Test: Native Instruments Maschine Mikro MK3, Production Center

Hardware der Native Instruments Maschine Mikro MK3

An der Verarbeitungsqualität wurde schon mal nicht gespart. Alles fühlt sich sehr solide und stabil an, nichts wackelt (wobei es ja auch nur noch einen Drehregler gibt) und das Gehäuse fühlt sich sehr verwindungssteif an. Irgendwo müssen aber Gewichte eingebracht worden sein, sonst kommt man bei den Komponenten und dem Gehäuse nicht auf 1,1 kg. Während sich das wertig und stabil anfühlt, sorgt doch das zusätzliche Gewicht zusammen mit Laptop, Netzteil und D/A-Wandler (wenn man ihn denn unterwegs braucht) im Rucksack für einige Kilos auf den Schultern.

Native instruments Maschine Mikro MK3

Wenigstens braucht die Native Instruments Maschine Mikro MK3 kein weiteres Netzteil, sondern begnügt sich mit dem Strom aus der USB-Buchse, die folglich auch die einzige vorhandene Buchse ist. Kein MIDI, Audio, Sustain etc. Auch kein Ein- und Ausschalter, was zumindest beim Betrieb am (Aktiv-) Hub bedeutet, dass die Mikro MK3 immer an bleibt. Das USB-Kabel ist mit dabei und macht, wie alle Kabel von Native Instruments, einen soliden Eindruck.

Die Pads, die jetzt von der großen Maschine übernommen worden sind, sind gewachsen, näher zusammengerückt und dementsprechend war kein Platz mehr für die Beschriftung darüber. Dafür sind jetzt die Nummern bzw. Sekundärfunktionen direkt auf den Pads zu sehen. Speziell bei ungünstigen Lichtverhältnissen sehr nett, da jetzt hintergrundbeleuchtet. Aber nach kurzer Zeit hat man die Sekundärbefehle sowieso abgespeichert. Wird die Shift-Taste und gleichzeitig ein Pad gedrückt, hat man schnellen Zugriff auf Undo/Redo, Quantize und einige andere Befehle. Die Auswahl des Pad-Modes ist von der linken Seite über die Pads gewandert und bietet nun schnelleren Zugriff auf die Modi „Pad Mode“ – Fingerdrumming mit Pads, „Keyboard“ – zuletzt ausgewähltes Pad als Grundton, die Pads stellen dann die Tasten dar, „Chords“ – Auswahl der Akkorde und „Steps“ – den Stepsequencer. Letzterer kommt eigentlich mit den 16 Pads bei einem längeren Loop nicht wirklich aus, über den Drehregler kann man jedoch durch die Sequenzen browsen bzw. über den Follow-Befehl immer den derzeit aktiven Bereich anzeigen lassen.

NI Maschine Mikro MK3 Display

Konzentration auf das Nötigste

Links unten befindet sich die Transportsektion, über die die Wiedergabe bzw. der Aufnahmemodus gesteuert werden kann. Hier gibt es keine großen Änderungen zum Vorgänger und sie entspricht exakt der großen Version. Darüber befinden sich die Tasten für die Auswahl der Gruppen, die nicht wie bei den Großen über Direktwahltasten, sondern über die Pads ausgewählt werden müssen (damit kann man leben) und „Auto“, „Lock“ und „Note Repeat“, über die ein Stutter-Effekt gesteuert werden kann.

Weiter oben dann die mit größte Neuerung im Vergleich zur MK2-Version – der Smart-Strip zum Anschlagen von Noten, Pitchbending, Arbeiten mit den Effekten, Verwenden der Lock-Funktion und weiteren Möglichkeiten. Über eine LED-Leiste wird der aktuelle „Wert“ angezeigt um den Überblick nicht zu verlieren und sich leichter einprägen zu können, an welcher Position welcher Effekt bzw. welche Note ist. Die Größe des Smart-Strips und die Buttons darüber sind auch komplett von der Maschine MK3 übernommen.

Der Bereich über dem Smart-Strip kontrolliert die Basis-Parameter wie Tempo/Volume, ermöglicht mit Pfeiltasten das Browsen durch mehrere Einstellungen und hat links neben dem Drehregler den Schnellzugriff auf die Sounds in Maschine. Obwohl die Anzahl der Tasten gegenüber der großen Maschine naturgemäß dezimiert ist, gibt es erstaunlich wenig Doppelbelegungen.

NI Maschine Mikro MK3 Smart Strip

Smarter Strip jetzt auch bei der MK3

Mit der Native Instruments Maschine Mikro MK3 produzieren

Da die Native Instruments Maschine Mikro MK3 die günstigste Version der Maschine Hardware ist, die es je gab, erschließt Native Instruments natürlich auch neue Käuferschichten. Da diese evtl. mit dem Produzieren von Musik noch nicht so viel Erfahrung haben, hat NI eine Reihe von Tutorials auf ihre Website gestellt, die den Einstieg deutlich vereinfachen. Sehr gut!

Native instruments Maschine Mikro MK3

Prinzipiell folgt die Maschine-Logik einem einfachen Muster: Die 16 Pads symbolisieren 16 Sounds, die in einer Group vorhanden sein können. Es können 64 Groups (8 Groups von A bis H in 8 Ordnern) angelegt werden, die dann über Druck auf „Group“ und die oberen Pads (Groups) bzw. die unteren Pads (Ordner) angesteuert werden können. In diesen Groups liegen die Patterns, also die Muster, die bestimmen, wann welcher Sound mit welcher Lautstärke wie lange gespielt werden soll. Da man mit den gleichen Sounds natürlich völlig unterschiedliche Patterns erzeugen kann, können mehrere dieser Patterns in einer Group vorhanden sein. Welcher gerade gespielt werden soll, kann über die Pads angewählt werden. Da es dann schwer wird, in mehreren Groups gleichzeitig zu bestimmen, welches Pattern gespielt werden soll, hat man die Möglichkeit, Szenen anzulegen.

In diesen Szenen wird dann festgelegt, dass zum Beispiel in Szene 1 Pattern 1 der Group A1, zusammen mit Pattern 4 von Group B1 und Pattern 6 von Group C1 abgespielt werden soll. Klingt erst mal verwirrend, aber wenn man sich ein bisschen einarbeitet, wird es irgendwann total logisch. Durch die Möglichkeit, direkt mit der Hardware Patterns zu klonen und dann anschließend zu verändern, kommt man schnell zu einer Menge Material, zwischen denen dann der harmonischste Mix gefunden werden kann.

Mit Hilfe des Smart-Strips können nun noch, entweder bei der Aufnahme oder bei der Live Performance, mit verschiedenen Effekten (Flanger, Echo, Stutter etc.) die Sounds manipuliert werden. Oder aber in der Einstellung „Notes“ die Pads angesteuert werden; entweder im Pad- oder im Keyboard-Modus. Oder zusammen mit Note Repeat irre Abfolgen durch die Pads gefahren werden, die sich in einem Loop wiederholen. Oder, oder, oder … der größte Unterschied zur MK2 Version und ein cooles Update.

NI Maschine Mikro MK3 Software

Hier kommt alles zusammen

Nun, wo Licht ist, ist auch Schatten, oder? Kommen wir mal zu den Dingen, die mir nicht so gut gefallen. Durch den fehlenden Ein-/Ausschalter nimmt man die Native Instruments Maschine Mikro MK3 vom Netz, indem man die Kabelverbindung trennt. Wenn Maschine aber weiterhin läuft, kann es sein, dass die Hardware mit dem (von den anderen NI Geräten bekanntem) LED-Feuerwerk signalisiert, dass sie angeschlossen ist, die Software sie aber nicht erkennt.

Manchmal hilft es, in den Einstellungen nach dem Controller zu suchen, ab und zu muss aber die Software neu gestartet werden. Das ist gerade für eine Hardware/Software-Kombination, die „on the road“ genutzt werden soll, nicht wirklich praktisch. Wenn ein Track spielt und man für den Smart-Track zum ersten Mal einen passenden Effekt suchen will, kann es zu Sound-Aussetzern kommen; ein Verhalten, das ich leider auch bei anderen Effekt-Sektionen beobachtet habe. Beim schnellen Browsen durch die Effekte mit dem Drehregler „verschluckt“ sich die Software geradezu, es wird immer nur der erste und letzte Effekt angezeigt.

Native instruments Maschine Mikro MK3

Das sind aber alles Dinge, die sich mit einem Software-Update beheben lassen könnten. Während eines Tempowechsels hat sich die Maschine Mikro MK3 einmal aufgehängt. Das ist schon dramatischer. Im Grunde genommen ist die Software aber sehr stabil und ich habe nichts von verhältnismäßig vielen Abstürzen gehört. Bleibt natürlich noch die reduzierte Auswahl an Sounds. Vorher kam die „Komplete Select“ mit 25 GB an Instrumenten und Effekten – die müsste jetzt für 99,- Euro dazu gekauft werden (hat dann allerdings auch 45 GB Umfang). Ein Probeabonnement für Sounds.com ist zwar auch im Lieferumfang enthalten, aber nur für zwei Monate, danach kostet es extra.

Fazit

Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte: die beste Mikro aller Zeiten. Man hat einfach eingesehen, dass es sich nicht lohnt, die großen Displays der (eigentlichen) Maschine Hardware irgendwie noch unterzubringen. Stattdessen lieber die Reduktion auf die Pads und die Integration des Smart-Strips. Muss man deswegen öfters auf den Rechner schauen? Ja, auf jeden Fall.

Damit geht natürlich ein bisschen der Charme der eigentlich sehr integrativen Maschine Umgebung verloren, aber man bietet dem Kunden wenigstens die Wahl: klein und günstig oder komplett und damit groß und teu(r)er. Wer sehr stark auf Samples setzt, wird auf die direkte Bearbeitung über die Hardware wahrscheinlich nicht verzichten wollen, könnte bei dem Preis aber trotzdem darüber nachdenken, ob man die große Version nicht im Studio lässt und die Mikro „on the road“ nimmt.

Durch dasselbe Bedienkonzept und viele gleiche Tasten fällt der Wechsel zwischen den aktuellen Modellen leichter denn je. Alle, die mit Maschine starten, kennen den Vorteil der Displays und Regler an den großen Controller noch nicht und werden diese daher noch nicht vermissen. Ich finde, die neue Mikro ist auf jeden Fall ein großet Wurf von Native Instruments.

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • Smart-Strip der Maschine MK3 integriert
  • günstigster Einstieg in Maschine

Minus

  • Hot-Plugging bereitet manchmal Probleme

Preis

  • Ladenpreis: 239,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    targon  

    Ich habe mit der Maschine Studio angefangen. Irgendwann kam die Jam dazu, um noch schnelleren Zugriff zu haben.
    Mit weniger Knöpfen und ohne Display würde für mich Maschine nicht funktionieren.

    Aber nichts ist so individuell wie der eigene Workflow.

    • Profilbild
      Alexander Kramer  RED

      Hallo Targon,
      Ich glaube auch, dass der Weg zurück von vielen Knöpfen und Reglern zur Mikro schwer fällt.
      Aber als Einstiegsgerät, ohne den „Knopf-Workflow“ verinnerlicht zu haben, ist sie schon gut gemacht.

      Lieben Gruß

      Alex

  2. Profilbild
    FLTRHND  

    Ich finde für die Software hätte es einen Abzug geben sollen. Die Updates sind sehr mager. Die Maschine Software wird stiefmütterlich behandelt. Versprochene Dinge wie Songlayer, Automationen, Live Scene Arrangment Recording die schon mit dem Release der Jam kommen sollten, sind nicht erschienen. Entwicklungen werden eingefroren um einen Sampledienst zu integrieren. Nichts wird kommuniziert, in den offiziellen Foren ist die Laune mies. Die Hardware ist super aber wer sich eine Maschine kauft sollte sich eigentlich erstmal im offiziellen Forum informieren. Ich jedenfalls bin sehr auf die Nase gefallen da ich hoffte zumindest eine Daw ähnliche Software zu bekommen. Das Arrangement ohne Songlayer und vernünftige Automation lines ist bisher ziemlich mies, die Bedienung mit Maus schlecht die Grafik alt backen und nicht 4k ready. Und ich würde auch nicht vor nächsten Jahr mit einem Update rechnen.

  3. Profilbild
    8-VOICE  AHU

    Die Software ist schon sehr wichtig, auch wenn die Hardware toll ist, aber zumindest Automationen sollten möglich sein…!

    • Profilbild
      Alexander Kramer  RED

      Hallo 8-Voice, Hi xhanibalx,

      Ihr habt schon recht mit euren Aussagen. Aber getestet wurde nicht mit Augenmerk auf Maschine 2 oder der Maschine Software im Vergleich zu anderen DAWs. Sondern primär die Hardware, und wie diese mit der Software zusammenarbeitet.
      Bleibt nur zu hoffen, dass jetzt wo Sounds.com gelauncht ist, wieder intensiver an den Features gearbeitet wird.

      Lieben Gruß

  4. Profilbild
    slogen  

    Dieses Jahr habe ich mir nach reichlicher Überlegung eine Maschine MK3 gegönnt. Nach 30 Tagen habe ich die Kiste zurückgesendet. Als Jahre langer MPC 2500 Nutzer fand ich den Workflow einfach kacke und die ganze Bedienung sagt mir auch null zu. Alleine schon der ganze Installationsakt ging mir auf den Sack. Irgendwie wirkt alles überladen…. Es hat sich mir gegenüber wieder einmal bestätigt das ich Native Instruments nicht gut finde.

    Auch nutze ich z.B. lieber Serato als Traktor DJ.

    Damals MPC 2500 gekauft –> ausgepackt –> eingeschaltet –> los

    Ich denke das ich mir im laufe des Jahres eine MPC X gönnen werde, aber auch hier bin ich gespannt ob mir das nicht zu viel alles ist. Scheint ja auch nicht mehr das zu sein was es mal war…. aber ausprobieren werde ich die Kiste wohl.

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