Tube-Mic ohne Röhre
Das Nordic Audio Labs NU-24K ist ein Großmembran-Kondensatormikrofon von einem kleinen Boutique-Hersteller aus Finnland. Martin Kantola, Gründer und Mastermind von Nordic Audio Labs, baut seit über 30 Jahren Mikrofone und ist Experte für alte, deutsche Röhrenmikrofone. Inspiriert von deren Klang, entwickelte er eigene Schaltungen, Bauteile und Kapseln, die sich technisch aber deutlich von den Vorbildern unterscheiden. Seit 2019 hat er auf Basis dieser Entwicklungen verschiedene unkonventionelle Mikrofone auf den Markt gebracht, wie zum Beispiel einen röhrenlosen U47-Nachbau oder das 3-kanalige NU-880K. Als günstigstes Modell im Sortiment soll das neue NU-24K trotz reduzierter Ausstattungsmerkmale einen professionellen Aufnahmeklang im Stil teurerer Mikrofone bieten.
Was ist es? Das Nordic Audio Labs NU-24K ist ein professionelles Großmembran-Kondensatormikrofon mit FloFET-Schaltung, das den Klangcharakter klassischer Röhrenmikrofone nachbildet.
- Klangcharakter: Warmer, farbiger Sound mit authentischem Röhrenmikrofon-Charakter und harmonischer Sättigung.
- Aufnahmen: Entspanntes Ansprechverhalten sowie dezente Wiedergabe von Zisch- und Plosivlauten für sofort gut nutzbare Ergebnisse.
- Einsatzbereich: Kein Allrounder, dafür ideal für Stimmen und Instrumente, die von seinem charaktervollen Frequenzgang profitieren.
- Verarbeitung: Hochwertige Verarbeitung, robuster Koffer und effektive Rycote-Spinne mit leicht umständlicher Bedienung.
- Preis-Leistung: Wartungsarme Alternative zum Röhrenmikrofon im mittleren Preissegment mit zehn Jahren Garantie.
Inhaltsverzeichnis
Nordic Audio Labs NU-24K auf den ersten Blick
Allein das eigenständige Design des NU-24K setzt sich schon deutlich von den klassischen Vorbildern aus den 50er-Jahren ab: Der schwarze, massive Metallkorpus in Zylinderform hat eine Länge von 19,2 cm, einen Durchmesser von 3,8 cm und bringt 380 g auf die Waage. Ebenfalls zum Korpus gehört der äußere Teil des Mikrofonkorbs, der aus einem großen, rautenförmigen Metallgitter besteht und durch ein innenliegendes, feinmaschiges Kunststoffgitter ergänzt wird.
Unter dem Korb lässt sich die 30 mm große, hauseigene D100K Kapsel erkennen, deren 24-karätige Goldbeschichtung je nach Lichteinfall stark aufleuchtet. Da das NU-24K in erster Linie für Gesangsaufnahmen konzipiert wurde, verfügt es nur über eine Nieren-Richtcharakteristik, die je nach Frequenzbereich auch eine Hypernierenform annimmt.
Während bei den meisten Mikrofonen unterhalb des Korbs die Richtcharakteristik angezeigt wird, hat Nordic Audio Labs das NU-24K an dieser Stelle mit einem kleinen, gravierten Herz versehen.
Auf eine Pad-Schaltung oder ein Trittschallfilter wird bei dem Nordic Audio Labs NU-24K verzichtet, am unteren Korpusende befindet sich dann nur noch eine XLR-Buchse von Neutrik. Der Ausgang ist nicht an einen Übertrager gekoppelt und soll laut Hersteller einen sehr hohen Output haben, der auch gut mit günstigen Vorverstärkern harmoniert.
Im Inneren kommt die ebenfalls selbstentwickelte und patentierte FloFET-Technologie zum Einsatz, die den harmonischen Klang und das Sättigungsverhalten einer Röhre nachbilden soll. Genau wie die D100K Kapsel nutzte Nordic Audio Labs diese Schaltung schon für viele seiner Mikrofone, unter anderem auch für das NU-100K oder den U47 Nachbau NU-47VS3.
Die Idee, eine FET-Schaltung als Ersatz für eine Röhre in ein Mikrofon einzubauen, ist tatsächlich nicht neu. Neumann selbst verwendete in den 50er-Jahren in der U47-Produktion eine solche Schaltung für Test- und Reparaturzwecke, Jahrzehnte später entwickelte der renommierte Mikrofonexperte Andreas Grosser auf dieser Grundlage eine Alternative für die seltene VF14 Röhre des U47.
Zubehör des Nordic Audio Labs NU-24K
Das übersichtliche Zubehör des Nordic Audio Labs NU-24K setzt sich aus einem Case und einer Spinne zusammen.
Wohl behütet und in Schaumstoff gebettet lagert das Mikrofon in dem handlichen Hardschalenkoffer (28 x 24 x 11 cm), der aus Kunststoff besteht, solide Verschlüsse hat und insgesamt einen langlebigen Eindruck macht.
Als Spinne legt Nordic Audio Labs das Modell InVision USM-VB des britischen Herstellers Rycote bei. Sie ist hauptsächlich aus Kunststoff gefertigt, ebenso wie die Federungen, die fest mit der Halterung verbunden und Teil der Spinne sind. Gegenüber herkömmlichen Aufhängungen sollen diese bis zu 12 dB weniger Trittschall übertragen und wartungsärmer sein, da es keine Gummibänder gibt, die ausgetauscht werden müssen. Der Vorteil ist natürlich eine Frage des Betrachtungswinkels: Bricht eine der Kunststofffederungen, kann die Spinne nicht mehr repariert werden.
Mal abgesehen von der Frage nach der Langlebigkeit, gestaltet sich ihre Bedienung im Vergleich zu gängigen Spinnen leider sehr umständlich, da eine Hand das Mikrofon halten muss, während mit der anderen die vier Schrauben nach und nach festgezogen werden.
Technische Details des Nordic Audio Labs NU-24K
Das NU-24K wird in Finnland von Nordic Audio Labs in Handarbeit gefertigt. Neben den bereits erwähnten Bauteilen, wie der D100K Kapsel, die übrigens im Gegensatz zu herkömmlichen Großmembrankapseln weniger anfällig für Feuchtigkeitsprobleme sein soll, und der FloFET-Technologie, gibt der Hersteller noch folgende technische Details preis:
Der Rauschabstand liegt bei durchschnittlichen 17,6 dB(A), während die maximale Belastbarkeit 136 dB(A) beträgt, sodass sich mit dem NU-24K auch sehr laute Schallquellen aufnehmen lassen. Je nach Abstand zum Mikrofon kann aber auch wesentlich früher ein Sättigungseffekt einsetzen, was später auch in den Klangbeispielen zu hören ist. Die Ausgangsimpedanz liegt bei 200 Ohm.
Auf dem Koffer hat Nordic Audio Labs einen Ausdruck des Frequenzgangs aufgeklebt, der direkt zeigt, dass es sich hierbei um ein spezielles Mikrofon handelt:
Die Anhebung von knapp 5 dB bei 20 kHz ist nicht gering, entspricht aber durchaus dem Klangverhalten der Vorbilder aus den 50er-Jahren. Wesentlich ungewöhnlicher und etwas gewagter ist dagegen die Betonung von 3 dB bei 400 Hz.
Ganz wichtig: Der hier gezeigte Frequenzgang unterscheidet sich deutlich von dem, der aktuell auf der Produktseite angegeben wird. Auf Nachfrage erklärt der Hersteller, dass es sich bei der Online-Version offenbar um ein Messergebnis aus der Entwicklungsphase handelt.
Nordic Audio Labs NU-24K in der Praxis
Der Aufbau des Nordic Audio Labs NU-24K gestaltet sich sehr einfach, losgelöst von der etwas umständlichen Arretierung des Mikrofons, erfüllt die InVision USM-VB Spinne sehr gut ihren Zweck und bietet vor allem einen sicheren Halt. Nach dem Aktivieren der Phantomspeisung benötigt der Schaltkreis laut Hersteller gerade mal 30 Sekunden, um sein volles Klangpotenzial zu entwickeln.
Schon beim ersten Ausprobieren besticht das Nordic Audio Labs NU-24K mit einem sehr charaktervollen und farbenfrohen Klang, was angesichts des Verzichts auf eine Röhre und einen Ausgangsübertrager erstaunlich ist. Auch das äußerst entspannte Ansprechverhalten erinnert an alte Kapseln, die Transienten auf eine schöne Art abrunden und für weiche Ergebnisse sorgen.
Bedingt durch den speziellen Frequenzgang eignet sich das NU-24K nicht gerade als Allrounder.
Die deutliche Anhebung in den unteren Mitten kann einer Aufnahme viel Wärme und Substanz verleihen oder sie dumpf und topfig erklingen lassen. Ebenso können die ausgeprägten Höhen eine edle, luftige Offenheit erzeugen oder helle Signale zu spitz überbetonen. Daher hängt es immer von der Signalquelle ab, ob das Ergebnis die Bezeichnung „mix-ready“ verdient oder erst einmal mit einem Equalizer bearbeitet werden muss.
Im Bassbereich ist der Klang wiederum etwas schlanker, dafür besitzt er aber eine straffe Kontur.
Grundsätzlich verhält sich das Nordic Audio Labs NU-24K gerade in den sensiblen oberen Mitten überaus behutsam und umgänglich, wodurch dieser Bereich eigentlich immer sehr entspannt in Erscheinung tritt. Vor allem bettet es bei Gesangsaufnahmen Zisch- und Plosivlaute gelungen ein und reduziert so deutlich den Bedarf an Nachbearbeitung.
Das harmonische Sättigungsverhalten eines Röhrenmikrofons zeichnet zahllose Aufnahmen der 50er- und 60er-Jahre aus und wird von vielen Menschen als warm und schön empfunden. Bis heute ist der leichte „Knarz“ in den Spitzen ein beliebtes Stilmittel, das die FloFET-Schaltung auf beeindruckende Weise nachbildet.
Gerade bei einer Nahbesprechung des NU-24K setzt dieser Effekt schnell ein und hat einen schönen Röhrenklang mit viel Authentizität, der abermals an die Vorbilder aus den 50er-Jahren erinnert. Auch an dieser Stelle präsentiert sich das NU-24K einmal mehr als charakterstarkes Mikrofon und nicht als braver Allrounder.
Klangbeispiele mit dem Nordic Audio Labs NU-24K
Für diesen Test kam das Nordic Audio Labs NU-24K in verschiedenen Positionen bei einer Gesangs- und Schlagzeugaufnahme zum Einsatz. Die Signale wurden mit einem RME Fireface 800 in Logic aufgezeichnet und bis auf einen Lautstärkeabgleich nicht weiter bearbeitet.
Alle Aufnahmen sind wahlweise im WAVE-Format (44,1 kHz, 24 Bit) oder als MP3 (320 kBit/s) aufrufbar.
Gesang
Los geht es mit einer Gesangsaufnahme von Mani Mathia, die mit einem Standard-Pop-Schutz von König & Meyer und einem Neve 1073DPX ohne aktivierten Equalizer aufgezeichnet wurde.
Bei dem ersten Beispiel hat Mani einen Abstand von ca. 13 cm zum Mikrofon, wobei sofort in den Pegelspitzen der bereits beschriebene Sättigungseffekt einsetzt. Nach mehreren Überprüfungen der Aussteuerungsanzeige des 1073DPX konnte der Vorverstärker als Ursache ausgeschlossen werden. Somit erzeugt das NU-24K bei einer Nahbesprechung sehr schnell einen Sättigungseffekt, der tatsächlich dem Klang eines Röhrenmikrofons sehr ähnelt und auch dem Ansprechverhalten der Vorbilder aus den 50er-Jahren entspricht.
Für die zweite Aufnahme vergrößert Mani den Abstand zum Mikrofon auf ungefähr 30 cm, wodurch der Sättigungseffekt deutlich geringer ausfällt, aber trotzdem noch leicht in den Spitzen wahrnehmbar ist. Wie zu erwarten, klingt die Aufnahme etwas luftiger, hat mehr Höhen und weniger Bass.
Bei dem dritten Beispiel beträgt der Abstand zum Nordic Audio Labs NU-24K in etwa 45 cm. Das Ergebnis ist nochmals etwas schlanker und offener, ein Sättigungseffekt ist bei dieser Entfernung nicht mehr wahrnehmbar.
Drums
Die Schlagzeugbeispiele für diesen Test hat Andy Hafner mit einem alten Sonor Teardrop „Chicago Star“ Jazz Kit mit einer Paiste Stambul 15 Zoll Hi-Hat und einem Zildjian Avedis 24 Zoll Ride aus den 60er-Jahren eingespielt. Als Vorverstärker kam ein TAB V376a zum Einsatz.
Das erste Beispiel zeigt das NU-24K in einem Close-Ambient-Setting, das Mikrofon stand mit einem Abstand von ca. 1,2 m, auf Höhe der Snare vor dem Schlagzeug. Die untere Mittenbetonung verleiht der Aufnahme viel Substanz, die Höhen sind weitestgehend wohl dosiert, könnten aber bei den lauten Schlägen auf das Ride-Becken etwas schwächer ausgeprägt sein.
Bei dem zweiten Beispiel übernimmt das NU-24K die Rolle des Raummikrofons, es hat einen Abstand von ca. 3,2 m zum Schlagzeug und eine Höhe von ungefähr 1 m. Auch in dieser Position besitzt die Aufnahme einen kräftigen, muskulösen Charakter und der Raumanteil wird sehr schön eingefangen. Allerdings ist auch hier wieder die Grenze zwischen einem schön ausgeprägten und überbetonten Topend in Abhängigkeit zu der Lautstärke des Rides erreicht.
Für das letzte Bespiel wird das Nordic Audio Labs NU-24K als Overhead-Mic in einer Höhe von etwa 1,2 m über der Snare positioniert. Andy hat bei diesem Beispiel das Ride-Becken etwas leiser gespielt als bei den vorherigen Aufnahmen, dennoch sind die oberen Frequenzen wieder sehr dominant, insbesondere die kurzen Anschlagphasen auf dem Ride klingen etwas spitz. Grundsätzlich stellt diese Aufnahme aber das Schlagzeug sehr plastisch dar.
Alternativen zu dem Nordic NU-24K
Interessant für einen Vergleich mit dem NU-24K wäre sicherlich das Neumann TLM49. Sein Kapseldesign beruft auf dem legendären M49 aus den 50er-Jahren, allerdings ist es ebenfalls mit einer Transistorschaltung mit Röhrenklang-Charakter ausgestattet. Sein Preis liegt bei 1.549,- Euro.
Auch wenn das NU-24K klanglich in einer anderen Liga spielt, gibt es eine Low-Budget-Alternative von Warm Audio, das WA-47jr. Es hat eine Kapsel im Stil des U47, verwendet aber ebenfalls eine Transistorschaltung und kostet gerade mal 290,- Euro.








































dankeschön!🙂