Sound mit Haltung! Der Sound einer Ära
Der MXR Jail Guitar Doors Drive JGD1 ist ein kompromissloser Overdrive-/Distortion-/Fuzz-Hybrid, der den Proto-Punk-Sound der MC5 und Wayne Kramers rebellische Gitarrenphilosophie in einem Stompbox-Format konserviert. Dieses Pedal richtet sich an Gitarristen, die rohe, ungeschliffene Verzerrung suchen und keine Lust auf endlose Klangformungs-Orgien haben.
- Radikales Konzept: Nur ein Regler für maximalen Sound bei minimaler Bedienung.
- Brutaler Klang: Bissige Fuzz-Verzerrung mit klarer Punk-Attitüde – nichts für Feinschmecker.
- Robuste Bauweise: Massives Gehäuse, Batterie- oder Netzteilbetrieb, stylishes Shepard-Fairey-Design.
- Soziale Mission: Unterstützt Kramers Projekt zur musikalischen Rehabilitation von Inhaftierten.
Inhaltsverzeichnis
Vorgezogenes Fazit
Wer auf der Suche nach einem geschmeidigen, mittengezähmten Overdrive ist, kann gleich weiterklicken. Der MXR Jail Guitar Doors Drive JGD1 ist eine Kampfansage an alles, was nach harmonischer Sättigung und ausgeglichenem Frequenzspektrum klingt. Das Pedal liefert brachiale, bissige Verzerrung mit deutlichem Fuzz-Charakter, allerdings ohne den penetranten Ringmodulator-Effekt, der manch andere Vertreter dieser Gattung unspielbar macht.
Die Zielgruppe ist klar definiert: Punk-Puristen, Garage-Rock-Enthusiasten und alle, die ihre Plexi-Stacks auch bei zivilisierten Zimmerlautstärken in die Sättigung fahren wollen. Wer einen Verstärker besitzt, der bereits im Heavy-Crunch-Bereich operiert, wird mit diesem Pedal vermutlich nicht glücklich. Hier geht es um Detroit-Power, um ungefilterte Aggression, um Sound als Statement. Der einzige Regler ist Programm, keine Kompromisse, keine Diskussionen, keine Bedienungsanleitung nötig.
Konzept und Philosophie
Wenn man mit meiner Historie ein Pedal wie den MXR Jail Guitar Doors Drive JGD1 in die Hand bekommt, muss man einfach schmunzeln, selbst wenn man den Klang des Pedals noch gar nicht vernommen hat. Ich weiß nicht, wie oft ich mir bei einigen meiner Kollegen ein Produkt gewünscht hätte, das einfach nur einen einzigen Drive-Regler für die Formung des Klangs bietet.
Insbesondere der überwiegende Teil meiner Bassisten-Kollegen wurde im „Klangformungs-Overkill“ der Achtziger komplett überfordert. Ich sage nur „Auf Ampeg gelernt und dann mit einem 16-fach-Grafik-EQ plus parametrischem EQ bei Trace Elliott konfrontiert“ oder aber „Passiver Tone-Regler beim Precision und nun 3-fache aktive Klangregelung“. Ich kann gar nicht auflisten, wie viele Bassisten ich kenne, die am Bass einfach alles auf 10 gedreht haben und den grauenhaftesten Sound aller Zeiten produzierten, sich aber im selben Augenblick beratungsresistent bis zum Abwinken gebärdeten.
Mein Traum war immer ein Bass ohne Regler und ein Amp mit einem großen Volume-Regler auf der Vorderseite (und einem kleinen auf der Rückseite, um ihn wieder heimlich zurückzudrehen. Eben diesen Gedankengang hatte ich unmittelbar während des Auspackens des Pedals.
Das MXR Jail Guitar Doors Drive JGD1 entstand in Zusammenarbeit zwischen Wayne Kramer, Jimi Dunlop und Johnny Wator von Daredevil Pedals. Benannt nach Kramers Wohltätigkeitsorganisation, die Musikinstrumente und Kunstworkshops für inhaftierte Menschen bereitstellt, verfolgt das Pedal eine klare Mission: den rauen, explosiven Sound der MC5 authentisch wiederzugeben. Kramer selbst verbrachte Ende der Siebziger vier Jahre in einem Bundesgefängnis. Diese Erfahrung prägte nicht nur seine Musik, sondern auch sein soziales Engagement.
Technisches Konzept
Die technische Umsetzung ist ebenso radikal wie der Sound selbst. Im Inneren des Gehäuses arbeiten zwei unterschiedliche Gain-Schaltungen in Kaskadierung. Eine Fusion aus Wators Drive-Bi Dual Gain Distortion und dem klassischen MXR Micro Amp. Beide Stufen werden über ein einziges Potentiometer gesteuert und genau hier liegt die Besonderheit des Konzepts. Beim Aufdrehen des Reglers wird nicht nur die Gesamtlautstärke erhöht, sondern auch mehr Gain von der ersten in die zweite Stufe geleitet, was zu progressiv steigender Sättigung führt. Gleichzeitig passt sich der Ausgangspegel beider Schaltungen an.
Gibt es etwas Angenehmeres als einen großen, im Übrigen sehr angenehm schwergängig laufenden Master-Regler und einen On/Off-Schalter? Ich glaube kaum! In der Tat versprüht das Pedal in seiner Gänze jede Menge Charme der Siebziger. Straight, einfach, brutal!
Klangcharakter und Praxiseinsatz
Klanglich ist der MXR Jail Guitar Doors Drive JGD1 zu einem Großteil im Fuzz-Bereich angesiedelt, insbesondere was das Obertonverhalten angeht. Der „Ringmodulator“-Effekt, wie er bei anderen Fuzz-Pedalen zuweilen sehr stark ausgeprägt ist, ist hier in der Tat nur sehr moderat vorhanden. Der Klangcharakter des Pedals ist vielmehr dem damaligen Amp-Equipment der Sechziger und Siebziger geschuldet.
Auch wenn viele Gitarristen einen Marshall Plexi auf ewig mit einem Heavy-Crunch-Sound verbinden werden. Die Plexi-Reihe wurde von Jim Marshall in der Tat primär dafür entwickelt, in Sachen Lautstärke möglichst lange einen mehr oder minder stabilen cleanen Sound zu gewährleisten. Es bedurfte also einer Art Booster/Overdrive-Kombination, die den Fullstack bereits in geringeren Lautstärken zum Halbwellen-Cut bewegte. Genau dafür wurde der MXR Jail Guitar Doors Drive JGD1 entwickelt.
Der EQ-Bereich präsentiert sich breit und ausgewogen, was in der Praxis bedeutet, dass das Pedal genug Definition mitbringt, um sich auch in dichten Live-Mixen durchzusetzen. Tom Morello, langjähriger Kramer-Freund und bekennender MC5-Fan, bringt es in einem Interview auf den Punkt: „Das ist der dröhnende Distortion-Sound der MC5 in einer Box.“ Seine Whammy-lastigen Gitarrenparts auf dem Track „Heavy Lifting“ vom letzten MC5-Album demonstrieren daher auch eindrucksvoll, welche klanglichen Extreme mit diesem Pedal möglich sind.
Ein Zusammenfassung des Sounds? Extrem bissig im Grundsound mit einem hohen Anschubpotential. Wer auf der Suche nach einem klassischen Overdrive für das Anblasen eines bereits im Heavy-Crunch agierenden Amps ist, wird sich wohl diesem Pedal nicht anfreunden. Zu brachial ist der klangliche punkige Ansatz.
Verarbeitung und Design
Die Bauweise des Pedals ist passend zur angestrebten Musikrichtung sehr massiv und wird auch ungestümer und rüpelhafter Behandlung standhalten. Der Betrieb ist mit einem 9V-Netzteil oder auch einem 9V-Block möglich. Die Zugangsklappe zur 9V-Batterie befindet sich auf der Unterseite des Gehäuses. Zudem informiert eine rote LED über den Betriebszustand des Pedals.
Dkie Gestaltung des Pedals stammt von Shepard Fairey, Gründer von Obey Clothing und Schöpfer des legendären „Hope“-Posters von Barack Obama. Sein zweifarbiges, symmetrisches Artwork zeigt Wayne Kramer mit seiner Stern-bedeckten Stratocaster und verleiht dem Pedal eine Ästhetik, die ebenso rebellisch ist wie der Sound selbst. Es gibt keine blinkenden Lichter, keine Kampfjet-Interfaces, keine glitzernden LED-Bildschirme, nur pure Vintage-Attitüde in kompakter Form.
Historischer Kontext
Kramers Bedeutung reicht weit über die MC5 hinaus. Er verkörpert den DIY-Ethos des Punk, überlebte Haftstrafen, Sucht und Branchen-Burnouts, um weiterhin Musik zu machen und jüngere Generationen zu betreuen. Morello formuliert es drastisch: „Wenn Außerirdische landen würden und du sie fragen würdest, was der roheste Moment in der Geschichte des Rock ’n‘ Roll ist, es wäre die Live-Aufnahme von ‚Kick Out the Jams‘ vom Tartar Field 1970. Sie entfesselt sich wie die vier Reiter der Apokalypse, die in einem Kristallgeschäft in Beverly Hills Amok laufen.“ Diese Beschreibung mag eine Übertreibung eines bekennenden MC5 Fans sein, aber letztendlich diente dieser Sound als Vorlage für das Pedal.
Praxistest
Für authentische Klangbeispiele bedarf es natürlich dann auch eines passenden Sparring-Partners, deshalb habe ich entsprechend auch meinen Plexi an eine Vintage-Box aus den Siebzigern angeschlossen. Das Ergebnis bestätigt die Konzeption. Das Pedal ist keine subtile Klangveredelung, sondern eine akustische Provokation. Es liefert ungezügelte, harmonische Verzerrung mit genug Durchsetzungskraft für Live-Situationen. Ein früher Prototyp des Pedals schaffte es tatsächlich noch auf das letzte MC5-Album „Heavy Lifting“.
Sozialer Aspekt
Ein Großteil der Gewinne fließt direkt an Jail Guitar Doors USA, die gemeinnützige Organisation von Wayne Kramer, seiner Frau Margaret und Billy Bragg. Die Initiative unterstützt die Rehabilitation inhaftierter Menschen jeden Alters und Hintergrunds durch Musik. Ein Ansatz, der Kramers Überzeugung widerspiegelt, dass Kunst seines Erachtens „transformative Kraft“ besitzt.


































Sehr gute Klangbeispiele, Axel! Ich finde, dass diese das Pedal toll repräsentieren.
@Markus Galla Vielen Dank!
Ich habe versucht, den „Punk-Rotz-MC5-LeckMich“ Feel einigermaßen in den Soundfiles einzufangen. 😁😅
@Markus Galla Da kann ich mich nur anschließen! Klingt wirklich als ob das Teil Spaß machen könnte! Tolle Sounds 🤩