Günstiges Einsteiger Funksystem
Das Mooer Air P10 ist ein kompaktes 2,4-GHz-Funksystem für Gitarristen, das mit vier schaltbaren Kanälen, fünf Stunden Akkulaufzeit und einem Kampfpreis von 59,– Euro den Markt der Einsteiger-Wireless-Systeme aufmischen will. Doch kann die chinesische Funkstrecke auch klanglich überzeugen?
- Was ist es? Mooer Air P10 – kompaktes 2,4-GHz-Wireless-System für Gitarre und Bass mit 4 Kanälen und integriertem Akku.
- Besonderheiten: Automatischer Standby-Modus, schwenkbarer Klinkenstecker, Multi-Receiver-Funktion und Plug-and-play-Bedienung.
- Klang & Praxis: Leichtes Mitten-Boosting, dezentes Eigenrauschen, stabile Funkverbindung und geringe Latenz (<5 ms).
- Akkulaufzeit: ca. 5 Stunden, mit USB-Ladefunktion (Y-Kabel im Lieferumfang).
- Reichweite: bis zu 15 m (2,4-GHz-Band, weltweit lizenzfrei).
- Fazit: Günstiges, solides Einsteiger-Wireless-System für Probe und kleine Gigs – klanglich nicht völlig neutral, aber alltagstauglich.
- Preis (ca.): 59,- Euro
Inhaltsverzeichnis
- Mooer Air P10
- Erstes Fazit: Plug-and-play zum Schnäppchenpreis, aber nicht ohne Kompromisse.
- Die ewige Leidensgeschichte der Wireless-Systeme
- Konstruktion und Verarbeitung
- Bedienung
- Technische Daten
- Praxistest
- Der Klang
- Besonderheiten bei aktiven Elektroniken
- Multi-Receiver-Funktionalität
- Die Akku-Problematik
Erstes Fazit: Plug-and-play zum Schnäppchenpreis, aber nicht ohne Kompromisse.
Wer ein unkompliziertes, günstiges Wireless-System für die Probe oder kleinere Gigs sucht, der findet im Mooer Air P10 einen interessanten Kandidaten. Die Verarbeitung ist solide, die Bedienung kinderleicht und der Preis von 59,- Euro definitiv verlockend. Allerdings, und das sollte man vor dem Kauf wissen, handelt es sich hier nicht um ein klangneutrales System.
Der Sender verstärkt das Signal hörbar, was besonders im Clean-Bereich zu einem deutlich dichteren, mittenbetonteren Sound führt. Für manche Spielsituationen kann das durchaus interessant sein, wer aber maximale Transparenz erwartet, wird enttäuscht. Hinzu kommt die 2,4-GHz-Frequenz, die zwar weltweit lizenzfrei nutzbar ist, bei großen Live-Events aber zur Schwachstelle werden kann. Für Hobbymusiker, Proberäume und kleinere Auftritte ist das Air P10 dennoch eine clevere Lösung, vorausgesetzt, man weiß um seine Grenzen und hat im Zweifelsfall ein Backup-Kabel dabei.
Die ewige Leidensgeschichte der Wireless-Systeme
Auch wenn ich mich wahrlich anstrenge, nicht in die „Opa erzählt vom Krieg“ Abteilung abzuschweifen, wurde mir beim Test des Mooer Air P10 erneut bewusst, wie sehr sich die Guitar-Wireless-Systeme von einer von nur wenigen ausgewählten Künstlern verwendeten Technologie aus den Achtzigern zu einem echten Massenprodukt entwickelt haben.
Mit „Nady“ hatte man vor 40 Jahren den ersten großen, voll analogen Anbieter in den USA, dessen Produkte man mühsam nach Europa brachte und dort illegal gegen alle Post-Frequenz-Gesetze mit 120-V-Spannungswandlern betrieb. Teuer, aufwändig und nicht gesetzeskonform, gegenüber 59,- Euro als Einsteigergerät als „Plug-and-Play“. Größer könnten die Gegensätze kaum sein.
Konstruktion und Verarbeitung
Der Lieferumfang präsentiert sich erfreulich komplett. In einem schwarzen Transportbeutel verstaut, befinden sich Sender und Empfänger, dazu ein Y-USB-Kabel, das beide Einheiten gleichzeitig laden kann, sowie eine Bedienungsanleitung. Leider verfügt das Kabel nur über den alten USB-A-Stecker zum Netzteil, was geändert werden sollte. Mit Abmessungen von 117 × 42 × 30 mm und jeweils 50 g Gewicht sind die beiden Einheiten echte Leichtgewichte, die in jeder Gitarrentasche verschwinden. Die Verarbeitung des ABS-Kunststoffgehäuses macht einen durchweg vertrauenserweckenden Eindruck.
Optisch sind Sender und Empfänger nahezu identisch. Lediglich ein farbiger Ring um das Mooer-Logo – blau für den Transmitter, rot für den Receiver – und eine kleine Beschriftung unterscheiden die beiden. Ein sinnvolles Detail ist der schwenkbare Klinkenstecker, der sich um etwa 240 Grad drehen lässt. Damit passt das System sowohl in die seitliche Buchse einer Stratocaster als auch in die gewinkelte Ausgangsbuchse einer Les Paul, ohne störend abzustehn.
Auch bei dem Mooer Air P10 hat die Konstruktion baulich bedingt leider das Problem, dass bei entsprechenden Bühnenshows sich der Sender innerhalb der Ausgangsbuchse drehen und dann je nach Buchsenplatzierung Richtung Bein drehen kann. Bei einer Les Paul oder Vergleichbarem wäre es daher innerhalb einer echten Rock’n’Roll-Show zu überlegen, ob man das System nicht mit Tape fixiert.
Bedienung
An der Seite jeder Einheit befinden sich zwei Schiebeschalter: ein An/Aus-Schalter und ein Channel-Wahlschalter für die vier verfügbaren Kanäle. Auf der Rückseite zeigen vier LEDs (A, B, C, D) den gewählten Kanal an. Leuchtet die LED durchgehend grün, steht die Verbindung stabil. Blinkt sie, schwächelt das Signal und ein Kanalwechsel ist ratsam oder aber sie müssen geladen werden.
Ein praktisches Feature ist der automatische Stromsparmodus. Geht zehn Sekunden lang kein Signal ein, schaltet das System auf Standby und erwacht sofort wieder, sobald man in die Saiten greift. Die verbauten 720 mAh Lithium-Ionen-Akkus sollen laut Hersteller bis zu fünf Stunden durchhalten, für die meisten Gigs ausreichend, für Marathon-Sessions mit drei Zugaben aber möglicherweise knapp.
Technische Daten
Mooer gibt für das Air P10 eine Reichweite von etwa 15 m an, wobei die Signalübertragung mit 48 kHz, 24 Bit und einer Latenz von unter 5 ms erfolgt. Das klingt auf dem Papier respektabel und liegt auf dem Niveau weitaus teurerer Systeme. Gesendet wird im 2,4-GHz-ISM-Band, was den weltweiten Einsatz ohne Lizenzgebühren ermöglicht.
Allerdings hält Mooer die Ansprüche sehr gering und setzt einmal mehr auf die gerne genommene 2,4-GHz-Frequenz, mit allen ihren Vor- und Nachteilen. Ich hatte mit dieser Frequenz in großen Hallen während der Showtime komplette Signalabrisse, die nicht mehr zu kompensieren waren, allerdings habe ich auch mit einem 2,4-GHz-System von Shure das Wacken Open Air gespielt, ohne dass es zu Problemen gekommen wäre. Ich will damit sagen, dass man die Signalsicherheit in diesem Segment nicht voraussagen kann und man auf jeden Fall immer ein Backup-Kabel zur Verfügung haben sollte.
All die wunderbaren Videos auf YouTube, die ein Guitar Wireless System testen, sind in Bezug auf ihre Live-Tauglichkeit letztendlich völlig nutzlos. Selbst wenn man mit seinem Instrument über ein Fußballfeld läuft oder sich in die erste Etage seiner Wohnung bewegt, hat dies absolut nichts mit der „Frequenzhölle“ eines Festivals zu tun, wo zusätzlich zum teils massiven Bühnenfunk Tausende von Besucher-Mobiles rund um die Uhr Ausschau nach einem WLAN-Netzwerk halten.
Praxistest
Im heimischen Studio und Proberaum zeigt sich das Air P10 von seiner besten Seite. Die Verbindung steht sofort nach dem Einschalten, die Reichweite von 15 m wird problemlos erreicht und selbst durch Wände hindurch bleibt das Signal stabil. Smartphones, Computer und sonstiges Studioequipment in unmittelbarer Nähe zeigten keinerlei negativen Einfluss auf die Übertragung. Im Test traten keine elektromagnetischen Störungen auf – soweit, so gut.
Der Klang
Und damit kommen wir zum eigentlich spannenden Punkt dieses Testberichtes, denn hier offenbart das Mooer Air P10 seine größte Schwäche oder – je nach Sichtweise – auch eine interessante Charakteristik. Der chinesische Hersteller wirbt mit einem neutralen Klang, eine Angabe, die ich so definitiv nicht teilen kann.
Im direkten A/B-Vergleich zwischen Kabel und Wireless-System zeigt sich im cleanen Kanal ein klarer Unterschied. Der Sender verstärkt das Signal hörbar, was für mehr Pegel am Eingang des Amps sorgt und den Sound insgesamt verdichtet. Besonders auffällig ist die Betonung der Mitten, die dazu führt, dass ein Hals-Pickup drastisch anders klingt als über ein herkömmliches Kabel.
Auch bei verzerrten Sounds mit der Les Paul zeigt sich diese Charakteristik. Das Air P10 liefert einen deutlich dichteren Klang mit verändertem Mittenbild. Für Metal und Rock-Sounds kann das durchaus von Vorteil sein, da sich die Gitarre besser im Mix durchsetzt. Wer aber exakt den Sound haben möchte, den er mit Kabel bekommt, wird hier enttäuscht.
Hinzu kommt ein weiteres Phänomen: Mit steigender Amp-Verzerrung ist zunehmendes Hintergrundrauschen festzustellen. Bereits wenn man den Empfänger in den Amp-Input steckt und einschaltet, ist ein leichtes Grundrauschen vorhanden. Aktiviert man auch den noch nicht am Instrument angeschlossenen Sender, steigt das Rauschen weiter an. In der Praxis wird dieses Rauschen zwar vom Audiosignal überlagert, bei Spielpausen mit Vintage-Singlecoils und stark verzerrten Sounds ist jedoch stets ein minimales Pfeifen oder Summen festzustellen.
Besonderheiten bei aktiven Elektroniken
Ein interessanter Aspekt, der bei manchen Instrumenten zu Problemen führen kann: Da der Sender nicht abgeschirmt ist, können Instrumente mit Aktiv-Elektronik in unmittelbarer Nähe der Klinkenbuchse Störgeräusche verursachen. Dies betrifft insbesondere akustische Instrumente, deren Preamp direkt in die Klinkenbuchse integriert ist und kein abschirmendes Metallgehäuse besitzt.
Aktive EMG-Pickups und Akustik-Gitarren, deren Preamp-Einheiten in der Korpuszarge montiert sind und damit ausreichend Abstand zum Sender besitzen, bereiten dagegen keine Probleme. In den meisten Fällen lässt sich das Störgeräusch durch entsprechendes Ausrichten des Senders minimieren oder ganz eliminieren.
Multi-Receiver-Funktionalität
Ein sinnvolles Feature, das in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich ist. Man kann einen Sender mit zwei Empfängern betreiben, sofern alle Geräte auf dem gleichen Kanal arbeiten. Damit lässt sich beispielsweise ein Stereo-Setup realisieren, bei dem das Gitarrensignal gleichzeitig an zwei Verstärker geschickt wird. Für experimentierfreudige Gitarristen durchaus eine interessante Option.
Die Akku-Problematik
Ein Wermutstropfen, der bei vielen günstigen Wireless-Systemen zu finden ist: Der Akku lässt sich nicht vom Benutzer austauschen. Das bedeutet, dass man nach ein paar Jahren intensiver Nutzung, wenn die Akkuleistung nachlässt, die kompletten Einheiten entsorgen oder zum Servicecenter schicken muss. Aus ökologischer Sicht ist das mehr als fragwürdig, wirtschaftlich aber leider Standard bei diesem Preisniveau.
Immerhin: Der Power-Save-Mode des Mooer Air P10 verlängert die Betriebsdauer spürbar und mit dem mitgelieferten Y-Kabel lassen sich beide Einheiten problemlos an jedem USB-Netzteil oder Computer aufladen.




































Air P10, wo sie es Ducks hätten nennen können, was für eine vergebene Chance.