Test: Novation Launchpad X, Mini Mk3, USB-MIDI-Pad-Controller

6. Dezember 2019

Erweiterte Pad-Controller - nicht nur für Ableton

novation launchpad x mini mk3

Novation Launchpad X, Mini Mk3, USB-MIDI-Pad-Controller

Novation Launchpad X und Novation Launchpad Mini Mk3 hießen die beiden neuen Clip-Starter, die zwar nach wie vor eng auf Ableton Live abgestimmt sind, einige Neuerungen machen die Geräte jedoch auch für andere Anwendungsbereiche mehr als interessant.

Zunächst einmal peilen die beiden Geräte verschiedene Zielgruppen an. Das Novation Launchpad X ist eindeutig der Nachfolger des aktuellen Launchpads, die Maße und die Bestückung sind identisch, einziger augenfälliger Unterschied: Die runden Taster am oberen und am rechten Rand sind nun auch quadratisch wie die eigentlichen Launchpads selber. Das Novation Launchpad Mini Mk3 ist dagegen ein echter Winzling, der in die Jackentasche passt. Im Gegensatz zum Novation Launchpad X sind hier aber weder anschlagsdynamische noch drucksensitive Pads verbaut. Hier handelt es sich um einfache Schalter mit einem klar spürbaren Druckpunkt. Gemeinsam ist aber beiden die RGB-Beleuchtung der Pads und die Konfigurierung verschiedener Custom-Modes.

Aus diesen beiden Unterschieden wird gleich klar, das Novation Launchpad X ist eher für Anwender, die auch dynamisches Spiel einsetzen wollen, das Novation Launchpad Mini Mk3 ist eher als reiner Clip-Starter konzipiert – dafür kostet es auch nur knapp die Hälfte. Jedoch können in den Custom-Modes durchaus ähnliche Ergebnisse erzielt werden, solange es nicht um dynamische Spielweisen geht. Diese Custom-Modes sind auch für Anwender gedacht, die kein Ableton Live nutzen. Und wie bei der vorigen Generation auch, gibt es kein DIN-MIDI am Gerät mehr.

Installation der Launchpad Controller

Im Auslieferungszustand befinden sich Novation Launchpad X und Novation Launchpad Mini Mk3 im Mass Storage Mode (MSD). Nach dem Anschluss erscheint eine kleine Partition, die Web-Links enthält, die auf die Einrichtungs-Website von Novation führen. Da die Partition wirklich winzig ist (143 kB) kann man hier sonst nicht viel Sinnvolles unterbringen. Nach der Installation schaltet man den MSD-Mode deswegen auch ab. In dieses Boot-Menü gelangt man, indem man das Capture-MIDI-Pad gedrückt hält, während man das Launchpad anschließt. Hier kann auch die ID des Launchpads festgelegt werden, insgesamt 16 Launchpads kann man an einem Rechner betreiben.

Nach der Registrierung auf der Novation-Website kann man sich neben Components, der Verwaltungssoftware, auch die anderen Softwarepakte herunterladen. Dazu gehören z. Zt. des Erscheinens:

  • Ableton Live Lite 10

  • AAS-Sessions Bundles,

  • Klevgr R0verb,

  • eine zweimonatige Splice-Mitgliedschaft,

  • Melodics Free Content,

  • Loopmasters Samples,

  • Sound Collective KV331 Audio Synthmaster Player,

  • Sound Collective Biotek Organic Synthesizer,

  • Sound Collective d16 Nithonat Drum Machine,

  • Izotope Thrash 2,

  • Puremagentic lo-fi Tools Samples,

  • XLN Audio: ein beliebiges Addictive Keys Instrument.

  • Softube Time and Tone Bundle

Das ist eine ganze Menge Software und genug, um sofort mit dem Musikmachen anfangen zu können. Und vor allem ist das keine „mal eben mit dabei gepackte“ Software, sondern es sind teilweise hochqualitative Produkte.

Novation Hardware und eine hinderliche Port-Wahl

Hardware-technisch gibt es nichts zu meckern, die Verarbeitung ist solide, die einzige Schnittstelle ist ein USB-C-Port. Ableton-Steuerung, MIDI und Stromversorgung – alles läuft hier zusammen. Was mich gleich zum ersten und gewichtigsten Kritikpunkt bringt: Die internen MIDI-Ports sind so angeordnet, dass der erste die Verbindung zu Ableton als DAW-Controller herstellt, der zweite Port die eigentlichen MIDI-Daten bereitstellt. Warum ist das so ein Problem? Nun alle Geräte, die einen MIDI-Device-Eingang zum direkten Verbinden eines Keyboards/Controllers haben, schnappen sich meistens den ersten MIDI-Port, den sie finden können.

Das betrifft alle Geräte mit dieser Funktionalität, so z. B. MIDI-2-CV-Converter fürs Eurorack. Damit wird die Einsetzbarkeit unnötig erheblich eingeschränkt. Nun weiß ich nicht genau, ob die Integration mit Ableton diese Reihenfolge erfordert, deswegen möchte ich auch an dieser Stelle nicht gleich einen Punkt abziehen. Hier wäre eine Nachbesserung aber dringend wünschenswert.

Custom-Modes und Software-Bundles

Dieser Modus ist das eigentlich Neue an beiden Controllern und bietet auch für Anwender anderer Software eine reichhaltige Spielwiese, um seine Synths über MIDI zu kontrollieren. Das Novation Launchpad Mini Mk3 besitzt neben dem eigentlichen Session-Mode für Ableton Live drei verschiedene Custom-Modes, die direkt über die letzten drei Pads der oberen Reihe aufgerufen werden können. Das Novation Launchpad X hingegen besitzt neben dem Session-Mode vier Custom-Modes und vor allem den Note-Mode, auf den ich später noch zu sprechen komme.

Herzstück der Custom-Modes ist die Software Components, die eine Programmierumgebung und Verwaltung der Custom-Modes darstellt. Auch die Firmware-Updates laufen über Components. Erstellte Setups können als Sysex-Dateien gespeichert oder in die Cloud gebeamt werden (Cloud … warum musste es ausgerechnet eine Cloud sein?). Die Components-Software stellt verschiedene Widgets zur Auswahl, die man auf das Grid platzieren und danach konfigurieren kann. Dazu gehören vertikale und horizontale Slider in uni- oder bipolarer Ausführung (für MIDI-CC). Chromatische- oder Tonarten-Notenreihen. Einzelne Noten, Noten-Grids (für Drum-Grids) und MIDI-CC-Schalter sowie MIDI-PRG. Diese kann man beliebig auf dem 8×8-Grid anordnen, sofern sie sich nicht in die Quere kommen. Zwei bipolare Fader über Kreuz als X/Y-Pad ist also nicht möglich – schade. Das Einzelnoten-Widget versteht zwar Velocity und Aftertouch, das MIDI-CC-Widget kann aber nur als Schalter genutzt werden – hier wäre eine Option, CC-Werte in Abhängigkeit des Drucks auszugeben, sehr schön.

Eine weitere Einschränkung betrifft das Einzelnoten-Widget: Wenn der Custom-Mode aktiviert ist, kann keine Transponierung über die entsprechenden Pads vorgenommen werden, wie das im Note-Mode der Fall ist. In Note-Mode kann man die Root-Note mit den Pfeil-Pads um Halbtöne oder ganze Oktaven nach oben oder unten transponieren. Warum sollte einen das kümmern, man kann ja gleich den Note-Mode nehmen, oder? Schon, aber wenn ich das über den Custom-Mode realisiere, kann ich die obere Reihe eben noch für CC- bzw. PRG-Switches oder einen Slider nutzen. Dann muss ich während der Performance nicht zwischen Note- und Custom-Mode hin- und herschalten.

Und zuletzt muss ich noch erwähnen, dass die Components-Software sich ohne aktive Internetverbindung nicht starten lässt – dazu habe ich bekanntlich nur eine Meinung: Das geht gar nicht!

Note-Mode der Launchpads

Der Note-Mode entspricht denen der Vorgänger und kann die Noten in Quarten übereinander anordnen (wie bei einem Bass). Aber auch die Schichtung in großen und kleinen Terzen und Sekunden ist möglich. Zusätzlich kann man sich auch noch die Tasten anzeigen lassen, die einer von 16 wählbaren Tonleitern angehören. Dabei bleiben die nicht erleuchteten Pads stets aktiv, es dient also wirklich nur der Orientierung. Leider schweigt sich die PDF-Anleitung über die genaue Bezeichnung der Tonleitern aus; erst in der Components-Software kann man das herausfinden:

Nutzt man dazu den polyphonen Aftertouch, kann man schon ganz schön expressiv spielen, etwas Übung vorausgesetzt. Das Gute dabei: Die Pads haben so ziemlich genau den Abstand voneinander, den Keyboard-Tasten auch haben. Das heißt, die Finger müssen sich nicht so sehr umgewöhnen. Die Pads fühlen sich gut unter den Fingern an und haben genug Haftung, um nicht abzurutschen, bieten aber auch ein flüssiges Sliden über mehrere Pads, ohne gleich die Fingerkuppen aufzureißen. Anschlag und Nachdruck sind sehr feinfühlig einsetzbar und auch noch in je drei Stufen am Gerät skalierbar. Mit anderen Worten: Die Pads sind richtig, richtig gut.

Novations Capture MIDI

Dieses Feature funktioniert nur in Ableton Live, wenn das Launchpad auch als DAW-Controller angemeldet ist. Die neue Capture-Funktion in Ableton Live 10 ermöglicht es, gerade gespielte MIDI-Noten in einen Clip zu packen, obwohl man keine Aufnahme aktiviert hatte. Das Capture-Pad ist einfach die Fernsteuerung für diese Funktion und speichert nicht etwa MIDI-Noten im Launchpad selber. Genauso wenig gibt es einen Sequencer oder ähnliches; die Novation Launchpads sind eben kein Linnstrument oder Sequencer.

Programmers Mode

Wir alle lieben eine gute Show. Dafür, aber nicht ausschließlich dafür, ist der Programmers-Mode gedacht. Man erreicht ihn über Einstellungen für LED, Velocity und Aftertouch (langes Drücken des Session-Pads). In diesem Modus verliert das Novation Launchpad X und das Novation Launchpad Mini Mk3 jegliche beschriebene Funktionalität und geben nur noch verschiedene Notenwerte oder CC-Switches aus. Sendet man diese an die Launchpads, so leuchten die Pads entsprechend auf – so lässt sich z. B. ein Lauflicht oder eine Grafikanimation realisieren. Denn über die Velocity-Werte kann man die Farbe der RGB-LED bestimmen. Das geht sogar sehr gut, da die Launchpads einen doppelten Buffer pro Pad-LED haben. Man kann also den Buffer updaten, während der andere angezeigt wird. Es sieht aber schon lustig aus, wenn man einfach eine MIDI-Sequenz darauf loslässt. Extreme Gedanken führen zu einer Vorstellung, ein paar Launchpads zusammenzuhängen und eine LED-Leinwand … lassen wir das.

Fazit

Die Custom-Modes sind der Bringer und machen beide Launchpads sehr viel interessanter für diejenigen, die kein Ableton Live nutzen. Ich würde mir kleine Verbesserungen bei den Widgets wünschen, aber vor allem die Anordnung der internen MIDI-Ports würde ich gerne vertauscht sehen – denn so läuft sowohl das Novation Launchpad X als auch das Novation Launchpad Mini Mk3 nicht an allen Geräten, die MIDI-Devices akzeptieren. Aber da Novation bekannt für ihre regelmäßigen Updates (gerade auch älterer Produkte) ist, sehe ich da viel Potential für zukünftige Firmwares – und dann eine sehr gute Wertung.

Der Session-Mode gibt wie üblich eine gute Figur ab und man kann alle relevanten Parameter in Live steuern. Während der Testzeit habe ich ausgiebig Zeit gehabt, die Pads des Novation Launchpad X auf ihre Spielbarkeit zu überprüfen. Ergebnis: Passt man die Sensitivität an die eigene Spielweise an, hat man ein veritables Instrument unter den Fingern, das für weitaus mehr taugt, als nur Clips abzufeuern – dazu ist es sogar fast zu schade! Novation Launchpad X und Novation Launchpad Mini Mk3 – zwei gelungene Clip-Starter, die sich nun beliebigen Setups anpassen lassen.

Plus

  • Custom Modes erlauben universellen Einsatz
  • Pads des Launchpad X sind sehr gut bespielbar
  • attraktives Software-Bundle inklusive

Minus

  • erster MIDI-Port nur für die DAW-Steuerung
  • Components-Software startet nicht ohne Internetverbindung
  • manche Widgets können nicht kombiniert werden

Preis

  • Novation Launchpad Mini MK3: 109,- Euro
  • Novation Launchpad X: 199,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Traaf Vandyke  

    Nach all den YT Videos und werbewirksamen Berichten im Netz ist dies die erste wirklich sehr gute Betrachtung des neuen Launchpad.

    Präzise und sachlich mit gutem Sachverstand werden hier die wichtigsten Punkte zusammenhängend erklärt.

    Sehr guter Bericht. Danke.

  2. Profilbild
    t.goldschmitz  RED

    Bitte, und vielen Dank für die Blumen!
     
    Ich habe mir das LPX tatsächlich auch selbst gekauft, da ich absolut auf die Note-Funktion abgefahren bin. Live benutze ich (das LPX) auch also passt das. Und das Addictive Keys Piano ist wirklich sehr gut und praxistauglich. Ich hoffe wirklich, die vertauschen die MIDI-Ports…

  3. Profilbild
    Nauti

    Danke für die Vorstellung und den Testbericht!

    Was ich mich schon ne ganze Weile frage ist, wenn ich das Launchpad als reinen Clip Player nutzen möchte, ob eine optische Rückmeldung an das Launchpad, das ein Clip läuft oder nicht, nur bei Nutzung mit Ableton möglich ist oder funktioniert das auch in anderen Kombinationen (sowohl Hardware als auch Software)?

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Habe das gerade mal im MIDI-Monitor untersucht.
      Es scheint also ob über den DAW-Port (Port1) MIDI-Nachrichten von und an das LP gehen. So gesehen sollte es möglich sein.
       
      Das Problem ist: das Pad geht nicht in den Session Mode, wenn man eine andere DAW nutzt. Abhilfe gibt es wohl für Bitwig und Reaper:
       
      http://www.....eaper.html
       
      Habe es nicht getestet. Zumindest verspricht es eine bessere Integration in die DAWs.
      Wenn da was proprietäres (eigenbrötlerisches) vorgeht, bleibt der Session Mode wohl ALive vorbehalten…

      • Profilbild
        TobyB  RED

        Hallo Thilo,

        falls du Apple Logic/Mainstage hast, mit dem Scripter mal MIDI tracen was ein Knopfdruck sendet und empfängt. Danach sollte man den Controller mittels Script o.ä. beeinflussen können. Ich hab ein Vorgänger Launchpad so dazu gebracht MIDI/Audio Loop Clips mit dem dem Player zu spielen. GB für iOS hat ja auch einen Clips Modus habs aber noch nie getestet mit einem Launchpad.

        • Profilbild
          Nauti

          Danke für die Antworten.
          Und ja, das meinte ich mit anderer soft- oder Hardware, da es momentan ja viele Anwendungen gibt, die über einen Clip Modus verfügen.
          Aber anscheinend ist das dann nur möglich, wenn sich jemand die Mühe macht und eine zusätzliche Programmierung für die jeweilige Anwendung dann schreibt. Viele bieten ja ne Art interne Midi learn Funktion, so dass man von den Launchpad aus das entsprechende Clip in der Anwendung ansteuern kann, aber es braucht ja irgendwie die optische Rückmeldung bzw. Status Meldung von der Anwendung zurück.

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