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Test: Millennia NSEQ-HF, API500 Equalizer

Hochglanz-EQ für Celine Dion

2. Dezember 2022
millennia nseq hf api 500 test

Millennia NSEQ-HF, API500 Equalizer

Der Millennia NSEQ-HF ist ein API500 Equalizer mit nur einem einzigen, aber besonderen Filter. Dabei handelt es sich um das Höhenband des modernen Analogklassikers NSEQ-4, der sich international als populäres Werkzeug für teure Highend-Produktionen etabliert hat.
Bekannt als „Wundermittel“ für Gesang, veredelt er nicht nur die Stimmen von Goldkehlchen wie Celine Dion oder Andrea Bocelli, sondern gilt auch im Mix- und Masteringbereich als Nonplusultra – insbesondere wenn es um den letzten Schliff der hohen Frequenzen geht. Daher bietet der US-amerikanische Hersteller Millennia nun dieses sehr beliebte Höhenband, zu einem Bruchteil des Preises des NSEQ-4, als Mono-Modul für das System 500 an.

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Millennia NSEQ-HF

Sehr hochwertig verarbeitet: Millennia NSEQ-HF

Millennia NSEQ-HF auf den ersten Blick

Wie alle seine Geräte fertigt Millennia den NSEQ-HF in der eigenen Produktionsstätte in Nordkalifornien von Hand. Schon beim ersten Betrachten fällt sofort die hohe Verarbeitungsqualität auf, für die Millennia seit über 30 Jahren bekannt ist:

Das komplett verschlossene Gehäuse des Moduls besteht aus Stahl und macht einen äußerst soliden Eindruck, ebenso wie das 4 mm dicke, silberne Frontpaneel. Gemäß dem von API eingeführten Format hat der NSEQ-HF eine Höhe von 3 HE und benötigt einen freien Einschubträger in einem 500er Rack mit Standardnetzteil. Für diesen Test wird wieder einmal ein Fredenstein Bento 6S Rack verwendet, im Vergleich zu einem Modul mit offenliegender Platine gestaltet sich der Einbau dank der gekapselten Seiten wesentlich einfacher.

Millennia NSEQ-HF

Millennia NSEQ-HF im Fredenstein Rack

Auch alle Bedienelemente auf der Vorderseite, zu denen vier beleuchtete Schalter und zwei Regler zählen, wirken sehr robust und hochwertig. An oberster Stelle sitzt der obligatorische „EQ In“ Taster, hinter dem sich eine echte Hard-Wire-Bypass-Schaltung verbirgt.
Für die darunter liegende Frequenzselektion wird ein Drehschalter von Grayhill verbaut, der nach US-Militärstandards gefertigt ist. Er erzeugt einen ordentlichen Widerstand und löst ein wohlklingendes, mechanisches Klacken aus, wenn man eine der folgenden Einsatzfrequenzen anwählt:
4,8 kHz, 5,8 kHz, 8 kHz, 10 kHz, 16 kHz und 21 kHz.

Das Filter kann wahlweise in Glockenform mit einem festgelegten Q-Wert von 1.0 oder als Kuhschwanz mit einer Flankensteilheit von 6 dB pro Oktave genutzt werden. Anhebungen und Absenkungen sind im Rahmen von +/-18 dB möglich, dafür dient das in 21 Schritten gestufte Potentiometer in der untersten Position auf dem Bedienfeld. Mittels des Gain-Range-Low-Schalters lässt sich das Maß der Verstärkung auf +/-9 dB halbieren, so dass auch die Abstufungen kleiner ausfallen.

Der vierte und letzte Taster dient zum Umschalten des Audioeingangs. Er kann entweder symmetrische oder bei Bedarf unsymmetrische Signale verarbeiten, wobei ein Ausgleich des Pegels von +6 dB erfolgt.

Millennia NSEQ-HF

Auswahl der Einsatzfrequenzen

Millennia NSEQ-HF API500 Equalizer: Technik und Bauteile

Die Topologie des NSEQ-HF ist laut Herstellerangaben identisch mit dem Höhenband des NSEQ-4, allerdings gibt Millennia auch nicht viele Details preis.

Der komplette Class-A Signalpfad ist vollständig diskret aufgebaut und verzichtet auf jegliche Übertrager, die den Klang färben könnten. Gemäß einem Schaltungskonzept von Highend-Koryphäe Steve Dove kommen keine ICs und nur eine aktive Stufe im Signalpfad zum Einsatz.

Millennia NSEQ-HF

Das Innere des Millennia NSEQ-HF

Für die Verstärkung des Equalizers nutzt Millennia rein diskrete Class-A Transistoren:
Die dritte Generation des hauseigenen FSA-03 und den echt-differenziellen Line-Empfänger DSA-01. Beide basieren auf individuell abgestimmten Toshiba 2SJ74 und 2SK170 J-FETs, die auf Grund ihrer hohen Klangqualität einen sehr guten Ruf haben.

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Alle übrigen technischen Details sehen wie folgt aus:

  • Eingangsimpedanz: 25 kOhm
  • Maximaler Eingangspegel (EQ Flat): +20 dBu symmetrisch, +14 dBu unsymmetrisch
  • Maximaler Eingangspegel (EQ Full Boost): +17 dBu
  • Maximaler Ausgangspegel: +21 dBu
  • Stromverbrauch: maximal +210 mA
Millennia NSEQ-HF

Ein moderner Klassiker: Millennia NSEQ-4

Handhabung des Millennia NSEQ-HF

Wie sich anhand des überschaubaren Frontpaneels bereits erahnen lässt, gestaltet sich die Bedienung des NSEQ-HF überaus einfach und intuitiv.
Dank der gerasterten Regler können Einstellungen schnell wieder aufgerufen werden und auch der Abgleich von zwei Modulen im Stereo-Betrieb sollte somit kein Problem darstellen.

Etwas großzügig fallen hingegen die Stufen des Gain-Potentiometers aus. Bei einer Verstärkung von +/-18 dB betragen sie 1,8 dB, wenn der Gain-Range-Low-Modus aktiv ist 0,9 dB. Für Aufnahmen und Tonmischungen sind diese Möglichkeiten völlig ausreichend, um noch filigraner arbeiten zu können, bevorzugen viele Mastering-Engineers jedoch 0,5 dB Schritte.
Die Auswahl der Einsatzfrequenzen ist wiederum passabel, lediglich eine weitere Position bei 12 kHz wäre wünschenswert, aber die besitzt der NSEQ-4 auch nicht.

Millennia NSEQ-HF

Der Gain-Regler

Auf den ersten Blick scheinen die zwei wählbaren Filtertypen aufgrund ihrer festgelegten Form etwas eingeschränkt zu sein, tatsächlich erweisen sie sich in der Praxis aber als recht flexibel. Der moderate Q-Wert von 1.0 des Glockenfilters eignet sich zwar nicht für Entzerrungen mit schmaler Bandbreite, dennoch ist die Form genau richtig, um gezielte Betonungen und Akzente setzen zu können.
Als grobere Ergänzung dazu macht das Kuhschwanzfilter, mit dem sich bei Bedarf das komplette Topend öffnen oder absenken lässt, ebenfalls eine sehr gute Figur. Ein Blick auf das Diagramm des Wirkungsbereiches verrät sogar, dass seine maximale Verstärkung am Ende des Frequenzgangs 20 dB beträgt.

Millennia NSEQ-HF

Frequenzspektrum bei maximaler Anhebung und Absenkung (Einsatzfrequenz: 8 kHz)

Millennia NSEQ-HF API500 Equalizer: Klang

Das Klangbild des Millennia NSEQ-HF überzeugt durch eine sehr saubere und edle Note. Zunächst einmal liegt das Eigenrauschen bei äußerst niedrigen -106 dBu, wodurch es selbst bei starken Anhebungen nicht wahrnehmbar ist.

Losgelöst von der Wahl des Filtertyps haben die Ergebnisse immer einen überaus angenehmen und offenen Charakter. Dabei wirkt die Kontur der Höhen etwas straffer als zuvor, wodurch sie ruhiger und entspannter in Erscheinung treten.
Grundsätzlich verleiht der NSEQ-HF jedem Signal einen sehr schönen Glanz und Schimmer, der nie steril, sondern stets anmutig und erhaben klingt.
Auch die damit einhergehende Transparenz ist absolut beeindruckend, gerade in der 16 oder 21 kHz Position erzeugt er ein wunderbares, luftiges Topend.

Durch die entspannte, flache Form beider Filter können auch die oberen Mitten ein Stück weit von Anhebungen der tieferen Einsatzfrequenzen profitieren – natürlich stets in Abhängig von dem Maß der Verstärkung. Leicht dumpfe Signale lassen sich so nicht nur in den Höhen sehr schön öffnen, sondern erhalten auch mehr Präsenz.

Das Arbeiten mit dem NSEQ-HF bereitet wirklich große Freude, dank der einfachen Bedienung und des hervorragenden Klangs entsteht eine zielstrebige Leichtigkeit beim Einstellen der Höhen, die eigentlich immer zu einem guten Resultat führt.
Bei einer Verstärkungsreserve von +18 dB sind selbstverständlich auch Überbetonungen möglich, das steht und fällt natürlich mit der Beschaffenheit des Quellmaterials oder dem Ohr des Anwenders.

Millennia NSEQ-HF

Die Drucktaster

Klangbeispiele mit dem Millennia NSEQ-HF API500 Equalizer

Um die hochgepriesene Qualität des Filters bei der Bearbeitung von Gesangsaufnahmen auszuloten, werden für diesen Test drei verschiedene Vocal-Tracks aus Logic Pro durch den NSEQ-HF geschickt und anschließend wieder aufgezeichnet. Dabei sind die Ein- und Ausgangspegel in Logic identisch, wenn die Bypass-Funktion des Moduls aktiv ist.
Durch die Zunahme der Höhen erklingen die Ergebnisse natürlich lauter als die unbearbeiteten Spuren. Ganz bewusst wurden die Lautstärken aber anschließend nicht angeglichen, da die tieferen, unverstärkten Frequenzen dann wieder leiser als zuvor wären und zu einem nicht repräsentativen Vergleich führen würden.
Alle Audiofiles sind wahlweise im WAVE-Format (44,1 kHz, 24 Bit) oder als MP3 (320 kBit/s) aufrufbar.

Male Vocal 1

Bei dem ersten Beispiel handelt es sich um eine Aufnahme von Mani Mathia, die für den Test des SPL Cresendo Duo mit einem Sennheiser MD 421 N erstellt wurde. Dieses Tauchspulenmikrofon aus den 60er-Jahren erzeugt – zum Teil altersbedingt – einen entspannten Rolloff in den Höhen. Eine Anhebung bei 21 kHz mit dem Glockenfilter soll dem entgegenwirken und dem Vocal einen luftigeren Charakter verleihen. Das Ergebnis ist im ersten Beispiel mit 4 dB und im zweiten mit 6 dB Verstärkung zu hören:

Female Vocal

Das zweite Klangbeispiel hat Isis Zerlett für den Test des Rode NT1 eingesungen, als Vorverstärker kam ein alter Maihak V41 aus den 50er-Jahren zum Einsatz. Das Mikrofon und der Preamp haben einen recht linearen Frequenzgang, so dass die Höhen noch Platz für Anhebungen bieten. Dieses Mal wird das Glockenfilter bei 10 kHz angewählt, die zwei Ausspielungen zeigen eine Verstärkung von 4 dB und 6 dB:

Male Vocal 2

Auch das dritte Beispiel stammt von Mani Mathia und wurde Anfang dieses Jahres für den Test des IGS Audio NE573, einem Nachbau des Neve 1073 Preamps, aufgenommen. Als Mikrofon diente ein Neumann U 87 der ersten Generation, das – genau wie der NE573 – einen etwas „dunkleren“ Charakter hat.
Mit dem Kuhschwanzfilter, dessen Einsatzfrequenz bei 8 kHz liegt, soll nun eine kräftige Verstärkung demonstriert werden. Im ersten Durchgang beträgt sie 8 dB, im zweiten 10 dB:

 

Millennia NSEQ-HF

Überschaubares Frontpaneel

Infos zu den Klangbeispielen

Male Vocal 1:
Sänger: Mani Mathia
Mikrofon: Sennheiser MD 421 N
Preamp: SPL Crescendo Duo

Female Vocal 1:
Sängerin: Isis Zerlett
Mikrofon: Rode NT1
Preamp: Maihak V41

Male Vocal 2:
Sänger: Mani Mathia
Mikrofon: Neumann U87
Preamp: IGS Audio NE573

Audiointerface: RME Fireface 800
DAW: Logic Pro

Millennia NSEQ-HF

Millennia NSEQ-HF, API 500 Equalizer

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Fazit

Der Millennia NSEQ-HF API500 Equalizer ist ein exzellentes Werkzeug für anspruchsvolle Highend-Produktionen. Das von dem NSEQ-4 bekannte und beliebte Höhenband eignet sich hervorragend zum Veredeln der oberen Frequenzen und lässt sich für Aufnahmen, Tonmischungen oder Mastering-Anwendungen verwenden.

Zum einen überzeugt die äußerst solide Verarbeitung und gelungene Haptik des NSEQ-HF, zum anderen besticht er durch seinen überaus transparenten und neutralen Ton. Dabei verleiht er jedem Signal eine beeindruckende Brillanz, die definitiv als Alleinstellungsmerkmal bezeichnet werden darf.

Wie in dieser Qualitätsklasse üblich, ist der aufgerufene Preis für ein einzelnes Filterband alles andere als gering, aber angesichts des luxuriösen Klangs jeden Cent wert.

Plus

  • neutraler, sehr edler Klang
  • Verarbeitungsqualität
  • Bauteile
  • Haptik

Preis

  • 899,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Marco Korda AHU

    Hallo Chris,

    danke für den Testbericht dieses sehr interessanten 500er Moduls.

    Ich finde auch sehr schade, dass 12 kHz nicht dabei ist. Die Variante 10 kHz würde bei mir eher zum Entzerren nach unten dienen. Der Boost in deinen Klangbeispielen führt dann doch zu teilweise grenzwertigen S-Lauten. Insgesamt gesehen höre ich auch den edlen Klang, den das Modul den Vocals aufdrücken kann.
    Für Mastering-Zwecke sehe ich das zwiespältig. Wäre zwar interessant, wie das auf einem Summensignal ertönt. 😄 Man müsste jedoch zwei davon kaufen und da muss man sich fragen, ob man nicht mit dem NSEQ-4, wo man ja 4 Stereo-Bänder bekommt, nicht insgesamt günstiger liegt (Sofern man die anderen Bänder überhaupt will).
    Darüber hinaus ist es fraglich, ob er besser klingt als z.B. mein Great River MEQ, Elysia Museq oder Dangerous Bax. Da hätte mich ein Vergleich interessiert. Auch der Vergleich mit einem Mäag, der ja auch das Airband so nett herausstellt, wäre fantastisch. Letzteren hab ich (leider) nicht.

  2. Profilbild
    beni

    Ich trinke gern auch mal ein „Edel Pils“. Das so ein Marketingwort in einem Testbericht als positive Beschreibung eines Equalizers verwendet wird, ist leider nicht ernst zu nehmen. Mein Stock EQ-8 in Ableton klingt immer nur edel, wenn ich den auf meine eigene Stimme lege…

  3. Profilbild
    Markus

    Danke, ein Vergleich mit den Kush Clariphonic 500 wäre interessant. Diese setze ich sehr gerne speziell auf Snare und Hihats ein (elektronisch)

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