Test: Native Instruments Brass Collection, Sound Library

Ausprobiert: Brass Solo

Na dann mal los. Beim Solo Brass haben wir die Wahl: Wir können uns einen der vier Bläser laden – oder gleich das komplette Quartett. Im letzteren Fall werden die vier Instrumente dann – entsprechend ihrer Lagen – über die Klaviatur verteilt. Das ist praktisch für Tracks, in denen man ein Quartet einsetzen will, ohne sich den Speicher mit einzelnen Kontakt-5-Slots zu überladen. Allerdings muss man dann eben auch mit weniger Artikulationen und  einem verringerten Tonumfang der Bläser leben, da die sich ja die 88 Tasten – minus denen, die für die Keyswitches genutzt werden – teilen. Die Aufteilung auf dem Keyboard ist aber frei konfigurierbar; es sind also auch Trio oder Duo-Lösungen denkbar. Über den internen Mixer lassen sich auch Volume und Panorama der einzelnen Solisten einstellen. Rund 270 MB werden dabei belegt.

 

Die Artikulationen kann man selber zusammenstellen

Die Artikulationen kann man selber zusammenstellen

 

Die Solo-Instrumente kommen dann mit deutlich weniger Speicher aus – mehr als 50 bis 100 MB werden es selten. Für die Artikulationen gibt es acht Slots, die sich frei über den „Articulation Slot Editor“ mit den verschiedensten Sustains, Staccatos und Expressions belegen lassen.  Abgerufen werden die dann über acht Keyswitches im Bassbereich der Klaviatur (C0-G0). Was mir gefällt: Die betreffenden Tasten sind dann gleich automatisch farblich markiert: Rot steht für Sustain, Grün für Staccato, Blau für Expression und Lila für Effekte. Das hilft, wenn man die Artikulations-Slots gerade neu belegt hat und noch nicht so ganz verinnerlicht hat, wo man welche Artikulation abgelegt hat. Die „Komplete Kontrol S-Series Keyboards“ kooperieren da mit ihren „Light Guide LEDs“ besonders gut, ersparen die doch sogar den Blick auf den Bildschirm.

 

Mit den Keyboards der Kontrol-S-Serie geht es am besten

Mit den Keyboards der Kontrol-S-Serie geht es am besten

 

Nicht nur die Artikulationen, auch die Performance Controls sorgen – neben dem zeitweise achtfachen Round Robin – für eine lebendige Spielweise und einen sehr realistischen Klangeindruck. Die Dynamics liegen gut greifbar auf dem Modwheel des Controller-Keyboards, die vier anderen Performance-Controls „Attack“, „Release“, „Tightness“ (Startpunkt des Samples) und „Vibrato“ werden automatisch den vier ersten Knobs des Controllers zugeordnet. Falls das nicht passt, hilft die MIDI-Learn-Funktion gerne weiter. Natürlich lässt sich das alles aber auch via MIDI über die DAW automatisieren oder nachträglich einbauen.

 

Der Microphone Mixer

Der Microphone Mixer

 

Über Microphone Mixer werden – wie schon kurz erwähnt – auf Wunsch die verschiedenen Mikrofon-Positionen auswählen. Während „Stereo“ ein Mixdown aus allen Positionen ist, lassen „Close“ (1,5 m), „Mid“ (8m) und „Far“ (23 m) deutliche Unterschiede erkennen. Damit lassen sich dann auch bei Bedarf eigene Positions-Mixes erstellen (und abspeichern). Was dann aber auch zusätzliche Rechen- und Speicherpower kostet. Nicht dramatisch, aber man sollte trotzdem nicht allzu sorglos damit herumspielen.

Die Effekte (EQ, Reverb, Comp & Filter) sollten eher als nette Zugabe verstanden werden. Die klingen zwar ordentlich, nicht aber unbedingt amtlich. Zudem bin ich auch kein großer Freund davon, Orchesterinstrumente mit Filtern zu quälen oder ihren Klang mit EQs zu verfälschen. Einen Reverb mag man einsetzen, wenn die Samples in kleinen Räumen aufgezeichnet wurden (wie etwa die „Orchestral Strings“ der Vienna Symphonic Library); hier klingen die – bedingt durch die Aufnahme in einer großen Kirche – aber ohnehin schon recht „raumgreifend“, so dass man nur noch dezent nachbessern muss. Wenn überhaupt.

 

Wer will, darf auch im Wald spielen...

Wer will, darf auch im Wald spielen…

 

Klanglich spielen die Solo-Brassisten (in meinen Ohren) in der oberen Liga. Gelungene Legato-Übergänge, natürliche, einstellbare Ausklingphasen, saubere Dynamikabstufungen, massig Editier- Artikulations- und direkte Zugriffsmöglichkeiten sowie der volle, sehr natürliche Grundsound der Instrumente machen die Brass Solo zum vielversprechenden Anwärter für den Bläserposten im Rechnerorchester. Die Posaune knarzt gekonnt in den tiefen Lagen und klingt auch im Hochbereich nie schrill, das Tuba-Staccato kommt seriös und rutscht nie in Richtung Bierzelt, die Trompete brilliert auch im oberen Drehzahlbereich. Nur die Hörner könnten in einigen Lagen noch etwas „bauchiger“ klingen, aber das ist dann wieder mal ein völlig subjektiver Höreindruck.

 

 

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    MrMeloD  

    Danke für den Test Matthias. Ich warte dann auf Komplete 11U :) Hast Du einen Tipp, welche Blech Library sich für Jazz/Swing eignet?

    Danke und Gruß

    • Profilbild
      m.steinwachs  RED

      Bei Jazz/Swing fällt mir auf Anhieb die „Broadway Big Band“ von Fable Sounds ein. Die hat neben den Bläsern auch noch Drums und Percussion dabei.Kostet dann allerdings auch über 2.000 Euro. Es gibt aber auch eine Lite-Version für rund 480 Euro. Die „Chris Hein Horns Pro Complete“ sind auch BigBand/Jazz-tauglich (ca. 650 Euro). Und schließlich gibts noch „Swing!“ von Project Sam (ca.350 €)

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      The-Sarge  

      das warten auf K11U nützt Dir/uns leider nichts, denn NI hat entschieden diese „Symphonie Series“ als Bestandteil der Komplete-Reihe zu entfernen, ergo wird es weder in K11U noch späteren Kompletes drin sein
      :(

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