Humbucker-Funk - geht das?
Die Music Man Cory Wong Signature entspringt der Stingray-Serie, die schon seit Längerem auch als Gitarren eine verdammt gute Performance liefern. Jetzt wurde das Design als Zitat des legendären Basses auf die Spitze getrieben.
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- Was ist es? Music Man Cory Wong Signature Stingray Guitar, E-Gitarre – ein High-End-Signature-Modell mit zwei Humbuckern und moderner Ausstattung.
- Funky mit Humbuckern: Trotz Stratocaster-Historie setzt Cory Wong hier auf druckvolle, präzise Sounds statt klassischer Singlecoils.
- Top verarbeitet: Hochwertige Materialien, perfekte Bundabrichtung, erstklassige Hardware – typisch Music Man.
- Spielgefühl: Eigenständiger Charakter mit größerem Halsprofil und ausgewogener Ergonomie – nichts für Nebenbei-Spieler.
- Sound & Dynamik: Ehrliche Tonentfaltung, fein aufgelöste Sounds und gnadenlose Offenheit bei jeder Lautstärke.
Inhaltsverzeichnis
Die Music Man Cory Wong Signature im Test
Cory Wong ist bekannt für seine messerscharfen Funk-Licks, für rhythmische Präzision und für seine Arbeit auf der Stratocaster. Warum zum Teufel bringt Music Man mit der Stingray Guitar eine Signature-Gitarre auf den Markt, wenn die doch mit zwei Humbuckern bestückt ist? Geht’s noch? Das ist doch total unfunky!
Nun, der Herr Wong hat dazu eine eigene Meinung und ein Geschäftskonzept, das in diesem Fall total gut aufgeht: „So many great tones in R’n’B, Funk and Rock require Humbuckers“, sagt der Meister und deshalb lässt er sich von einer der weltweit besten Gitarrenbaufirmen eben mal eine Gitarre mit Humbuckern auf den Leib schneidern. Ob das eine gute Wahl war, beantwortet der folgende Bericht hoffentlich ausführlich genug.
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Funky Humbuckers – der erste Eindruck
Die Music Man Cory Wong Signature wird im Luxus-Gigbag geliefert, das einen Vergleich zu einem Koffer nicht fürchten muss. Leicht und absolut stoßsicher würde ich in diesem Gigbag meine Gitarre sogar einer Fluglinie anvertrauen und das will was heißen! Beim Auspacken muss ich wirklich ehrfürchtig staunen, denn diesem Instrument wohnt ein gewisses Flair inne, was nur wenigen Instrumenten in dieser Form gelingt.
Optisch auch ein Leckerbissen:
Die Stingray-Gitarre ist optisch dem wohl neben Fender J- und P-Bässen bekannsten Design von Music Man nachempfunden, dem Stingray-Bass. Charakteristisch hierfür ist, neben der Form, das Teardrop-Pickguard. Was auch immer die Hardcore-Vintageologen sagen: Das Design funktioniert auch auf einer Gitarre unfassbar gut!
Der erste Eindruck ist also schon mal positiv und ich bin gespannt, wie dieses Sahneschnittchen sich im unbarmherzigen Test so schlägt. Der erste Check trocken und am Amp sagt mir, dass wir es hier mit einer absoluten Wunderwaffe zu tun haben, die deutlich mehr kann, als ihr Äußeres vermuten lässt.
Die Specs, Facts und Highlights
Die Stingray-Guitar ist in der Form einer Silhouette sehr ähnlich, nur eben deutlich größer. Das gilt auch für die Kopfplatte, die nach Corys Vorgaben etwas größer designt wurde und einerseits der für Music Man typischen 4 + 2-Anordnung Rechnung trägt, andererseits so deutlich mehr Masse mitbringt und so ein völlig anderes Spielgefühl vermittelt, als es etwa meine Luke II vermag. Vom Gefühl her hat man hier eher eine Fat-Head-Strat auf dem Schoß als eine zierliche Silhouette, aber Cory Wong ist ja auch einer DER typischen Strat-Spieler.
Der Korpus aus Erle und der geröstete Ahornhals mit seinem Palisandergriffbrett bringen etwa 3,3 kg auf die Waage. Die Lackierung, im Falle der Testgitarre Charcoal Blue ist tadellos aufgetragen. Das für Stingray typische Pickguard trägt die beiden Humbucker, die ebenfalls nach Corys Vorgaben entwickelt wurden. Die komplett in Gold gehaltene Hardware vermittelt edles Flair, die Mechaniken verfügen über einen Locking-Mechanismus, der die Stimmung verteidigt, wenn das Music-Man-Custom-Modern-Classic-Vibratosystem zum Einsatz kommt.

Flüssiges Spiel bis in höchste Lagen: Die Music-Man-typische 5-Punkt-Verschraubung und der ausgefräste Body machen bequemes Spiel möglich.
Werksseitig ist das Vibratosystem der Music Man Cory Wong Gitarre hinten auf dem Korpus aufgelegt, wer nach oben vibrieren möchte, muss also diverse Einstellungen vornehmen. Das ist okay, nicht jeder Gitarrist mag freischwebende Vibratosysteme, Cory Wong offenbar auch nicht. Die Compensated Nut, die bei Music Man nahezu überall zum Einsatz kommt, garantiert eine saubere Intonation der Gitarre. Die Trussrod ist, wie bei Music Man üblich, korpusseitig zugänglich und ermöglicht die Einstellung der Halskrümmung, ohne die Saiten entfernen zu müssen. Ein entsprechendes Werkzeug liegt dem Instrument bei.
Die Elektronik der Cory Wong Signature Guitar
Zwei Humbucker, ein 3-Wege-Schalter und zwei Potis für Volume und Tone, mehr ist hier nicht zu finden. Keine Option zum Splitten der Humbucker, keine aktiven Spielereien, hier ist Humbucker pur angesagt. Das ist interessant, denn gerade die Singlecoil-Sounds sind ja das Markenzeichen von Cory Wong. Er wollte eine Humbucker-Gitarre und hat diese nun auch so kompromisslos wie möglich bekommen.
Das heißt natürlich nicht, dass das Ende der Fahnenstange damit erreicht wäre. Ein Splitting der Humbucker ist grundsätzlich, sofern die Verdrahtung das vorsieht, nachrüstbar und dem erfahrenen Hobbylöter oder dem Profi problemlos möglich. Kleiner Spoiler: Die Humbucker verfügen beide über fünf Adern. Hierzu könnte ein Push-Pull-Poti genutzt werden oder man installiert einen zusätzlichen Split-Coil-Switch. Auf jeden Fall würde das die Vielseitigkeit der Gitarre vervielfachen. Wie es aber bei Signature-Instrumenten nun mal so ist, ist der Kunde König.
Ein Blick ins Innere des Elektrikfachs der Music Man Cory Wong macht mich glücklich, denn hier ist alles aufgeräumt, platinenverlötet und somit servicefreundlich und übersichtlich. Wer Modifikationen durchführen möchte, sollte aber wissen, was er oder sie tut. So einfach draufloslöten ist hier nicht möglich.
Die Cory Wong Humbucker-Strat in der Praxis
Auf dem Schoß schmiegt sich die Music Man Cory Wong bestens ausbalanciert an des Testers Bierbauch, es finden sich keinerlei störende Kanten am Korpus. Der Hals liegt sofort sympathisch und vertraut in der Hand, das Halsprofil würde ich als modernes C-Profil deuten, allerdings sind wir hier nicht im Bereich flacher Shredder-Necks, sondern es bleibt ein angenehmes Gefühl, das durch das Finish des Halses noch verstärkt wird. Die mittlerweile zum Standard gewordenen Roasted Maple Necks fühlen sich einfach grandios an.
Die Bünde aus Edelstahl sind perfekt abgerichtet, ganz so, wie man das von einer Gitarre in der 3.000,- Euro Klasse auch erwarten darf. Verarbeitungstechnisch gibt es hier auf den ersten und den zweiten Blick und Touch absolut gar nichts zu mäkeln. Trocken gespielt macht die Mischung aus Fender-Mensur und dem perfekten Hals Spaß, das Instrument reagiert spritzig, aber ohne den typischen Strat-Knack. Ich würde es als „gebremste John Mayer Strat“ bezeichnen. Ich weiß nicht, ob das eine offizielle und verständliche Beschreibung ist, aber das ist meine erste Assoziation.
Eins kann ich direkt sagen: Die Music Man Cory Wong Signature Gitarre spielt sich nicht von allein, die will erobert werden. Alles, was mir auf der Luke leichtfällt, will hier zunächst mental neu justiert werden. Das ist nicht negativ gemeint, es ist nur so, dass dieses Instrument einen sehr eigenen Charakter hat und diesen den Spieler auch spüren lässt.
Am Gurt hängt die Music Man Cory Wong ausgewogen, das Gewicht und die ergonomische Form lassen einen zwischendurch vergessen, dass man überhaupt so einen Paddel am Hals hat. Mit dieser Gitarre würde ich mich bedenkenlos an einen mehrstündigen Top-40-Gig heranwagen. Aber wie klingt die Lady denn nun eigentlich, wenn man sie mit der Verstärkung verstöpselt?
In der Deluxe-Ausführung noch schöner:
Der Klang der funky Humbucker
Da hier zunächst nur drei Soundoptionen zur Verfügung stehen, möchte ich auch mal explizit auf die Wirkung der Drehknöpfe eingehen. Ein Volume-Regler eignet sich grundsätzlich immer richtig gut, einer Gitarre den Crunch abzugewöhnen. Wenn das Teil gut gebaut ist, ergibt ein zurückgedrehter Regler hier zusätzliche Optionen, die die Dynamik der Gitarre in der Praxis nutzbar machen. Also starten wir mit einem Kemper-Profile, das bei voll aufgedrehtem Volume erste Zerrungen zu Gehör bringt. Ein Morgan AC20 Profile mit etwas Reverb kommt zum Einsatz. Zunächst hört ihr das zu etwa einem Drittel zugedrehte Volume-Poti, nach der Hälfte drehe ich voll auf.
Was hier zu hören ist, ist ein warmer, satter Sound, der auch bei zurückgeregeltem Volume absolut großartig und kein bisschen kompromissbehaftet klingt. Voll aufgerissen gerät der Amp dann in die Zerrung und die Gitarre überzeugt auch hier mit einem durchsetzungsfähigen, aber nie schneidenden Sound. Ähnlich präsentiert sich die Zwischenposition, die ihr zunächst auch mit reduziertem Volume hört. Der Bridge-Pickup allein dagegen hat Kraft, da habe ich den Amp-Sound ungebremst genossen und stelle fest, dass dieses Instrument die Töne geradezu beängstigend ehrlich auflöst. Fuddeln ist hier nicht erlaubt, das deckt die Lady gnadenlos auf.
Jetzt aber! Highgain! Hier hört man, dass es die Music Man Cory Wong sehr genau nimmt mit den Tönen, die man spielt. Aufgemerkt!
Aber was uns jetzt noch fehlt, ist der messerscharfe Cleansound, der den Humbuckern das Funken beibringen soll. Ihr hört ein Funky-Lick in allen drei Positionen des 5-Wege-Schalters, beginnend in der Halsposition.



































@Jan Steiger
Das ist eine sehr schöne Gitarre mit ebensolchem Klang !
Super Soundbeispiele, danke. Du hast es einfach drauf 👌
Gruß masterBlasterFX
@masterBlasterFX whoooo, danke 🧡