Test: Native Instruments FM7 für MacOS X

13. April 2004

NI

Auf der NAMM Show 2004 hatte Native Instruments angekündigt, alle 14 NI-Instrumente – unter anderem auch den FM7 – für MacOS X und Windows XP-User verfügbar zu machen. Das Update liegt jetzt vor und ich werde nun der portierten Fassung des FM7 auf den Zahn fühlen. Für die Grundlagen und weitere Hintergrundinformationen zu diesem Softwaresynthesizer empfehle ich den Artikel von Thorsten Walter aus dem Erscheinungsjahr des FM7 vom 20.12.2001.
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– FM7 80er Retrofeeling –

Wie und wo läuft der FM7?

Das Update auf FM7 1.1 bringt neue Kompatibilität für folgende Plattformen: Mac OS X-Support – Stand-Alone und als Plug-In, für Core Audio and Core MIDI. Support für die Plug-In-Formate Audio Units, RTAS und VST 2.0 unter Mac OS X bzw. Support für RTAS unter Windows XP. Sehr nett, dass der etwas dürftige Presetanteil des „Ur-FM7“ aufgestockt wurde: NI legt jetzt jeder Vollversion des FM 7 die FM-7 Sound CD Volume 1 mit 256 neuen Sounds dazu. Zusammen ergibt das dann 512 Sounds – vom Original-DX7 bis „völlig neu“ ist alles dabei. Über die neuen Sounds gibt es nur Gutes zu berichten. Loops, Pads und Drums stellen den Schwerpunkt und nutzen damit auch voll die Kernkompetenz des FM7. Das Update kostet für registrierte FM7-Besitzer vor dem 01. August 2003 49,- Euro + Versand als CD-Rom bzw. 29,- Euro für den Direkt-Download von der NI-Page. Kostenlos ist es zur Zeit für alle, die den FM7 nach dem 01. August 2003 erworben haben.

Installation

Die Installation auf meinem G5 mit MacOS X 10.2.7 gestaltet sich problemlos: Installer folgen, Seriennummer eintippen – schon öffnet sich das Audio-Setup in einem Fenster vor dem Synthesizer GUI. Hier können nun Soundcard, Routing und Midi-Einstellungen eingegeben werden. Etwas störend ist die zweite Seriennummerabfrage (Bug?) beim Aufrufen des Standalone-Programms, aber im Vergleich zur angekündigten Challange-Response-Kopierschutztechnik, die NI einführen möchte, ist es natürlich sehr bequem und auch ohne Internetzugang zu schaffen.

Das Routing im Setup überlasse ich den standardmässig eingestellten Werten, die der FM7 Setup-Assistent von der Core-Machine übernimmt: Das heisst Output und Input sind 1-2 von meiner RME Hammerfall DSP Multiface. Wir erinnern uns: Der FM7 ist bis heute leider nicht multitimbral und bietet nur einen Stereoausgang. Zum Trost gibt es die Möglichkeit bis zu 2 Inputkanäle in den FM7 hineinzuführen und intern zu verwursten.

Die MIDI-Einstellungen befinden sich im Defaultmodus im Off-Betrieb. Hier sollte man seinen gewünschten Midi-Inputgeber anklicken, sonst geht natürlich nichts über eine externe Tastatur. Alle Einstellungen lassen sich problemlos bewerkstelligen.

Ich gebe mich erst einmal mit der Latencyeinstellung von 23 ms zufrieden, drücke mein Keyboard und warte gespannt auf den ersten frequenzmodulierten Ton…

Wir haben ja eigentlich keine Zeit für so etwas…

…aber ein paar Sätze zu FM, denn selbst das FM-Revival ist ja nun schon etwas in die Jahre gekommen. Ab 1977 wurde die FM-Synthese maßgeblich von John Chowning, an der Universität Stanford entwickelt. Von den stolzen Vätern der subtraktiven Synthese belächelt, witterte Yamaha seine Chance und sicherte sich rechtzeitig die Rechte. Im Jahr 1983 stellte Yamaha schließlich den ersten marktreifen, auf FM basierenden Synthesizer DX7 vor. Heute längst All-Time-Klassiker, bot er doch damals revolutionäre 16 Stimmen, Aftertouch, expressive Anschlagsdynamik und Midi. Was dann folgte, war lautes Klingeln in den Kassen der Japaner und ein Jahrzent FM-Sound im FM Radio… Übrigens – die Gelder, die aus dem Verkauf der Lizenzen an Yamaha für zehn Jahre erwirtschaftet wurden, kommen der Stanford University bis heute zu Gute…

Leider war und ist der programmiertechnische Aufwand auf FM-basierten Yamaha-Geräten kein Genuss. Ich selbst hatte mich damals aus purer Feigheit für einen Juno entschieden. Es ist kein Geheimnis, dass die besten DX7-Klangtüftler in der DDR-Mangelwirtschaft saßen. Hier fehlten käuflich zu erwerbende Sounds und die wenigen, sündhaft teuren Geräte wurden bis auf die letzte Modulation ausgepresst. Die Zeiten sind längst passé und mit dem FM7 wird Sounddesign zum völlig ents pannten Erlebnis…


Klangformung im FM7

Aufbau und Stimmenarchitektur des FM7 entsprechen den der grossen DX und TX Synthesizer von Yamaha, angereichert durch moderne Zutaten wie Midi-Clock-synchronisierbare LFOs und Hüllkurven, bis zu 64 Stimmen, variable Bit-Auflösung für LoFi-Feeling und einiges mehr. Der Vergleich zu den alten Veteranen ist also mehr als unfair. Die SY/TG Serie wird dagegen nicht emuliert, weil deren FM-Architektur anders war. Schade eigentlich, denn wie viele habe auch ich noch einen TG77 im verstaubten Rack mit Sounds en massé. Dennoch lassen sich 10.000nde Sounds von DX7, DX7-II, DX11, TX81Z, DX21, DX27, DX100, DX200, TX802 in den FM7 importieren. Langweile wird da kaum aufkommen. Leider lassen sich Sounddiver-kompatible Dateien nicht einlesen – schade, dass das bis heute nicht implementiert ist. Über Easy-Editing und die hervorragende (und coole) Oberfläche lassen sich aber im Handumdrehen grandiose neue Sounds erzeugen.

Wie FM theoretisch funktioniert, können Sie in Thorsten Walters Artikel nachlesen.

Matrix

War noch die Anordnung der Operatoren bis hin zur Yamaha TG-Reihe eine Lebensaufgabe und schon gar nicht komplett freigestellt, so ist das im FM7 genial einfach gelöst: Die freie Verschaltbarkeit der 9 Operatoren-Module (6 FM/1Filter/1 Noise-Distortion und 1 Audio-In) mit Mausklick und Ziehbewegung in der Matrix geht locker von der Hand. Problematisch ist nur die Darstellung auf kleinen Monitoren. Eine Skalierung wäre praktisch.
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– Matrix am Beispiel des Stand Alone Pianos –

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    hallo , kann mir eine sagen , ob man die internen Sounds des FM 7 – zumindest in der Rohfassung – in den hardware Dx 7 per midi dumpen kann ?
    Danke

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