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Test: Native Instruments UNA CORDA, Piano Plug-In

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Klang

Der erste Eindruck ist leicht befremdlich. Es dauert eine Weile, bis ich mich an den eher dumpfen Grundklang gewöhnt habe. Das Spielgefühl ist ähnlich wie auf dem Klavier, aber in vielen Details eben doch anders. Mein Empfinden schwankt dauernd zwischen „es ist ein Klavier, es ist etwas anderes, es ist ein Klavier, …“  Es kommt mir vor, als ob mein Gehirn erst mal Platz für diesen neuen Klang schaffen muss, der seltsam fremd und gleichzeitig vertraut wirkt. Vergleichbar mit einem E-Gitarristen, der nach 30 Jahren zum ersten Mal eine klassische Gitarre spielt und hört.

Nach einer Weile der Eingewöhnung überwiegt die Faszination dieses klanglichen Neulands. Das Una Corda kann sanft, perkussiv, warm, dünn, gläsern, organisch etc. klingen. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Nur eins kann und will es selbstredend nicht: wie ein „normales“ Klavier oder wie ein Flügel klingen. Viel Wert wurde auf Geräusche gelegt: Tastenaschlag, Pedalgeräusche und sogar Geräusche des Pianisten selbst (ein knarrender Stuhl, Atmen etc.) können dem Grundklang beigemischt werden.

Die Klangbeispiele wurden in Logic 9 ohne zusätzliche Effekte erstellt. Um der hohen Dynamik der Samples gerecht zu werden, habe ich auf den internen Kompressor verzichtet.

Una Corda 4

Fazit

Una Corda ist ein Nischenprodukt: Native Instruments hat ein sehr eigentümliches Klavier in seiner ganzen Vielschichtigkeit gesampelt. Ein zarter, filigraner Klavierklang mit viel Charakter. Jedem Käufer sollte klar sein, dass Una Corda niemals einen gesampelten Steinway D, Fazioli F308 oder Bösendorfer Imperial ersetzen kann. Doch war dies auch nicht das Ziel. Das wahre Potential liegt in den zahlreichen Editiermöglichkeiten. Das Original Una Corda richtet sich vor allem an experimentelle Musiker, sein digitales Pendant will ihm da in nichts nachstehen.

Plus

  • Klang
  • Editiermöglichkeiten

Preis

  • 149 Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    k.rausch  RED

    Diese Sample Library des Una Corda ist völlig genial, der Sound hat nur entfernt was mit einem Klavier zu tun und das ist in diesem Fall gut so. Allerdings sind die Samples einem Physical Model weit unterlegen, was die Modifikationen angeht. Denn gerade die sind es, die bei den drei angebotenen Grundklängen interessant sind. Pianoteq hat daher die Nase deutlich vorne. Es wäre eher der doppelte Spaß, würde vom Una Corda ein Physical Model gemacht werden. Weil hier keine Audio Tracks eingebunden sind, sollte sich jemand bei Interesse mal die auf der Produktseite bei NI anhören. Die sind sehr gelungen.

    • Profilbild
      Luis Miehlich  

      Ich hab ein bisschen mit Una Corda gearbeitet und kann zustimmen: klingt wirklich wunderbar. Allerdings denke ich, wenn man (komplett) auf physical modelling umsteigen würde, ginge eines (zumindest für mich) wichtigsten Merkmale von Una Corda verloren, nämlich die vielen Hammer, Hintergrund und pianisten-geräusche verloren. Man könnte auch über eine Kombination aus samples und pm nachdenken, dann wären wir beide zufrieden ;)

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Die Klangbeispiele sind jetzt auch online.
      Du hast natürlich Recht, dass Physical Modeling noch viel mehr Möglichkeiten bietet als Sampling.
      Ich denke, dass Native Instruments versuchte, das Una Corda möglichst naturgetreu abzubilden, und da ist Sampling durchaus eine sinnvolle Technik.
      Für mich hat diese Software sehr viel Eigencharakter. Eine große Inspirationsquelle.

  2. Profilbild
    hztirf

    Der Wunsch nach diesem Instrument (= dem Original) wird immer größer, ich fürchte, es wird nur für die digitale Ausgabe reichen.

  3. Profilbild
    donmalteaushb  

    Ich muss wirklich mal meine Begeisterung zum Ausdruck bringen: Ich bin ein großer Amazona-Fan, aber noch nie haben mich Klangbeispiele so überzeugt wie hier! Vielen Dank, einfach wunderbar!!!!

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Oh, danke für die Blumen. Das freut mich natürlich sehr. Ich hatte selbst auch meinen Spaß daran, und es ist schon erstaunlich, zu welch‘ kreativen Höhenflügen diese Software animiert. Die Klangbeispiele sind nichts weiteres als spontane Impros (mit Ausnahme der drei Clips „Pure“, „Felt“ und „Cotton“, bei denen ich dreimal dieselbe Midispur verwendete, um die klanglichen Unterschiede zu betonen.)

      Für mich sind freie Impros ein guter Gradmesser für die Qualität eines Instrumentes, da ich so ganz direkt spüre, ob mich ein Instrument inspiriert.

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