Test: Native Instruments, Session Strings Pro, Sound Library

14. September 2011

Session Strings Pro

Maximum Contemporary Strings

Mit Session Strings Pro bringt Native Instruments eine Weiterentwicklung der Session Strings Library auf den Markt. Diese Sample Library für KONTAKT und KORE bietet neben der Auswahl von Streichergruppen die Möglichkeit, per „Animator“ die Streicher in rhythmischen Phrasen spielen zu können. Außerdem gibt es neben klassischem Streichersound auch Presets für authentischen Vintage-Soul- und Disco-Sound. Die nun erhältliche Pro Version setzt noch mal einen drauf mit deutlich vergrößerter Library und mehr Animationen.

Session Strings Pro

Session Strings Pro

Insgesamt vier Ensembles stehen bereit, um das Streichorchester zusammen zu stellen. Jedes Ensemble besteht aus 4 Violinen, 3 Violas, 2 Celli und zwei Kontrabässen. Natürlich können die Violinen oder die Celli auch als Einzelensemble ausgewählt werden. Ensemble 1 und 2 bieten eine zeitgenössische Anordnung der Streicher im Raum. Die Anordnung der Instrumente unterscheidet sich von der klassischen Anordnung durch eine andere räumliche Positionierung der Instrumente, was ein direkteres und trockeneres Klangbild zur Folge hat. Hier werden um die mittig positionierten Bässe die Celli, Violas und Violinen jeweils links und rechts davon aufgestellt.

Ensemble 3 und 4 bieten die klassische Instrumentenanordnung wonach alle Streichergruppen jeweils zusammen angeordnet sind.

Beide Ensembles einer Gruppe können per Regler miteinander gemischt werden. Sie unterscheiden sich durch unterschiedliche Positionierung der Mikrofone bei der Aufnahme. Ensemble 1 und 3 klingen direkter, bei 2 und 4 sind die Mikrofone weiter von den Instrumenten weg positioniert.

Spielhilfen

Insgesamt 29 Artikulationen stehen parat, das ist eine Menge. Neben obligatorischen Spielweisen wie Pizzicato, Staccato oder Legato stehen Crescendi und Glissando, Fall up, Fall Down, Tremolo oder Triller zur Auswahl, jeweils in Variationen. Über Spielhilfen mittels Klaviatur, CC-Daten oder Modulationsrad können diese aktiviert werden.

Über die so genannten Production Presets können sechs der 29 Artikulationen vordefiniert und auf MIDI-Noten gesetzt werden. So lassen sich die Spielweisen während des Spielens beispielsweise mit der linken Hand in der untersten Oktave der Klaviatur umschalten oder passgenau im Sequencer programmieren.

In den Performance Presets dagegen lassen sich Artikulationen oder auch der Animator per Fußtaster, Mod-Wheel oder andere Controller-Daten aktivieren, um im Live-Spiel schnell abrufbar zu sein.

Oberfläche in KONTAKT4

Oberfläche in KONTAKT4

Animator

Der Animator erzeugt rhythmische Phrasen aus gespielten Akkorden, ähnlich einem Arpeggiator. Eine Vielzahl von Presets ist an Bord, es lassen sich aber auch eigene Phrasen erzeugen, das geht in der kleinen Version nicht. Pro Phrase können 16 Steps in zwei Pattern programmiert werden. Die Erzeugung der Rhythmusfiguren ist denkbar einfach und intuitiv. Pro Step steht ein Regler zur Auswahl, mit dem von Null (kein Ton) bis Vollanschlag (maximale Velocity) geregelt werden kann. Ein Groove- und ein Swingregler sorgen für  das richtige Taktraster und Lebendigkeit. So lässt sich schnell ein eigenes Streicherensemble animieren.

Effekte

Session Strings Pro bringt einen 3-Band Equalizer, einen Kompressor und einen Faltungshall mit. Die Bedienung ist  denkbar einfach. Pro EQ-Band steht ein Gain- und Frequenzregler bereit. Der Kompressor kann in der Intensität geregelt werden und hebt die Durchsetzungskraft der Strings in einem lauten Arrangement, ist also eher nicht für klassische Anwendungen gedacht. Für fette Discostrings ist das aber nicht verkehrt. Für den Hall sind zehn Impulsantworten unterschiedlicher Räume vorhanden. Viel gibt es da nicht zu sagen, die Räume klingen gut und sind nach meinem Geschmack für Streicher gut ausgewählt.

Daten

48 Gigabyte Samplematerial wurden mittels Lossless Sample Compression auf 32 Gigabyte reduziert und auf vier DVDs ausgeliefert.
Die Samples werden standardmäßig im Round-Robin-Verfahren ausgespielt mit bis zu vier unterschiedlichen Samples und vier Velocity Layer. Somit können die Bogenbewegungen der Streicher ziemlich authentisch wiedergegeben werden, und das Ganze klingt nicht statisch.

Session Strings läuft unter KONTAKT 4, KONTAKT Player und KORE Player.

Fazit

Session Strings Pro überzeugt mich klanglich, da hier ein sehr lebendiger und intimer Streichersound dargeboten wird. Auf Grund des nur elfköpfigen Ensembles entsteht für meinen Eindruck ein im Mix gut durchsetzungsfähiges Klangbild, ohne zu überfrachten. Lediglich die Animator Presets sind schnell verbraucht, aber da kann schnell selbst Hand angelegt werden, um neue Rhythmusfiguren zu erzeugen.

Besonders gut gefällt mir die Schlichtheit der Bedienoberfläche. Wo ich normalerweise ein Freund umfangreicher Eingriffsmöglichkeiten bin, stört mich hier kein Regler zu viel am Spiel der Streicher. Alles ist mit wenigen Handgriffen einstellbar, zum Beispiel auch der Parameter „Bow-Noise“, mit dem die Intensität der Bogengeräusche justiert wird. Ebenso lässt sich Ruckzuck die Dichte des Ensembles zusammenmixen und per Ein-Knopf-Kompressor verdichten.

Insgesamt eignet sich Session Strings mehr für Pop-, Soul-, oder Soundtrack-Arrangements als für die Emulation klassischer Werke,  da würde ich auf andere Librarys zurückgreifen, zum Beispiel VSL oder SONiVOX.

Plus

  • guter Gesamtklang, durchsetzungsfähig
  • zahlreiche Spielarten, Performance und Production Presets

Minus

  • -

Preis

  • Vollversion: 299,- Euro
  • Update: ab 199,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    MackieKnife

    *Tolles Plug-In mit einigen Schwächen*

    Session Strings (Pro) ist im Gesamtklang sehr authentisch. Gerade wenn man eher nur ein kleines Kammer-Ensemble benötigt, gibt es momentan nichts vergleichbares das an den authentischen Sound von Session Strings heranreicht.
    Ich kann dem Author bezüglich Klangeigenschaften nur beipflichten. Das kleine Ensemble klingt sehr lebendig und intim. Man meint Bogen und Holz quasi greifbar spüren zu können.

    Gefallen können insbesondere die Tremolo-Artikulationen, die wesentlicher Bestandteil der Stilistik vergangener Tage waren und auch die Räume wirken schön und stilecht.

    Abgesehen von den wirklich guten und überzeugenden Staccato und Spiccato- Samples, lassen sich mit Session Strings allerdings nicht wirklich
    typisch fetzige Sololinien a là Disco spielen, weil man hier leider nicht für entsprechend authentisch „harte Solostreicher“ mit zackigen Attack gesorgt hat.
    Das vorliegende Grundmaterial wirkt dahingehend Richtung „Discostil“ dann doch sehr dünn, weich und etwas platt und leider nicht überzeugend. Das empfinde ich als ein dann doch schon ziemlich schweres Manko, da insbesondere die Stilistik der typischen Discostrings aus den 70`er Jahren eigentlich eine meiner Erwartungen an das Plug-In war.

    Nun, für Klassik (einer meiner Schwerpunkte) ist das Plug-In jedoch gar nicht so verkehrt…wenn man sich darauf beschränkt, romantisch sanfte Streicherteppiche oder schnell ein spannendes Staccatomuster zu legen, das als Ergänzung zu einem großen Orchester Plug-In die nötigen Akzente (vor allem das Holz) setzen kann und einer vollen Instrumentierung die nötige Authentizität verleihen kann.
    Für epische Hollywood-Soundtracks ist Session Strings jedoch natürlich nicht gedacht und konzipiert.

    Mein Fazit:
    (Plus) Wohlklingendes, sehr authentisches Chamber-Ensemble. Eignet sich gut für schöne warme Streicherteppiche und spannende, kleine Staccato-Läufe. Dahingehend klingt alles sehr realistisch und es lässt sich auch ergänzend gut in ein großes Orchester einbinden.

    (Minus) Leider keine guten Solostrings für Soli der etwas fetzigeren Art der guten alten „Disco-Ära“.
    Aus diesem Grund finde ich den Preis für Session Strings Pro dann diesbezüglich auch etwas zu hoch um insgesamt ein gänzlich sorgenfreies Preis/Leistungsverhältnis bescheinigen zu wollen.

    p.s.:
    Die Demos zum Plug-In lassen sich auf der Webseite des Herstellers (Native Instruments) anhören.

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