Test: MOTU UltraLite AVB, USB-Audiointerface

Klang

Kurz: professionell! Schönes Schlagwort, aber was meine ich damit?
Die grundlegende Charakteristik des UltraLite und des MOTU-Sounds generell, ist ein absolut entspanntes Klangbild, das einem ein ermüdungsfreies Arbeiten über lange Zeiträume ermöglicht. Die Höhen sind frisch und luftig, ohne scharf zu sein und der Bass ist tief und rund. Lediglich die Mitten waren mir manchmal ein klein wenig zu präsent, was aber auch an der Abhörsituation gelegen haben kann. Es scheint wirklich nichts zu geben, was den MOTU-Sound aus der Ruhe bringen kann. Er ist immer präzise und entspannt, zusammen mit einer hervorragenden Tiefenstaffelung bzw. der generellen Plastizität des Sounds. Besonders akustische Aufnahmen bekommen einen räumlich hervorragend verortbaren Körper. Auch hat der Raumklang einen überaus natürlichen Charakter, der niemals verwaschen oder verhallt klingt. Selbst bei Diesel Power von Prodigy, bei dem beispielsweise das von uns getestete Resident Audio T4 seine Panoramaschwäche besonders deutlich zeigte, glänzte das MOTU. Das Stück klingt auch auf dem UltraLite „mit reichem Hall‟, doch nicht „verhallt“. Vielmehr wird das Stück in eine größere Konzerthalle mit hervorragender PA platziert. Was hallen soll, hallt natürlich, was trocken und direkt sein soll, wird auch so dargestellt.

Demzufolge kann das MOTU zwar auch elektronische Aufnahmen tadellos, aber sie profitieren nicht in diesem Maße von dem natürlich, räumlichen MOTU-Sound. Wobei ich hier einen ersten kleinen Anmerkungspunkt hätte, denn einen so richtig knochentrocken, direkten In-The-Face-Sound will das UltraLite anscheinend nie so ganz hundertprozentig. Der zweite Punkt wäre, dass der Klang zwar ermüdungsfrei ist, doch auch auf der anderen Seite auch ein nicht so ganz mitreißend wie bei besagtem T4.

Der Klang des T4 ist im Verhältnis zum MOTU merklich enthusiastischer und spielfreudiger, aber auch insgesamt anstrengender. Das liegt vor allem and den präsenten Höhen und am höheren Detailreichtum. Ja, das T4 ist in der Detailauflösung merklich besser als das MOTU. Beispielsweise wird die Wall of Sound von meinem Referenzteststück „We’re in this together‟ von Nine Inch Nails beim MOTU nicht so gut aufgelöst und differenziert dargestellt und auch die Transienten sind nicht ganz so knackig und trocken wie beim T4. Dafür kann das T4 in der räumlichen Abbildung und der natürlich klingenden Ausgewogenheit nicht mit dem MOTU mithalten.

Um weitere Vergleiche zu veranschaulichen, ließe sich sagen, das T4 ist der Newcomer, der sich beweisen will und permanent darauf bedacht ist, die Aufmerksamkeit auch wirklich auf seiner Seite zu haben. Absolut engagiert und fähig, aber auch ein bisschen stressig auf die Dauer, wenn einfach nur die Show laufen soll. Währenddessen ist das MOTU wie der alte Showhase, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und Probleme mit drei geübten Handgriffen löst, um die Show am reibungslosen Ablaufen zu halten. Routiniert und verlässlich, aber auch weniger energetisch bei der Sache.
Beide liefern professionelle Ergebnisse, aber jeder auf seine eigene, völlig unterschiedliche Art.

Der Preisunterschied zum T4 ist dabei völlig gerechtfertigt, bietet das MOTU doppelt so viele analoge Kanäle plus 16 digitale Kanäle plus 3 AVB Streams eine umfassende Mixer-Matrix, interne Effekte und 192 kHz Sampling-Rate, wo das T4 nur eine simple 4-In-/4-Out-Box ist. Nicht zu vergessen ist, dass die MOTU-Interfaces unter den wenigen sind, die CV-Steuerspannung an den Ausgängen erzeugen können, mit der analoge modulare Synthesizer und Eurorack-Module angesteuert werden können und für MOTU-Besitzer die DAW Audiodesk zur kostenlosen Benutzung steht.

Die Vorverstärker sind auch extrem sauber und auch die Qualität des Kopfhörerausgangs steht den anderen analogen Ausgängen in nichts nach.

Fazit

Das UltraLite AVB ist ein professionelles Audiointerface, an dem aber auch ganz klar die Abstriche zu den „großen‟ MOTU-Interfaces festzustellen sind, da z.B. die meisten Funktionen hier nur über Software zu erreichen sind und sich am Gerät nur das Notwendigste einstellen lässt. Wer damit klar kommt, wird mit einer ordentlichen Anzahl analoger Ein- und Ausgänge, ADAT und AVB belohnt. Jedoch sollte man als „Normalnutzer‟ bzw. Einzelplatzanwender seine Kaufentscheidung nicht von AVB abhängig machen. Der Zusatznutzen ist, bis auf die Latenz, eher marginal und verkompliziert die Dinge eher, als dass es sie vereinfacht. Da AVB auch kein MIDI bereitstellt, ist es eigentlich nur für Audionetzwerk-Anwendungen wirklich von Vorteil.

Was die Benutzung des UltraLite als Audiointerface am iPad angeht, lässt es nur einen Wunsch offen. Der Umstand, den internen Mischer des MOTU nicht vom iPad aus bedienen zu können, wenn es als Audiointerface über ein CCK angeschlossen ist, wird doch schmerzlich vermisst und hätte die Sache perfekt gemacht. Kann man damit und der Notwendigkeit des Netzteils leben, macht das MOTU auch als Interface am iPad eine echt super Figur und die Kompatibilität mit Audiobus und IAA macht viel Freude.

Vom Klang her ist das UltraLite AVB natürlich, ausgewogen, präzise und mit einer umwerfenden räumlichen Abbildung, was lange, ermüdungsfreie Sessions ermöglicht. Ob einen die Nachteile wie lange Ein- und Ausschaltzeiten, das leise Knacken beim Umschalten der Sampleraten, die minimalen Einstellmöglichkeiten am Gerät und andere Kleinigkeiten stören, muss jeder mit sich selber ausmachen, aber ich sehe nichts, was eine Abwertung auf 2 Sterne wirklich rechtfertigen würde.

Auf jeden Fall ist das Interface ein höchst flexibles, hervorragend klingendes, stabil laufendes Interface, das seinen aufgerufenen Preis absolut wert ist. Wer mehr will, muss mehr zahlen.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Stabilität
  • USB-Class Compliant
  • iPad-kompatibel
  • kaskadierbar

Minus

  • noch Bugs in der Firmware
  • lange Ein- und Ausschaltzeiten
  • "LCD-Schmutz"
  • klicken beim Umschalten

Preis

  • Ladenpreis: 739,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    *Klugscheissermodus an* Der schreibt ja fast so gut wie ich, der Markus…… *Klugscheissermodus aus*

    ;-)

    Top geschrieben, sehr ausführlich. Bin seit ca. 12 Jahren Motu-Anwender (Software und Hardware) und Du hast den Klang sehr gut beschrieben. Deshalb favorisiere ich die Teile auch, sie klingen stets entspannt und überzeugend. Und laufen sehr stabil (bei mir am Mac).

    Musikalische Grüße

    Onkel Sigi

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Witzigerweise musste ich während des Tests genau deswegen öfters an Dich denken und hab mich gefragt, was der Sigi wohl dazu sagen wird.

      Die Antwort darauf erfreut mich deshalb auch ganz besonders! :)

      muskalische Grüße,
      M.

  2. Profilbild
    fno  

    Ein guter, detaillierter (bis hin zur Feststellung der Beeinflussung des Audiosignals durchs Display respektive dessen Steuerchips) Test, dessen Fazit mich jedoch mit einem ? zurücklässt.
    Der Ausgangspegel wird im DAC eingestellt? Soweit ich weiss, geht das mit Auflösungsverlusten einher, und, falls bei MOTU nicht, wie haben die das Problem gelöst?
    Die Kompaktheit kommt sicher der Transportabilität zugute, obwohl sich dieser Vorteil spätestens bei Nutzung von AVB – dem eigentlichen Gerätebonbon – relativiert, zumal denn ja auch zumindest eine entsprechende Anzahl von Klangerzeugern und Anschlussperipherie mittransportiert wird.
    Dafür verzichte ich auf ein eingebautes Netzteil nebst Netzschalter, XLR-Anschlüsse und eine vernünftige Bedienbarkeit am Gerät. Und wegen des ohnehin hinterfragenswürdigen Displays mit potentiellen Qualitätseinbussen der Audiosignale darf man in diesem Fall, der offenbar eine externe Bedienhilfe voraussetzt, dessen Nutzwert in Frage stellen.
    Ist ja schön, dass die Technik heute eine Vielzahl von Funktionen auf immer engerem Raum erlaubt, solange der Mensch jedoch nicht adäquat mitschrumpft, sollten sich Anschlüsse und Bedienung meiner Meinung nach an dessen Ergonomie orientieren, auch wenn das Ergebnis letztlich zu umbauter Luft führt.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Hallo fno,

      „bis hin zur Feststellung der Beeinflussung des Audiosignals durchs Display respektive dessen Steuerchips“

      sorry, da hast Du mich gründlich missverstanden. Die Kontrastregelung des LCD beeinflusst in keiner Weise die Audioqualität!

      Leider hab ich vergessen ein Bild davon zu machen, aber jeh niedriger die Kontrastregelung des LCDs ist, desto mehr sieht das LCD nach „absterbenden Pixeln“ und „kurz vor Totalausfall“ aus. Digitaler LCD-Schmutz.

      Grüße,
      M.

      • Profilbild
        fno  

        Hallo Markus,
        ich hatte die Rede von „digitalen Schmutzeffekten“ als vom Display respektive dessen Ansteuerung ausgehende Störungen im Audiosignal fehlinterpretiert, danke für die Korrektur. Kam mir wegen MOTUs Ruf ohnehin seltsam vor, ist jedoch technisch nicht unmöglich und ich habe keine eigenen Erfahrungen mit dem Gerät.
        Grüsse
        Frank

  3. Profilbild
    gaffer  AHU

    fno, ich gehe mal davon aus, der Hersteller hatte eher die Kombi mehr als zwei Signale unterwegs und Maximaleinsatz zu Hause möglich, nur dann ergibt die Grösse Sinn. Lässt man das Ding immer stehen, finde ich es auch zu klein, nehme ich in einem Klub mal eine Gruppe auf, zwei Mics und Line vom Pult, passt das schon. In dem Kontext würde ich auch nicht an Ethernet denken, eher an Tablet oder Fon als Recorder

  4. Profilbild
    dr noetigenfallz  

    Ich besitze das Gerät seit 2 Monaten.
    Ich bin insgesamt sehr zufrieden. Vor allem der Sound ist richtig gut.
    Interessant finde ich, dass ich manches ganz anderes bewerte als im Artikel:

    1. zum Display: Ich bin bisher noch gar nicht auf die Idee gekommen, die Helligkeit zu verstellen. Ich glaube nicht, dass die meisten da Probleme haben.
    2. Zum Ein- & Ausschalten: Ich finde es gut, dass man ein Weilchen auf einen Taster drücken muss, um das Gerät ein- und auszuschalten.
    3. Der Hall funktioniert bei mir (Windows 7) ohne Probleme. Der Sound ist allerdings im Vergleich zu den anderen Effekten nicht besonders.

    Was mich stört:
    1. Die Bedienung der Effekte im Software-Mixer kann man kaum mit dem Tablet vornehmen. Die Bedienelemente sind viel zu klein (für meine Wurstfinger)
    2. Main- bzw. Kopfhörerlautstärke werden mit demselben Hardware-Regler bedient. Ich bin ständig im falschen Modus.

    Was ich super finde:
    Die Fernsteuerung via Web-Browser ist super. Das nutze ich ständig (zumindest für die Lautstärke). Das war für mich mit ein Kaufgrund.

  5. Profilbild
    pytrel  

    Ich hatte das Ultralite mk3 hybrid mit Macbook pro. Hatte immer probleme. Dann habe ich dieses hier gekauft. Seit dem hab ich meine ruhe gefunden. Ich finde einfach unschlagbar das ein/ausgangs anzahl verhältnis zur größe. Feines teil. Nur der kompbinierte Lautstärkeregler …… man ist das nervig. Is seeeehr langsam und auch abends teilweise gefährlich wenn man schnell leise drehen möchte. Focusrite macht das besser mit einen größeren regler für Monitor und kleinen für KH ausgang. Trotzdem wie gesagt ein sehr feines gerät

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