Aus 1 mach 5!
Polyphon, analog inspiriert und klanglich alles andere als zurückhaltend: Das MXR Poly Blue Octave Pedal ist kein gewöhnlicher Octaver, sondern ein vielseitiges Klangwerkzeug für Gitarristen und Bassisten, die mehr wollen als eine schlichte Suboktave. Zwischen präzisem Pitch-Shifting, brachialem Fuzz und rotierender Modulation bewegt sich das Pedal souverän zwischen Vintage-Charakter und moderner Vielstimmigkeit.
- Vier Oktaven: Zwei Sub- und zwei Oberoktaven individuell mischbar – mono oder polyphon.
- Zwei Charaktere: Präzises Poly-Tracking trifft auf analog anmutenden Vintage-Mono-Sound.
- Fuzz & Modulation: Blue-Box-inspiriertes Fuzz plus Phaser/Leslie-Style für extreme Klangfarben.
- Kreativwerkzeug: Ideal für experimentierfreudige Gitarristen und Bassisten – weniger für Puristen.
MXR Poly Blue Octave – vorgezogenes Fazit
Wer glaubt, mit dem MXR Poly Blue Octave lediglich einen weiteren 08/15-Octaver zu erwerben, wird eines Besseren belehrt. Das Pedal vereint auf beeindruckende Weise zwei unterschiedliche Philosophien: Die saubere, polyphon trackende Präzision moderner Pitch-Shifting-Algorithmen trifft auf den rauen, charaktervollen Charme monophoner Analog-Octaver.
Hinzu kommen ein brachiales Fuzz sowie eine zweistufige Modulation, die je nach Betriebsmodus entweder Leslie-Simulation oder Phase-90-Wirbel liefert. Wer experimentierfreudig ist und den Mut hat, über die klassische „eine Oktave runter“-Attitüde hinauszudenken, findet hier ein Werkzeug mit enormem kreativem Potenzial.
Für konservative Puristen, die lediglich einen dezenten Subbass suchen, mag das Pedal überdimensioniert wirken. Alle anderen erhalten vier individuell regelbare Oktaven plus Effektsektion für ein breites Einsatzspektrum – von subtiler Klangverbreiterung hin zu völlig abgedrehten Synth-Sounds.
Persönliche Vorbemerkung
Octaver haben bei mir schon immer eine besondere Faszination ausgelöst. Der frühere Standard – insbesondere für Gitarristen – war der BOSS OC-2, der allerdings auch polarisierte, da er gleich mehrere Probleme in einem Produkt vereinte. Das Tracking war schwach und insbesondere die zweite Oktave nach unten hatte mehr färbenden Effekt als wirklich sinnvolle klangliche Ergänzung.
Dennoch gefiel mir als jungem Musiker speziell die Möglichkeit, Single-Notes im High-Gain-Bereich in Sachen „Druck“ aufzublasen, ohne mir Gedanken über die passende Harmonielehre machen zu müssen. Wohlgemerkt: Es gab seinerzeit noch keinerlei „intelligente“ Harmonizer, denen man eine Tonart einprogrammieren konnte, damit sie die passende Skala zur jeweiligen Tonart erzeugten. Was mit Quarte und Quinte noch einigermaßen funktionierte, bewegte sich im Bereich der Terz tonal schnell mehr Richtung King Crimson als in die harmonisch angestrebte Richtung.
Was den hier zum Test vorliegenden MXR Poly Blue Octave jedoch vom Gros vieler Octaver unterscheidet, ist die Tatsache, dass das Pedasl sowohl mit E-Gitarre als auch mit E-Bass funktioniert. Wahrscheinlich arbeitet das Pedal auch mit anderen elektrifizierten Instrumenten wie beispielsweise einer E-Geige problemlos – diesen Bereich konnte ich allerdings nicht testen.
Das MXR Poly Blue bietet experimentierfreudigen Musikern nicht nur einen schaltbaren Fuzz zuzüglich einer Modulationsschaltung. Es verfügt außerdem über zwei individuell regelbare Oktaven nach unten und zwei individuell regelbare Oktaven nach oben (!). Dadurch kann beispielsweise ein Standard-Bass unmittelbar zu einem 8-Saiter oder 12-Saiter mutieren. Genau diese Besonderheit hat dem Pedal im Praxiseinsatz bei mir sofort besondere Aufmerksamkeit verschafft.
Praxiseinsatz: Live-Situation
Als kurze Hintergrundgeschichte: Meine Band JÄST und ich verwenden live nur die klassische Besetzung Vocals, Guitar, Bass, Drums. Dadurch ergibt sich allerdings das Problem, dass die aufwändigen Studioproduktionen in dieser Konstellation live sehr „basic“ wirken. Da ich Backingtracks zutiefst verachte, musste ich ein Konzept entwickeln, bei dem die beiden Harmonieinstrumente Gitarre und Bass möglichst „breit“ agieren.
Um dem Bass so viel tonale Information wie möglich zu geben, verwenden wir live diesen Octaver, um ihm eine dezente Oktave nach oben sowie einen Hauch der zweiten Oktave – ebenfalls nach oben – noch vor dem Amp hinzuzumischen. Ja, wir verwenden für den Bass auf der Bühne tatsächlich einen Amp mit Lautsprecher. Eine Oktave nach unten würde bei dem Fünfsaiter nur sinnlosen Brei erzeugen, es sei denn, die Basslinien würden entsprechend hoch angesetzt.
Der klangliche Effekt ist beeindruckend. Man hat das Gefühl, eine zusätzliche Gitarre verdoppelt dezent die Basslinien. Das führt dazu, dass der Gesamtklang der Band deutlich dichter wirkt, ohne ihn übermäßig zu verfremden.
Lieferumfang und Verarbeitung
Das Pedal wird in einem stabilen Pappkarton geliefert, der erfreulicherweise ein 9-V-Netzteil mit unterschiedlichen Adapteraufsätzen für diverse Regionen enthält. Ein allgemeiner Quickstart-Guide für MXR-Produkte liegt bei. Die detaillierte Bedienungsanleitung findet sich jedoch ausschließlich auf der Hersteller-Website.
Ein mittlerweile üblicher Trend, der die ökologische Bilanz zwar schont, den Anwender im Proberaum ohne Internetverbindung aber im Regen stehen lässt.
Mit Abmessungen von 108 x 65 x 47 mm und einem Gewicht von 256 g präsentiert sich der Octaver kompakt und transportfreundlich. Die blau-violett schimmernde Metallic-Lackierung wirkt je nach Lichteinfall unterschiedlich und verleiht dem Pedal eine visuelle Eigenständigkeit. Die Verarbeitung ist tadellos und vermittelt den Eindruck, dass das Gehäuse auch härtere Tourbedingungen unbeschadet überstehen dürfte.
Eingang und Netzteilanschluss des MXR Poly Blue befinden sich auf der rechten Pedalseite. Aus praktischer Sicht wäre die Netzteilbuchse an der Stirnseite besser aufgehoben, insbesondere bei engem Pedalboard-Layout kann es hier zu Verkabelungsproblemen kommen. Auf der linken Seite sitzen der Ausgang sowie der Anschluss für ein Expression-Pedal.
Über Letzteren lässt sich mit einem externen Taster das Fuzz aktivieren oder deaktivieren. Alternativ kann mit einem Expression-Pedal zwischen zwei vorab festgelegten Einstellungen gewechselt werden. Eine sinnvolle Funktion für Live-Einsätze, die allerdings keine permanente Speicherung von Presets erlaubt.
Das Pedal lässt sich ausschließlich mit einem 9-V-Netzteil betreiben. Die Stromaufnahme wird vom Hersteller mit 265 mA angegeben. Ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. Angesichts des Strombedarfs nachvollziehbar, für spontane Sessions jedoch unpraktisch.
Bedienelemente und Funktionsumfang
Auf der Oberseite befinden sich sechs Potentiometer zur Steuerung des unbearbeiteten Signals (Dry), der beiden unteren Oktaven (Sub-1 & Sub-2), der beiden Oktaven oberhalb des Originalsignals (Oct+1 & Oct+2) sowie der Geschwindigkeit der zusätzlichen Modulation (Mod).
Bei der Modulation handelt es sich um einen Phaser, der vom berühmten Phase 90 des Herstellers inspiriert ist. Im polyphonen Modus arbeitet dieser allerdings als Leslie-Simulation.
Zwei zusätzliche kleine Taster oberhalb der Potis aktivieren den monophonen Modus (Mono) sowie das Fuzz. Auch hier standen MXR-Klassiker Pate: Die Blue Box lieferte die Vorlage für den Fuzz-Charakter. Im Monobetrieb orientieren sich die tiefen Oktaven am MXR Vintage Bass Octave, während die hohen Oktaven an das MXR Octavio Fuzz mit reduziertem Fuzz erinnern.
Die Ausgangsintensität des Fuzz lässt sich bei Bedarf über das Dry-Poti nachjustieren, nachdem der Fuzz-Taster länger gedrückt wurde. Keine intuitive Lösung, aber funktional.
Der Soft-Switch-Fußschalter arbeitet weitgehend geräuschlos und aktiviert das Pedal im True-Bypass-Modus, sodass das Signal bei deaktiviertem Effekt unverfälscht bleibt.
Klangcharakter: Poly vs. Mono
Wie sich im Test zeigt, unterscheiden sich die Klangfarben des MXR Poly Blue Octavers zwischen polyphonem und monophonem Modus sehr deutlich – derart stark, dass man beinahe von zwei unterschiedlichen Pedalen sprechen könnte.
Im monophonen Modus erklingen in den tiefen Lagen analog wirkende und äußerst voluminöse Octaver-Sounds, die die Lautsprechermembran sichtbar in Bewegung versetzen. Das Tracking erinnert tatsächlich an die charakteristische Hohlheit eines OC-2, allerdings mit etwas weicheren Kanten. Die typischen Glitches bei tiefen Noten sind ebenfalls vorhanden. Ob man dies als authentische Vintage-Charakteristik oder als störende Unzulänglichkeit empfindet, bleibt Geschmackssache.
Mit Hinzunahme der beiden hohen Oktaven entsteht auch ohne zusätzliches Fuzz ein gewisser Schmutz, der durchaus seinen Reiz besitzt.
Dreht man das Dry-Signal vollständig heraus und kombiniert das Ganze mit dem Phaser, entstehen insbesondere mit einem Bass äußerst interessante, synthartige Sounds, die klar in Richtung Moog-Territorium tendieren. Für experimentelle Passagen oder elektronisch angehauchte Produktionen ist das ein echter Mehrwert.
Im polyphonen Modus wirken die oktavierten Signale deutlich sauberer und definierter. Die Suboktaven erscheinen weicher und weniger massiv. Die oberen Oktaven klingen hingegen etwas künstlicher. Stellenweise erinnern die Sounds an frühe Computerspiele oder an Orgelsimulationen, wie sie sich seit einiger Zeit auf dem Pedalmarkt etabliert haben. Mit schneller eingestellter Phaser-Modulation verstärkt sich dieser Eindruck noch.
Das Tracking im polyphonen Modus ist beeindruckend gut. Selbst arpeggierte Akkorde oder mehrere ineinander klingende Noten bringen das System kaum aus der Ruhe. Akkorde bleiben auch im Ausklang stabil, Slides und Bendings funktionieren sowohl im polyphonen als auch im monophonen Betrieb problemlos.
Bei lang ausklingenden Noten kann es im monophonen Modus gelegentlich passieren, dass das tiefe Signal in die obere Oktave kippt. Ein bekanntes Phänomen analoger Octaver, das hier bewusst digital nachgebildet wird.
Fuzz und Modulation als Klangformer
Nicht nur der Phaser, sondern auch das zusätzliche Fuzz erweisen sich als äußerst klangmächtige Werkzeuge zur Bearbeitung der oktavierten Signale. Das Fuzz ist von der klassischen MXR Blue Box inspiriert und arbeitet kompromisslos brachial. Subtile Schmutzbeimengung ist hier nicht das Ziel.
Im polyphonen Modus lassen sich mit Fuzz und Modulation tatsächlich an Leslie- oder Orgel-Sounds erinnernde Klangbilder erzeugen. Für psychedelische Passagen oder Progrock-Ausflüge ist das durchaus tauglich. Die höheren Oktaven treten im Fuzz-Betrieb deutlich hervor, wobei Oct+2 in höheren Lagen nahezu pfeifenartige Töne erzeugt.
Besonders im monophonen Betrieb lassen sich mit Fuzz und Phaser – sowohl einzeln als auch in Kombination – äußerst ausdrucksstarke Sounds formen. Mit einem Bass reicht das Spektrum von kernigem Rock-Fundament bis hin zu klar synthorientierten Klangfarben.
Bei der Gitarre erhalten knackig gespielte Single-Note-Lines mit dezent hinzugemischter erster Suboktave und zusätzlichem Phaser eine ordentliche Portion Funk. Ebenso wirkungsvoll sind lange, tiefe Töne in Kombination aus Fuzz, Phaser und erster Suboktave, die förmlich in den Raum geworfen werden.
Expression-Pedal-Integration
Berücksichtigt man zusätzlich die Möglichkeit, Parameter über ein Expression-Pedal zu steuern, wird das kreative Potenzial des Pedals noch deutlicher.
Die Modi (Mono/Poly, Fuzz an/aus) des MXR Poly Blue lassen sich allerdings nur hart umschalten und nicht stufenlos überblenden. Dennoch eröffnet die Option, zwischen zwei unterschiedlichen Einstellungen zu überblenden oder beispielsweise die Modulationsgeschwindigkeit dynamisch zu verändern, gerade im Live-Kontext interessante expressive Möglichkeiten.

































habt ihr auf dem Album soviele extraspuren?
ein altes Problem, ich weiß. ..
@Numitron Mach dir dein eigenes Bild: https://bfan.link/7-13
😉
@Axel Ritt Hui!
Respekt! 👍
klingt teuer und schön nach 80s teilweise 😀
@Numitron Vielen Dank!
Du hast den Kernansatz der Band sehr gut in 7 Worten zusammen gefasst. 👍
@Axel Ritt danke! 😎🤘
octave oder 2 hoch klingt immer total seltsam, egal was man anstellt
am synth nicht zugebrauchen 🥴
octave runter ist meist ein simpler octavedivider der einfach einen Pulse ne octave drunter packt dass funktioniert generell gut und ist mono kein Hexenwerk.
Wat spuckt den nun die Oktave hoch für ein Signal aus, Herr Ritt?
„When in monophonic mode, the OCT+1 and OCT+2 signals will
resemble the sound of an Octavio Fuzz“
aus dem Handbuch macht mich jetzt auch nicht wirklich schlauer 😂
pitch shifting gabs noch nicht, man kannte nur frequenzyshifter oder halt octavedividedown.
also f-shift???
kein wunder das daß so ganz seltsam nach Plastik klingt.
wenn jemand was dazusagen kann, er/sie möge jetzt sprechen.
@plumperquatsch Hmm, für Octave down braucht es ja ohnehin einen Schmitt-Trigger um das ganze zum Pulse zu machen. Trigger->Integrator (1 OP-Amp+Wiederstand) macht daraus ein Dreieck mit bekannter Amplitude und dann ein wavefolder dahinter? Das Octavio arbeitete mit Ringmodulation und da würde ich einen PLL für den Oszilator vermuten. Gibt schon verschiedene Ansätze.
@susuexp hm, pll würde sinn machen, weil von so seltsamen tracking Fehlern berichtet wird 🤔
danke 🙏🏻
f-shift ist analog viel zu teuer muss was anders gewesen sein
full-wave rectification?
aha
klingt trotzdem bescheiden.
Erst mal ein Kompliment an Axel. Normalerweise fällt mir beim lesen immer auf, wenn der Artikel von Mr. Ritt stammt, weil er sich gerne eine Phrase nimmt und diese dann mehrfach im Artikel auftaucht, das war hier nicht der Fall und aus meiner – natürlich subjektiven – Warte mache ich einen deutlichen Sprung in der Textqualität aus. „zwischen Vintage-Charakter und moderner Vielstimmigkeit“ und „die saubere, polyphon trackende Präzision moderner Pitch-Shifting-Algorithmen trifft auf den rauen, charaktervollen Charme monophoner Analog-Octaver.“ – das ist einfach besser, als wenn da zweimal die gleiche Formulierung stünde und den zusätzlichen Aufwand will ich allein schon in der Hoffnung loben, dass er beibehalten wird. Er war nicht umsonst.🙂
Als jemand dessen haupt-FX-Kette am Bass häufig Phaser (i.d.R von Digitech)->Blue Box ->Amp war löst das Gerät gerade natürlich GAS aus (wobei hier der Fuzz vor dem Phaser kommt, schade dass das Routing da nicht flexibel ist), gerade auch weil die Blue Box nicht mit den Normalen 9V Netzteilen lief und sich dieses Gerät dementsprechend leichter auf ein Pedalboard fügt. Wenn Suboktaven rein kommen wäre es normal am Bass eine Oktave höher zu spielen (die meisten Octaver tracken erst ab dem C2 sauber), mit sub2 erweitert man trotzdem noch die Range nach unten. Aber gerade die Blue Box ist auch immer mal wieder als Sound Effekt mit glitchigen Tönen interessant.
Tolles Pedal. Macht viel Gutes, ich bleibe dennoch beim Goldstandard von Eventide.