Test: MOD Devices MOD Duo & MOD Footswitch, Effektgerät

5. Juli 2018

Lade dir rein, was du brauchst!

MOD Devices MOD Duo titel

Die Berliner Firma MOD Devices bringt ein (nicht vollständig) neues Konzept an den Start. Eine Stompbox, die man mit Effekten aus einer riesigen Library bestücken kann. Die Effekte lädt man sich auf der entsprechenden Internetseite und transferiert sie per USB in das Mod Duo. Hier werden diese dann zu Presets oder ganzen Pedalboards organisiert. Bereits gesehen hat man dieses Prinzip in etwas abgespeckter Variante z.B. beim Eventide H9 Max Harmonizer. Das MOD Devices MOD Duo stellt aber stets mehrere Effekte gleichzeitig zur Verfügung. Für den Puristen und Freund analoger Pedale ist es vermutlich schwierig, sich für eine digitale Soundmaschine wie das MOD Duo zu begeistert. Wie viele moderne Produkte zielt es darauf ab, quasi unendliche Möglichkeiten bereitzustellen, was dem MOD Duo in vieler Hinsicht gut gelingt. Das Mod Duo funktioniert wie eine Plug-and-play-Einheit und lässt sich einfach über eine angenehm gestaltete und leicht zugängliche Benutzeroberfläche (Website) an die persönlichen Bedürfnisse anpassen.

MOD Devices Mod Duo_left side

— Das MOD Devices MOD Duo —

Das MOD Devices MOD Duo ist kompakt und seine Open Source Software ermöglicht die Interaktion zwischen einer Community. Momentan hat man bereits Zugang zu über 500 zusätzlichen Plug-ins (Effekte, Synths, Amp-Simulationen, Looping-Stationen, Sequencern etc.) im MOD Plug-in Shop. Die meisten Effekte sind gratis, einige muss man jedoch käuflich erwerben. Die Funktionalität der Plattform erweitert sich ständig. Wie bei allen digitalen Produkten (Mischpulte, Multieffekte etc.) gibt es auch Nachteile. Der Zugriff auf die Parameter gestaltet sich vergleichsweise unspontaner, dafür sind die Effekte und deren Kombinationsmöglichkeiten natürlich enorm.

Facts & Features des MOD Duo

Das in Deutschland hergestellte MOD Devices MOD Duo ist eine relativ kompaktes Pedal mit den Abmessungen von 180 x 75 x 160 mm und einem Gewicht von nur 1,2 kg. Das Mod Duo stellt satte 165 vorinstallierte kostenlose Verstärkersimulationen und Effekt-Plug-ins bereit. Die Stompbox selbst fällt designmäßig recht futuristisch und gleichzeitig auch gut strukturiert aus. Integriert wurden ein eigenständiger und leistungsstarker Audioprozessor und qualitativ gute Wandler (Cirrus Logic Low Noise AD/DA-Wandler). Das MOD Duo verfügt über eine digital gesteuerte, mehrstufige analoge Vorverstärkung und True-Bypass. Zwei frei belegbare endlose Multifunktionsregler (Softtouch-Schalter mit Klickfunktion) ermöglichen das Steuern aller Plug-in-Parameter. Die zwei großen Multifunktions-Grafikdisplays sind auch bei Sonnenlicht gut ablesbar.

MOD Devices Mod Duo_Rear

—  Schnittstellen ohne Ende —

Anschlüsse

Das MOD Duo stellt folgende Anschlüsse bereit: zwei Stereoeingänge (6,3 mm Stereolinke) und Stereoausgänge, einen Kopfhörerausgang (6,3 mm), MIDI-Ein- und Ausgang (MIDI auch über USB) und zwei USB-Anschlüsse für Computer, Bluetooth & Peripheriegeräte. (z.B. für eine Verbindung mit dem iPad und entsprechender App. Über den Control-Chain-Anschluss kann der optional erhältliche MOD Footswitch angeschlossen werden. Die Stromversorgung des Mod Duo erfolgt über das mitgelieferte Netzteil.

— Signalfluss des Mod Duo —

Handling und Praxis mit dem MOD Devices MOD Duo

Eines der angenehmen Dinge an der Arbeit mit dem MOD Duo ist, wie leicht das Editieren vorgenommen werden kann. Schließt man das Gerät via USB an den Computer an und geht auf die im Handbuch angegebene Internetadresse, ist man bereits mit der Schnittstelle verbunden, wo sich dann die virtuellen Effekte und Sounds konfigurieren lassen. Solange das Betriebssystem und der Browser auf dem neuesten Stand sind, sind keine Downloads, Programme oder Treiber erforderlich.

Die Schnittstelle ist einladend und spielerisch. Man erstellt das virtuelle Pedalboard durch Ziehen und Ablegen der Effekte aus dem Menü auf das Board und verbindet die Effekte, durch virtuelle Kabel zu den einzelnen Effekten. Einige von euch kennen das vielleicht noch vom guten alten „Emagic Logic“, das später von Apple übernommen wurde, dort nannte sich dies „Environment“.

Ist die Gitarre angeschlossen, kann man verschiedenste Effektkonstellationen und Board-Kreationen sofort auswerten und mit den Effektparametern direkt über die virtuellen Effekte und nicht nur mit den Bedienelementen auf dem Gerät interagieren. Bei der Arbeit im Studio ist dies eine gute Möglichkeit, mit ungewöhnlichen Soundkonfigurationen zu experimentieren. Nach Trennen der Computerverbindung kann man das Pedal wieder „stand-alone“, also ohne Computer betreiben.

Es dauert nicht lange, um sich mit der Funktionalität des MOD Duos vertraut zu machen. Einige Übung ist jedoch erforderlich.

Wie bei allen digitalen Produkten gibt es auch Nachteile. Der Zugriff auf die Parameter gestaltet sich im Vergleich mit analog aufgebauten Pedalen nicht ganz so spontan, dafür sind die Effekte und deren Kombinationsmöglichkeiten aber enorm. Der Platzbedarf und das Gewicht eines vergleichbar bestückten analogen Boards schrumpfen natürlich auch auf ein Bruchteil. Im Livebetrieb sollte man wissen, was man tut. Die Handhabung der Presets sollte in Fleisch und Blut übergegangen sein, bevor man damit auf die Bühne geht.

— Virtuelles Board mit unendliche Möglichkeiten —

Im MOD Duo steckt eine Menge cleveres Design. Die gesamte Bedienung der Einheit auf der Bühne kann mit den zwei Knöpfen und zwei Fußschaltern erledigt werden. Die beiden Knöpfe sind Potis, dienen aber auch als Druckknöpfe, um die Parametereinstellungen der einzelnen Effekte oder die Navigation innerhalb der Menüs ermöglichen. Die beiden Knöpfe sind recht empfindlich, was den Aluminiumüberrollbügel zu einem wichtigen Schutz gegen zufällige Einstellungen macht. Die beiden Fußschalter dienen gleichzeitig als Bypass-Schalter und können zum Scrollen durch die Effekte oder auch zum Aktivieren des integrierten Tuners verwendet werden.

Die zwei getrennte (Stereo-) Ein- und Ausgänge ermöglichen, dass man das Pedal auch parallel mit einem Bass, Keyboard oder Gesangsmikrofon betreiben kann, ohne die Gitarre in ihrer Funktion zu beeinflussen. Man kann die beiden vollständig unabhängigen Wege auch zum Einschleifen in den Effektweg eines Verstärkers benutzten, so hätte man einige Effekte vor dem Amp und weitere in der Effektschleife des Amps.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nomilian

    Vielen Dank erst einmal für den Test, Herr Krayer!
    Ich habe mir das Mod Duo auf der Superbooth angeguckt und zeigen lassen. Zu diesem Zeitpunkt gab es leider noch keinen External MIDI Sync, was aber in der neuen FW nachgereicht werden soll, damit die Effekte auch schön im Timing bleiben.
    Es hätte mich gefreut, wenn Sie neben der Audioschnittstelle auch die Midischnittstelle mit ihren vielen Filter-/Routing-/Mapping-Möglichkeiten beleuchtet hätten, weil dies eines meiner Hauptargumente für dieses Pedal ist. Hinzukommt die Funktion als USB-MIDI-HUB, welche es erlaubt an dem USB-Anschluss einen USB-Hub zu hängen und daran wiederum einen oder mehrere Class-Compliant USB-Kontroller, welche dann die internen Effekte/Klangerzeuger regeln oder die Signale an die MIDI-Out-Schnitstelle weitergeben können!
    Ansonsten gibt es noch zu sagen, dass die Fa. Mod Ende diesen Jahres einen Bruder des Mod Duo herausbringen wird (Mod Duo X), welches eher auf die Bedürfnisse von Studiotüftlern und Live Synth Setups ausgelegt ist (mehr Knöpfe, schnellerer Prozessor, usw.). https://www.moddevices.com/products/mod-duo-x
    Ich freue mich auf jeden Fall riesig darauf und werde höchstwahrscheinlich dann auf den Zug aufspringen ;)

    Im letzten Satz des Fazits ein Und zu viel am Ende ;)

    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Hallo nomilian,

      besten Dank für Deine ausführlichen Gedanken und zusätzlichen Informationen zum MOD Duo und dessen Bruder,

      Johannes

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    In der Preisklasse tummeln sich die tollsten Stomp Boxen und Multi-fx Geräte die sich hervorragend bedienen lassen. Gerade als Gitarrist ist man da nicht bereit Kompromisse ein zu gehen. Ich bin mit sicher das Ding wird in der Gitarren Abteilung unter seinen ganzen tollen Kongurrenten stets ignoriert werden. Aber selbst in der Synthesizer Abteilung wird es nicht anders sein. Denn wenn man erst einmal einen PC anschließen muss um überhaupt etwas zu editieren, neeeeee. Gut finde ich den Bügel damit die Potis nicht zertreten werden. Ansonsten lass ich mich mal überraschen. Denn die Vielzahl an neuen Produkten überhäuft den Markt. Da ist es ein großes Wagnis mit so einem Ding anzutanzen. Im Testbericht nett umschreiben, in der Praxis ist diese Computer Anschliesserei ein Graus.
    Dazu kommt noch, dass man für einige Effekte immer noch bezahlen muss?

    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Hallo amazonaman,

      ich bin auch eher von der konservativen Sorte und vertraue live meist nur analogen Stompboxen.
      Eine Bedienung mit zwei Stompswitches kann beim Bühneneinsatz, gerade wenn man viele Patches einsetzt, ggf. zum kurzen Nachdenken und demzufolge zu fehlerhaftem Spiel führen. Andereseits sind die Möglichkeiten, die in einem so kompakten Gerät stecken natürlich sehr verlockend, sofern man bereit ist, den Computer ins Spiel zu bringen. Das Zusammenstellen und Verkabeln der Effekte verläuft ja sehr zügig und man kann die erzeilten klanglichen Ergebnisse schnell gut beurteilen.

  3. Profilbild
    Green Dino  

    Schönes Konzept und wenn man USB Midi Controller anschliessen kann und damit Parameter im Mod Duo steuern kann muss man sich auch nicht mit der Editierung am Gerät rumschlagen.
    Die zwei Encoder mit Pushfunktion machen keinen verlockenden Eindruck…
    Sind doch endlos Encoder, oder?

  4. Profilbild
    L. Lammfromm  

    Einige Effekte gefielen mir gut, so auch der etwas atypisch klingende Shimmer-Reverb. Andere Effekte wiederum erinnern mich massiv an die FX vom Alesis Fusion Synth. Und das ist kein Kompliment…

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