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Test: Native Instruments Komplete Kontrol S88 MKII, Controller

5. Dezember 2018

Die neue Lichtorgel

Native Instruments Komplete Kontrol S88 MKII

Native Instruments Komplete Kontrol S88 MKII

Die Masterkeyboards von NI zeichnen sich durch zwei Dinge aus: die wohl beispiellose Integration des Keyboards mit der NI Software und dem Umstand, dass jede einzelne Taste am Keyboard ihre eigene LED besitzt. Jetzt vervollständigt NI seine MKII Serie um eine 88-Tasten Variante: Native Instruments Komplete Kontrol S88 MKII. 

Wer schon einmal eine Werbung von Native Instrument für ihre Masterkeyboards gesehen hat, dem sind die Produkte ganz sicher in Erinnerung geblieben. Optisch geben die LEDs an den Tasten der Klaviatur schon etwas her, aber es ist natürlich die große Frage, ob es sich hier nur um eine optische Spielerei handelt. Tatsächlich stellen die LEDs einen wesentlich Bestandteil der Integration der NI Software mit der Hardware dar. Viele der Instrumente von Native Instruments, insbesondere die digitalen, nutzen einige der Keyboard-Tasten, um Spielvariationen aufzurufen – und so ist das auch beim Komplete Kontrol S88 MKII geblieben.

Ein gutes Beispiel sind Streicher, bei denen man zwischen Bogen und Pizzicato (gezupft) wechseln kann. Zusätzlich gibt es viele Instrumente, wo sich komplette rhythmische Elemente steuern lassen. Bei den Gitarren-Samples hat man so die Auswahl zwischen verschiedenen Riffs. Diese Belegung der verschiedenen Tasten auf dem Keyboard werden in der Software über ein Mapping angelegt, bei denen die Bereiche unterschiedliche Farben bekommen. Und genau diese Farben werden dann auch am Keyboard angezeigt, was eine enorme Erleichterung ist, denn ohne diese visuelle Unterstützung muss man ständig auf den Monitor beim Spielen starren. Ein weiterer Nutzen besteht darin, dass die LEDs bei einem angeschlossenen Sequencer auch noch die MIDI-Noten der Spur anzeigen (durch ein leichtes Aufleuchten der LEDs bei jedem ankommendem MIDI-Signal). Nicht mehr ganz sicher, wie der Piano-Part ging oder die Bass-Linie? Kein Problem, denn ein Blick auf die Lichtorgel genügt.

Komplete Kontrol LED Kette

Jede Taste des Keyboards hat eine eigene LED, die sich farblich anpassen lässt und so anzeigt, wie die Belegung ist

Unboxing & Spielgefühl

Aber bevor ich weiter auf die Funktionalitäten eingehen, muss ich kurz einen Schritt zurückgehen. Bei einem Masterkeyboard ist der physikalische Aspekt ja nicht unwichtig. Leider habe ich es versäumt, vom Komplete Kontrol S88 MKII ein Unboxing-Video für YouTube zu machen. Aber tatsächlich hätte es hier auch nicht viel zu sehen gegeben. Das Keyboard kommt sehr gut verpackt und geschützt beim Kunden an. Im Lieferumfang ist aber auch nicht sehr viel enthalten, denn es gibt kein gedrucktes Handbuch oder etwa ein Haltepedal (Sustain). Netzteil, USB-Kabel (ausreichend lang) und ein kleiner Umschlag mit der Garantiekarte und Seriennummer, das war’s.

Der Aha-Effekt stellt sich erst beim Herausheben des Komplete Kontrol S88 MKII ein: Das Keyboard ist solide verarbeitet und wiegt aufgrund der gewichteten Tasten auch etwas, ohne übermäßig schwer zu sein. Es handelt sich hierbei um eine Fatar Tastatur, wie sie von vielen Herstellern in ihren Digitalpianos verbaut wird. Das Spielgefühl ist wirklich sehr gut und nach kurzer Eingewöhnung für jeden klassisch ausgebildeten Klavierspieler sicherlich akzeptabel. Ich habe jahrelang ein Yamaha CP-70M als Masterkeyboard verwendet, aber ich möchte dieses Teil auch nicht mehr schleppen oder soviel Platz dafür hergeben müssen. Die Verarbeitung scheint tadellos zu sein, auch wenn ich bei meinem Gerät ein Problem hatte: Beim Abspielen einer Sequenz haben die hintergrundbeleuchteten Tasten für die Sequencer-Steuerung geflackert. Zuerst lag die Vermutung nahe, dass es sich um einen Produktionsfehler handelt, aber nach einigem Umstecken verschwand die Erscheinung wieder. Es ist also nicht ganz klar, was diesen Fehler verursacht hatte und leider lässt sich dies nicht mehr reproduzieren. Sollte jemand also ähnliche Probleme bemerken, dann einfach versuchen, das Keyboard direkt mit dem Rechner zu verbinden. 

Die kompromisslose Integration – Teil 2

Wie Eingangs schon angesprochen: Die KOMPLETE KONTROL Masterkeyboard Serie ist für die Software von Native Instruments optimiert. Mir ist kein anderes Masterkeyboard bekannt, bei dem dies so sehr der Fall ist wie hier. Auf den beiden Farbdisplays werden die aktuellen Klangbibliotheken angezeigt und über die Drehtaster unterhalb des Displays hangelt man sich durch eine Liste von kleinen Bildern, die die einzelnen Bibliotheken repräsentieren. Auf dem rechten Display werden dann die verschiedenen Klänge als Liste angezeigt. Mit einem Multifunktionsdrehtaster rollt man durch die Namen. Dabei wird bei jedem Wechsel ein kleiner Audio-Schnipsel abgespielt, was natürlich genial ist, denn wer möchte schon jedesmal auf Bestätigung klicken, um herauszufinden, was hinter einem Klangnamen steckt?

Über zwei Displays erfolgt die Auswahl der Klänge und Klangbibliotheken

Aber die Integration geht noch weiter: Über Start-, Stop-, Aufnahme-, Loop-, Quantize- und Undo-Taster lässt sich auch der Sequencer fernsteuern. Selbst eine Spur stumm (Mute) oder solo zu setzen, ist kein Problem. Nomen est omen: Beim Komplete Kontrol S88 MKII war wirklich das Ziel, eine zentrale Steuereinheit für das Studio zu schaffen.

Der Sequencer kann sich direkt über die DAW-Steuerung am Keyboard kontrollieren lassen, einschließlich dem Quantisieren von Spuren

Ein Highlight des Komplete Kontrol S88 MKII ist aber zusätzlich die Anzeige der Spuren aus der DAW. Hier sieht man die Spuren und die Pegelaussteuerung, die man über das Drehrad unter dem Display auch sofort justieren kann. Da nur maximal 8 Spuren gleichzeitig zu sehen sind, nutzt man das Multifunktionsrad auf der rechten Seite neben den Displays, um die anderen Spuren anzeigen zu lassen. Die beleuchteten Taster über dem Display öffnen bei einem Druck automatisch den Editor auf dem Computer-Monitor. Native Instruments hat wirklich versucht, mit dem S88 den Keyboardern die Möglichkeit zu geben, sich auf das Musikmachen zu konzentrieren. Und da bei vielen der Rechner nicht automatisch direkt vor der Nase platziert ist, werden sicherlich einige dies zu schätzen wissen.

Der Mixer für die DAW

Über den Mixer-Taster kann man alle Spuren der DAW sehen und aussteuern

Master of the Universe

In der DAW können die Spuren direkt mit einem der Native Instruments Plugins belegt werden. Will man also Streicher, dann wählt man den KONTAKT Player aus und einen Klang. Aber viel geschickter ist es, das KOMPLETE KONTROL Plugin zu nutzen, denn nur hierüber lassen sich alle Funktionen direkt am Keyboard kontrollieren. Die Software ist quasi der Master des Universums von Native Instrument: Hierüber lassen sich alle Parameter für den Arpeggiator, die Effekt-Plugins oder auch das MIDI-Assignment ändern.

Dieses ist besonders interessant, denn hier wird konfiguriert, welche MIDI-Nachrichten von den verschiedenen variablen Kontrollelementen am Keyboard gesendet werden. Insbesondere wenn man den Touch-Strip einsetzen will, dann legt man hier fest, was dieser denn nun kontrollieren soll. Der Touch-Strip ist links unterhalb des Pitchbend- und Modulationsrades positioniert und besitzt ebenfalls eine kleine LED-Kette. Streicht man mit dem Finger drüber, dann passiert erst einmal nichts, denn bei den Instrumenten von Native Instrument ist dieser nicht vorkonfiguriert. Auf der MIDI-Assignment-Seite kann man dem Touch-Strip nun beispielsweise Lautstärke zuweisen, aber da fallen einem natürlich noch kreativere Anwendungen ein.

Der Touch-Strip unterhalb des Pitchbend- und des Modulationsrades lässt sich mit einem MIDI-Controller frei belegen

In der MIDI-Assignment-Seite der Software hat man bis zu vier Seiten, auf denen sich die Taster, Drehräder, Klaviatur, Pedale und der Touch-Strip belegen lassen. Am Keyboard kann man dann schnell zwischen diesen vier Seiten wechseln und hat so doch relativ viele Parameter, die man direkt am Keyboard kontrollieren kann.

Auf der MIDI-Seite lassen sich die Drehregler und Tasten frei belegen. Auch die LEDs und ihre Farbigkeit wird hier definiert.

Für die Zuordnung gibt es auch bereits fertige Vorlagen, die man in der Software auswählen kann. Damit man später auch weiß, was die verschiedenen Regler kontrollieren, lassen sich diese benennen. Will man die Tastatur konfigurieren, um beispielsweise Key-Zones zu definieren (bis zu 16 Stück), dann macht man dies ebenfalls in der MIDI-Assignment-Seite. Hier kann ein bestimmter Bereich der Klaviatur einem eigenen MIDI-Kanal und auch eine Farbe für die LEDs zugewiesen werden. Für mich auf den ersten Blick überraschend: Key Zones können sich nicht überlappen und müssen nahtlos aneinander liegen. Aus irgendeinem Grund hatte ich hier mehr Flexibilität erwartet, aber aus der Sicht von NI macht ist das sinnvoll, denn ihre Software bietet auch nicht mehr Möglichkeiten. 

Am Beispiel des Woodwind Ensembles sieht man, wie die Drehpotis belegt sind. Hierüber lassen sich also am Keyboard ganz schnell einige wichtige Parameter ändern.

Smart Play – Tonleitern und Akkorde

Diese Funktion erlaubt es, beispielsweise die Tastatur auf eine bestimmte Tonleiter festzulegen. Definiert man also eine pentatonische Tonleiter, dann werden alle Tasten der Klaviatur automatisch der nächstgelegenen Note zugewiesen. Im Chord-Mode kann man diese Tonleiter dazu nutzen, automatisch passende Akkorde zu spielen und kombiniert mit dem Arpeggiator, ist dies sicherlich für einige eine nützliche Funktion. Da man auch zusätzlich dem Arpeggiator einen Rhythmus geben kann, lassen sich hier bestimmt interessante Ergebnisse erzielen. Persönlich kann ich aber den Sinn und Zweck dieser Funktion in einem Masterkeyboard nicht unbedingt sehen, aber möglicherweise gibt es einen Anwenderkreis, für den dies ein “must have” ist.

Eine Tastatur kann auf eine bestimmte Tonleiterskala fixiert werden, wodurch man sich quasi nicht mehr verspielen kann. Auf der Seite wird auch das Arpeggio eingestellt.

Fazit

Das KOMPLETE KONTROL S88 MkII ist ein fantastisches Masterkeyboard für die NI Produkte. Es ist ganz klar exklusiv für die Nutzung mit deren Produkten gedacht. Natürlich lassen sich auch andere Synthesizer damit ansteuern, aber den vollen Nutzen bringt dieses Keyboard erst in Kombination mit Kontakt 6 oder einer der vielen Software-Synths von NI. Wer sich also eines der Pakete jetzt gekauft hat, wird sich die Frage stellen, ob Anschaffung eines spezialisierten Masterkeyboards sinnvoll ist und dies kann man nur bejahen. Der Umstand, dass man seinen Sequencer vom Keyboard aus steuern kann, ist alleine schon ein mega Pluspunkt, aber dass man zusätzlich auch noch selber Tasten und Drehknöpfe einem MIDI-Controller zuweisen kann, macht dies zu einem mächtigen Werkzeug im Studio und auf der Bühne. Vom Spielgefühl und der Verarbeitung ist das Masterkeyboard absolut top und kann ohne Einschränkung empfohlen werden.

Plus

  • sehr gute Tastatur
  • gute Verarbeitung
  • große Displays
  • komfortable Bedienung

Minus

  • als eigenständiges Masterkeyboard (ohne Computer) kaum nutzbar

Preis

  • Ladenpreis: 989,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    cher  

    Hallo, ich hätte da noch ein Paar Fragen: Ich arbeite zum großen Teil mit dem Cubase/NI-Kontakt. Wie verhält sich das Keyboard mit dem Kontakt? Werden die Farbbelegungen der Instrumente auf dem Keyboard abgelichtet? Oder wird man auf das Komplete-PlugIn verdrängt? Gibt es eine Möglichkeit die Farbbelegung für nicht-NKS-Instrumente zu programieren und abzuspeichern? Danke.

  2. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Ich hätte nie gedacht, daß die scheußlichen Designstudien, mit denen sich Axel Hartmann in den frühen 1990ern in der KEYBOARDS vorstellte, tatsächlich einmal Realität werden würden.
    .
    Soll ich mich freuen, oder soll ich mich grausen?
    .

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