Test: Mutable Instruments, Shruthi-1, Hybrid-Synthesizer

30. Juli 2011

Shruti-1

Die Vorgeschichte zum Amazona Projekt Tyrell und Geräte wie die Sidstation haben es gezeigt, dass Interesse an 80er Jahre Sound ungebrochen ist. Hier nun ein Vertreter aus der Do It Yourself Welt (DIY), der zeigt, dass Hybrid-Synthesizer Hardware mit analogem Filter und Open Source Betriebssystem zu günstigen Konditionen realisierbar ist.

Shruthi-1

Unter diesem Namen konzipierte Olivier Gillet von Mutable Instruments einen wirklich interessanten Synthesizer Bausatz, den man auch als komplett aufgebaute und durchgetestete Desktopvariante mit Gehäuse und MIDI-Anbindung erwerben kann (http://shop.mutable-instruments.net/). Beim Shruthi-1 handelt es sich um einen Monosynthesizer alter Schule. Ein 8-Bit Microcontroller dient zur Erzeugung der Wellenformen (2 Hauptoszillatoren und ein Suboszillator) und übernimmt die komplette Steuerung und MIDI-Anbindung. Ein weiteres Board beherbergt ein diskret aufgebautes analoges Filter, welches in verschiedenen Varianten erhältlich ist und mittels einer Experimentierplatine auch um eigene Varianten ergänzt werden kann.

Housing

Housing

Bestellung

Nach Auswahl der Gehäusefarbe und des Filterboards per E-Mail und entsprechenden Angeboten von Mutable Instruments entschied ich mich für die fertig aufgebaute Standardvariante mit SMR-4 Filterboard und einfachem Plexiglasgehäuse. Das Gerät wurde dann innerhalb von 7 Tagen komplett neu für mich aufgebaut und getestet. Es kann aber auch als Bausatz bestellt werden. Nach 10 Tagen erhielt ich dann das Paket via Post aus Paris. Der E-Mail Kontakt zu Mutable Instruments verlief sehr freundlich auf gutem Englisch, und ich war jederzeit im Bilde, welche Bauphase mein Shruthi-1 gerade durchläuft. Nach der Entnahme aus dem Postpaket zeigt sich das Instrument eingepackt in einem bestickten, orientalischen Stoffsack mit beigelegter Grußkarte. Die Gebrauchsanweisung zum Instrument findet sich ganz im Sinne der Umwelt im Netz (http://mutable-instruments.net/shruthi1/manual), allerdings wäre eine PDF-Version hilfreich. Alles in allem ging die Transaktion sehr reibungslos von der Bühne, und man hatte das Gefühl, ein individuell gefertigtes Instrument und Einzelstück zu bekommen.

Verpackung

Verpackung

Gehäuse

Die vorgefertigten Gehäuse können in verschiedenen Varianten bestellt werden (http://www.flickr.com/photos/mutableinstruments/tags/shruthi1/). Beim vorliegenden Testgerät entschied ich mich für die klassische Plexiglasvariante mit blauem Display. Das Gehäuse zeigt sich in einer schönen Aufmachung aus 5mm dicken Plexiglas mit eingraviertem Firmenlogo. Vier Potentiometer und ein Endlosregler dienen zur direkten Eingabe der Parameter für Oszillatoren, Filter und Hüllkurven, welche über 6 Tipptaster aufgerufen werden können. So schön das Gehäuse aussieht, so ist es nicht unbedingt staubdicht, etwas sehr filigran und wohl nicht unbedingt livetauglich. Trotzdem findet es dank seiner geringen Größe und vier Gummifüßen sicheren Halt auf jeder Oberfläche. Die Stromversorgung erfolgt über ein externes Netzteil mit 7,5 – 9 Volt und 300mA. Neben der Buchse für den Netzteilanschluss findet sich rückseitig eine MIDI-In und eine -Out Buchse direkt neben dem Audio-In und Audio, ausgelegt als 6,3mm Klinke.

Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      Thomas Paulsen  

      Das liegt aber an den gewählten Demos. Bitte mal die Soundcloud von mutable instruments ansurfen, da gibt es reichlich gute und schöne Demos…wobei ich die Sounds direkt aus dem Instrument auch schöner finde. Da geht durch die MP3 Kompression doch reichlich verloren.

      • Profilbild
        d.bruellmann

        Die Demos sind bewusst so gewählt, dass man einen Eindruck bekommt, was beim ersten Anspielen aus dem Gerät heraus kommt.
        Also sorry, aber die meisten hier gezeigten Demos kann kein normaler User so aus den beschriebenen Geräten auf Anhieb abspielen.

  1. Profilbild
    Thomas Paulsen  

    Anzumerken sei, daß das Midi Interface vom Shruthi-1 nicht mehr als 3 Shruthis in Reihe geschaltet verträgt, ohne nennenswerte Latenzen. Und der Preis für das DIY Kit beträgt nur 130.-Euro, ohne Gehäuse.

    • Profilbild
      microbug  

      Eben. Einen Poly-Struthi muß man daher anders aufbauen, indem man die Platinen und Firmware anpaßt. Für die Voiceboards brauchts Display, encoder und MIDI nicht, dafür aber einen Steuerbus, und die Steuereinheit braucht Display, Knobs und MIDI, dafür keine Elemente der Klangerzeugung, aber den Steuerbus.
      Legt man diesen clever aus (zB als TWI), ist beliebige Polyphonie möglich, die Voiceboards kann man dann einfach stecken und mit einer Software-ID versehen – oder auch per DIP-Schalter. Geht alles, muß man halt nur machen.

      • Profilbild
        Thomas Paulsen  

        So ist es. Zumal die Vintage Polyphonen Analogen Synths alle auf die bekannten CEM, IRC etc. Chips setzten. Die gibt es heutzutage natürlich nicht mehr. Aber dafür gibt es so tolle Projekte wie das von mutable instruments, bei dem jeder mitmachen kann.
        Wem das zu analog ist, kann sich auch einen „sammichFM“ bauen, drüben bei midibox.org.

        • Profilbild
          microbug  

          ähm, natürlich gibts noch zumindest CEM-Chips, die von Dave Rossum (Emu) entwickelten SSM dagegen nimmer (außer Restbestände). CEM-Chips werden ja aktuell in den Synthis von Dave Smith eingesetzt, für die er sich noch exklusiv hat welche von Doug Curtis hat bauen lassen – siehe Interview auf dieser Plattform hier. IRC meint sicher die Roland IR-Filterchips, aber die gabs ja nie auf dem freien Markt, sondern eben nur als Roland-Teile.

          • Profilbild
            Thomas Paulsen  

            Ja klar gibt? noch CEM Chips, die auch Doepfer verwendet um z.B. den Dark Energy zu bauen, allerdings wird es die nicht ewig geben und die für den Polyphonen Betrieb gehen zur Neige. Und die Dave Smith Synths klingen meiner Meinung nach nicht so gut wie der Shruthi-1.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.