obwohl sie musikalisch viel hermacht. Konkret kämen mir die Boomstar Desktop-Synthesizer von Studio Electronics in den Sinn. Der Frequenzumfang reicht bis in den Audiobereich und kann durch CV noch erweitert werden. Standardmäßig ist der LFO auf die Filter Cutoff sowie entweder die Tonhöhe oder Pulsbreite des Oszillators geroutet. Beides gleichzeitig ist nicht möglich. Interessant ist auch die One-Shot Funktion, die den LFO zu einer Minihüllkurve umfunktioniert.

MIDI und M-Bus

Was den MFB Nanozwerg Pro von allen anderen Voice-Modulen fürs Eurorack unterscheidet, ist das eingebaute MIDI-Interface. Aus Platzgründen erfolgt die MIDI-Anbindung über Miniklinke, das passende Adapterkabel gehört zum Lieferumfang.

Um den MIDI-Kanal einzustellen, genügt ein längerer Druck auf die Filter-Select-Taste, die gleich oberhalb des MIDI-Eingangs angeordnet ist. Dies versetzt den Nanozwerg in eine Art Learn-Modus, bei dem er sich den Kanal des eingehenden MIDI-Signals merkt. Und praktischerweise bleibt diese Einstellung auch nach Ausschalten des Modularsystems erhalten. Der Nanozwerg verarbeitet eingehende MIDI-Noten zwischen C1 und C6 und Pitch-Bending-Werte für plus/minus einen Halbton (100 Cent). Darüber hinaus lassen sich alle Parameter über MIDI-Controller steuern, was in der Modularwelt ein Unikum ist. Sinnvoll wäre ein eigener Knopf, um eingehende MIDI-Controller-Daten zu filtern.

Plug & Play funktioniert hier nur zum Teil. Bei meinem Testmodul reagierte der Oktavwahlschalter auf eingehende Sustainpedal-MIDI-Signale und sprang jeweils drei Oktaven hoch. Dies ist alles nicht weiter schlimm, aber eben eine andere Realität als das gewohnte und meist auch gewünschte “What-you-see-is-what-you-get”. Beim Nanozwerg empfiehlt sich ein Blick in die MIDI-Implementation.

Nebst MIDI ist auch eine mit M-Bus betitelte Schnittstelle vorhanden. Über zwei kleine Buchsen auf der Rückseite können M-Bus-fähige Module in Serie geschaltet werden. Das passende Kabel wird mitgeliefert. Manfred Fricke schreibt dazu:Der M-Bus ist ein serieller Bus (ähnlich MIDI) nur deutlich schneller und war ursprünglich nur für Drummodule geplant. Da unsere Module so viele Eingangsbuchsen haben, wird die Verkabelung bei mehreren Modulen recht schnell unübersichtlich, und einen Sequenzer mit so vielen Ausgängen gibt es nicht. Mit dem Sequenzer SEQ-01 Pro kann man z.B. neben 8 Modulen incl. 8 CV’s zusätzlich noch 16 Module inkl. 32 CV’s über den M-Bus steuern. Ein zweiter Aspekt ist die Ansteuerung von Synthesizern, auch polyphone, da wird sich in naher Zukunft noch einiges tun.”

Praxis

Der MFB Nanozwerg Pro ist einfach und logisch aufgebaut und lässt sich nach kurzer Zeit praktisch blind bedienen. Die Potis gehören zwar nicht zur Spitzenklasse in Sachen Feingefühl und Drehwiderstand, was auch nicht anders zu erwarten wäre. Sie sind eher klein und leichtgängig und lassen sich ganz passabel bedienen. Der Abstand zwischen den Potis ist angenehm groß, so dass man auch mit dickeren Fingern nicht seitlich anstößt. Einzig das Frequenzpoti ist für meinen Geschmack zu grob aufgelöst. Zum einen ist es gar nicht so leicht, den Nanozwerg exakt zu stimmen und zum anderen reicht eine minimale, versehentliche Berührung, um das Modul hörbar stark zu verstimmen. Hier wünschte man sich ein etwas weniger leichtgängiges Tune-Poti oder (noch lieber) zwei Potis für Grob- und Feinstimmung.

Soundtechnisch ist jedoch alles im grünen Bereich. Der Klang ist erstaunlich voll und voluminös. Ehrlich gesagt hätte ich dies bei den Abmessungen und vor allem bei dem Preis nicht erwartet. Der Signalweg ist vollanalog, was man unter anderem auch dem Oszillator anmerkt, der erst nach etwa einer Viertelstunde sauber über mehrere Oktaven spielbar ist. Eigene Sounds sind im Handumdrehen eingestellt, ob knackige Bässe, zarte Triangel-Lead-Sounds oder abgefahrene FX-Sounds: Der Nanozwerg Pro hat sie alle drauf. Stets kombiniert mit einer leichten analytischen Note. Ein durchaus interessanter Klangcharakter.

Was fehlt?

Einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. Und auch beim sehr günstigen MFB Nanozwerg Pro ist man versucht, nicht so genau hinzusehen. Schließlich bekommt man sehr viel Synthesizer mit erstaunlichem Klangpotential zu einem Preis, der bei anderen Herstellern gerade mal für zwei Hüllkurven reichen würde. Dennoch sei die Frage gestellt: Was hätte man bei dem bestehenden Konzept besser oder anders machen können? Aus meiner Sicht nur etwas: ein MIDI-synchronisierbarer LFO, da dies rein technisch betrachtet auf Grund der digitalen Herkunft des LFOs kein Problem wäre. Sobald eine MIDI-Clock anliegt, könnte sich der LFO automatisch synchronisieren, wobei Rate den Teilungsfaktor regeln würde. Für mich wäre dies ein Hammer-Feature, synchronisierbare LFOs sind nämlich Mangelware und kosten stets weit über 100,- Euro. Falls MFB mit einem Software-Update nachlegen könnte, wäre der Nanozwerg Pro nochmals eine Spur attraktiver. Gerade im Verbund mit einer Drummachine (gerne über M-Base verdrahtet) könnte der Nanozwerg Pro so zu einer amtlichen Groove Maschine mutieren.

Fazit

Eins muss man ihm lassen: Manfred Fricke überzeugt immer wieder mit sinnvollen und erfrischenden Konzepten. Das Besondere am MFB Nanozwerg Pro ist, dass er so simpel und “normal” aufgebaut ist: Ein Eurorack Modul mit VCO, VCF, VCA, zwei Hüllkurven, einem LFO, CV- und MIDI-Anschlüsse. Alles, was ein Synthesizer braucht. Nur dass dies bisher von keinem anderen Hersteller angeboten wurde. Und schon gar nicht zu diesem Preis.

Der Klang des MFB Nanozwerg Pro ist erstaunlich flexibel, von – Achtung Wortspiel – frickeligen Acidklängen, die ganz gut zu seiner Berliner Herkunft passen, bis hin zu (beinahe) East Coast Klängen. Analoge Brot-und-Butter Klänge sind ebenso möglich wie abgefahrene FX-Sounds. Dennoch sollte jedem klar sein, dass man sich hier keinen Minimoog Ersatz ins Studio holt.

Die Features-Liste ist länger, als man auf den ersten Blick erahnen könnte. Dass alle Parameter zusätzlich über MIDI-Controller steuerbar sind, ist eine willkommene Zugabe und für Eurorack Module höchst ungewöhnlich. Da sieht man auch gerne darüber hinweg, dass die Hüllkurven nicht zu den schnellsten des Planeten gehören. Insgesamt ein wunderbarer Komplett-Synthesizer fürs Eurorack zu einem sensationellen Preis. Absolut verdiente drei Sterne.

Plus

  • kompletter Synthesizer fürs Eurorack
  • MIDI
  • zahlreiche CV-Ein- und Ausgänge
  • Klang

Minus

  • LFO nicht über MIDI synchronisierbar

Preis

  • Ladenpreis: 249,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Atarkid  AHU

    Der Manfred ist ein Guter und hat’s einfach drauf! Übrigens feine, direkte Klangbeispiele und wie immer schön zu lesen, Dein Test. Ich liebe dieses ganze „Fricke-Zeug“. Ob’s die Drummachines sind oder die Synths. Da kommt immer viel mehr raus, als man zunächst vermuten würde. Der Dominion 1 für mich persönlich immer noch einer der besten Synthesizer, den MFB Synth hab ich leider nicht mehr *seufz*…

  2. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ich habe ja noch den Ur-Nanozwerg, dessen VCO und VCLFO werden vom Modular-System genutzt (viel mehr geben seine Patch-Buchsen nicht her) oder als Sequencer-Voice. Obwohl er nur 5 CV/Gate-Inputs und den LFO-Output besitzt, hat er mit VCA-In eine, die der Pro nicht hat (wegen 2. EG?). Beim LFO lassen sich nur die ersten drei Waveforms überblenden, das kann meiner nicht, aber bei beiden ist seine Rate CV-steuerbar, was die fehlende Sync-Möglichkeit relativiert. Der VCF-Audio-In des Pro schaltet bei eingesteckten Kabel den internen VCO stumm; nur über einen externen Mixer lassen sich VCO und externe Quelle gleichzeitig verwenden, das ist beim alten eleganter gelöst. Alles in allem sehe ich keinen Grund, auf den Pro umzusteigen, außerdem habe ich ja noch einen Microzwerg Mk ll, der auch Sync kann. Als Nukleus eines Modular-Systems wäre der Pro jedoch die günstigste Variante.

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Sehr schöne Klangbeispiele. :) Wie sieht es denn mit snappy Hüllkurven aus? Ein Moog Ersatz kann er nicht sein aber vielleicht gibt es ein paar schöne SH Basslines? Der Dominion soll das ja halbwegs können.

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