Test: Mooer Black Truck, Effektgerät

9. September 2018

Mooers schwarzer Tausendsassa!

Von kleinen Units wie der Micro Serie bis hin zu Effektstationen wie jetzt der Mooer Black Truck – Mooer macht sich mehr und mehr in der Wahrnehmung der Pedalgemeinde breit und will bemerkt werden. Nach dem fantastischen Preis-Leistungs-Verhältnis der Preamps und Micro-Zerren dürfte mit den tollen Tone-Capture-Fähigkeiten des Micro Preamp Live  endgültig jeder bemerkt haben, dass hier eine besondere Firma am Werk ist, mit eigenen Visionen und einem prägenden Perfektionismus.

Die Vision dieser besonderen Firma mit Sitz in Shenzen, China, in Worte zu fassen, gestaltet sich nicht ganz einfach, immerhin ist das Unternehmen noch recht jung. Doch der bisherige Output offenbart eine klare Tendenz: Mooer will kluge, kompakte Lösungen auf höchstem technischen Niveau liefern – für einen exzellenten Preis. Der Ansatz des Mooer Black Truck ist kein völliges Neuland für Mooer. Mit dem Red Truck wurde bereits demonstriert, dass das Unternehmen weiß, wie man viele unterschiedliche Sounds in einem Package unterkriegt. Ebenso mit der Devin Townsend-inspirierten Ocean Machine, die bereits so etwas wie leichten Kultstatus besitzt, immer häufiger auf Pedaltrains anzutreffen ist und eine kompakte, großartig klingende Delay-Reverb-Lösung darstellt.

Was wollte Mooer nun mit dem Black Truck erreichen? Vereinfacht ausgedrückt: Ganze sechs Pedale unter Dach und Fach bringen. Ist das zu viel des Guten? Der Red Truck hat immerhin einen guten Eindruck hinterlassen und unterscheidet sich von seinem großen Bruder, dem Black Truck, in erster Linie nur durch einen ergänzten EQ und einer High-Gain-Option. Aber das ist nicht alles – schauen wir uns das gute Teil mal genauer an.

Mooer Black Truck front

Mooer Black Truck – Facts and Features

 

Die Verpackung ist ungewöhnlich, aber ansprechend – ein kleiner, schwarzer Koffer soll signalisieren, dass man es hier mit einem in sich geschlossenem Produkt zu tun hat, das gegebenenfalls ganze Pedaltrains ersetzen kann. Natürlich handelt es sich beim Black Truck aber nicht um einen „Closed Circuit“, wie wir gleich sehen werden.

Die Verarbeitung ist grundsolide, aber das war beim Preamp Live und dem Red Truck bereits der Fall. Für diese Preisklasse und Menge an Vielfalt ist dies jedoch keine Selbstverständlichkeit. Für jedes integrierte Effektgerät gibt es in erster Linie kleine, 2,5 cm breite Potis. Nicht ideal, aber verschmerzbar, wenn man bedenkt, dass hier möglichst viel auf möglichst engen Raum passen soll.

Auf der Stirnseite offenbart sich dann sogleich der Anschluss für ein 9-Volt-Netzteil und, ganz typisch Mooer, der PHONES-Anschluss für Kopfhörer direkt neben dran, regelbar mit kleinem Volume-Poti.

Mooer Black Truck front

 

Gespielt werden kann der Black Truck sowohl über Stereo als auch Mono, und erfreulich sind die SEND- und RETURN Anschlüsse des Effektwegs, somit lassen sich also weitere externe Geräte einschleifen. Positioniert wurde der Effektweg zwischen dem EQ und der Modulationssparte – also genau dort, wo er hingehört. Gleichzeitig arbeitet der SEND-Anschluss als Output für den EQ und High-Gain-Circuit. Außerdem lässt sich mit der SEND- und RETURN- Option ein Dry-Wet-Setup mit zwei Verstärkern aufstellen. Also wie es eben typisch für Mooer ist: Gedacht wurde auf so engem Raum so ziemlich an alles. Wirklich an alles? Bis auf einen MIDI-Anschluss muss man sagen: Ja, tatsächlich – denn neben all den Effekten und der tonalen Vielfalt hat Mooer sogar an einen integrierten Loop-Switcher gedacht.

Grundlegend lässt sich der Black Truck nämlich in zwei Betriebsmodi schalten: den Live-Modus und den Preset-Modus. Im Live-Modus agiert der Black Truck wie eine normale Pedaltrain – jeder Stomper aktiviert das jeweilige Pedal oder versetzt es in Bypassmodus. Hält man den TAP und den Fußschalter 1 gedrückt, wechselt der Truck jedoch in den Preset-Modus. Jeder Fußschalter aktiviert nun eine im Vorfeld gespeicherte Kombination bzw. Schleife von Effekten. Gespeichert und eingestellt werden die Schleifen im Live-Modus und können dann im Preset-Modus entsprechend aufgerufen werden. Kommen wir zu den Engines und dem Bedienpanel.

Mooer Black Truck – Bedienpanel

 

Mooer Black Truck

Ganzen sechs Effektklassen ist hier Platz eingeräumt worden. Was auf den ersten Blick ein wenig gequetscht aussieht, hat System: Die Potis für die einzelnen Parameter sind absichtlich klein gehalten, aber stabil verarbeitet worden und bieten eine Bandbreite an Manipulationsmöglichkeiten. Das gestaltet sich pro Effektklasse wie folgt:

  • Space ist eine kleine aber feine Delay/Reverb Engine, bei der der Hall oder das Delay getrennt voneinander oder zusammen aktiviert werden kann. Eine Tap-Funktion ist mit dem Stomp außen links gewährleistet, außerdem lassen sich Mix und beim Reverb sowie Feedback, Level und Time beim Delay einstellen. Übersichtlich, schnörkellos und äußerst praktikabel.
  • Mod deckt die drei grundlegenden Modulationsvarianten ab: Flanger, Phaser sowie Tremolo. Betätigt man Schalter Nummer 2 und 3 gleichzeitig, dann wechselt der linke Tap-Schalter vom Delay hin zum Mod, und man kann die Modulationsrate entspannt eintappen. Will man den Stomp für das Delay-Tapping halten, lässt sich die Rate über den einzig großen Potis des Black Trucks einstellen. Man kann aber auch Stomp 3 und 4 gleichzeitig drücken und das TAP-Tempo für Delay und Mod gleichzeitig tätigen. Darüber hinaus können die „Must-have-Parameter“ Colour und Range per Potis kalibriert werden.
  • EQ ist, wie der Name schon sagt, ein Frequenzfilter, das ein sehr differenziertes Einpendeln, Boosten oder Zurücknehmen bestimmter Frequenzen ermöglicht. Mit einem Plus von -/+18 dB und einer Range von 100 Hz bis 4 kHz ist hier alles drin. Wie es sich anhört, wird sich im Praxisteil nachvollziehen lassen.
  • HI-GAIN haut euch das Metalbrett um die Ohren, ganz auf der Höhe herkömmlicher Emulations-Amps. Tweak, Tone und Gain lassen sich ebenso einstellen wie ein Mittenboost. Vorsicht – die Engine ist ungemein laut! Der Autor hat bislang nicht nachvollziehen können, ob es am vorliegenden Exemplar liegt, aber bereits mit Volume auf mittlerer Position des Reglers werden völlig absurde Lautstärken erreicht.
  • OD und der dazu geschaltete COMP bestehen aus zwei bereits bewährten Mooer-Circuits: dem Green Mile Schaltkreis des Overdrives und dem analogen Yellow Comp Schaltkreis des Kompressors. Auch hier lassen sich mit einem EQ-Potis Klangfarbe einstellen, und im Kontrast zur künstlich anmutenden HI GAIN-Engine dominiert hier ein ungemein organisches, warmes Klangbild.

Alle Engines können selbstredend frei miteinander kombiniert und über die PRESET-Funktion als Effektschleifen programmiert werden. Die schiere Fülle an Optionen auf so engem Raum ist also ergonomisch und technisch gesehen beeindruckend, am Ende steht jedoch nur eine einzige Frage im Raum: Wie klingt das Ganze? Hat sich Mooer übernommen? Oder geht die „komprimierte Superformel“ auf? Auf der nächsten Seite erfahren wir es!

Klangbeispiele
Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.