Test: Mode Machines x0xb0x MK3, Analogsynthesizer

4. Juni 2017

Klon mit Extras

Aus dem kaum überschaubaren Feld der Klone des legendären Acid-Klassikers TB-303 der Firma Roland aus dem Jahre 1982 sticht seit Langem die Mode Machines x0xb0x hervor.

Die Geschichte der Mode Machines x0xb0x (ausgesprochen: „Zocksbox“) begann als Open-Source-Selbstbauprojekt, das in den 00er-Jahren von Studenten des MIT (Massachusetts Institute of Technology) initiiert wurde. Schon damals gab es zwar eine Vielzahl von 303-inspirierten und 303-ähnlichen Klangerzeugern, die aber alle mehr oder weniger vom Originalklang abwichen. Ziel bei der x0xb0x war es daher, die Klangerzeugung der TB-303 möglichst authentisch nachzubauen.

Ein wesentlicher Bestandteil des Klangs der TB-303 ist auch der spezielle Step-Sequencer mit seinen Modifikatoren, wie z.B. Accent und Slide (Portamento). Daher findet sich der Sequencer – mit erweitertem Funktionsumfang und komfortablerer Bedienung – auch in der Mode Machines x0xb0x.

Weil DIY (do it yourself)- Projekte natürlich nicht jeden ansprechen können, brachte die Firma Mode Machines im Jahr 2010 die x0xb0x als fertiges Produkt auf den Markt. Hinter dem deutschen Hersteller steht Michael Thorpe. Er ist kein Unbekannter in der Synthesizer-Szene und war unter anderem schon in der Entwicklung und Vermarktung von Musikelektronik bei MAM, Touched-By-Sound und Vermona involviert.

Wir hatten nun Gelegenheit, die neueste und (zumindest dem Namen nach) definitive Ausgabe der Mode Machines x0xb0x zu testen. Die „MK3 final Edition“ erzeugt Acid-Klänge bereits in vierter Generation.

Erwartungsgemäß ist die Schaltung in Bezug auf die Klangerzeugung eng an der Original-TB-303 orientiert (laut Herstellerangabe 100%). Das heißt natürlich nicht, dass tatsächlich nur Originalbauteile verwendet wurden. Viele Komponenten sind bereits einzeln kaum mehr aufzutreiben, geschweige denn in der für die Serienproduktion notwendiger Stückzahl. Man darf daher vermuten, dass, wie bei anderen Klonen auch, auf Alternativen ausgewichen wurde.

Erster Eindruck

Äußerlich wirkt die Mode Machines x0xb0x – verglichen mit dem silbrigen Original – mit ihren Maßen von 27,5 x 19,5 x 9,0 cm deutlich wuchtiger. Das nach vorne geneigte Desktop-Gehäuse aus verschraubtem Kunststoff kommt einem trotz des Gewichts von einem Kilogramm unerwartet leicht vor, macht aber einen stabilen Eindruck. Die Verarbeitung ist tadellos und wirkt insgesamt sehr hochwertig – abgesehen von den Drehreglern aus Gummi, deren weiße Markierungen beim Testgerät etwas unsauber bemalt waren. An die Selbstbauvergangenheit erinnern vielleicht noch die teilweise innerhalb des Frontpanels unversenkt angebrachten Kreutzschlitzschrauben.

Das Layout ist übersichtlich und klar gegliedert: In der oberen Hälfte Drehknöpfe, darunter LED-Leisten als Anzeige und schließlich Taster für Steuerung und Programmierung des Sequencers, eingebettet in eine Klaviatur. Statt der häufig verwendeten ungeliebten Gummiknöpfe gibt es Taster aus Hartplastik mit klare definiertem Druckpunkt – sehr schön. 40 klassische LEDs in mattem Gelb zeigen diverse Funktionen an – ohne Blenden oder überflüssigen Schnickschnack – sehr schön.

Im schwarzen Karton finden sich außerdem das Steckernetzteil und eine vorbildlich geschriebene und gegliederte bebilderte Anleitung auf Deutsch und Englisch.

Anschlüsse

Sämtliche Anschlüsse sind auf der Rückseite des Geräts angebracht. Unter dem An/Aus-Schalter findet sich zunächst der Anschluss für die Stromversorgung. Hier kommt ein externer Trafo (9 V Wechselspannung) zum Einsatz, was darauf hindeutet, dass die Spannungsversorgung wie beim Original über eine lineare Schaltung erfolgt.

Rechts daneben folgt der Kopfhörerausgang (6,3 mm Klinke), dann CV- und Gate-Ausgänge zur Ansteuerung externer Geräte im Miniklinkenformat. Als nächstes der USB-Eingang, über den sich das Gerät mittels Drittanbietersoftware auch über den Computer steuern lassen soll. Danach folgt der Audioausgang, hier als „MIX OUT“ bezeichnet. Als nächstes kommt das MIDI-Trio (OUT, THRU, IN) sowie der Audioeingang („MIX IN“) und eine DIN-SYNC-Buchse. Letztere fungiert als Ein- und Ausgang zur Synchronisation mit älteren Geräten wie z.B. den Roland TR-808 und TR-909.

Klangerzeugung

Die minimalistische Klangerzeugung der Mode Machines x0xb0x entspricht wie schon erwähnt exakt der TB-303. Ein VCO (spannungsgesteuerter Oszillator) mit den Schwingungsformen Sägezahn oder Rechteck durchläuft das zur Selbstresonanz fähige 24 dB Tiefpass-Diodenfilter. Angaben über ein 18 dB Filter, die auch von Roland in Bezug auf die TB-303 gemacht wurden, führen übrigens in die Irre. Die Lautstärkenhüllkurve (VCA) lässt sich nicht verstellen, dafür ist die Filterhüllkurve stufenlos zuschaltbar und in ihrer Ausklingzeit variabel. Eine ebenfalls stufenlos per Drehschalter wählbare Accent-Funktion ermöglicht Betonungen durch höhere Lautstärke und modifizierte Filterhüllkurvenparameter.

Zur Einstellung der Ausgabelautstärke gibt es einen Drehregler, wobei die x0xb0x wie die echte TB-303 das Signal ab Beginn des letzten Viertels immer stärker verzerrt.

Über den Audioeingang lassen sich zudem auch externe Signale durch die Klangformung der x0xb0x bearbeiten.

Sequencer

Wenn die Klangerzeugung das Herz der x0xb0x ist, muss man den Sequencer als ihr Hirn bezeichnen. Er folgt dem klassischen Step-Recording Prinzip und verfügt über eine Pattern-/Track- Architektur.

Äußerst praktisch ist die LED- Anzeige für jeden der 16 Schritte, mittels derer man jederzeit im Blick hat, wo im Pattern man sich gerade befindet. Deswegen und auch aufgrund der angenehm übersichtlichen Gestaltung geht die Pattern-Programmierung spielend leicht von der Hand.

16 Bänke mit jeweils 8 Patterns, d.h. Insgesamt 128 Patterns, kann die x0xb0x speichern. Patterns aus derselben Bank können zudem miteinander verkettet werden, um deutlich mehr als 16 Schritte am Stück zu erreichen.

Pro Schritt lassen sich neben der Tonhöhe auch die Oktave (DOWN und UP) einstellen, der Schritt stummschalten (REST) sowie das SLIDE genannte Portamento und die Betonung (ACCENT) hinzuschalten.

Die Tempoeinstellung ist clever über einen Endlosdrehregler gelöst. Zwischen 20 und 300 BPM ist alles möglich.

Funktionen

Wie die TB-303 verfügt die Mode Machines x0xb0x über diverse (und weitere darüber hinausgehende) Modi.

Die Programmierung des Sequencers erfolgt im PATTERN-EDIT-Modus. Entweder Schritt für Schritt oder im laufenden Betrieb.

Zum Abspielen wechselt man in den PATTERN-SYNC-OUT-Modus (interne Clock) oder PATTERN-DIN-SYNC (externes Clocking über DIN) bzw. PATTERN-MIDI-SYNC (externes Clocking über MIDI). Hier lässt sich die Sequenz in Echtzeit durch die Modifikatoren beeinflussen, also beispielsweise ein ACCENT zuschalten oder um 1-8 Halbtöne herauf oder herunter transponieren. Auch Swing-Timing kann in fünf Schritten gewählt werden. Außerdem gibt es einen Loop-Modus, der es erlaubt, nur einen Teil eines Patterns abzuspielen – und das vorwärts oder rückwärts. Über die Note-Nudge-Funktion kann man im Pattern vorwärts springen oder auf einem Ton „hängen bleiben“. Ähnlich ist die PATTERN-RESTART-Funktion, mittels derer das Pattern auf den ersten Schritt zurückspringt. Schließlich lässt sich das Tempo auf Knopfdruck auch halbieren.

Genau wie bei den Patterns gibt es auch für die aus mehreren Patterns bestehenden TRACKS – also ganzen „Songs“ – einen TRACK-EDIT sowie TRACK-SYNC-OUT, DIN-SYNC und MIDI-SYNC-Modus. Dem Track kann mittels Programmierung der Modifikatoren TRANSPOSE, REST, ACCENT und SLIDE zusätzlich Leben eingehaucht werden.

Im MIDI-Modus kann die x0xb0x erwartungsgemäß über den MIDI-Eingang gespielt werden. Velocity-Werte über 120 werden dabei als ACCENT interpretiert.

Gewissermaßen das Gegenstück zum MIDI-Modus stellt der Keyboard-Modus dar. Hier kann man über die eine Oktave umfassende Klaviatur die interne Klangerzeugung ansteuern. Der Tonhöhenumfang lässt sich über die TRANSPOSE-UP- und DOWN-Schalter erweitern und natürlich stehen auch die Modifikatoren ACCENT und SLIDE zur Verfügung. Gleichzeitig werden die gespielten Töne auch als Note On und Off Befehle über den MIDI-Ausgang ausgegeben. Der MIDI-Kanal wird mittels des BANK-SELECT-Schalters gewählt.

Die x0xb0x ist wie schon erwähnt als DIY-Projekt entstanden. Daher gibt es diverse experimentelle Modi: RANDOM spielt Zufallstöne ab; über USER A, B und C können Open-Source Firmware-Versionen von Drittanbietern genutzt werden; aufgespielt werden sie über den BOOTLOAD-Modus; mittels COMPUTER-CONTROL lässt sich die x0xb0x prinzipiell auch per Drittanbieter-Software über USB steuern

Praxis

Die Mode Machines x0xb0x bietet dank der übersichtlichen Anordnung, großen Kunststofftaster mit klarem Druckpunkt, griffigen Drehregler und komfortablen LED-Anzeigen ein benutzerfreundliches Konzept. Trotz hohem Spaßfaktor ist sie kein Spielzeug, sondern gut durchdachtes Arbeitstier für die ergebnisorientierte Produktion.

Die Klangerzeugung liefert die typischen druckvollen Bässe und zwitschernden Acid-Lines und fügt sich hervorragend in den Mix ein. Die in diesem Zusammenhang immer aufkommende Frage nach der Authentizität kann dahingehend beantwortet werden, dass man recht nah an die echte TB-303 herankommt, der typische Gummibandsound aber vielleicht nicht ganz erreicht wird und die Einstellungen auch nicht zu 100% passen. So tut sich z.B. beim Cutoff an den beiden Enden des Regelweges nicht mehr viel – ein Verhalten, das die x0xb0x aber mit anderen Klonen teilt. So kraftvoll und gut definiert wie sie klingen allerdings nur wenige.

Auffällig ist die hohe Dynamik des Ausgangssignals, das je nach Einstellung vergleichsweise leise daherkommt, weshalb sich der Einsatz eines Kompressors hinter der x0xb0x anbietet.

Fazit

Mit der Mode Machines x0xb0x MK3 final edition erhält man einen hochwertig verarbeiteten TB-303 Klon mit durchdachtem, professionellen Bedienkonzept ohne echte Schwächen und sehr gutem Sound. Der gerade auch im Bezug auf Drittanbietersoftware erweiterte Funktionsumfang eröffnet weitgehende Möglichkeiten der individuellen Anpassung.

Plus

  • Benutzerfreundlichkeit
  • Verarbeitung
  • Klang
  • Modifizierbarkeit durch 3rd Party Software

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 599,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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      phyl0x1  

      > Wie siehts innen drin aus?

      Was mich in diesem Zusammenhang auch interessieren würde: Ähneln sich die mb33 von MAM und die x0b0x eigentlich bzgl. der Klangerzeugung oder sind das zwei komplett unterschiedliche Produkte? Beide stammen doch schließlich vom Herrn Schmidt, nicht war?

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        Basslinesurfer

        Der Klang der MB33 und der xoxbox unterscheiden sich schon recht stark.
        Ich habe sowohl eine xoxbox und eine MB33 MK2 von MAM. Die xoxbox kommt wesentlich näher an der 303 Sound heran. Die MB 33 kann man besser als analogen Bass-Synth beschreiben, der bei „richtigen“ Einstellungen 303artig klingt.

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    Picard  

    zum Satz:

    „… die Stromversorgung. Hier kommt ein externer Trafo (9 V Wechselspannung) zum Einsatz, was darauf hindeutet, dass die Spannungsversorgung wie beim Original über eine lineare Schaltung erfolgt.“

    Das Original ist batteriebetrieben oder alternativ mit 9V Gleichspannung. Intern erzeugt das Original mit Hilfe eines Schaltnetzteiles die nötigen Spannungen (5V, 5.333V, 6V, 12V). Dass die xoxbox mit Wechselspannung arbeitet, könnte daher eher auf ein vom Original abweichendes Netzteil deuten.

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    Numitron  

    Weiss jemand was jetzt der unterschied zw der mk2 und der mk3 version ist? Ich hab eine mk2 und da waren soweit ich weiss die potis besser als bei der mk1.

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    tonvibration  

    Danke für den Test. Kurze Frage: sehe ich das richtig, dass der Stepsequencer nicht im laufenden Betrieb programmiert werden kann? Ich weiß, dass das beim Original auch so war und bei der Korg Volca Bass ebenfalls so ist. Für Jams oder auch zur Patternentwicklung im laufenden Betrieb ist das aber richtig blöd…. (Das sollte – heutzutage – auch anders zu lösen sein).

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      4finger  

      Also meine Volca Bass kann sehr wohl bei laufendem Betrieb programmiert werden. Das macht letztlich einen grossen Teil des Spielspasses aus.

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    tonvibration  

    @4finger: Also bei mir hält die Wiedergabe an, wenn ich in step rec mode gehe (function+rec). Live recording (rec) geht natürlich während der Wiedergabe, aber step recording eben nicht. Habe ich da was übersehen?
    (PS: Wie antworte ich denn hier AUF einen Kommentar? Mist…)

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      4finger  

      Also ich kann beim jeweils bei einem Kommentar auf die Schaltfläche “ auf diesen Kommentar antworten“ drücken ?

      Das Problem bei der Volca Bass muss ich heute abends mal angehen. Bin mir jetzt gerade nicht sicher wie es bei Step-rec aussieht.

      • Profilbild
        tonvibration  

        Hey 4finger, Danke für die Antwort. Oh Mann, ich werd verrückt – die Schaltfläche „auf diesen Kommentar antworten“ gab es hier gestern nicht (die hätte ja noch nichtmal ich übersehen können).
        Was live step recording/programmieren angeht, da bin ich mir ziemlich sicher, dass das nicht geht. Schon allein weil die Tasten im step-rec modus ja eine andere Belegung haben. Aber sollte ich da (auch) was übersehen haben, bitte nochmal melden – vermisse die Möglichkeit sehr, dass ein pattern durchläuft, dass ich im step rec mode live ergänzen kann. Gut an der xoxbox finde ich, dass sie transponieren kann, geht mit der Volca Bass ja leider auch nicht: Das Ganze Pattern muss in veränderter Tonlage nochmal eingespielt/programmiert werden. Zu Hause nutze ich (u.a. aus solchen Gründen) meinen eigenen Stepsequencer, aber heute Abend ist wieder unsere monatliche Jam, da nehm ich (aus Faulheit) immer nur n paar Volcas mit. Bei Volca Beat und Sample kann man übrigens natürlich im step modus live arbeiten, ist ja aber auch ein etwas anderer Sequencer (weil keine Tonhöheneingabe). Grüße Matthias

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