Lerne von und mit Profis
MyGroove App bietet Musikunterricht für zahlreiche Instrumente wie Gitarre, Schlagzeug, Percussion, Bass, Klavier, Gesang und mehr. Abgedeckt wird dabei das komplette Instrumentarium einer Band. Und hier liegt genau die Besonderheit des Angebots, das im Test zu begeistern wusste.
- Band-Fokus: Unterricht für Gitarre, Bass, Drums, Keys, Gesang und mehr – ideal für Bandmusiker.
- Flexibles Lernen: App-basierter Unterricht ermöglicht zeit- und ortsunabhängiges Üben.
- Motivation: Bekannte Artists als Coaches, mehrere Kameraperspektiven und Gamification-Elemente sorgen für Spaß.
- Bewertung: KI-gestützte Leistungsanalyse und Leaderboard fördern den Lernerfolg.
- Preis-Leistung: Umfangreiches Angebot zu moderaten Kosten, besonders für Erwachsene mit wenig Zeit geeignet.
Inhaltsverzeichnis
MyGroove Musikunterricht
Online-Musikunterricht, App oder Musikschule?
Wer sich heutzutage für Musikunterricht entscheidet, hat die Wahl, sich einen Lehrer vor Ort an einer Musikschule oder privat zu suchen oder Online-Unterricht zu nehmen. In beiden Fällen bekommt der Schüler eine direkte Rückmeldung zu seinen Fähigkeiten durch einen Lehrer, egal ob dieser nun im Unterricht neben ihm sitzt oder viele Kilometer entfernt. Die Corona Pandemie hat in Sachen Online-Musikunterricht sprichwörtlich Berge bewegt und was bis dahin für viele Lehrer als undenkbar galt, ist heute Alltag.
Doch auch eine weitere Möglichkeit hat sich zu dieser Zeit etabliert: Musikunterricht per App. Zwar kannte man schon verschiedene internationale Unterrichtsangebote per App, doch der Anbieter Music2Me hat durch eine Kooperation mit Thomann während des Lockdowns schnell Kunden gewinnen können. Die Verlockung, ganz für sich allein ein Instrument mit der Unterstützung eines vergleichsweise günstigen App-Abonnements erlernen zu können, war groß. Viele Menschen nutzten und nutzen Angebote wie Music2Me seitdem, um ein Instrument zu erlernen.
Ein Instrument per App erlernen
Der große Vorteil des Erlernens eines Musikinstruments mit einer App ist die zeitliche Unabhängigkeit. Während der Pandemie fand das berufliche Leben größtenteils im Home Office statt. Instrument und Tablets wie das iPad sind dort stets griffbereit und warum nicht die lange Mittagspause zum Üben nutzen?
Auch nach der Arbeit war das gesellschaftliche Leben im Lockdown eingeschränkt, Fitness Studios geschlossen. Die App für den Musikunterricht steht aber 24/7 zur Verfügung.
Diese Vorteile gelten nach wie vor, auch wenn die Corona Pandemie und Lockdowns längst Geschichte sind. Wer wenig Zeit hat oder wenig flexibel in seiner Zeiteinteilung ist, findet hier den idealen und ultra-flexiblen Musiklehrer, der immer dann kann, wenn man selbst gerade Zeit und Lust hat (und nie krank oder im Urlaub ist).
Das Problem mit der Leistungskontrolle
Wie es beim Lernen immer so ist, sollte natürlich auch eine Leistungsüberprüfung beziehungsweise regelmäßige Kontrolle der spieltechnischen Fertigkeiten erfolgen. Hier krankten viele Apps und so haben sich unzählige Schüler über lange Zeit schlechte Spieltechniken an ihrem Instrument angeeignet, die man nur mit Mühe wieder korrigieren kann.
Fairerweise muss man aber erwähnen, dass die Mehrzahl der Band-Musiker nach wie vor aus Autodidakten besteht und selbst viele berühmte Musiker nie einen Lehrer besucht haben. Learning by doing fand schon immer statt und ist keine neue „Erfindung“.
Aufgrund der größeren Leistungsfähigkeit moderner Endgeräte wie Apple iPads ist es den Apps nun möglich, eine bessere Leistungskontrolle zu implementieren. Dazu wird heutzutage auch KI eingesetzt, um rhythmische Genauigkeit, Tonhöhe und Artikulation zu analysieren und zu bewerten. War früher eine Leistungskontrolle nur per MIDI möglich und somit auf elektronische Tasteninstrumente beschränkt, ist das heutzutage selbst bei Mikrofonaufnahmen und komplexen Stücken an beliebigen Instrumenten kein Problem mehr.
Kosten für MyGroove
Die Kosten für MyGroove sind moderat und liegen weit unter dem, was man sonst für Musikunterricht bei einem Lehrer, egal ob in Präsenz oder online bezahlt. Für 19,99 Euro pro Monat erhält man vollen Zugang zu allen Inhalten. Wer lieber jährlich zahlen möchte, spart viel Geld und reduziert die Kosten umgerechnet auf 14,99 Euro im Monat (179,99 Euro jährlich).
Ideal für Bandmusiker und alle, die es werden wollen
MyGroove macht vieles anders als andere vergleichbare Apps. Abgedeckt wird das Band-Instrumentarium und die Coaches werden hier als Artists bezeichnet und das zu Recht:
Unter den Lehrern sind Künstler wie Eko Fresh (Vocals), Max Mutzke (Vocals), Felicia Lu (Vocals), Leona Berlin (Vocals), Lillo Scrimali (Keys), Gee Hye Lee (Keys), Hyung-ki Joo (Keys), Tim Allhoff (Keys), Nico Schliemann (Gitarre), Yasi Hofer (Gitarre), Jen Majura (Gitarre), Julia Hofer (Bass), Ben Jud (Bass), Prof. Christian Diener (Bass), Sophie Chassée (Bass), Anika Nilles (Drums), Cherisse Osei (Drums), Holly Madge (Drums), Joannie Labelle (Percussion) und viele weitere. Von Pop, Rock, Fusion, Jazz bis Klassik ist hier wirklich alles vertreten, was irgendwie Rang und Namen hat.
Viele dieser Musiker sind vor allem auch der jüngeren Generation durch ihre YouTube und Social Media Kanäle bekannt, spielen regelmäßig Clinics bei Thomann, dem Guitar Summit oder anderen Messen und sind regelmäßig mit bekannten Bands auf Tour.
Von den Basics zu bekannten Songs
Der Unterricht beginnt wie im klassischen Musikschulunterricht zunächst mit den Basics:
- Was benötige ich für den Unterricht?
- Facts zum Instrument
- Handhaltung/Spieltechnik
- Musiktheorie Basics
- Wie zähle ich richtig?
- Übungen zum Warmspielen
- Übungen für die Fingerfertigkeit
- Einfache Übungsstücke
Alle Bereiche sind in drei Levels unterteilt: Anfänger, Fortgeschrittene, Profis.
Im Explore Modus üben die jeweiligen Artists sehr kleinschrittig mit dir und erklären wirklich alle Aspekte eines Songs, machen Übungen mit dir, geben wichtige Tipps zur Spieltechnik und so weiter. Alles wurde mit mehreren Kameraperspektiven aufgenommen, die vom Schüler gewechselt werden können. So entgeht dem Schüler nichts.
Im Groove Modus spielt der Schüler gemeinsam mit seinem Artist den Song zur Band. Das Tempo lässt sich reduzieren, ein Metronom kann zur Unterstützung hinzugeschaltet werden, mit einem Mixer blendet man bei Bedarf die anderen Instrumente aus oder macht sie lauter, eine Loop-Funktion hilft beim Üben schwieriger Passagen, indem diese öfter wiederholt werden.
Hat man hier alle Levels erfolgreich gemeistert, geht es weiter zum Perform Modus. Nun tritt der Artist in den Hintergrund und der Schüler selbst wird zum Bandmitglied. Die Recognition-Funktion läuft mit und bewertet im Anschluss das Können des Schülers. Hier werden Punkte gesammelt, um sich darüber im Leadership Board mit anderen MyGroove Schülern vergleichen zu können.
Die Song-Auswahl ist groß und umfasst bekannte Stücke von Pop bis Klassik. Was mir im Perform Mode sehr gut gefällt, ist das Spiel mit der Band. Hier sind nämlich nun alle Artists im Video zu sehen, die mit mir gemeinsam den Song performen. Keine sterilen MIDI-Playbacks, sondern eine richtige Band aus bekannten Musikern, zu denen der Schüler spielen darf. Wie cool ist das denn?
Praxis
Als Musiker und Musiklehrer eine solche App zu bewerten, ist nicht einfach. Natürlich hat der Musiklehrer in mir Vorbehalte, denn diese Apps stehen in direkter Konkurrenz zu den Musikschulen und privaten Lehrern. Der Musiker in mir möchte eigentlich sofort in den Perform Mode springen und mit den Kollegen, mit denen ich teilweise schon auf der Bühne stehen durfte, jammen. So funktioniert es aber leider nicht, denn zunächst wird das eigene Skill Level bestimmt.
Dazu spielt die App verschiedene Übungen am gewählten Instrument vor, die dann gemeistert werden müssen. Nun wäre es natürlich unpraktisch, gerade die wichtigen Anfängerlektionen zu überspringen.
Deshalb habe ich mir einige der Basics angeschaut und überlegt, ob ich so auch mit meinen Schülern im Unterricht arbeiten würde. Und tatsächlich: Viele Übungen sind mir gut bekannt und die Art und Weise, wie die Inhalte vermittelt werden, ist sehr sympathisch. Man hat manchmal das Gefühl von Online-Musikunterricht und fühlt sich beobachtet (und das ist gut so).
Auch fortgeschrittene Musiker kommen auf ihre Kosten, denn die verschiedenen Schwierigkeitsgrade der einzelnen Songs bieten für jedes Skill Level etwas. Man langweilt sich also nicht, wenn man sein Instrument schon einige Jahre spielt und vielleicht sogar schon Bühnenerfahrung hat. Oder vielleicht erweitert man mal als Pop- oder Jazz-Musiker seinen Horizont in Richtung Klassik und übt alle drei Sätze der Mondscheinsonate (mit einer sehr sympathischen und kompetenten Klavierlehrerin).
Was ich so richtig gut gelungen finde, ist die Motivation durch die Artists. Obwohl ich bereits mehrere Band-Instrumente spiele und Musik studiert habe, könnte ich mir durchaus vorstellen, mit der App ein neues Instrument zu erlernen. Gerade Erwachsene, die wenig Zeit haben, sollten sich MyGroove näher anschauen. Wenn man nicht gerade Schlagzeug auf einem Naturschlagzeug spielen lernen will oder laut singt, kann man wunderbar auch spät abends oder nachts für sich allein mit einem Kopfhörer bewaffnet üben. Das gilt insbesondere für Instrumente wie E-Gitarre, E-Bass, Keyboard oder Klavier, die sich „still“ über Kopfhörer spielen lassen.
Die Bewertungsfunktion der App funktioniert prima, setzt aber voraus, dass man entweder ein Audiointerface nutzt, um ein direktes Signal ohne Mikrofon in die App zu bekommen oder aber bei der Mikrofonnutzung einen Kopfhörer trägt, damit das Playback der Artist Band nicht wieder vom Mikrofon mit aufgenommen wird.
Die Song-Auswahl spricht meines Erachtens jüngere wie ältere Semester gleichermaßen an. Ich habe mich auf Songs wie „Broken Wings“ (Mr Mister), „Fields of Gold“ (Sting), „I’m still standing“ (Elton John) oder „It Must Have Been Love“ (Roxette) gestürzt. Andere finden vielleicht „Aber“ von Eko Fresh interessanter. Nicht immer halten sich die Arrangements jedoch an das Original. So sind mir Abweichungen bei den Akkorden genauso aufgefallen wie bei den einzelnen Parts, die die Instrumente spielen (unabhängig vom Schwierigkeitsgrad). Das mag nicht jedem gefallen, der einen Song exakt so nachspielen möchte wie im Original.
Aber ehrlich? Dafür gibt es doch genügend Tutorials auf YouTube und Songbooks.
Um auch mal in den Bereich für weit fortgeschrittene Schüler zu schauen, habe ich mir den Kurs zu den drei Sätzen der Mondscheinsonate angeschaut. Diese erfordert eine erstklassige Spieltechnik und vor allem viel Durchhaltevermögen, egal ob man sie nun mit einem Lehrer an einer Musikschule erlernt oder mit einer App. Der Kurs innerhalb der App ist sehr gut gemacht und didaktisch durchaus auf dem Niveau gehobenen Musikunterrichts oder Universitätsniveau. Sehr gut.
Alternativen
Eine Alternative zu My Groove ist sicherlich Music2Me, auch wenn der Ansatz hier ein anderer ist. Music2Me ist schon länger am Markt und dementsprechend umfangreich, was das Material für die dort angebotenen Instrumente angeht. Die Instrumente sind limitiert auf Gitarre, Klavier und Schlagzeug.
Für Pianisten sehr interessant ist außerdem Skoove. Das Programm besitzt ebenfalls eine Bewertungsfunktion und es kommen monatlich neue Lektionen hinzu.
Auf Schlagzeugunterricht spezialisiert ist Drumeo. Der Unterricht ist nicht ganz günstig, dafür aber die Methode und Aufmachung super. Auch hier unterrichten namhafte Musiker.
Das Äquivalent dazu hört auf den Namen Guitareo und stammt vom selben Anbieter.
Und natürlich ist die nach wie vor beste Alternative immer noch der Musiklehrer aus Fleisch und Blut – ob nun online oder in Präsenz, egal. Wer sich Unterricht bei einem Musiklehrer leisten kann (hier gibt es regional sehr große Unterschiede bei den Preisen und Verträgen) und zeitlich flexibel ist, sollte nach wie vor diesen Weg wählen. Wer finanziell oder zeitlich eingeschränkt ist, findet in den Unterrichtsprogrammen per App heutzutage aber einen weiteren möglichen Weg, ein Instrument zu erlernen.
Unser Tastenspezialist Felix Thoma hat einige der Angebote für Klavier unter die Lupe genommen:



































