Test: Motu, 896 mk III Hybrid, Audio-Interface

Was besonders auffiel

Die Verarbeitung aller Bedienelemente ist sauber ausgeführt und verdient die Beurteilung „professionell“. Die verbauten XLR-Buchsen beim Testgerät waren von Neutrik und dies sogar in der verriegelbaren Ausführung. Die Drehregler sind allesamt gerastert und lassen sich angenehm bedienen, die Aussteuerungsketten lassen eine sehr präzise (optische) Beurteilung des Audiosignals zu. 

Die mitgelieferte Monitoring-Software „Cue Mix“ ist ein mächtiges Werkzeug, welches erlaubt, den Musikern einen unabhängigen Kopfhörermix zu erstellen. Hierdurch ist es auch möglich, einen hardwareseitigen Monitoring-Mix alleine über das 896 zu erstellen, wodurch es erstens keinerlei Latenz gibt und zweitens der Rechner dadurch enorm entlastet wird. So kann man den Buffer wesentlich großzügiger einstellen und bekommt den Rechner frei für andere Aufgaben wie Effekte etc.

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Das 896 Mk III hat selbst Kompressoren an Bord, die weit mehr als nur eine nette Zugabe sind. Der DSP des Motu generiert diese selbst und entlastet dadurch den Rechner. Die Kompressoren funktionieren gut, erfordern aber schon ein gewisses Fingerspitzengefühl beim Einstellen. So gutmütig wie ein hochwertiger analoger Kompressor sind sie nicht, aber für eine DSP-basierte Ausführung sehr brauchbar gemacht. Auch interessant ist der ebenfalls DSP-basierte Leveler, der sich bedienungsmäßig und von der Regelcharakteristik an dem legendären Teletronix LA-2A orientiert. Des weiteren stehen mehrbandige Equalizer sowie Hall bereit. Das alles kann man solange zuschalten, bis der DSP die weiße Fahne hisst.

Die Stereosumme hat einen eigenen Lautstärkeregler, welcher aber auch das reine Monitorsignal regeln kann. Das bedeutet, dass man die Stereosumme optimal aussteuern kann und die Lautstärkeregelung für die Lautsprecher NICHT über eine Bitreduktion einhergeht (Bravo!). Genau SO soll es ein und erspart auch in einigen Fällen einen separaten Monitorcontroller. 

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Das 896 kann auch ohne Rechner als kompaktes Mischpult verwendet werden. Über die diversen Drehregler und unter Zuhilfenahme des Displays lässt sich alles relativ einfach einstellen. Wichtig ist nur, die ganzen Einstellungen vorab in Ruhe zu tätigen, da „mal eben was ändern“ wie bei einem „richtigen“ Mischpult einfach nicht so locker zu bewerkstelligen ist.

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Nach der Produktregistrierung beim deutschen Vertrieb Klemm steht das Umfangreiche Handbuch des 896 auch auf Deutsch zur Verfügung. Spitze!

Was gibt es zu meckern?

Die DSP-Leistung war mir manchmal etwas zu wenig, wenn ich bei 24Bit/96 kHz einige Kompressoren zuschalten wollte plus Hallraum. Es kam dann (immer, wenn es am schönsten war) eine Meldung, dass die Prozessorleistung nicht mehr ausreicht. Bei 48 kHz sieht das ganze schon wesentlich anders aus, da reicht es locker. Da ich selbst aber gerne bei 96 kHz arbeite (nicht wegen des Klanges, wegen dem wesentlich erhöhten Headroom), fand ich die Recourcenbegrenzung etwas schade.

Die 48V-Phantomspeisung wird über die Trimmregler der einzelnen Kanäle aktiviert, indem man diese für ein paar Sekunden drückt. Hier wäre mir ein separater Schalter fast lieber gewesen, da man so aus Versehen die Phantomspeisung aktivieren kann. Das ist jetzt aber nur ein „Halbmeckern“, da man schon eine gute Zeit auf dem Regler drauf bleiben muss, bis sich etwas rührt.

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Für wen ist das 896 Mk III richtig?

Ganz klar werden sich alle Audio-Profis schnell mit dem Motu anfreunden können, da es für einen vertretbaren Preis eine sehr hohe Audioqualität abliefert und meiner Ansicht nach (bzw. meinen Ohren nach) ohne weiteres in der Digidesign-Liga (Pro Tools) ernsthaft mitspielen kann. 

Für Livemitschnitte ist es eine erstklassige Wahl, da es durch sein relativ geringes Gewicht und seine robuste Verarbeitung hier ein langlebiges Arbeitstier abgibt. Zusammen mit einem leistungsfähigen Laptop ist das eine sehr gute mobile „Tonbandmaschine“.

Für Homerecordler, die auf Jahre hinaus mit sehr guter Qualität versorgt sein wollen und auch die Ausbaufähigkeit der Motu-Interfaces schätzen, treffen hier eine gute Wahl.

Forum
  1. Profilbild
    dns370

    Ich habe das kleine 828 Hybrid …. kann mich dem Geschriebenen nur anschließen: Feine Klangqualität – sauber und klar, sehr direkt, etwas trocken manchmal (aber das ist wirklich ein sehr sehr subjektiver Eindruck)!

    Einzig der Hall ist aus meiner Sicht nicht mehr als eine Zugabe und ist ganz sicherlich nicht mit den Plugins diverser Softwareschmieden zu vergleichen.

  2. Profilbild
    Mr. MeloD

    Hallo Siegfried,

    sind im kleineren Modell Ultralite Mk3 die gleichen Wandler etc. eingebaut? Also hat es eine ähnliche Klangqualität wie das 896 Mk3 Hybrid?

    Vielen Dank im Voraus und lieben Gruß
    Fabian

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Hallo Mr. MeloD,

      um Deine Frage beantworten zu können, habe ich mich mit dem deutschen Vertrieb von Motu (der Firma Klemm Music) in Verbindung gesetzt. Der zuständige Produktspezialist hat mir mitgeteilt, dass Motu für alle diese Interfaces Wandler von AKM verbaut, allerdings auch immer bessere, umso teurer das Gerät wird.

      Grundsätzlich ist AKM einer der renommiertesten Hersteller von A/D bzw D/A-Wandlern und selbst die preiswerteren Vertreter sind hochwertig. Der hauptsächliche Unterschied liegt in der dynamischen Bandbreite, das 896 hat hier wohl noch etwas mehr als die kleineren Brüder zu bieten.

      Meiner Meinung und Erfahrung nach wird es sehr schwer sein, einen klanglichen Unterschied zwischen den verschiedenen Motu-Interfaces ausmachen zu können. Wichtig für das Ergebnis ist natürlich auch, was qualitativ DAVOR hängt.

      Mit musikalischen Grüßen

      Onkel Sigi

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