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Test: Mooer D7 X2, Delay-Pedal

10. Oktober 2021

14 Stereo Delay-Sounds - für knapp über 100,- Euro

Test: Mooer D7 X2, Delay-Pedal

Mooer frustrieren mich. Entweder haut die Firma grandiose kleine Pedale raus wie den D7 und R7, aber manchmal auch kleine unnütze Geräte wie den Mooer E7. Manchmal gelingen in Sachen Multieffekt-Boards mal so goldene Schnittmengen wie beim Mooer GE250, manchmal geht auch das schief. Ein bisschen, das ist zumindest mein Gefühl, sind Mooer auf der Suche nach ihrer goldenen Formel. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist die größte Stärke der Firma und als ich mitbekam, dass die Firma für einen halben Preisaufschlag die grandiosen Mini-Delays und Mini-Reverbs erweitern würde, war ich zuversichtlich – klanglich stimmten die Geräte. Erweitert man sie um Features und Umfang und hält den Preis niedrig, könnten die Geräte echte Platzhirsche im Low-Budget-Bereich werden. Also – ist das gelungen?

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Mooer D7 X2 Delay-Pedal – Facts & Features

Gleich vorweg – das R7 sehen wir uns nächste Woche an, da werden wir die beiden Pedale auch zusammenführen. Im Grunde haben Mooer hier einfach wirklich das D7 genommen und es in jedweder Hinsicht verdoppelt. Und das bedeutet im Konkreten: Ganz recht, das Mooer D7 X2 ist ein Stereo-Delay-Pedal. Was das Gerät auch für die Verwendung bei Synthesizern nicht uninteressant macht. Doch der Reihe nach.

Test: Mooer D7 X2, Delay-Pedal

Wer sich jetzt gleich freut, für 129,- Euro ein Stereo-Pedal abstauben zu können, sollte wissen: kein MIDI, kein CV und damit leider auch keine Möglichkeit für Expression-Pedale. Aber ich sage es noch mal: 129,- Euro. Also, belassen wir es bei dem, was dem Mooer D7 X2 fehlt und konzentrieren uns stattdessen darauf, was es kann. Das 9 Volt Netzteil ist im Lieferumfang enthalten. Zwei 6,3 mm Klinkeneingänge, zwei für Ausgänge, ein LED-Licht, das euer Tempo anzeigen kann. Gott sei dank ist das Gerät mit einem separaten Tap-Schalter ausgestattet und ein Bypass-Schalter rundet das Ganze ab. Sagen wir, wie es ist: Mit vierzehn Delay-Modi für 129,- Euro steht das Pedal auf weiter Fläche allein da. Zusätzlich ist das Pedal auf seinem Panel recht rund aufgestellt. Was passiert da alles?

  • Tweak 1: Hier lässt sich der erste Parameter der ausgewählten Engine einstellen – das kann Modulationen oder andere Aspekte betreffen
  • Tweak 2: Hier lässt sich der zweite Parameter der ausgewählten Engine einstellen
  • Mix: Das Dry- und das Wet-Signal eures Delay-Pedals lassen sich hier im Mischverhältnis zueinander einstellen
  • Time: Hier lässt sich die Delay-Zeit einstellen
  • F.B.: Der Feedback-Pegel des Sounds lässt sich hierüber separat einstellen

Test: Mooer D7 X2, Delay-Pedal

Der Save-Button dient dazu, für jeden der vierzehn Delay-Modi ein Preset abzuspeichern. Nun ist es auch so, dass es eine Drück-Kombination gibt, die es erlaubt, „on-the-fly“ zwischen den Delay-Modi wechseln – beide Fußschalter gedrückt halten, auf rotes LED-Licht warten und dann mit dem linken oder dem rechten Fußschalter durchschalten. Einfach und praktisch. Durch das Gedrückthalten des Bypass-Schalters lässt sich der Trail-Modus ein- und ausschalten. Auch hier – äußerst praktisch.

Mooer D7 X2 Effektpedal – die Delay-Modi

Also – vierzehn Modi für 129,- Euro – das ist eine ganze Menge und schlägt in die typische Mooer-Kerbe: Preis-Leistungs-Verhältnis in Vollendung. Aber was sind die einzelnen Modi, die das D7 X2 ausmachen?

Test: Mooer D7 X2, Delay-Pedal

  • Digital: Ein sauber arbeitendes digitales Delay-Pedal, dessen Frequenzen mit den Tweak-Schaltern eingestellt werden
  • Analog: Eine Emulation eines warmen, authentischen Analog-Delays
  • Tape: Ein schönes Vintage Delay, das von Tonbandecho bis Vinylplattenecho absteckt, Tweak deckt Modulationen hier ab
  • Dynamic: Ein sensitives Delay, das auf die Stärke des Eingangssignals reagiert
  • Liquid: Ein mit Step-Phaser ausgestattetes Modulations-Delay, dessen Stufen eingestellt werden können
  • Mod: Auch ein Modulations-Delay, das sich besonders analog und warm anlässt und sehr eigen wirkt
  • Mod-Verse: Ein Flanger-Delay, das sehr interessant mit Rückkopplung und Klangfragmenten arbeitet, auch hier: Alleinstellungsmerkmal
  • Galaxy: Feedback, Klangtiefe und ein Hauch Reverb und Chorus – ein verwaschener, sehr hallartiger Reverb, der vor allem für Postrock-Leads geeignet ist
  • Dual: Ein doppelter Delay-Effekt, dessen zweiter Head durch Tweak 2 verzögert werden kann und dadurch ganz besondere Effekte in Stereo erzeugen kann
  • Pingpong: Ebenfalls ein für Stereo ausgelegter Delay-Effekt, den man von Klassikern vom Timeline kommt
  • Crystal: Ein mit kristallinen Octaver-Sounds und Shimmer-artigen Effekten ausgestatteter Delay-Effekt
  • Rainbow: Ein mit Pitch-Effekt ausgestatteter Delay-Effekt mit einstellbarem Pitch beim Tweak 2-Poti
  • Low-Bit: Ein Bitcrusher-Delay der besonderen Art – die White Noise Fahne des Delay-Effekts ist für Zerrsounds oder Klangexperimente geeignet
  • Fuzz: Ein krachiger, rückkopplungsfreudiger alleinstehender Delay-Effekt, bei dem die Repeats extrem verzerrt sind – eine ganz besondere Nummer, die man bei anderen Delay-Pedalen auch selten antrifft
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Also – so steht das Ganze dann da – für 129,- Euro. Das ist sehr beeindruckend und auch vor dem Hintergrund, dass der Klang des D7 gut hinkam, bin ich nun mehr als optimistisch, dass sich hier klanglich was anbahnt, was das Preis-Leistungs-Verhältnis zu etwas Besonderem erheben dürfte.

Die Sounds des Mooer D7 X2 Delays in der Praxis

Ich wiederhole es noch mal – 129,- Euro kostet der Spaß. Nachdem ich ein paar Stunden mit dem Mooer D7 X2 zubringen konnte, stelle ich erfreut fest: Das hier dürfte endlich die perfekte Melange sein, die zu Mooer passt. Ein Stereo-Delay mit 14 unterschiedlichen Engines für diesen Preis gibt es sonst nirgendwo. Und die Qualität der Engines stimmt. De facto würde ich wagen zu behaupten, dass den meisten Spielern, die in erster Linie ein flexibles Arbeitswerkzeug brauchen, der Unterschied zwischen den Sounds, die das D7 X2 produziert und denen, die beispielsweise das Nemesis von Source Audio nicht auffällt – zumindest nicht live bzw. in der Hitze des Gefechts. Ein Stück weit muss man die Kirche natürlich im Dorf lassen: Es gibt andere digitale Delays mit weitaus besseren Analog-Engines, die glaubwürdiger und wärmer wirken. Aber das D7 X2 ist dahingehend ein guter Kompromiss.

Gerade auch, als ich es schade fand, dass der Tap-Button keine Freeze-Funktion aktiviert, stellte ich zumindest fest, dass ein Aufdrehen des Feedback-Reglers bei einigen Engines zumindest das gleiche zur Folge hat – das Signal bleibt im Raum und lässt sich beeinflussen, worauf wir im nächsten Teil noch verstärkt reingehen. Aber es ist bemerkenswert: Egal ob die ICE-Engine des Strymon Timeline, einfallsreiche, an Meris angelehnte Modulations-Delays wie beim Phaser, ein brauchbares-Ping-Pong-Delay oder eine direkte Anlehnung an das Earthquaker Devices Rainbow – im D7 steckt eine ganze Menge und mit den beiden Tweak-Reglern lässt sich auch eine ganze Menge rausholen. Einziger unmittelbarer Kritikpunkt hier: Die Tape-Engine ist sehr verwaschen – da haben es sich Mooer ein bisschen zu leicht gemacht.

Kommen wir zu einer kleinen Überraschung – der Low-Bit-Engine. Immer wieder schaffen es Firmen bei solchen Unterfangen wie Multi-Delays oder -Effektgeräte, ein Ziel zu verfehlen und aus Versehen ein ganz anderes zu treffen. Der Low-Bit vom Mooer D7 X2 ist keine klassische Bitcrusher-Engine – wer die braucht oder sucht, findet meines Erachtens keine bessere als die des Timeline von Strymon. Was hier jedoch geboten wird, ist eine seltsam reagierende, warme, teils unberechenbare White-Noise-Wolke, die für alle Fans des gepflegten Shoegaze, Postrock, Noise-Folk und allen möglichen experimentellen Genres so etwas wie eine kleine Offenbarung darstellen dürfte. In der zweiten Hälfte des Klangbeispiels friere ich das Signal über den Feedback-Regler ein und experimentiere mit Tweak 1 und Tweak 2. Das Ergebnis lässt mich an Death By Audio denken – unerwartet, aber erfreulich.

Was die Fuzz-Engine angeht – die Neugier war groß, aber ein bisschen ernüchternd ist das Ganze dann doch. Die Idee ist großartig, aber der Fuzz müsste zweifelsohne in Sachen Klangqualität besser ausfallen, damit man das wirklich in der Praxis verwenden kann. Es ist kein kompletter Reinfall und hat speziell in Stereo durchaus Potential, aber leider lässt sich mit dem Tweak-Regler Tone nicht so abschwächen und entschärfen, dass das Signal nicht nach billigem Sägezahn klingt. Aber auch hier gilt: Noise-Eskapaden par excellence lassen sich mithilfe des Feedback-Reglers auch hier entfesseln.

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Fazit

Ein Best Buy für Mooer war überfällig – aber eben auch nicht selbstverständlich. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hier eine Nummer für sich: Für 129, – Euro eine so breite Palette an Delay-Sounds anzubieten, die allesamt praktisch und einsetzbar sind, dazu noch in Stereo, mit Freeze und Oszillations-Kapazitäten, mit Trail-Funktion. Was soll man sagen – Hut ab, Mooer, das Gerät dürfte für viele Gitarristen mit einem knappen Budget ein echter No-Brainer sein.

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • eigenwillige, aber ausdrucksstarke Engines
  • Stereo

Minus

  • kein CV

Preis

  • 129,- Euro
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