Test: Mooer E7, Synthesizer-Pedal

12. Mai 2020

Mooers Micro Synthie!

Im Test Mooer E7 Synthesizer Gitarrenpedal

Die Micro Series von Mooer haben wir zuletzt ausführlich in diesem Artikel beleuchtet – ich persönlich war sehr angetan von dem, was Mooer da abgeliefert hatte. Weniger High End Motherboards und Multieffektgeräte bauen, sondern vermehrt auf die famosen Pedale der Micro Series setzen. Das gute Preis-Leistungsverhältnis, mit dem Mooer zumeist aufwarten, wurde beim A7 Reverb und D7 Delay also in meinen Augen auf die Spitze getrieben.

Nun hat das kleine Duo aus der 7er-Reihe eine Ergänzung bekommen. Mooer hat Gottseidank nicht den Fehler begangen und einen Micro-Zerrer mit 7 Modi für 99,- Euro rausgehauen – Low Budget Zerren werden mich einfach nie überzeugen. Stattdessen hat die chinesische Firma mit dem E-7 eine kleine Synthesizer-Box erschaffen. Wir wollen uns das mal genauer ansehen, und in Sachen Tracking, Soundqualität und Flexibilität eine Bewertung wagen. Die Vorstellung, zugegebenermaßen, hat was: für knapp 300,- Euro ein flexibles Micro-Trio aufs Mini-Board zu packen. Also – taugt das E-7?

Mooer E-7, Synthesizer-Pedal – Facts, Features & Panel

Gleich die wichtigste Frage sollte geklärt werden – polyphon oder monophon? Polyphon, und das ist gut so. Das Gehäuse des E-7 ist auch hier wieder ziemlich Micro, wiegt knapp 150 Gramm und hat wie das A-7 und das D-7 die Maße 93,5 x 42 x 52 mm.  Man darf Sperenzchen wie einen Expression-Anschluss und MIDI bei dem kleinen Anschluss nicht erwarten – die 6,3 mm Klinken-Anschlüsse befinden sich links und rechts am Pedal. Der Anschluss für das 9V – Netzteil befindet sich an der Stirnseite – dieses ist übrigens nicht im Lieferumfang enthalten. That’s it. Zum problemlosen Laufen benötigt das E-7 200 mA.

Im Test Mooer E7 Synthesizer Gitarrenpedal

Das System ist auch hier wieder recht übersichtlich – 7 Sounds stehen beim E-7 wieder grundsätzlich zur Verfügung, angezeigt durch eins der 7 LED-Lämpchen auf der linken Seite. Für jeden der sieben Modi kann ein Arpeggiator eingeschaltet werden, indem man den Fußschalter gedrückt hält – dafür ist das kleine LED-Lämpchen im Save-Knopf nötig: blau bedeutet, dass der Arpeggiator aktiv ist, rot, dass er ausgeschaltet ist. Auf jedem der sieben Sound-Positionen lässt sich ein Preset speichern. Verstreicht ein bisschen Zeit und man möchte noch mal von vorne beginnen, was die Sammlung der Presets angeht, kann man das Mooer E-7 auf die Werkseinstellung zurücksetzen, indem die Save-Taste gedrückt hält, während man das Netzteil wieder einsteckt. Der USB-Port auf der linken Seite ist einzig und allein für die Firmware-Updates zuständig.

Das Panel des Mooer E-7 ist ähnlich den anderen 7ern aufgebaut – fünf Regler, die in Sachen Flexibilität die goldene Mitte treffen sollen. Bis auf zusätzliche LFO-Modulation können hier die wichtigsten, für Synthesizer typischen Parameter eingestellt werden.

  • Attack überlässt es einem, die Anschlagsgeschwindigkeit einzustellen – ob der Anschlag deutlich akzentuiert daherkommt oder mit einem leichten Fade.
  • Speed ist für die Geschwindigkeit des Arpeggiators zuständig.
  • Low Cut – ein Low Cut Filter für Bassabsenkung von 20 – 2000 Hz.
  • High Cut – ein High Cut Cilter für Höhenabsenkung von 5k bis 20k kHz.
  • Mix lässt einen das Verhältnis von bearbeitetem und unbearbeitetem Signal einstellen.

Mooer E-7, Synthesizer Pedal – die Engines

Also – sieben Synthesizer Sounds in dieser kleinen Box, die entweder mit oder ohne Arpeggiator laufen können. Doch was genau sind diese Sounds? Mooer hat ihnen keine abgedrehte Namen gegeben – es findet sich jedoch ein guter Querschnitt typischer FM-inspirierter und LFO-gesteuerter Sounds.

Im Test Mooer E7 Synthesizer Gitarrenpedal

  • Mode 1: Ein Pad-Sound mit Trompeten-Charakter und standardmäßig eingeschaltetem Arpeggiator.
  • Mode 2: Ein Orgel-Sound mit eingeschaltetem Arpeggiator.
  • Mode 3: Ein sehr tragender, atmosphärischer Sound, beschrieben als „Meereswellen“-ähnlich mit LFO und standardmäßg eingeschaltetem Arpeggiator.
  • Mode 4: Der „Weeyo“-Sound, mit Portamento-Charakter und LFO.
  • Mode 5: Sägezahn-Synthesizer mit wechselndem LFO, hellem und langsamem Arpeggiator.
  • Mode 6: Bitcrusher Effekt auf 8 Bit-Basis
  • Mode 7: Ein EDM/Pad-orientierter Sound, der ohne Arpeggiator gut funktioniert und atmosphärische Synthie-Flächen erzeugen kann.

Nicht schlecht – liest sich recht umfangreich und dürfte sich in der Praxis als wenig redundant erweisen – oder? Schauen wir uns das mal genauer an,

Mooer E-7 Synthie Gitarreneffekt – in der Praxis

Wir speisen das Mooer E-7 über den Yamaha THR30 und den Torpedo C.A.B. in den Hi-Z einer Focusrite Scarlett und versuchen uns an den einzelnen Presets. Wohlgemerkt sind die Beats in der DAW entstanden, jeder andere Sound kommt durch das Mooer E-7 zustande.

Im Test Mooer E7 Synthesizer Gitarrenpedal

Ordentliche Enttäuschung, ganz klar – die Sounds des Mooer E7 sind dermaßen blechern, flach und undynamisch, dass es mich fast ärgert, dass Mooer das Pedal in diesem Zustand auf den Markt gebracht haben. Wir stellen den Amp so clean wie möglich ein, um dem sehr scharfen Frequenzgang des E7 entgegenzukommen, aber dennoch wirkt der Sound schwammig und kratzig zugleich. Der LFO-Sweep ist fürchterlich laut und zerstört meines Erachtens den Charakter der mittleren Presets. Die polyphone Arbeitsweise des E7 ist ebenfalls alles andere als differenziert. In den meisten Presets gehen gegriffene Mehrklänge gnadenlos unter. Dem sehr basslastigen Sound versuche ich durch den EQ des THR beizukommen, aber hier ist Hopfen und Malz verloren. Vielleicht liegt es daran, dass man in Sachen Synthesizer Sounds zuletzt von Source Audio und Meris ordentlich verwöhnt wurde, aber das hier funktioniert einfach gar nicht. Der Arpeggiator ist undynamisch, und deaktiviert man ihn, hat man es mit einem sehr unsensiblem Tracking zu tun, das Feinheiten wie Hammer-Ons nicht auffängt. Das Ganze entfaltet auch keinen Lo-Fi-Charme, sondern klingt in meinen Ohren einfach nur blechern und ist auch über die meisten Presets hinweg ordentlich redundant im Klangbild.

 

 

Fazit

Durch niedrigen Preis lässt sich nicht alles rechtfertigen – sorry, Mooer. Was beim D7 und A7 gut funktioniert hat, ist hier jedoch ein ordentlicher Patzer. Klar, für 99,- Euro hätte man nicht die Welt erwarten sollen, aber die Presets sind unausgewogen, der Filter-Sweep des LFO in der Synth-Voice viel zu laut, das Tracking insgesamt fürchterlich, die Sounds blechern und kratzig. Schade – wäre schön gewesen hier einen dritten Volltreffer der 7er Reihe zu verzeichnen, aber so auf gar keinen Fall.

Plus

  • Preis-Leistungsverhältnis
  • platzsparend

Minus

  • sehr flacher Sound
  • keine Kontrolle über Output
  • LFO zu laut
  • blecherner Charakter

Preis

  • 99.- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Hein Schlau  AHU

    Ich kann den musikalischen Nutzen dieser Tröte nicht erkennen. Musiker, die mit Körpereinsatz (Hände, Atem, Füße, Stimme etc.) ihre Instrumente spielen, machen das ja im Allgemeinen, um möglichst unmittelbar irgendetwas auszudrücken.
    Dieses Pedal würgt das völlig ab und es würde auch nicht helfen, wenn die Sounds hochwertiger wären und nicht nach Zahnschmelz zerstörendem Kiddie-Keyboard.
    Ich finde auch mittlerweile generell diese ganzen Versuche völlig sinnlos, aus der Gitarre doch noch ein EDM-Instrument zu machen, die relative Erfolglosigkeit dieses Unterfangens zeigt auch irgendwie, dass ziemliche viele Gitarristen das ganz ähnlich sehen.
    Mir wäre auch peinlich, damit in der Öffentlichkeit aufzutauchen und mir ist sonst wenig peinlich.
    Jedes Big Muff ist musikalischer.

  2. Profilbild
    Emrage

    Das E7 ist tatsächlich kein großer Wurf.

    Ich finde es allerdings nervig, wenn Puristen solche Effektpedale pauschal verdammen. Ich setze z.B. das EHX Synth9 mit großer Freude ein. Klar ist auch da das Tracking nicht perfekt, aber das fällt im Bandkontext kaum auf und es ERGÄNZT den Dry-Sound nur und ersetzt ihn nicht. Um etwas Klangfläche unter einen cleanen Gitarrensound zu legen, ist es sehr gut geeignet (im Modus 8). Dafür muss ich keinen zusätzlichen Keyboarder einstellen. Und mit dem Big Muff würde das je nach Musikstil auch nicht unbedingt funktionieren ;-)

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Was mal angestestet werden sollte, wäre der AcouFiend von Blue Cat Audio. Das ist eine Feedback Simulation, mit der man feine Sachen machen kann. In den Send Kanal der DAW packen, dort weiter mit Effekten bearbeiten und das klingt dann spannender als jeder poplige Gitarrensynth. Hab‘ den hier schon seit einigen Tracks im Einsatz und kann auf den mittlerweile kaum mehr verzichten. Ob nun subtil eingesetzt oder ziemlich präsent. Definitiv eine Bereicherung für jeden Track.
    Generell sollte man diese Software Schmiede im Auge behalten. Die machen wirklich krass geniales Zeugs.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.