Test: MFB Tanzbär Lite, Analog Drumcomputer

Der Rimshot kann nicht verändert werden. Lediglich seine Lautstärke lässt sich über die Step-Tasten in 16 Stufen einstellen.

Die Claps entstehen wie gewohnt aus einer regelbaren Attack-Folge und einer Rauschfahne. Im Gegensatz zur Tanzmaus wird hier das Rauschen mit einem relativ schwachen Hochpassfilter bearbeitet. Die Klangveränderung ist nicht sehr stark, das fällt bei der Tanzmaus dramatischer aus. Es gibt jedoch auch beim Tanzbär Lite die Auswahl aus 16 verschiedenen Attack-Abfolgen, doch leider ohne den Stereoeffekt der Tanzmaus.

MFB Tanzbär Lite 522

Bei der TR-808, aber auch bei der 522, musste man sich schweren Herzens immer zwischen Tom und Conga entscheiden, da man diese Sounds, die auf dieselbe Schaltung zugriffen, nur umschalten konnte. Beim Tanzbär Lite hingegen lassen sich beide Instrumente in einem Pattern nutzen, obwohl auch sie von derselben Schaltung erzeugt werden. Man kann sie halt nur nicht auf demselben Step spielen. Tom und Conga besitzen ihre jeweils eigene Sequencer-Spur bzw. lassen sich über zwei MIDI-Noten von außen triggern.
Die beiden Klangparameter Tune und Decay wirken natürlich auch auf beide Sounds gleichermaßen. Es gibt zwar kein Set aus Hi-, Mid- und Low-Tom/Conga, aber das Tuning kann im Sequencer pro Step variiert werden, sodass auch mit dem Tanzbär Lite „melodiöse“ Percussion-Figuren möglich sind. Passend zum Tom-Set kann das Panorama in drei verschiedenen Positionen gesetzt werden.
Tom und Conga unterscheiden sich durch eine vorgegebene Grundstimmung, außerdem hat das Tom einen Rauschanteil, wodurch es etwas voller klingt.

It’s Miami Bass-Time: Cowbell. Diesen stilbildenden Sound reproduziert der Tanzbär Lite sehr dicht am Original. Zusätzlich können Decay und Tune verändert werden, wobei sich meinem Eindruck nach auch ein wenig die Verstimmung zwischen den beiden Oszillatoren ändert. Wer mehrere originale 808er kennt, weiß, dass dieses Instrument sehr unterschiedlich klingen kann. Hier lassen sich vielen Varianten davon mit zwei Drehs nachempfinden.
Für meinen Geschmack dürfte das Tuning sogar noch tiefer gehen, wie man es bei Minimal-Tracks gern mal verwendet.

Clave lässt sich ebenso in Decay und Tune einstellen. Ein kurzer, unaufgeregter Sound, der genau deswegen einen Groove schön antreiben kann.

Das Cymbal besteht aus zwei tonlosen Komponenten, die sich mischen lassen. Hier haben wir wieder einen größeren Unterschied zur Roland-Variante dieses Sounds, es klingt ein bisschen verwaschen. Ein bisschen schärfer dürfte der Klang schon sein.

Open und Closed Hihat lassen sich separat in der Länge einstellen. Dabei ist es eigentlich egal, wer was ist, denn die beiden Decay sind bei Minimal- und Maximaleinstellung gleich. Der 808-Trick mit der 3. Hihat (Open und Closed auf dem gleichen Step) funktioniert hier nicht direkt, lässt sich aber mit Decay-Steuerung im Sequencer realisieren.

Auch wenn es bis hierher vielleicht so klang, als gäbe Abstriche, ist das Drumkit des MFB Tanzbär Lite eine stimmige Sache. Die Sounds passen gut zueinander, zum Beispiel Snare und Claps stützen sich prima gegenseitig, die Percussion kommen sich nicht ins Gehege, sondern bilden in der Summe ein schönes Set für treibende Grooves. Man darf halt weder eine original 808 erwarten, noch einen ultra flexiblen Drumsynth. Die Drums gehen zwar dank Tune und Deacy für fast alle Instrumente in ihren Möglichkeiten über die alten TRs hinaus, erfinden das Thema aber nicht neu. Es ist ein Drumset mit einem definierten Charakter, der besonders für Electro, Bass Music, Hip Hop / RnB, House und ähnliches passt. Die Tanzmaus bietet etwas abwechslungsreicher Klänge, hat aber auch einen härteren Grundcharakter.

Klangbeispiele
Forum
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    dilux  AHU

    für mich klingt die drumatix bissiger, griffiger und auch druckvoller; dass sie weniger features hat fällt da nicht so ins gewicht…allgemein betrachtet lebt man als beatbox-fan heutzutage wirklich im schlarafenland, vor 20 jahren gab es alesis, boss und zoom und die waren digital und öde…

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    Ralle373  

    Danke für den Bericht. Leider ist wohl das Bedienkonzept nicht bis zum Ende durchdacht. Und mir fehlt ein Songmodus! Iin Zeiten von preiswerten Speicher sollte es doch möglich sein oder…? Nur ein Performance Modus reicht mir nicht.

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      WackyJacky  

      Werden die Patternwechsel vlt per MIDI ausgegeben und empfangen? Das wäre cool, könnte man doch den song in der DAW bauen

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        Ralle373  

        Klar kann man in der DAW seinen Song zusammen bauen, aber dann brauche ich auch keinen Sequencer. Ich bin blind und suche immer noch nach dem passenden Bedienkonzept bei einer Drummaschine. Habe auch bei MFB direkt angefragt. Songmodus gibt es nicht! OK haben andere auch nicht , aber was ist daran so schwer zu programmieren??? Einfach Song 1 besteht aus 2 x Pattern 1, dann 10 x Pattern 2, dann 1 x Pattern 3, dann wieder 10 x Pattern 2… Naja eher kann ich wieder sehen, als das wirklich mal ein vernünftiges Bedienkonzept an einem Drummy gibt! Gruß

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    division  

    Leute habt ihr die Clap beim „Hip Hop“ Beat nicht gehört!? „Gut gemacht“ würde Hancock sagen!

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    lightman  AHU

    Die kleine Tanzmaus gefällt mir klanglich besser, da sie eine größere Bandbreite abdeckt und etwas härter tönt als der recht 808-ige Tanzbär Lite.

    Überhaupt wär mir eine etwas moderner klingende Drummachine lieber, sowas wie ein Teenage Engineering PO-12 in Groß mit dreckigem, hartem Sound. Electro blibbity-blob ist toll, ich erzeuge bzw. nutze solche Klänge auch zeitweilig, aber in dieser Richtung gibts halt schon reichlich Alternativen für nahezu jeden Geldbeutel. Bin gespannt, wie die neuen Trommelkisten angenommen werden.

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