Test: Neumann TLM 193, Großmembran Mikrofon

12. Januar 2015

Der kleine Bruder des U 87?

Die Mikrofon-Manufaktur Neumann aus Berlin hat mir zu meinem kürzlich durchgeführten Test des Klassikers U 87 Ai auch noch gleich das TLM 193 mit der Bitte um Rezension mitgeschickt. Dem komme ich hiermit gerne nach.

Vorstellung

Auf den ersten Blick kommt das TLM 193 bekannt vor, ähnelt es doch in Form und Farbe stark dem U 87 aus gleichem Hause. Etwas zierlicher ist es geraten, quasi der kleine Bruder.

Das Neumann TLM 193

Das Neumann TLM 193

 

Hinter dem Einsprechkorb ist eine 1″ Kapsel verbaut, das Mikrofon auf die Niere als Richtcharakteristik festgelegt. Auch auf Schaltfunktionen wurde verzichtet, weder LowCut noch Pegelabschwächer sind vorhanden. Das ist meiner Meinung nicht tragisch, das Filter lässt sich meist bei Bedarf am Preamp zuschalten. Pad ist bei dem Grenzschalldruckpegel von 140 dB eher selten bis nie nötig.

Dafür hat Neumann dem TLM 193 eine Kapsel des deutlich teureren TLM 170 spendiert und eben die Elektronik und Ausstattung etwas einfacher gehalten. Das TLM 193 ist als günstiges, aber nicht billiges Mikrofon für mittleres Budget gedacht. Bei Neumann bedeutet dies einen Anschaffungspreis von ca. 1100,- Euro, zu dem aber noch ggf. die Anschaffung einer Mikrospinne budgetiert werden sollte. Der Großmembraner wird nur mit Stativgelenk geliefert, mit dabei ist natürlich die von Neumann bekannte Holzschatulle und die Betriebsanweisung.

Der Lieferumfang

Der Lieferumfang

Klangbeispiele
Forum
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    Markus Galla  RED

    Hallo Armin,

    kann es sein, dass die Hörbeispiele zur Gitarre vertauscht wurden? Jedenfalls passt die Beschreibung nicht zu den Hörbeispielen und ein kurzer Blick auf den Analyzer scheint das Gehörte zu bestätigen. Die mit TLM193 betitelte Aufnahme ist in den Mitten wesentlich ausgeprägter als die mit U87 bezeichnete Aufnahme. Das würde auch den vorher gemachten Sprachaufnahmen widersprechen, denn auch dort ist das U87 in den Mitten deutlich betonter und wirkt nicht zuletzt dadurch auch lauter.

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      Armin Bauer  RED

      Habe eben anhand der Originalfiles nochmals kontrolliert, hat schon so seine Richtigkeit.
      Das U87 betont eben nicht einen größeren Mittenbereich, sondern nur ganz bestimmte Frequenzen, die wohl vorwiegend der Stimme zugute kommen.
      Das TLM193 versucht wohl diesen Effekt auch zu nutzen, geht hier aber breitbandiger vor. Wenn du hier zwischen 200-800 Hz etwas absenkst, sind auch die Höhen schön präsent da.
      Deshalb klingt auch die Ukulele am U87 besser. Bei der Gitarre ist es halt Geschmackssache, was man erreichen möchte.
      Nicht auszuschließen ist natürlich, dass wir nicht ganz genau denselben Aufnahmepunkt getroffen haben.

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    abbuda  

    Über 17% Aufpreis für die Spinne bei einem eh schon überteuerten Mikro ist ja wohl ein Witz? Klingen tut es gut, ohne Zweifel. Gibt aber auch andere Töchter für wesentlich günstiger und keinen Deut schlechter… inklusive Spinne! Steht dann allerdings eben nicht Neumann drauf, das ist vielen Benutzern aber wichtig und den Mehrpreis wert.

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      AMAZONA Archiv

      Beim TLM 107-Test vor acht Monaten hast du dich noch nicht über überteuerte Markenmikors von Neumann und extra zu erwerbende (zugegebenermaßen in der Tat sehr teuren) Mikrospinnen aufgeregt.
      Was ist in der Zwischenzeit passiert, dass dir 1000 EUR für ein Markenmikro der gehobenen Klasse zu einem solchen Zorn verhelfen?

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      Joghurt  AHU

      Nun, der Preis spiegelt hier auch wieder, dass regional Produziert wird, zu fairen Bedingungen. Ich persönlich möchte so etwas unterstützen und bin bereit, etwas mehr zu zahlen. Andere Firmen lassen zu erbärmlichen Bedingungen bei Foxconn produzieren und streichen einen unverschämten Gewinn ein. Ich leiste es mir, auch an solche Dinge zu denken und finde dann den Preis des Mikrofons gar nicht mehr so hoch. Ebenso geht es mir darum, dass die Billigartikel nicht alles verdrängen und nachher das grosse Jammern anfängt, dass Qualitätsfirmen eingegangen sind.

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        Armin Bauer  RED

        Hinzu kommt, dass man sich bei solchen Traditionsfirmen relativ sicher sein kann bei Bedarf in ein paar Jahren ein nahezu identisches Exemplar erstehen zu können.
        Und falls es nach Jahrzehnten mal nötig sein sollte, das Ding zu servicen, dann ist das auch kein Problem.

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    Markus Galla  RED

    Das ist einer der wesentlichen Vorteile. Doch auch bei N. kommen die Bauteile aus Asien. Bezahlt wird hier eher die Leistung von Ingenieuren und Designern, was aber auch legitim ist.

    Ich denke mal, dass bei Firmen wie Neumann oder Schoeps nicht die Produktionskosten den Preis ausmachen, sondern vielmehr der Ruf und die Tatsache, dass man den Homerecordler gar nicht auf der Kundenliste möchte, zumindest nicht bei diesen Mikrofonenserien. Ein U87 wäre schnell entzaubert. Noch extremer ist das bei alten Röhrenklassikern. Eigentlich sind das alles sehr eingeschränkte Mikrofone, stark färbend und alles andere als neutral. Sie wurden in ihrer Blütezeit nicht so sehr geschätzt wie heute und sind erst durch die Stars, vor denen sie hingen, legendär geworden. Diese „Magie“ wäre dahin, würde man ein U87 für < 1000€ abgeben und es der "Masse" zugänglich machen. Außerdem ist die Konkurrenz in diesem Marktsegment erheblich höher und wer weiß, ob das Mikrofon dann noch so geschätzt würde, wenn man unter zig Alternativen auswählen kann. Man wahrt mit dem Preis also auch die Distanz und verschafft sich einen Hauch von Exklusivität. Apple macht das nicht anders. Man spricht gezielt durch Preis und Design die Käuferschicht an, die man haben möchte. Man will sich gar nicht mit Billigrechnern messen, sondern mit Herstellern wie Dell & Co. Das gelingt Apple ja bestens.

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