The Game Changer
Die Firma Music Man wurde im Jahre 1972 in dem kleinen Städtchen Anaheim in Kalifornien von Leo Fender, Tom Walker und Forrest White gegründet, die unter anderem den heute noch legendären StingRay-Bass entwickelten. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit den kalifornischen Saiten-Gurus Ernie und Sterling Ball, deren Firma Ernie Ball auch 1984 Music Man aufkaufte und sich spätestens mit der Vorstellung der Silhouette-Gitarre und der darauf folgenden Ausstattung der Ausnahmemusiker Steve Morse und Eddie van Halen einen festen Platz unter den renommiertesten Gitarrenherstellern dieser Welt ergatterte. Heute ist die Liste der Künstler, die auf die Gitarren der Firma Music Man schwören, lang und umfasst neben den oben genannten „Griffbrett-Zauberern“ auch die beiden gitarrenbehängten Flitzefinger von Dream Theater sowie Tony Levin und Albert Lee.
Diese Creme de la Creme der Gitarristen und Basser will natürlich auch mit den Instrumenten ausgestattet sein, die ohne Wenn und Aber ihren Dienst tun, und das nimmt man in San Luis Obispo allem Anschein nach sehr ernst.
Noch heute stellt die Firma dort in einer kleinen Manufaktur her und verfolgt den Anspruch, die überschaubare Anzahl der Modelle ohne Kompromisse und in Custom-Qualität zu fertigen. Eines dieser Edelinstrumente hat nun den Weg in das AMAZONA Testlabor gefunden, und wir wollen im folgenden Test der Music Man Reflex auf den Zahn fühlen und sehen, was an der Legende aus den USA so dran ist.
Facts & Features
Die Music Man Reflex wird in einem dem Preis angemessenen robusten Kunststoff-Formcase geliefert, inklusive einer Probepackung Politur und Fretboard-Conditioner, einer Anleitung zum Wechseln der Batterien und präsentiert sich schon beim Aufklappen des Deckels als sehr edel und zierlich. Die für die Music Man charakteristisch geformte und kleine Kopfplatte sowie die kompakte Form des Korpus lassen einen mit instinktiver Vorsicht zwischen den Filzbezug im Koffer und das Holz des guten Stücks greifen, um sie zwecks einer ersten Rundum-Begutachtung herauszunehmen. Sofort fällt auf, wie leicht die Reflex ist, was an der zierlichen Bauweise und den Tonkammern im Korpus zurückzuführen sein dürfte. Auf den ersten Blick macht die Gitarre den Eindruck eines äußerst sorgfältig und liebevoll verarbeiteten Instruments. Der in seiner Form an die Music Man „Axis“ erinnernde Korpus aus Linde mit Ahorn-Decke, den Tonkammern und dem Mahagoni Tone-Block ist von einer deckenden schwarzen Lackschicht überzogen und auf Hochglanz poliert. Das creme-weiße Binding des Bodys ist ebenso von absolut makelloser Qualität.
Ferner hat man auf der Vorder- wie Rückseite das Shaping für einen absolut körperengen Sitz gestaltet, sodass sich das Holz wunderbar an die „Wohlstandsmusiker-Wampe“ anschmiegt. Die Abdeckung des Elektronikfaches auf der Rückseite besteht aus einem graphitummanteltem Acryl-Kunststoff. Die Reflex ist mit knapp 3,2 Kilogramm eine echtes Fliegengewicht und verspricht somit ein angenehmes Handling in jeder Position. Möglich machen dies unter anderem die weiter oben bereits erwähnten Tonkammern, die in die obere Hemisphäre des Bodys oberhalb des Mahagoni Blocks im Pickup-Bereich des Linde-Korpus eingefräst wurden.
Die Reflex wird vermutlich meine in die Jahre gekommene Silhoutte aus dem Jahr 1988 ersetzen. Die Freude wird aber getrübt durch eine meiner Meinung nach nicht mehr gerechtfertigte Preispolitik.
Reflex HH Trem in Deutschland: Brutto-Preis laut Direktimporteur Musik Meyer 3189 Euro
Strassenpreis: 2490 Euro
in der Schweiz: Bruttopreis Musik Meyer: 4390.00 CHF (entspricht 3512 Euro)
Strassenpreis noch nicht klar
in den USA: Strassenpreis 1990 US$, entspricht ca. 1400 Euro bezw. 1800 CHF (!!!)
Das bedeutet, dass dieses Instrument auf dem Weg ab Werk USA bis in die Schweiz mehr als 200% Marge generiert… Ist für mich nicht mehr nachvollziehbar.
Eine ´88er Silhouette ist aber auch eine feine Sache, würde ich nur ungern abgeben ;)
Ich sehe das genauso.
Wollte mir mal eine MusicMan Silhouette kaufen. Da sie hier allerdings unverhältnismäßig teurer als in den USA ist, wollte ich sie aus den USA importieren. Aber da das eigentlich von MusicMan aus scheinbar für neue Modelle nicht erlaubt ist (nur für gebrauchte) und es sehr schwierig ist einen Händler zu finden der das trotzdem macht, habe ich mir letztendlich eine gebrauchte PRS gekauft.
Wie die Guitar hier angespielt wurde entsteht bei mir kein Bedarf.