Test: Native Instruments Absynth 5

Der Aetherizer

Der Aether ist die reine Luft, in der die Götter atmen, die Gestirne schweben und in der alles Leben entspringt, so die griechische Mythologie. Das klingt fantastisch – und passt schon deshalb zum neuen Effektmodul des Absynths. Die Effekt-Engine des Luftikus‘ arbeitet laut Native Instruments mit einem Mix aus Grains, Feedbacks, Randomizern und Delays – und wer jetzt überfordert ist – einfach einschalten und vom „ätherischen Sound“ benebeln lassen.

Neu und äußerst innovativ: der Aetherizer

Neu und äußerst innovativ: der Aetherizer

Cloud

Hierbei handelt es sich um eine Mini-Version des Aetherizers. Klein-Brüderchen steckt in den Kombi-Modulen des Patchfensters. Richtig nett wird es, wenn man den Kanalstrang mit Cloud auf einen zweiten Strang kopiert und beide Stränge auseinander pannt. Der resultierende Stereosound hat es definitiv in sich.

Supercomb-Filter

Das neue Kamm-Filter im Kombi-Modul basiert auf dem alten Comb-Filter, wurde aber um einige Eigenschaften der Effekte „Resonators“ und „Pipe“ ergänzt. Es klingt im Gegensatz zum alten Comb-Filter etwas distanzierter, diffuser und weicher. Das alte Comb-Filter steht nach wie vor zur Verfügung.

Feedback-Schleifen im Resonanzpfad des Filters

Die Filtertypen „LPF 2 Pole“, „LPF 4 Pole“, „LPF 8 Pole“, „Supercomb“, „Allpass 2“, „Allpass 4“ und „Allpass 8“ wurden um ein Modul ergänzt, mit dem sich das zwecks Filter-Resonanz-Erzeugung an den Filtereingang zurückgeschickte Signal über wahlweise einen Frequency Shifter, einen Ringmodulator oder einen Waveshaper anzerren lässt (Filterresonanzen werden durch Feedbacks im Bereich der Filtereckfrequenz erzeugt). Die Ergebnisse passen hervorragend zum Absynth. Sie erinnern teilweise ein bisschen an eine starke, obertonreiche FM-Modulation, aber die meisten so erzeugten Sounds klingen einfach nur neuartig, progressiv und teilweise surreal.

Fazit

Im Gegensatz zu den Versions-Sprüngen von 2.X auf 3.0 und von 3.X auf 4.0 fällt der auf 5.0 eher dezent aus. Aber durch die aufgebohrten Kombi-Module und den neuen Aetherizer-Effekt ergeben sich weitere interessante Möglichkeiten bei der Synthese neuartiger Sounds.

Eines muss klar sein. Absynth 5 ist alles andere als ein Kuschel-Klangerzeuger. Er hat keine lustigen farbigen Knöpfe, keine fotorealistischen Pseudo-Vintage-Oberflächen, und er ist ein waschechtes Profiwerkzeug. Anfänger und Manual-Verweigerer haben schlechte Karten – trotz Mutator und den sage und schreibe 1800 Presets.

Der Mutator mag mal einen guten Klang hervorbringen, aber man benötigt doch absurd viel Glück, damit dieser auch wirklich an der vorgesehenen Stelle ins Arrangement passt. Das Gleiche gilt für die riesige Preset-Sammlung Absynths. Beim Durchforsten der rund 1800 Klänge wird man trotz eines tollen Browsers mit Attributsuche von einer recht zähen Sound-Masse erschlagen. Natürlich sind viele Kreationen großartige Kunstwerke – ausgesprochen beeindruckend, wow, während andere, tja, leider Füllmaterial darstellen. Oszillator an, etwas Waveshaping, Effekt aufgedreht, tut schön in den Ohren weh – fertig. Die 500-600 besten Sounds hätten wohl ausgereicht.

Und trotz der vielen Presets wird nicht gut erkennbar, dass Absynth neben den wirklich tollen, dadaistisch modulierenden Soundscapes auch prädestiniert für perkussive, intelligent mit beatsynchronen Hüllkurven bearbeitete Filter-House-Chords, pulsierende Elektro-Bässe, düstere Progressive-Trance-Sägen und ultrabreite Unisono-Leads ist. Ja, Absynth kann auch schieben, nicht nur fliegen … Weder Absynths schlaue Patch-Struktur noch die präsizise Kontrolle über die Phasenlage der Oszillatoren kommen ausreichend zur Geltung – oder in anderen Worten: Das Potenzial des Klangerzeugers wird von dieser riesigen Library nicht vollständig repräsentiert.

Es bleibt dem Suchenden nach dem perfekten Klang neben viel Glück beim mühsamen Wühlen in der Library oder tausendfachem Betätigen der Mutator-Taste nur noch die zielgerichtete Synthese eigener Sounds – und dafür wird vor allem ein ausgeschlafener Kopf benötigt. Mit Bauch und Intuition kommt man bei Absynth nicht weit. Wer sich darauf einlässt und seinem Kopf vertraut, findet in Absynth 5 das wohl beste Sounddesign-Werkzeug am Markt.

Plus

  • extrem flexible Breakpoint-Hüllkurven
  • bis ins letzte Detail durchdachte semimodulare Struktur
  • gute Unisono-Stereo-Sounds
  • LFOs mit Phasenkontrolle und MIDI-Trigger-Funktion
  • sehr gute neue Effekte bei Version 5

Minus

  • hoher RAM-Bedarf
  • nicht in jeder Hinsicht repräsentative Sound-Library
  • Filter klingt recht digital, die Resonanz etwas zu aufdringlich

Preis

  • 179,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Ich hatte mir von der Version 5 schon mehr erwartet. Der Mutator ist auch nicht das gelbe vom Ei. Auch ich hatte einen Virus (Snow) und dessen Lockedfunktion bringt ungleich mehr Ergebnisse. Wer Absynth 4 hat braucht nicht die 5 er.

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      a.rothenberg  

      Ich kann Dir empfehlen, mal ein bisschen am Aetherizer herumzuschrauben. Das ist ein echt geiler Effekt irgendwo zwischen Hall, Delay und Stereo-Psychoakustik. Den bekommst Du nirgendwo sonst serviert. Vielleicht kommt dann doch noch Freude über Absynth 5 bei Dir auf :-).

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        AMAZONA Archiv

        Auf Grund Deines Tests habe ich mal versucht ein bischen am Absynth herumzutüfteln doch die von NI bringen es nicht fertig eine Deutsche Anleitung zu verfassen. Da sich die 5er Version nicht sonderlich von der 4er unterscheidet frag ich mich wo da das Problem ist.

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          a.rothenberg  

          Die Übersetzung ist, wenn ich das richtig verstanden habe, bald fertig. Denk positiv – ich muss hier eigentlich immer mit englischen Manuals testen, weil die deutschen noch nie fertig sind ;-).

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    Dreitagebart

    Ich frage mich wirklich, warum dieser Synth von Euch 3 Sterne bekommt ! Eine überragende Klangqualität kann ich nicht feststellen, ähnlich umfangreiche Syntheseformen findet man anderswo günstiger, dazu kommt die „nicht in jeder Hinsicht repräsentative Sound-Library“ und der hohe RAM-Bedarf. Ich finde die 3 Sterne sind nicht gerechtfertigt. So großzügig seid ihr ja bei anderen Synths oft nicht !

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    El Blindo

    Schöner Test. Die Klangbeispiele waren außer dem ersten…naja…
    Mich würde nur eins interessieren.
    Ist es möglich, mit den Pfeiltasten durch den Soundbrowser zu steppen, oder mit Tab zu anderen Elementen zu springen? Auch hörte sich die Beschreibung der Parameter ziemlich nach Eingabefeldern an.
    Lg

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      a.rothenberg  

      Ja, das erste Klangbeispiel ist echt cool.

      Es gibt numerische Parameterfelder, die aber über Hoch- und Runtertziehen mit der Maus bedient werden können. Das ist nicht jedermanns Sache, aber man gewöhnt sich daran, finde ich.

      Für den Soundbrowser gibt es zum Glück zwei Pfeiltasten zum Weitersteppen der Sounds. Die Sounds sind untereinander angeodnet, also nicht in einer Matrix. Was aussieht wie eine Matrix, sind die Attribute, um die Suche einzugrenzen.

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        El Blindo

        Also widermal kein Windows Standartbrowser der von einem Screenreader ausgelesen werden kann. Tja schade.
        Denn ich meinte eigentlich die Pfeiltasten auf der Tastatur.
        Da sieht man mal wieder, dass man sich auf die Versprechen von Herstellern nicht verlassen sollte.
        DAnke für die Info.

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          a.rothenberg  

          Doch, Du kannst mit den Pfeiltasten auf der Tastatur durch die Sounds nach oben und unten navigieren und aktivierst den Sound über [ENTER].

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            El Blindo

            Ach tatsächlich?
            Dann werde ich mir die Demo doch mal anschaffen.
            Danke nochmal.
            Wenn mein Screenreader den Text lesen kann, nehme ich alles zurück.

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    AMAZONA Archiv

    Anscheinend stehe ich nicht allein da mit meiner Meinung den es sieht so aus als werde ich meinen Absynth 5 nicht los. Zumindest nicht bei Ebay.

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    GeorgK

    Der Absatz mit dem Speicherbedarf ist wohl etwas missverständlich geraten. 80 MB für ein VSTi sind zwar üppig, aber „mehrere Instanzen“ sind deswegen noch lange kein Problem, weil pro zusätzlicher Absynth-Instanz eben nur ein paar MB dazukommen (es wird NICHT der komplette Synthesizer mehrmals gelade; ein leider unausrottbarer Irrtum). Und bei Absynth kann man wegen seiner Universalität und (relativen) CPU-Effizienz durchaus mehrere Instanzen laufen lassen, während so manches andere „Klangmonster“ da im praktischen Einsatz recht schnell scheitert.
    Wenn der Computerspeicher w.o. gibt, dann sicher nicht wegen Absynth.
    RAM ist billig, und mit weniger als 2GB läuft heute eh kein DAW-Computer mehr. Der Bottleneck liegt üblicherweise bei der Prozessorleistung (v.a. bei Laptops), und da gehört Absynth zu den effizientesten unter den „komplexen“ VSTis.

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      a.rothenberg  

      Hallo Georg,

      es kommen pro weitere Instanz Absynth 5 etwa 45 MB hinzu. Der CPU-Verbrauch ist hingegen völlig okay.

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        GeorgK

        Alexander,
        das überrascht mich jetzt einigermaßen. Bei Absynth4 (der m.E.n. so etwa 60MB frisst) sind es bei mir (WinXP) pro zusätzlicher Instanz gut 10MB – heutzutage also praktisch vernachlässigbar.
        Wie gesagt, VSTis werden bei mehrfachen Instanzen üblicherweise nicht mehrfach geladen. Kann das systemabhängig sein (Host, Mac/PC etc.)?

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          a.rothenberg  

          Vielleicht liegt es daran: Die PlugIns werden erst vollständig ins RAM geladen, wenn man sie öffnet. Aber dann ist das RAM futsch und wird erst wieder freigegeben, wenn der Host geschlossen und wieder geöffnet wird. Eine ungeöffnete zweite Instanz Absynth 5 belegt lediglich rund 13 MB (XP 32 Bit, Ableton 7.1.4)

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    japh

    Ich find’s sehr enttäuschend, dass Absynth5 nicht mehr PPC kompatibel ist (detto Kontakt4 und GuitarRig3), und das, obwohl die letzten G5 Quad gerade mal 3 Jahre alt sind und deren Rechenpower von NI Produkten nie auch nur annähernd ausgereizt wurde.

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    AMAZONA Archiv

    endlich mal vernünftige zeitgemäße Soundbeispiele, die echt mal nach was klingen (nach 2010)! Weiter so. Altbackene langweilige Sounds ala Zebra 2 für Bayern 3 technisches Bildungsfernsehen kann ich nicht mehr hören. ;-)

    So gute Sounds bin ich von meinem Absynth 4 zumindest nicht gewohnt.

  8. Profilbild
    4damind

    Einer meiner ersten Softsynth überhaupt. Hatte den gekauft als er von NI released wurde und weil er in vielen Magazinen damals sehr gelobt wurde. Es wurde zwar immer upgedated aber benutzt wurde er trotzdem nicht ;)
    Die Oberfläche war schon damals grausam und von der Benutztung schlecht. Die Presets sind allesamt sehr experimentell, wahrscheinlich ein Grund warum Absynth bei vielen eher mit Ambient Sounds oder zischenden und verwurstelten Minimalsounds verbunden wird.

    Ich habe den Absynth (mittlerweile in Version 5) seit paar Monaten wieder für mich entdeckt. Er kann sogar sehr vernünftiges Unison und die Sounds brauchen sich nicht hinter anderen zu verstecken. Es ist wirklich die eigenwillige Oberfläche und die zum Teil fummelige Bedienung was letztlich dem Absynth so ein Schattendasein beschert.
    Native Instruments versteht es zum einen nicht vernünftige Preset-Designer ins Boot zu holen und zum anderen hat man nicht den Mut sich von dieser Waldfee-Oberfläche zu verabschieden.

    Aber von den Features und dem Sound ist der Absynth durchaus auch noch heute nutzbar. Es gibt einige bekannte Künstler die den Absynth auch in ihren Produktionen benutzen (z.B. Schiller). Wenn man sich die Mühe macht mit der Oberfläche und der Funktionsweise auseinanderzusetzen, erhält man einen sehr schönen Synth der sich auch im Sound deutlich von den anderen unterscheidet.

  9. Avatar
    AMAZONA Archiv

    hab mir kürzlich die demo der fünften version gezogen und war wirklich über diese tollen, insprierenden presets überrascht. man kann ja auch unglaublich viel selber mit machen.
    aber leider ist mir die gui echt zu klein. ansonsten ist das dingen super.

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