Test: Morley, 20/20 Wah Wah Pedal Series, Wah Wah Pedale

3. März 2020

Wah Wah Qualitäten im Dreiergespann!

Auszeichnungen für Pedale dürfen und sollten mit Vorsicht genossen werden, sind sie doch meistens in erster Linie eine Empfehlung und manchmal ein Indikator, es mit etwas Besonderem zu tun zu haben. Die im November 2019 erschienenen Ergänzungen zur 20/20 Wah Wah Serie von Morley sahnte den einen oder anderen Preis ab – verwundert nicht, denn die Firma ist seit 1968 dabei, das Prinzip Wah Wah Pedal zu perfektionieren und prägte die Anfangsära der Modulationspedale mit dem PFV Phaser Volume oder den CFL Chorus Flanger. Morley wurde von Cliff Burton, Steve Vai und vielen anderen Namen weltbekannt gemacht und fünfzig Jahre später ist der Name Morley immer noch relevant, verwendet aber inzwischen nicht mehr Glühbirnen und Fotozellen wie in den alten Tel-Ray Pedalen, um einenRegelwiderstand zu erzeugen. Einiges hat sich getan, der Morley Wah Wah Katalog ist inzwischen recht umfangreich und da die 20/20 Serie diese formidablen Neuzugänge verzeichnen konnte, war es für uns wieder an der Zeit, mal genauer hinzusehen.

Drei 20/20 Wah Wah Pedale haben wir in die Hand bekommen, die wir im Praxisteil ausgiebig antesten werden: Das Morley 20/20 Lead Wah, das Morley 20/20 Wah Lock sowie das Morley 20/20 Wah Boost. Die Überschneidungen der Pedale ist nicht von der Hand zu weisen, Bauweise und Handhabe ebenfalls – doch wo liegen die Unterschiede? Schauen wir uns das mal genauer an.

Morley 20/20 Wah Lock, WahWah Pedal – Facts, Panel, Praxis

Gleich vorweg: Der gewalzte Stahl, aus dem das Gehäuse des Pedals besteht, ist ganz typisch für Morley von hoher Qualität und wirkt sagenhaft stabil. Das 20/20 Wah Lock ist wie die meisten Morley-Pedale dieser Sparte switchless, das heißt: Kein On/Off-Fußschalter, aktiviert wird das Pedal durch die Positionierung des Fußtasters und durch die 20/20 Bufferung soll garantiert werden, dass es im Zuge dessen dann eben nicht zu einem Signalverlust kommt. Die zwei vorhandenen Fußschalter des Wah Lock Pedals aktivieren zu einem den Whoa-Modus, der für einen stärkeren Wah Wah-Sound mit bissigeren Obertönen. Wah Lock Modus fixiert die Position des Wah Wah an gewünschter Frequenzstelle – daher auch der Name Wah Lock. Drei Modi gibt es also hier: Wah, Wah Lock und Woah – für die allesamt ein 20 dB Volume-Boost eingeschaltet werden kann. Das Glow-in-the-Dark Logo ist pro Forma bei jedem Morley-Pedal am Start. Versorgt werden die Pedale über ein (nicht im Lieferumfang enthaltenes) 9 Volt Netzteil.

Gleich zu Beginn das alte Ärgernis mit den Netzteilen: Sofern man nicht im Besitz eines Morley Netzteils ist und mit anderen, regulären 9 Volt Netzteilen auskommen muss, ist man mit einem Niedrigfrequenzbrummen konfrontiert, das man nicht rausbekommt – egal was man versucht. Die hier verwendeten Netzteile sind geregelt und passen auch von der Polarität her – trotzdem bleibt das Rauschen hartnäckig und das sollte nicht sein, wenn ein Netzteil und keine Batterie im Lieferumfang vorhanden sind. Trotzdem lässt sich sagen: Die schaltlose Aktivierung ist definitiv eins der großen Pro-Argumente für ein Morley-Wah, wenn auch kein Alleinstellungsmerkmal. Die Sweeping-Range des Wah Lock ist beachtlich, aktiviert man den Woah Modus, kann man vor allem im Zerrbereich langsame „smooth transitions“ umsetzen – wie Beispiel 3 beweist. Das Signal bleibt kräftig – das Aktivieren des Wahs reißt dem Sound nicht den Low-End-Teppich unter den Füßen weg.

Morley 20/20 Lead Wah – Facts, Panel, Praxis

Die Mini-Wah Optik ist auch beim Morley 20 / 20 Lead Wah Programm: übersichtliches Format, kalt gewalzter Stahl, eine schaltlose Funktionsweise sowie ein 20/20 Buffer, um Signalverlust beim Einschalten zu verhindern. Einer der wichtigsten Unterschiede zum Wah Lock dürfte die Tatsache sein, dass das Lead Wah vor allem für High-Gain-Gefilde gedacht ist. Für diese Gefilde kann es schnell unerträglich schrill werden, wenn man ein Wah Wah Pedal aktiviert. Das gilt nicht für alle, definitiv aber für einige Wah-Wah-Pedale, die sich schlichtweg für höheres Zerren nicht eignen. Das Morley 20/20 Lead Wah wirkt dem entgegen, indem es sofort einen Low-End-Boost aktiviert, sobald man das Pedal einschaltet. Im Gegensatz zum Wah Lock gibt es hier keine Regler, nichts, um eventuell Lautstärken oder Frequenzen einzustellen. Darüber hinaus jedoch besitzt das Morley 20/20 Lead Wah im unmittelbaren Vergleich zu den anderen Neuzugängen der 20/20 Wah Serie die wahrscheinlich breitesten Sweeping-Range. Es ist das, könnte man auch meinen, geradlinigste Pedal der neuen Reihe – keine Schnörkel, keine unnötigen Regler oder Plastikknöpfe – ein einfach zu aktivierender Allrounder für die höheren Verzerrungsgefilde.

Im Gegensatz zum Wah Lock, das eine gewisse Flexibilität vor allem durch den Woah Modus besitzt, handelt es sich bei dem Lead Wah um ein klares One-Trick-Pony, das nicht ganz so schrill und höhenlastig wie die meisten Dunlop Wah-Wah-Pedale ausfällt. Keine Überraschungen, kein Firlefanz – auch wenn auch hier das konstante Frequenzbrummen den Eindruck trübt, lässt sich sagen, dass es sich um ein bissiges, solides Morley Wah handelt.

 

 

Morley 20/20 Wah Boost – Facts & Praxis

Auch hier wieder: Kalt gewalzter Stahl, schalterloser Betrieb und ein integrierter 20 dB Boost (den der Lead Wah nicht hat) sowie die Möglichkeit, eine 9 Volt Alkali-Batterie zu verwenden, sollte ein Netzteil nicht zur Verfügung stehen. Was unterscheidet das Wah Boost von den anderen? Im Grunde genommen handelt es sich hier um den Power Wah auf Steroiden. Der Morley Power Wah Schaltkreis wurde also genommen, in ein besseres Gehäuse verfrachtet und mit einem automatischen 20 dB Boost versehen, der sich sofort aktiviert, wenn man mit dem Wah-Pedal loslegt. Der Schwerpunkt des Frequenzrahmens ist ganz klar Midrange, der wie dafür gemacht ist, durch den Mix zu schneiden. Das einsame Poti an der linken unteren Seite des Morley Wah Boosts erlaubt es, den zu aktivierenden Boost maximal hervorzuheben. Ein Wah Wah-Pedal, vor allem dafür geeignet, wenn man mit einem zweiten Gitarristen auf der Bühne steht, der ebenfalls mit höheren Gain-Lagen arbeitet.

Der schwächste Wah des hier vorliegenden Morley Trios – hier dünnt das Signal bei Aktivierung stärker aus und verliert viel von den Niedrigfrequenzen. Für die höheren Lead-Bereiche ist das an sich kein Problem, aber die Versuche an der Rhythmus-Gitarre wirkten alle äußerst dünn und ausgehöhlt. Da muss man sich schon ein bisschen fragen, was der Sinn dahinter ist, ein in sich abgeschlossenes Produkt zusätzlich in den Katalog zu packen, das keine echten Vorteile oder Akzentuierungen besitzt – denn einen Boost besitzt der Wah Lock ebenfalls, zusätzlich zu einem eigenständigen Modus, für einen sehr ähnlichen Preis.

 

Morley Wah Wah Pedale – ein kritischer Blick

Unzählige Wah Wahs haben Morley in den letzten Jahrzehnten herausgebracht. Weshalb, dürfte auf der Hand liegen: Es klingt gut, es funktioniert gut – so why change a running system? Weil wir das Jahr 2020 schreiben. Firmen wie Kemper bringen ganze Heerscharen von Amps in einem Board unter, DSP-Technologie sprengt mehr und mehr den Rahmen dessen, was bisher möglich war – ist es da wirklich noch zeitgemäß, für zweihundert Ocken ein monofunktionales Wah-Wah-Pedal an den Mann zu bringen? Ja, werden viele wahrscheinlich sagen. Man muss ja nicht alles und jedes Konzept zwanghaft modernisieren – Wah Wah ist Wah Wah und Morley hat eben Tradition. Aber so ist die Idee eines multifunktionalen Wah Wah Pedals zeitgemäßer anstatt eine Aneinanderreihung von Neuerscheinungen, die allesamt in die gleiche Kerbe schlagen. Morley ruht sich auf ihrem 50 Jahre alten Namen ein wenig aus und sieht wahrscheinlich keine Notwendigkeit für Innovation – und nein, überteuerte Signature Wah Wahs fallen nicht unter die Kategorie Innovation.

Fazit

Die Frage bleibt: Warum nicht ein einzelnes, umfangreich aufgestelltes Wah-Wah-Pedal bauen, das mehrere Schaltkreise in sich vereint, zwischen denen man schalten kann? Warum stattdessen drei separate Wah-Wah-Pedale an den Mann bringen, die klanglich und funktional große Überschneidungen haben? Irgendwie scheit Morley auf Teufel komm raus seinen Katalog erweitern zu wollen – klingt zwar alles, aber da gibt es sicher spielerfreundlichere Konzepte, die eine höhere Flexibilität und Ergonomie ermöglichen. Ich persönlich werde mir keine drei Morley Pedale aufs Pedalboard klatschen und kenne niemanden, der das tun würde. So bleibt den Gitarristen dieser Welt lediglich, den Morley Wah-Wah-Katalog zu lichten und sich für ein Konzept zu entscheiden. Wird Zeit, dass Morley sein Konzept ein bisschen überarbeitet.

Plus

  • gute Klangqualität
  • stabile Verarbeitung

Minus

  • veraltetes Konzept

Preis

  • Wah Boost: 185,-Euro
  • Wah Lock: 219,- Euro
  • Wah Lead: 185,- Euro
Klangbeispiele
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