Test: Mytek Stereo192 DSD DAC, Digital-Analog-Wandler

Der kombinierte FireWire 400/Thunderbolt-Treiber ist mit MacOS 10.12 kompatibel, an neueren Mac ohne native FireWire-Schnittstelle auch über den originalen Apple Thunderbolt2 nach Firewire-Adapter, der mit derzeit 35,- Euro zu Buche schlägt.
Unter High Sierra 10.13 und Macs mit einem TB2-Anschluss funktioniert der Treiber und das Control-Panel auch noch. Das habe ich verifiziert.

Ob es jedoch auch bei Macs mit einem TB3-Anschluss und einem TB3 nach TB2-Adapter (65,- Euro) funktioniert, vermag ich nicht zu sagen. Es gibt zwar von Apple keinen TB3-FireWire-Adapter, es sind aber FireWire-Festplatten bekannt, die über die Kombo TB3 > TB2 > Firewire funktionieren. Da ich (noch) keinen Mac mit TB3-Ports besitze, kann ich das nicht überprüfen.

Mytek-Stereo192-DSD FireWire-Gerät

Das Besondere an der FireWire-Schnittstelle ist, dass nur über sie auch digitale Daten von AES, Tos-Link und S/PDIF in den Rechner gelangen, was den Mytek Digital Stereo 192 DSD zum Digital-Interface macht. Das macht die ungewisse Zukunft des FireWire-Ports unter MacOS so ärgerlich.

UPDATE 2018-11: Der FireWire Treiber läuft einwandfrei auch unter MacOS 10.14.x über eine TB3 und TB2-auf FireWire-Adapterkombo. Damit ist man zwar €160 los, aber immer noch preiswerter als ein neues Interface.

All diese Probleme betreffen Windows-Benutzer nicht, denn die USB2 und FireWire-Treiber funktionieren mit allen Windows-Versionen zwischen 7 und 10, ob 32 Bit oder 64 Bit.

Mytek-Stereo192DSD – FireWire-Kontrollpanel

Doch selbst wenn alles versagt, ist mit den digitalen Audioschnittstellen immer noch der 192 kHz-Betrieb ohne Weiteres möglich und der 192-DSD kann auch immer noch als Standalone-Wandler seine Dienste verrichten und der Klang des Interfaces ist es wert.

Bedienung

Bedient wird der Mytek Digital Stereo 192 DSD über den Menü-Taster und Drehen am Druckpoti. Eingaben werden mit einem Druck bestätigt. So dreht und drückt man sich durch die Optionen, die erstaunlich vielfältig sind. Das ist nicht besonders komfortabel, aber auch nicht besonders schwer.

Eine Besonderheit dürfte wohl die Wahl ein L/R-Stereosignal oder ein Mid/Side-Signal zu haben sein und die Phasenlage lässt sich auch invertieren. Bei den Quellen außer USB1 lässt sich auch einstellen, ob ein Upsampling auf 192 kHz gewünscht ist und wie der Charakter des PCM und des DSD-Filters dabei sein soll.

Die Lautstärkeregelung kann digital (32 Bit) oder analog geregelt oder ganz ausgeschaltet werden. Beides hat Vor- und Nachteile. Die analoge Kontrolle hat eine minimale färbende Eigenschaft, die aber oft als positiv empfunden wird. Die digitale Kontrolle ist färbungsfrei, aber systembedingt nicht gut bei geringen Lautstärken. Wobei sich der Kopfhörerausgang nur im Analogmodus getrennt vom Hauptausgang geregelt werden kann. Auch der Kopfhörerausgang hat ordentlich Dampf und ist seiner Aufgabe gerecht, kommt aber nicht ganz an die Qualität des Hauptausgangs ran.

Die Lautstärke kann auch digital zwischen -14 und -18 dbFS intern getrimmt werden.
Ist der interne Trimmwert immer noch zu laut, kann über vier Jumper im Gehäuseinnern die Lautstärke noch mal ohne Qualitätsverlust um 6 dB abgesenkt werden.

Manch einer mag das sogar in Anspruch nehmen, denn das 192-DSD ist laut! Sehr laut!
In der Werksteinstellung bei ausgeschaltetem Trim liefert der 192-DSD bei -18 dBFS auf eine Ausgangsspannung von 1,228 Volt bzw. +4 dBU, 0 VU. Der maximal VRMS-Wert liegt bei 9,79 V bzw. 19,82 dBV (13,84 VRMS / 22,82dB V Peak).

Es ist das lauteste Interface, das ich bisher getestet habe und schlägt sogar den bisherigen Lautstärkekönig, den Solaris von Crane Song.

Klang

Den MytekDigital  Stereo 192 DSD empfinde ich bis dato als den besten Wandler, den ich gehört habe und das schließt den Crane Song Solaris und den Convert-2 mit ein. Der Convert-2 bekommt mindestens eine sehr ernstzunehmende Konkurrenz und ein RME UFX muss sich leidlich geschlagen geben. Dafür hat das UFX aber 96 Ein- und Ausgänge.

Zum Convert-2 und auch bedingt zum Source von Dangerous Music, klingt der Mytek nicht ganz so entspannt und natürlich, sondern mehr emotional und mitreißender, wobei alle genannten Geräte zum analytischen Hören absolute Topgeräte sind.

Es war eher ein Versehen, als ich während der Hörsessions die Kraftwerk Tour de France Soundtracks von 2003 anspielte. Ich dachte eigentlich, das Album wäre inzwischen für mich durch und könnte mir nichts Neues mehr bieten. Doch der Mytek holte da noch eine Lebendigkeit und mitreißende Spielfreude raus, dass ich erstmal ungläubig da saß. Da entfaltete sich eine dezente, aber gekonnte Rauminszenierung seitens Kraftwerk, die mir so nie vorher aufgefallen war und ich betrachtete die Tour de France Soundtracks eigentlich schon vorher als den Punkt in der Geschichte, ab dem CDs endlich anfingen, sich nicht mehr „digital gemastert“ anzuhören.

Ich hatte auch schon mal ein anderes Interface zum Test, das ähnlich im Charakter war. Das Resident Audio T4 / T2. Damals schrieb ich, dass es einem immer alles zeigen will, was im Audiosignal so alles passiert und dadurch auch recht anstrengend sein kann, weil es ständig die Aufmerksamkeit des Zuhörers fordert.

Diese Charakteristik hat auch der Mytek, nur um ein Vielfaches souveränerer. strukturierter, gekonnter und kein bisschen bemüht. Es ist, als wäre hier das Zuhören wie ein Kunstgespräch mit einem weltbereisten Kurator, der immer, wenn das Gespräch langweilig zu werden droht, genau das passende Exponat präsentiert, um das bisher Erörterte in Zusammenhang zu setzen, ihm einen roten Faden zu geben und den Dialog konstruktiv zu beleben, ohne einen mit Informationen zu überrennen, wie es das T4 getan hätte, um zu zeigen, was es alles kann oder, um bei der dieser Analogie zu bleiben, was es alles „weiß“.
Dennoch führt beim Mytek je nach Stimmung eher zu Ermüdungserscheinungen als bei dem entspannten Charakter von Dangerous Music, ist dafür aber wesentlich anregender. Welche Charakteristik einem mehr zuspricht, ist jedoch Geschmackssache.

Auch die üblichen Teststrecken wurden dann auch erwartungsgemäß mit Bravour bestanden. „We‘re in this together“ von NIN hörte sich richtig nach Musik an und die Intrumentenstaffelung im Refrain war erstklassig. Die Hallfahnen und die Raumabbildung bei „Making of Cyborg“ vom „Ghost in the Shell“-Anime-Soundtrack waren selten so offen und vibrierend wie hier.

Selten war auch Tori Amos („I can‘t see New York“) intimer oder der Bass bei David Lynch abgründiger. Nur die Gitarren von Tool spielte er dann doch ein paar Nuancen zu hell und „in the face“. Vielleicht sogar zu detailliert, wenn der Mytek wirklich jeden kleinsten Saitenslide beleuchtete. So offenbarend bis ins Letzte, dass einem manchmal schon ein „So genau wollte ich es eigentlich gar nicht wissen“ auf den Lippen lag. Dennoch spielte das 192-DSD stets mit stabiler und dennoch mit leichtfüßiger Lebendigkeit und einer wirklich knackigen Transientenzeichnung, ohne die Musikalität zu vernachlässigen. Über diese Messlatte werden es auch zukünftig nur wenige andere Audiointerfaces schaffen. Die Einsätze im Audiopoker wurde soeben erhöht – nun ja eigentlich schon von sechs Jahren.

Klang der Schnittstellen

Es ist auch noch anzumerken, dass die verschiedenen Schnittstellen unterschiedlich klingen. Der USB1 klingt durch das Upsampling am „softesten“.

Der Tos-Link, mit dem ich am meisten arbeite, klingt detailliert und tight ohne Abstriche. Der FireWire-Eingang klingt am besten und wird auch von Mytek ausdrücklich zur Anbindungen an den Computer empfohlen. Anscheinend hatte man bei Mytek die Pufferhandhabung des Streamings bei FireWire besser im Griff als bei USB2. Doch mag es die FireWire-Verbindung gar nicht unterbrochen oder auch umgeschaltet zu werden. Es reicht schon ein Umschalten im Menü von FireWire auf einen anderen Eingang und das Signal fängt an zu knacksen. Mitunter erfordert es ein Aus- und Einschalten des 192-DSD, weil das Interface nicht mehr gefunden wurde oder zumindest ein Umschalten der Samplerate. Beim Einschalten gibt der 192-DSD im übrigen nur ein minimales Klicken von sich, ansonsten ist Ruhe.

Fazit

Die initiale Frage war: Wie gut hält sich „High End“? Der 192-DSD Stereo DSD DAC ist seit 2012 erhältlich und wenn man den aktuellen Stand von Dangerous Music Convert-2 und Crane Song Solaris betrachtet, immer noch absolut konkurrenzfähig. Fast bereue ich es, den Solaris zum Test gewählt zu haben, anstatt den Mytek Brooklyn, der auch zur Auswahl stand. Ein Vergleich mit dem Nachfolgemodell wäre sehr spannend gewesen.
Man darf nicht vergessen, dass der Mytek 192-DSD inzwischen ein Auslaufmodell ist und derzeit abverkauft wird. Windows-Nutzer werden dabei aber mehr Freude haben, denn FireWire und USB2 werden auch in Windows 10 unterstützt, während für macOS, wie im Test beschrieben, wohl bald Einschränkungen in Kauf genommen werden müssen und dann „nur“ noch USB1 und die digitalen Audioschnittstellen (S/PDIF, ADAT, AES) nutzbar sein werden. Die werden jedoch auch weiterhin funktionieren. Gäbe es noch Treiber-Support für den Stereo192-DSD, ein BEST BUY wäre angebracht.

Für etwas über der Hälfte des ursprünglichen Verkaufspreises ist der 192-DSD aber ein absoluter Geheimtipp, bei dem man derzeit für preiswertes Geld in der zwei bis dreimal teureren Liga der aktuell verfügbaren Top-Mastering-DACs mitspielt. Für anspruchsvollste Mix- und Masteringaufgaben ein Traum.

Plus

  • überragender Klang
  • Schnittstellenvielfalt
  • Preis
  • knackfreies Ein- und Umschalten

Minus

  • kein Treiber-Support mehr

Preis

  • Ladenpreis: 949,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    „Bis auf den Lautstärkemeter und die zwei Schnittstellen-Versionen sind er mit dem Mytek Digital Stereo 192 DSD bis hinunter zur Firmware identisch. Getestet wurde die DSD-Mastering Version.“

    „Dieser Satz kein Sinn“ – gemeint ist, dass die 3 Versionen des Stereo192 bis auf die Schnittstellen und Anzeigen identisch sind. Nicht dass sie mit dem Brooklyn identisch sind.

  2. Profilbild
    digital-synthologie  AHU

    Liest sich wie ein Hifi-Magazin.
    .
    Dass mit dem Treibersupport hört sich nicht sehr schön an. Der Treiberdialog sieht aus wie bei meinem Midas-Pult. Wird wohl einfach der Standardtreiber des Chipherstellers sein.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Ja zugegeben, das Problem diese ästhetischen Klangeindrücke darzustellen ohne ins Schwafeln zu geraten ist aber auch nicht einfach. Am Ende zählt aber nur ob es _nachvollziehbar_ ist. Besonders wenn es um die Details geht.

      Zum Mixen, Mastern, Postpro ist aber auch nur zusagen: was einem auf diesem Qualitätsniveau (Solaris und C-2 eingeschlossen) an (eigenen) Mixfehlern alles fast nebensächlich auf dem Silbertablett serviert wird, ist für die eigene Arbeit extrem vorteilhaft und lehrreich.

      Da hätte ich evtl. noch mehr drauf eingehen können. Beim nächsten Test :)

  3. Profilbild
    falconi  RED

    Kannst Du nicht den „Brooklyn“ trotzdem noch testen?

    Sind die Unterschiede wirklich so groß? Oder hast Du ein besonders gut entwickeltes Klanggedächtnis? Ich hätte da vielleicht Schwierigkeiten…oder ich habe eben noch nie einen richtig guten Wandler gehört…

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Ich glaube der Brooklyn Test ist schon vergeben.

      Aber nach allem was man liest ist der Brooklyn noch besser, obwohl sich das derzeit meiner Vorstellungskraft entzieht. Ob er allerdings „doppelt so gut ist“ (immerhin €2000+) …?

      Entsprechend denke ich, Unterschiede zum Brooklyn sind wohl wirklich nur im A/B Vergleich eindeutig festzumachen, so wie damals beim Presonus Quantum und dem Studio 6|8, was auch zu überraschenden Ergebnissen führte.

      Ich finde außerdem, die Unterschiede zwischen Crane Song, Dangerous und Mytek herauszuhören ist keine Kunst. Die Klangcharaktere sind so absolut verschieden, das fällt sogar auf ziemlich mittelmäßigen Lautsprechern sofort auf.
      Und trotzdem haben alle einen völlig durchlässigen, unverschleierten-Sound.
      Wo die größten Unterschiede zwischen den dreien liegen, ist IMHO in der Raumabbildung.

      :)

  4. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    UPDATE 2018-11: Der FireWire Treiber läuft einwandfrei auch unter MacOS 10.14.x über eine TB3 und TB2-auf FireWire-Adapterkombo. Damit ist man zwar €160 los, aber immer noch preiswerter als ein neues Interface.

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