Pack den Brown-Sound ins Pedal
Das MXR EVH Modern High Gain ist ein spezielles Hochleistungs-Verzerrerpedal, das auf dem dritten Kanal des legendären EVH 5150 III Amplifiers basiert und sich primär an hartgesottene Van-Halen-Fans sowie High-Gain-Enthusiasten richtet. Wer auf der Suche nach kompromissloser Sättigung mit Signature-Charakter ist, sollte weiterlesen. Alle anderen möglicherweise auch.
Worum geht es?
- MXR EVH Modern High Gain: Ein kompromissloses High-Gain-Pedal mit klarem Van-Halen-Bezug.
- Sound: Der Klang orientiert sich am Red-Lead-Channel des EVH 5150 III.
- Ausstattung: Boost, Noise Gate und 55 Hz/80 Hz Schalter erweitern den Praxisnutzen.
- Zielgruppe: Ideal für Van-Halen-Fans und erfahrene High-Gain-Spieler.
- Fazit: Teuer, speziell, aber klanglich und qualitativ überzeugend.
Inhaltsverzeichnis
Vorgezogenes Fazit: Was bekommt man und für wen lohnt es sich?
Klare Ansage vorab, bevor wir uns in die Details vorarbeiten. Wer erwartet, mit diesem Pedal einen universellen Alleskönner für das Pedalboard zu erwerben, liegt falsch und sollte sein Geld anderweitig investieren. Wer hingegen weiß, was er will, nämlich den brachialsten, Gain-gesättigtsten und chirurgisch präzisesten Sound aus dem EVH-Universum in eine kompakte Kiste gepresst, der ist hier richtig. Ein Ladenpreis von knapp unter 300,- Euro ist zudem kein Pappenstiel. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf das Produkt.
Das Pedal richtet sich an zwei klar definierte Käuferschichten. Erstens an den Van-Halen-Devotee, der den Red-Lead-Channel des 5150 III bereits aus dem persönlichen Bestand kennt und diesen nun Pedalboard-gerecht haben möchte und zweitens an den erfahrenen High-Gain-Spieler, der ein charaktervolles, klanglich eigenständiges Zerrpedal mit praxistauglichem Funktionsumfang sucht. Anfänger, die noch dabei sind, ihre Grundtonentwicklung zu erarbeiten, werden sich mit dem Modern High Gain keinen Gefallen tun. Der Einsteigerbereich ist als Zielgruppe für dieses Pedal definitiv nicht anvisiert.
Kontext: Ein Name, der auch posthum Kassen füllt
Es gibt Musiker, deren Name nicht nur von Musikkonsumenten auch noch Jahre nach ihrem Tod mit Ehrfurcht ausgesprochen wird, sondern die auch für die Musikinstrumentenindustrie einen Umsatzgaranten darstellen. Eines dieser zweifelsohne starken Trademarks ist Edward Van Halen, dessen Name auch knapp sechs Jahre nach seinem Tod unter dem Label EVH regelmäßig für neue oder Reissue-Produkte sorgt. Einer der glücklichen Kooperationspartner ist Jim Dunlop, der mit seinem Label MXR schon seit über 40 Jahren Phaser, Flanger und vieles andere für den klassischen VH-Sound fertigt.
Wenn man bedenkt, dass der klassische VH-Sound aus einer selbst zusammengeschraubten Gitarre, zwei Modulationspedalen, zeitweise etwas EQ und Tape-Echo sowie einem von einem Variac gezügelten Plexi bestand, ist es schon beachtlich, was alles auf dem Markt landet, um den legendären „Brown Sound“ in eine kompakte Kiste zu packen. Nachdem EVH den Schritt in die Abteilung Gitarrenheld geschafft hatte, wurde natürlich die Signature-Abteilung kräftig angekurbelt, was sich letztlich in einem 5150 III Head niederschlug. Der dritte Kanal eben dieses Amps, der sogenannte Red-Lead-Channel, diente als Vorlage für das MXR EVH Modern High Gain Pedal, jedoch nicht ohne ein paar praxisgerechte Details hinzuzufügen.
Das Pedal wurde bereits 2015 in direkter Zusammenarbeit mit Eddie Van Halen entwickelt, also noch zu dessen Lebzeiten. Ein Umstand, der dem Produkt heute eine gewisse authentische Legitimation verleiht, die nicht künstlich posthum konstruiert wurde. Mit dem Modern High Gain schließt MXR nach eigener Aussage die letzte Lücke im EVH-MXR-Line-up.
Verarbeitung und Optik: Solide mit kleinen Besonderheiten
Zwei Punkte fallen auf den ersten Blick auf. Zum einen kommt das in rot gebürstetem Metall ansprechend gestaltete Gehäuse ohne das berühmte Streifenmuster aus. Ob dies als Design-Entscheidung oder Lizenzfrage zu verstehen ist, bleibt dem Betrachter überlassen. Zum anderen verfügt das MXR EVH Modern High Gain über ein Batteriefach auf der Unterseite des Gehäuses. In Zeiten, in denen der überwiegende Teil aller Pedalhersteller komplett auf dieses Feature verzichtet, ist das eine echte Wohltat.
Es mag sein, dass die Mehrheit aller Anwender mit Mehrfachnetzteilen arbeitet und auf diesen Punkt keinen Wert legt, aber als Bonuspunkt ist dieses Feature nicht zu unterschätzen. Wer wie ich schon öfter in der zweiten oder dritten Welt auf einer Bühne gestanden hat, deren Netz in Sachen Spannungsqualität unter aller Kanone war, weiß die nebengeräuschfreie Batteriestromversorgung zu schätzen. Ehrlich gesagt sollte dies bei einem Zerrerpedal mit einem Ladenpreis von knapp unter 300,- Euro aber auch Standard sein, sofern die Leistungsaufnahme für einen Batteriebetrieb wirtschaftlich überhaupt Sinn ergibt.
Die Verarbeitung des Pedals muss als hervorragend bezeichnet werden. Schwergängige Potentiometer, die laufen, als ob sie in Öl gelagert seien, und ein On/Off-Schalter mit einem mehr als nur definierten Druckpunkt machen den Bühnenbetrieb zu einem gelungenen Abend unter Freunden. Das Format entspricht weitgehend dem des 5150 Overdrive, was sowohl Vor- als auch Nachteil ist. Wer Letzteres bereits auf dem Board betreibt, findet sich sofort zurecht.
Wer hingegen knappen Platz auf dem Pedalboard hat, wird feststellen, dass das horizontal ausgerichtete Gehäuse vergleichsweise viel Fläche beansprucht. Eine vertikal angeordnete, kompaktere Variante wäre je nach Anwender wahrscheinlich wünschenswert gewesen.
Bedienkonzept und Ausstattung: Mehr als nur ein Gain-Regler
Das MXR EVH Modern High Gain verfügt über Gain- und Volume-Regler sowie einen 3-Band-EQ mit Bass, Mid und Treble. Über den 55 Hz/80 Hz Schalter lassen sich zwei unterschiedliche Bassbereiche anwählen: Die 55 Hz Stellung sorgt für ein besonders kräftiges Low-End, während der 80 Hz Bereich mehr Punch und Definition liefert. Dieser Frequenzwahlschalter ist eine der praxisrelevanteren Ergänzungen gegenüber einer simplen Zerrstufe. Je nach Bühnenakustik und Boxenbestückung kann dieser Unterschied erheblich sein. Man sollte sich allerdings nicht zu sehr an den Hertz-Angaben festhalten, da dieser Frequenzbereich bei professionellen Plattenaufnahmen oder Live-Darbietungen aus Transparenzgründen bei der Gitarre ohnehin abgeschnitten wird.
Separat geregelte Ausgangs- und Gains-Struktur bedeutet in der Praxis: Output zurückdrehen und Gain aufdrehen für satten Drive bei niedrigen Lautstärken oder umgekehrt für mehr Klarheit bei raumfüllenden Pegeln. Das klingt banal, ist aber im Live-Einsatz Gold wert. Zusätzlich steht ein Boost-Schalter zur Verfügung, der das Gain nochmals merklich anhebt.
Das integrierte Noise-Gate an der linken Gehäuseseite verdient gesonderte Erwähnung. Anders als bei einfachen On/Off-Schaltungen arbeitet dieses stufenlos und lässt sich demnach sehr gut justieren, bis der Rauschpegel des Signals den eigenen Ansprüchen genügt. Bei den satteren Gain-Einstellungen, die das Modern High Gain ohne Weiteres produziert, ist das kein optionales Feature, sondern schlicht notwendig.
Klang: Wuchtig, präzise, wenig kompromissbereit
Nimmt man das Pedal in Betrieb, ist die Richtung sofort unmissverständlich. Das Modern High Gain liefert einen EVH-High-Gain-Ton in roher, unverfälschter und klanglich „erdrückender“ Form. Selbst bei niedrigen Gain-Einstellungen handelt es sich nicht um Overdrive-Territorium, sondern um satte, beißende Verzerrung mit deutlichem Amp-Charakter. Wer einen dezenten, transparenten Boost sucht, ist hier definitiv falsch. Das Pedal macht von Beginn an klar, wohin die klangliche Reise geht.
Der Amp-ähnliche Charakter des MXR EVH Modern High Gain ist dabei kein leeres Marketingversprechen. Die Verzerrung klingt trotz der Abstinenz jeglicher Röhren organisch und dreidimensional, nicht synthetisch flach, wie man es von manchen Digitalkonkurrenten kennt. Dabei erlaubt der 3-Band-EQ eine überraschend breite Klangpalette. Höhen aufdrehen ergibt einen glasigen, brillanten Charakter mit Marshall-Anmutung. Tiefen und Mitten in Kombination liefern das sagenumwobene „Wall of Sound“-Feeling, das der Red-Channel des 5150 III zu seiner Spezialität gemacht hat.
Interessanterweise öffnet der Mid-Regler bei extremen Einstellungen unerwartete Klangwelten jenseits des klassischen Hard-Rock-Sounds. Dreht man ihn vollständig zurück, kippt der Charakter in Richtung synthetisch anmutenden Fuzz-Territoriums. Ein Nebeneffekt, den experimentierfreudige Spieler durchaus produktiv nutzen können, der aber wenig mit dem zu tun hat, weswegen man dieses Pedal primär kaufen sollte.
Das Pedal ist klanglich weder subtil noch vielseitig im universellen Sinne. Es verfolgt vielmehr ein klar definiertes Ziel mit hartem Griff. Für Van-Halen-Fans und Hard-Rock-Gitarristen, die nach einem funktional vollständigen, klanglich überzeugenden High-Gain-Pedal mit authentischem Ansatz suchen, ist dieses Pedal erste Wahl.































Klingt amtlich und authentisch. Ich bin zwar kein Fan davon, Signature Sounds zu „klauen“, aber der EVH-Ton ist sehr gut getroffen.