Test: MOTU UltraLite AVB, USB-Audiointerface

Handhabung

Was einem sofort auffällt, sind die langen Bootzeiten. Bis das Interface betriebsbereit ist, vergehen locker 30 Sekunden. Auch dass zum Ausschalten der entsprechende Regler gute fünf Sekunden gehalten werden muss, ist mindestens mal gewöhnungsbedürftig.
In der Beschreibung des Gerätes steht auch irgendwo der Begriff „Standalone-Mixer‟, doch ist diese Aussage mit sehr, sehr viel Salz zu genießen. Die sechs Druckregler auf der Vorderseite sind nur für das Konfigurationsmenü sowie das Einstellen der jeweiligen Eingangspegel der beiden Instrumenten- und Mikrofoneingänge sowie der Ausgangspegel des Haupt- und Kopfhörerausgangs zuständig. Alle anderen Einstellungen müssen über die Software vorgenommen werden, die über den Rechner über USB oder AVB oder das iPad per WiFi läuft.

Das MOTU kann auch über ein iPad-App per WiFi konfigurieren werden. Das funktioniert allerdings nur, wenn das MOTU über USB am Rechner angeschlossen ist. Wenn das MOTU per Ethernet am Rechner angeschlossen ist, dann wird es vom App nicht gefunden, auch nicht bei einem Ad-Hoc-Netzwerk vom Mac aus. Es funktioniert, wenn das MOTU über einen AVB-kompatiblen WiFi-fähigen Router am Rechner angeschlossen ist. Da mein heimischer Router aber nicht AVB-kompatibel ist, konnte ich auf das MOTU, das per Ethernet am Router angeschlossen war, vom iPad aus per WiFi zugreifen, nur gab es halt kein Audio. Das bedeutet für einen echten Standalone-Mixer oder FOH-Betreib, müsste das MOTU mindestens an einen WiFi-Router per Ethernet angeschlossen werden. So verfügt das UltraLite zwar über massive Routingmöglichkeiten, doch an dieser Stelle merkt man doch am ehesten den Unterschied zwischen dem Einsteigermodell und dem größeren MOTU 828, das komplett über das Gerät selbst bedient werden kann. Das UltraLite hat interne Mixerfunktionen die – technisch richtig – ohne Host-Computer funktionieren, nur machen diese eben ohne die Steuerung über Host-Geräte und Software keinen Sinn, was meines Erachtens nicht der Definition von „Standalone-Mixer‟ genügt. Es sei denn, die Funktionalität einer Summierungsbox reicht einem an Standalone-Mixerfähigkeiten aus.

Auch der Umstand, dass AVB keine MIDI-Schnittstelle bereitstellt, dämpft die Freude. Es heißt zwar „Audio Video‟-Bridging, trotzdem empfinde ich das immer wieder als einen ziemlichen Downer. Mal sehen, derzeit is AVB bei der Version IEEE 802.1BA aktuell. Die Weiterentwicklung IEEE 802.1Qcc und deren Nachfolger, auch bekannt als TSN (Time Sensitive Networking), wurden im Dezember 2014 vorgestellt und könnten Abhilfe schaffen. Es wird aber auch, das muss fairerweise gesagt werden, im Handbuch mehrmals darauf hingewiesen, dass MIDI nur unter USB zur Verfügung steht.

Eine weitere Eigenheit des MOTU ist es, beim Ein-, Aus- und Sampleraten-Umschalten ein ganz leises Knacksen im Audiokanal zu produzieren. Die Lautstärke ist wahrnehmbar, stellt aber keine Gefahr für die angeschlossen Lautsprecher dar. Dazu müsste die Grundlautstärke schon deutlich über Düsenjetniveau liegen. Daran kann man sich stören oder nicht. Persönlich empfinde ich das als unrelevant. Viel mehr stören mich die „digitalen Schmutzeffekte‟ des ungleichmäßig ausgeleuchteten LCDs, wenn die Kontrastreduktion über 45% eingestellt ist. 0% ist maximaler Schrift-Hintergrundkontrast und die sauberste Darstellung, wobei dies auch mitunter an der Lebenszeit des Displays nagen könnte.

Mixer-MatrixUltraLiteAVB_0583

UltraLiteAVB_0584  UltraLiteAVB_0585

Forum
  1. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    *Klugscheissermodus an* Der schreibt ja fast so gut wie ich, der Markus…… *Klugscheissermodus aus*

    ;-)

    Top geschrieben, sehr ausführlich. Bin seit ca. 12 Jahren Motu-Anwender (Software und Hardware) und Du hast den Klang sehr gut beschrieben. Deshalb favorisiere ich die Teile auch, sie klingen stets entspannt und überzeugend. Und laufen sehr stabil (bei mir am Mac).

    Musikalische Grüße

    Onkel Sigi

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Witzigerweise musste ich während des Tests genau deswegen öfters an Dich denken und hab mich gefragt, was der Sigi wohl dazu sagen wird.

      Die Antwort darauf erfreut mich deshalb auch ganz besonders! :)

      muskalische Grüße,
      M.

  2. Profilbild
    fno  

    Ein guter, detaillierter (bis hin zur Feststellung der Beeinflussung des Audiosignals durchs Display respektive dessen Steuerchips) Test, dessen Fazit mich jedoch mit einem ? zurücklässt.
    Der Ausgangspegel wird im DAC eingestellt? Soweit ich weiss, geht das mit Auflösungsverlusten einher, und, falls bei MOTU nicht, wie haben die das Problem gelöst?
    Die Kompaktheit kommt sicher der Transportabilität zugute, obwohl sich dieser Vorteil spätestens bei Nutzung von AVB – dem eigentlichen Gerätebonbon – relativiert, zumal denn ja auch zumindest eine entsprechende Anzahl von Klangerzeugern und Anschlussperipherie mittransportiert wird.
    Dafür verzichte ich auf ein eingebautes Netzteil nebst Netzschalter, XLR-Anschlüsse und eine vernünftige Bedienbarkeit am Gerät. Und wegen des ohnehin hinterfragenswürdigen Displays mit potentiellen Qualitätseinbussen der Audiosignale darf man in diesem Fall, der offenbar eine externe Bedienhilfe voraussetzt, dessen Nutzwert in Frage stellen.
    Ist ja schön, dass die Technik heute eine Vielzahl von Funktionen auf immer engerem Raum erlaubt, solange der Mensch jedoch nicht adäquat mitschrumpft, sollten sich Anschlüsse und Bedienung meiner Meinung nach an dessen Ergonomie orientieren, auch wenn das Ergebnis letztlich zu umbauter Luft führt.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Hallo fno,

      „bis hin zur Feststellung der Beeinflussung des Audiosignals durchs Display respektive dessen Steuerchips“

      sorry, da hast Du mich gründlich missverstanden. Die Kontrastregelung des LCD beeinflusst in keiner Weise die Audioqualität!

      Leider hab ich vergessen ein Bild davon zu machen, aber jeh niedriger die Kontrastregelung des LCDs ist, desto mehr sieht das LCD nach „absterbenden Pixeln“ und „kurz vor Totalausfall“ aus. Digitaler LCD-Schmutz.

      Grüße,
      M.

      • Profilbild
        fno  

        Hallo Markus,
        ich hatte die Rede von „digitalen Schmutzeffekten“ als vom Display respektive dessen Ansteuerung ausgehende Störungen im Audiosignal fehlinterpretiert, danke für die Korrektur. Kam mir wegen MOTUs Ruf ohnehin seltsam vor, ist jedoch technisch nicht unmöglich und ich habe keine eigenen Erfahrungen mit dem Gerät.
        Grüsse
        Frank

  3. Profilbild
    gaffer  AHU

    fno, ich gehe mal davon aus, der Hersteller hatte eher die Kombi mehr als zwei Signale unterwegs und Maximaleinsatz zu Hause möglich, nur dann ergibt die Grösse Sinn. Lässt man das Ding immer stehen, finde ich es auch zu klein, nehme ich in einem Klub mal eine Gruppe auf, zwei Mics und Line vom Pult, passt das schon. In dem Kontext würde ich auch nicht an Ethernet denken, eher an Tablet oder Fon als Recorder

  4. Profilbild
    dr noetigenfallz  

    Ich besitze das Gerät seit 2 Monaten.
    Ich bin insgesamt sehr zufrieden. Vor allem der Sound ist richtig gut.
    Interessant finde ich, dass ich manches ganz anderes bewerte als im Artikel:

    1. zum Display: Ich bin bisher noch gar nicht auf die Idee gekommen, die Helligkeit zu verstellen. Ich glaube nicht, dass die meisten da Probleme haben.
    2. Zum Ein- & Ausschalten: Ich finde es gut, dass man ein Weilchen auf einen Taster drücken muss, um das Gerät ein- und auszuschalten.
    3. Der Hall funktioniert bei mir (Windows 7) ohne Probleme. Der Sound ist allerdings im Vergleich zu den anderen Effekten nicht besonders.

    Was mich stört:
    1. Die Bedienung der Effekte im Software-Mixer kann man kaum mit dem Tablet vornehmen. Die Bedienelemente sind viel zu klein (für meine Wurstfinger)
    2. Main- bzw. Kopfhörerlautstärke werden mit demselben Hardware-Regler bedient. Ich bin ständig im falschen Modus.

    Was ich super finde:
    Die Fernsteuerung via Web-Browser ist super. Das nutze ich ständig (zumindest für die Lautstärke). Das war für mich mit ein Kaufgrund.

  5. Profilbild
    pytrel  

    Ich hatte das Ultralite mk3 hybrid mit Macbook pro. Hatte immer probleme. Dann habe ich dieses hier gekauft. Seit dem hab ich meine ruhe gefunden. Ich finde einfach unschlagbar das ein/ausgangs anzahl verhältnis zur größe. Feines teil. Nur der kompbinierte Lautstärkeregler …… man ist das nervig. Is seeeehr langsam und auch abends teilweise gefährlich wenn man schnell leise drehen möchte. Focusrite macht das besser mit einen größeren regler für Monitor und kleinen für KH ausgang. Trotzdem wie gesagt ein sehr feines gerät

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