Test: Mooer PE 100, Effektgerät

29. April 2017

Mini-Multi zum Kampfpreis

Die Mooer Micro Serie dürfte uns allen bekannt sein, etliche der Pedale hatten wir ja bereits bei uns im Test. Unabhängig von dieser zweifellos erfolgreichsten Serie des chinesischen Herstellers wird auch die Sparte der Multieffekte im Hause kontinuierlich weiter entwickelt. Ganz neu im Programm ist nun das PE 100, mit dem Mooer seinen Ruf als Meister der Miniaturisierung erneut untermauert: Kaum größer als eine Zigarettenschachtel, soll die kleine Kiste (mal wieder) alles bieten, was für einen Gitarrensound von Nöten ist. Und dazu noch ein gutes Stück mehr, denn sogar eine Drum-Begleitung wurde eingebaut. Mal schauen und hören, was das Mooer PE 100 uns bieten kann!

Facts & Features

Mit den Maßen von 81 x 137 x 32 mm und einem Gewicht von nur 230 Gramm präsentiert Mooer mit dem PE 100 erneut ein sehr kompaktes und transportfreundliches Gerät im Desktop-Format. Die Unterseite besteht aus Kunststoff und besitzt vier Gummifüße für einen sicheren Stand, für den übrigen Teil wurde ein Stück Alublech verwendet. Viel ist von dem Aluminium auf der Oberseite aber nicht zu sehen, denn die wird fast vollständig vom Bedienpanel bedeckt. Doch bevor wir uns mit den Funktionen und Möglichkeiten beschäftigen, gilt unser Blick zunächst den Anschlüssen des Mooer PE 100.

— Anschlussfeld an der Stirnseite des Mooer PE 100 —

Zwei große und zwei kleine Klinkenbuchsen sowie der Anschluss für das Netzteil sitzen versammelt an der Stirnseite, sind alles keine Unbekannten. Es gibt einen Eingang für das Instrument, einen Ausgang, einen AUX-In zum Einspielen externer Klangquellen sowie einen Kopfhöreranschluss, dessen frequenzkorrigiertes Signal sich darüber hinaus für das Direct-Recording eignen soll. Das dort anliegende Signal ist aber in jedem Falle ein Monosignal. Genau so, wie auch das Signal an der Outputbuchse nur in Mono ausgegeben wird. Etwas abseits der übrigen Bedienelemente befindet sich an der rechten Gehäuseseite ein Mastervolume-Regler, mit dem die Gesamtlautstärke des Mooer PE 100 jederzeit und ohne Steppereien durch das Menü den Bedürfnissen angepasst werden kann.

Der Netzadapter befindet sich im Lieferumfang, zusammen mit einer knappgehaltenen Bedienungsanleitung. Viel wird man diese ohnehin nicht bemühen müssen, denn die Menüführung und die Struktur des PE 100 sind sehr logisch und „gitarristenfreundlich“ aufgebaut und bereits nach wenigen Minuten laufen alle Handgriffe zum Einstellen der Sounds fast wie von selbst. Nicht unerwähnt soll natürlich bleiben, dass man das Mooer PE 100 auch mit Batterien betreiben kann, zwei des Typs „AAA“ können auf der Unterseite über einen Schnellverschluss eingesetzt werden.

Das Bedienpanel des Mooer PE 100

Ein hintergrundbeleuchtetes, grafikfähiges LC-Display bildet die Basis auf der Oberfläche des Mooer PE 100. Links und rechts davon sitzen zwei Endlosdrehregler, die zum einen die gewünschte Funktion anwählen (MODE) und zum anderen den ausgewählten Wert justieren (VALUE). Das Angebot an Amp-Simulationen und Effekten ist mehr als ausreichend, so sind unter den Verstärkernachbildungen mal wieder die üblichen Verdächtigen wie Boogie, Marshall, Fender, VOX und Konsorten zu finden.

Nicht anders ist es bei den Effekten, das Angebot ist dagegen allerdings deutlich größer ausgefallen. Kein Wunder, auf diesem Gebiet ist Mooer ja schließlich Spezialist! Somit ist von Modulationseffekten wie etwa Chorus, Flanger, Phaser, Vibrato oder Ringmodulator über fünf verschiedene Delay-Typen bis hin zu vier Hallräumen (Room, Hall, Church und Plate) alles an Bord der kleinen Seifenschale zu finden. Zum Abspeichern der Eigenkreationen warten 99 User-Presets auf die Eingabe, die übrigen 99 Speicherplätze werden von den Werkspresets belegt und können zwar verändert, aber nicht überschrieben werden. Vier der Wichtigsten lassen sich mit den Touchbuttons A-B-C-D auf Knopfdruck abrufen.

Überhaupt erscheint die Haptik des Mooer PE 100 nicht zuletzt wegen der gut ausgeleuchteten Touchbuttons sehr angenehm. Zudem bringt das praktische Vorteile mit sich – endlich stört kein nerviges Klicken und Knacken mehr die mitternächtliche Session, die auch gerne in einem völlig abgedunkelten Raum stattfinden kann.

Für die ganz Neugierigen hier eine Liste mit den Verstärkermodellen und den Effekten, die das Mooer PE 100 im Angebot hat.

— Mooer PE 100 Amps und Effekte —

Die 39 Effekte können in sechs Effektmodule geladen werden. Möglich ist zudem, eine Änderung der Reihenfolge der Effekte in der Signalkette vorzunehmen. Die Geschwindigkeit der Modulationseffekte wird ganz einfach durch zweifaches Drücken des TAP-Buttons vorgenommen. Genau so fix ist auch das interne Stimmgerät zu erreichen und sollte man mal Lust auf eine kleine Session mit einem Drummer verspüren – auch damit kann das Mooer PE 100 dienen. Vierzig Schlagzeugrhythmen unterschiedlicher Stile sowie zehn verschiedene Metronomtypen, wenn es hart auf hart kommt, stehen per Druck auf den Touchbutton „Rhythm“ zum Abruf bereit.

Zwischenzeugnis

An der Konstruktion des Kunststoff-Alu-Mix für das Gehäuse gibt es nichts auszusetzen, das Mooer PE 100 zeigt sich sehr gut verarbeitet, hübsch in seiner Form anzusehen und vermittelt dank der überwiegenden Bedienung per Touch-Buttons auch haptisch ein sehr gutes Gefühl. Die Ausstattung mit Amp-Modellen, Effekten und den Anschlüssen scheint ebenfalls vollkommen ausreichend, auch wenn man sich vielleicht noch eine Stereosignalführung gewünscht hätte. Das hätte aber u.a. einen stärkeren DSP nötig gemacht, was wiederum auch den Preis ein gutes Stück nach oben getrieben hätte. Dennoch stellt sich die Frage: Was kann man von einem Multieffektgerät zu einem Preis von deutlich unter 80,- Euro erwarten? Erstaunlich viel, wie sich im Praxistest ab der nächsten Seite herausstellt!

Sound & Praxis mit dem Mooer PE 100

Ich gebe unumwunden zu: Eine derartig gute Signalqualität hätte ich bei diesem Preis nicht erwartet. Zunächst einmal überrascht bzw. erfreut das Mooer PE 100 den Benutzer mit einem sehr geringen Grundrauschen, das beim Einsatz mit einem Gitarrenamp überhaupt nicht und beim Line-Betrieb, also dem Einsatz des Gerätes an einem Mixer oder beim Direct-Recording in die Soundkarte, nur marginal auffällt. Beide Betriebsarten sind möglich, im System-Menü existiert dafür ein Parameter, der auf Wunsch die interne Speaker-Simulation aktiviert.

Beim Durchstöbern bzw. Durchhören der Bänke und Presets fallen viele der voreingestellten Sounds sehr positiv auf. Es scheint so, als habe Mooer von der Erfahrung bei der Entwicklung ihrer Micro-Preamp-Baureihe eine Menge dazugelernt, denn bei den Amp-Modellen gibt es keinen wirklichen Ausrutscher zu vermelden. Ganz im Gegenteil, die emulierten Verstärker klingen überraschend gut und lassen sich zum Teil sehr dynamisch spielen, was sich besonders an den griffigen Crunchsounds der Fender- und VOX-Emulationen zeigt. Eine Kür, an der sich die Hersteller von digitalen Ampsimulationen nach wie vor die Zähne ausbeißen.

Im Highgainbereich hingegen herrscht das „übliche Brett“, die Emulationen von Boogie und Marshall klingen zwar nicht unbedingt wie ihre berühmten Vorbilder, dafür aber immer noch ziemlich gut. Und dazu recht frei von matschen, insofern man es mit der Verzerrung nicht zu sehr übertreibt. Bei höherem Gain-Pegel steigt zudem der Rauschpegel hörbar an, dennoch möchte ich an dieser Stelle noch mal auf die insgesamt erstaunlich niedrigen Nebengeräusche des Mooer PE 100 hinweisen, die ein nervenschonendes Jammen, Aufnehmen und Üben ermöglichen.

Apropos üben: Das geht natürlich viel einfacher mit dem Drumcomputer, dessen Klangqualität man als ausreichend bezeichnen kann. Anzumerken sei, dass sich die Signale des Drummies und der Gitarre nicht in die Quere kommen. Selbst bei „voll aufgeladenem“ Gitarrensound, also beim Einsatz etlicher Effekte, sind beide Spuren noch sauber voneinander wahrzunehmen. Die Geschwindigkeit der Schlagzeugbegleitung kann ganz bequem mit dem TAP-Touchbutton eingegeben werden, die Synchronisation zu der Geschwindigkeit der Modulationseffekte (Delay, Vibrato, etc.) geschieht dann ganz automatisch. Sonst gibt es aber rein gar nichts in der Drum-Abteilung einzustellen, für das Üben oder die Session zwischendurch geht das aber so vollkommen in Ordnung.

Fazit

Das Mooer PE 100 könnte für viele von uns ein treuer Begleiter werden, sei es nun zum Üben, für die schnelle Aufnahme zwischendurch oder für einen professionellen Sound auf Reisen. Die Optik und Haptik des Alu-Kunststoff-Gehäuses ist gelungen, insbesondere die Bedienung mittels der beleuchteten Touchbuttons und des LC-Displays ermöglicht ein schnelles und sicheres Erreichen der gewünschten Parameter. Die Bedienung des Mooer PE 100 ist sehr intuitiv und logisch aufgebaut, sodass man keine Sekunde mit dem Studium eines Handbuchs verbringen muss. Einstöpseln und Spaß haben lautet hier die Devise!

Plus

  • guter Sound
  • niedrige Rauschwerte
  • ausreichend Effekte und Ampsimulationen
  • Optik & Haptik
  • kinderleichte, intuitive Bedienung
  • Batteriebetrieb möglich
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • leider nur mono

Preis

  • Ladenpreis: 74,- Euro
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