Test: Neumann TLM103

6. März 2007

Neumann TLM-103

Die Firma Neumann stellt seit Jahrzehnten erstklassige Mikrofone für den professionellen Studiobereich her. Die wohl bekanntesten Neumann-Klassiker sind wohl das U47, das U87 und das moderne TLM103. Die beeindruckende Firmengeschichte können sie auf der deutschen Webseite von Neumann einsehen:

http://www.neumann.com/?lang=de&id=about_us_overview

Auch heute noch werden sämtliche Neumann Mikrofone in Wedemark bei Hannover unter besten Bedingungen in besonders sauberen Räumen (Reinstraum) gefertigt. Doch auch Neumann hat sich genauso wie Brauner, AKG und Sennheiser gegenüber der Schwemme an Fernost-Mikrofonen durchzusetzen. So wird stets kräftig weiterentwickelt um den technologischen Vorsprung beizugehalten. Ein Meisterwerk der Ingenieurkunst ist das 1997 erstmals vorgestellte TLM103, welches als das rauschärmste Mikrofen weltweit gilt.

Neumann TLM103

Neumann TLM103

Das TLM103 verfügt über ein kleines und robustes vernickeltes Metallgehäuse, in dem eine aufwendige und moderne Elektronik um eine K87 Kapselvariante, der K103, herumgebaut ist. Auf einen Übertrager wird dabei verzichtet, was das Mikrofon kleiner und günstiger macht, jedoch durch eine ausgeklügelte elektronische Symmetrierung keineswegs die technischen Werte verschlechtert, sondern sogar verbessert. Natürlich muss auch das TLM103 über eine 48V Phantomspeisung mit Strom versorgt werden.

Die Richtcharakteristik ist auf eine Niere beschränkt, was für die meisten Anwendungsbereiche ideal ist. Der Frequenzgang ist nicht linear sondern mit einer Anhebung ab 5 kHz mit ca. 4 dB etwas höhenbetont, was bei den meisten Aufnahmen der Präsenzbetonung zu gute kommt. Der Ersatzgeräuschpegel ist nach CCIR mit 17,5 dB und 7 dB(A) angegeben. Etwas aussagekräfitger ist der Signal/Rausch-Wert von 87 dB(A) relativ zu 94 dB SPL. Das TLM103 kann Pegel bis 138 dB unverzerrt übertragen und besitzt einen Dynamikumfang von 131 db(A).

Das TLM103 bietet keinerlei Schalter zur Veränderung der Charakteristik an. Interessant ist jedoch, dass die neueren Modelle des TLM103 intern überarbeitet wurden. Zum einen wird ein neues Keramik-Platinenmaterial eingesetzt, das einen Keramik-SMD-Hybrid Aufbau ermöglicht. Die Vorteile liegen hierbei laut den Neumann Technikern in der Möglichkeit die Keramikwiderstände mit einem Laser trimmen zu können, und so für eine hochgenaue Schaltung zu sorgen. Für die meisten Anweder dürfte aber noch viel interessanter sein, dass die neuen Modelle des TLM103 über eine versteckte Möglichkeit eines schaltbaren Low-Cut und -10 dB PAD verfügen. Die älteren Modelle haben dies nicht. Hierzu muss man die kleine Schraube an der Seite der XLR-Buchse lösen und diese vorsichtig herausziehen. An der Platine des XLR-Steckers befinden sich zwei DIP-Schalter mit denen der Low-Cut und das PAD aktivert werden können. Sicherlich ist dies nicht für den täglichen Gebrauch gedacht, aber es ist schön dass es dieses (wenn auch undokumentierte) Feature gibt.

Innenansicht

Innenansicht

Markenfetischist
Die deutsche Fertigung von Neumann steht zum einen für sehr geringe Toleranzen innerhalb der Serie, aber auch für eine Kostspielige, die sich auf den Endpreis niederschlägt. Salopp gesagt, kann dies den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten insofern egal sein, wenn die GEZ-Gebühren stetig erhöht werden. Neumann kann das nur recht sein … Der durchschnittliche Studiobesiter wird seinen Euro aber zweimal umdrehen und so stellt sich die Frage, ob man nicht auch zu einem anderen Hersteller greifen kann. Wie so oft muss man diese Frage mit einem 'Jain' beantworten. Zum einen gibt es selbstverständlich auch von anderen Herstellern hervorragende Mikrofone. Doch je nach Gusto des Studio-Kunden muss auf den Mikros zum Teil einfach Neumann draufstehen, damit es gut klingt. Omne initium difficile est. [1] Ähnlich verhält es sich übrigens mit Lexicon. Diese Aussage schmälert natürlich nicht die Tatsache, dass die Neumann Mikrofone zum Besten gehören, was der Weltmikrofonmarkt anzubieten hat. Zudem ist gerade das TLM103 wirklich extrem rauscharm und klingt einfach erstklassig.

Platine

Platine

Rauschen
Bei hochsensiblen Aufnahmen, beispielsweise beim Sampling eines Flügels oder anderen sehr leise gespielten Instrumenten ist es unabdingbar so wenig Rauschen wie möglich aufzuzeichnen, damit auch bei der späteren Nachbearbeitung genügend Dynamik zur Verfügung steht. Somit wird man hier also zu einem sehr rauscharmen Mikrofon, PreAmp und Wandler greifen wollen. Ein stark vereinfachtes Beispiel: Der Dynamikumfang eines Orchesters ist mit ca. 70 dB angegeben. Dies ist aber nicht die Dynamik, die für eine gute Rauscharme Aufnahme benötigt wird. Gehen wir davon aus dass ein einzelnes Soloinstrument eines Orchesters die untere Marke der 70 dB ist, so brauchen wir zusätzlich ca. 40-60 db Dynamik um auch dieses Instrument tontechnisch ordentlich abbilden zu können. Addieren wir diese beiden Dynamikbereiche kommen wir auf 130 dB, was dem Dynamikumfang des durchschnittlichen menschlichen Ohres entspricht. Und da dies das Maß aller Dinge ist sehen wir, wie wichtig ein möglichst großer Dynamikumfang bei gleichzeitig gerigem Eigenrauschen ist, wenn man wirklich hochwertige Aufnahmen machen möchte. Bei der Aufnahme eines Soloinstruments kann oft auch mit geringerem Dynamikumfang gearbeitet werden, da man hier das Rauschen in den Pausen mit einem ordentlichen Noisegate manchmal klanglich unauffällig entfernen kann. Während das Instrument spielt wird das Rauschen durch den Maskierungseffekt (Psychoakustik) jedoch nicht hörbar sein.

In unserem Aufnahmeraum erreichten wir mit 30 dB Gain stolze -86 dBFS(rms). Zum Vergleich haben wir ein AKG C3000b mit ganzen 8 dB höherem Rauschen (also -78 dBFS(rms)) gemessen, wobei auch das AKG für seine Rauscharmut bekannt ist. Als Vorverstärker diente ein RME Fireface 400, das die gleichen PreAmps besitzt wie der große RME Micstacy. Ob man diese Rauschwerte auch im eigenen Studio erreicht hängt dabei auch von der Schallisolation des Aufnahmeraumes ab. Liegt das Studio beispielsweise an einer Stark befahrenen Straße, so muss schon eine Raum-In-Raum Konstruktion her, um solch niedrige Pegel über den gesamten Frequenzbereich zu ermöglichen.
Denn bei hochsensiblen Aufnahmen sind sonst die Straßengeräusche auf der Aufnahme deutlich hörbar, diese muss man als Rauschen hinzurechnen. Auch normale Wände oder Schallisolationsfenster lassen immer noch genug Schall passieren, der bei solchen Aufnahmen störend wirken kann.

Mitbewerber
Als echte Alternative hat sich während unserer Tests das Audio Technica AT4040 herausgestellt. Aber auch das NT2000 von Rode kann hier gut mithalten. Die AKG 414 Modelle sind konzeptionell etwas anders Aufgebaut, liegen aber preislich im gleichen Bereich wie das TLM. Grundsätzlich klingen alle diese Mikrofone relativ unterschiedlich, was den Frequenzgang und die Richtcharakteristik angeht. Empfehlenswert sind sie allesamt.

Fazit
Als überaus rauscharmes Mikrofon empfiehlt sich das TLM 103 für einen breit gefächerten Anwendungsbereich in Studios mit ausreichend Budget und ambitionierter Klangästhetik. Wer sich für ein neues TLM 103 entscheidet, sollte vorher beim Händler anfragen ob es sich um ein Modell der neueren Baureihe handelt, da man so in den Genuß der PAD und LowCut Features kommt. Auch wenn das Neumann am oberen Ende der Preisskala für ein reines Nierenmikrofon angesiedelt ist, bekommt es von uns dank der hohen gleichbleibenden Qualität und des Klanges eine klare Kaufempfehlung.

PLUS
+++++ Klang
+++++ Verarbeitung
+++ neue Modelle mit LowCut und PAD

MINUS
— Elastische Aufhängung sehr teuer

Preis
TLM 103
UVP: 1130 Euro
Straßenpreis: 980 Euro

EA-1 Spinne
UVP: 260 Euro
Straßenpreis: 250 Euro

HERSTELLER
www.neumann.com

[1] Aller Anfang ist schwer.

Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    habe mir selbst vor 1 jahr ein tlm103 gekauft und finde es fantastisch in jeder lebenslage sicherlich für sehr helle stimmen sind mikrofone anderer hersteller besser geeignet aber die auflösung und der detailreichtum einer neumann aufnahme sind einfach unübertroffen. gruß andreas

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Kleiner Tipp am Rande.
    Man sollte sich die Samson SP01 Spinne zulegen. Die passt für das Mikro und kostet nur 40 €.

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    AMAZONA Archiv

    Ich muß das korrigieren.
    Die Samson SP 01 Spinne passt definitiv NICHT. Ich hab sie nämlich bestellt und dann dumm geschaut, da die Gewinde nicht zueinander passen.

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    AMAZONA Archiv

    Hi Gottfried,

    du musst nur die lockeren Teile (Gewinde / Gummi) aus der Stativhalterung des TLM103 nehmen und in Kombination mit der SP01 nutzen – dann funktioniert das einwandfrei.

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      AMAZONA Archiv

      Wie genau soll das gehen? kann man das Geweinde aus der Samson herausnehmen?

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