Test: Numark DJ2GO2 Touch DJ-Controller

30. Januar 2020

Scratchen wie die Weltmeister mit dem kleinsten DJ-Controller?

Numark DJ2GO2 Touch

Numark DJ2GO2 Touch

Klein, kompakt, preiswert. Drei Aussagen, die auf den Numark DJ2G0 2 voll zutreffen. Das waren die ersten Worte im Testbericht des Numark DJ2G0 2 vor drei Jahren. Derweil gibt es einen Nachfolger, den Numark DJ2GO2 Touch. Dieser wurde gerade noch auf der NAMM Show 2020 vorgestellt, gleichzeitig haben wir ein Modell des kleinen Controllers zum Testen erhalten.

Was genau macht diesen DJ-Controller nun, der mit einer Größe von 31 x 8 x 4 cm perfekt vor einen Laptop passt, so besonders? So interessant, dass man derweil sogar in die Version 3 geht?

Generell eine gute Frage. Zum einen ist der kleine DJ-Controller aufgrund seines geringen Preises ein sehr erschwinglicher Einsteiger-Controller, der auch auf kleinstem Platz genutzt werden kann, zum anderen ist der kleine Controller ohne Frage auch ein passender Havarie-Controller. Dies allerdings wirklich nur für den wirklichen Notfall, aber halbe Notfälle gibt es im Bereich von Mobil-DJs meist seltener, dann kann man froh sein, wenn eine Alternative zur Hand ist.

Ausgelegt ist der Controller auf die Serato DJ Software, die tatsächlich auch als Lite-Version „im Lieferumfang enthalten ist“, korrekter ausgedrückt, die kostenlos von der Serato Homepage heruntergeladen werden kann und die auch eine zwei Wochen Probeversion von Serato DJ Pro beinhaltet.

Numark DJ2GO2 Touch

Numark DJ2GO2 Touch – ein erster Blick

Klein und kompakt, super leicht, dennoch ein vollwertiger DJ-Controller. Geht das? Nun der Numark DJ2GO2 Touch soll genau das sein und bietet tatsächlich einiges an Funktionen, die man bei der Größe nicht erwarten würde.

Der Controller ist gespiegelt aufgebaut, mittig befindet sich ein Push-Encoder und Load-Tasten, eine Taste für den Pad-Mode ein Crossfader.

Die Control-Decks bieten jeweils Sync-, Cue- und Play/Pause-Taste, Cue-Button und vier Performance-“Pads“. Alle Tasten, auch die „Pads“ sind aus Kunststoff, LED beleuchtet und schwarz bedruckt.

Numark DJ2GO2 Touch

Ein erster Blick auf den Numark DJ2GO2 Touch

Zudem verfügt jedes Deck über Pitch-Fader mit einer Range von 16 %, (+/- 8 %).
Line-Fader? Die gibt es nicht, die Lautstärke in jedem Deck wird mit zwei kleinen Potis geregelt, die sich oben neben dem Master-Level und dem Cue-Level befinden.

Ein- und Ausgänge? Audioeingänge ist einfach, die gibt es nicht. Ausgänge gibt es drei Stück. Jeweils per 3,5 mm Klinke kann man sowohl das Cue-Signal wie auch das Master-Signal aus dem Gerät heraus senden. Ein 3,5 mm Klinke-Cinch-Kabel liegt dem Lieferumfang bei.

Numark DJ2GO2 Touch

Raus geht es per 3,5 mm Klinke

Zudem gibt es natürlich noch ein USB-Kabel mit Mini-USB-Stecker zum Anschluss des Controllers an den Computer.

Numark DJ2GO2 Touch

Der Mini DJ-Controller in der Praxis

Zunächst einmal, ich bin ja ein riesiger Fan von Serato DJ Pro. Warum? Jedes Mal wenn ich einen Testbericht für ein Serato DJ Produkt schreibe, muss ich ein Update machen und gefühlt jedes Mal ein volles. Dann schiebt man 200 bis 300 MB durch die Gegend. Updates waren früher mal kleiner – und nicht so groß wie die ganze Software an sich. Nun denn, auch in diesem Fall tut ein Update Not, damit der kleine Controller genutzt werden kann.

Ich erinnere noch, früher, da musste man noch richtig Sachen installieren. Heute ist das, nach dem Update der Software, alles Plug ’n‘ play. So funktioniert es auch hier und direkt nach Update und Neustart der Software kann man mit dem Controller auch schon loslegen.
„Mitgeliefert“ wird ja eine Serato DJ Live Version, die auf der Homepage von Serato DJ heruntergeladen werden kann. Der Test hier findet mit der Vollversion statt, die Funktionen jedoch dürften sich bei dem Funktionsumfang des kleinen Controllers nicht unterscheiden.

Im Praxiseinsatz zeigt sich der Numark DJ2GO2 Touch von der besten Seite. Die Funktionen sind alle vorgemappt und es gibt keinerlei Probleme.

Man muss sich natürlich einmal kurz daran gewöhnen, dass es keinen Line-Fader gibt, sondern die Level-Potis. Diese funktionieren ähnlich einem Gain, nicht wie das Pendant eines Line-Faders.
Auswirken tut sich das an der Stelle des Vorhörens per Kopfhörer. Kein Level aufgedreht heißt auch, kein Signal auf dem Kopfhörer. Folglich muss Level immer aufgedreht sein, der Mix hinsichtlich Signalpegel der Kanäle muss dann über den Crossfader getätigt werden. Was beim Mix natürlich ebenso auffällt: Es gibt keinen EQ. Mixen ist nur über den Pegel möglich, beziehungsweise über den Crossfader. Hier zeigt sich, dass der kleine Controller nun einmal kein voller DJ-Controller ist.

Damit ist natürlich auch das Mixing eingeschränkt, es ist eher sehr puristisch (das würde man bei Rotary-Mixern sagen) oder aber auch schlich und einfach sehr eingeschränkt.

Geil wäre, wenn man die Pitch-Fader umfunktionieren könnte zu Line-Fader. Diese haben zwar einen Nullpunkt, aber darüber könnte man noch hinwegsehen. Der Pitch-Fader selbst ist theoretisch sehr freundlich gedacht, aber ehrlich, in der Regel drückt man doch eh den Sync-Button. Manuelles Beat-Matching und Anpassung via Jog-Wheels, das ist technisch zumindest möglich, aber auch das ist bei diesem Controller entsprechend der Größe etwas schwierig.

Für die Grundfunktionen jedoch funktioniert der Numark DJ2GO2 Touch einwandfrei. Minimalistisch mit Push-Encoder und Load-Button und den Transporttasten. Per Cue-Tasten kann jeweils ein Deck angewählt werden, einen Cue/Mix-Regler gibt es natürlich nicht. Die Cue-Tasten können aber beide gedrückt werden, so dass man Cue-Signal und Master, also natürlich das andere Deck, parallel hören kann. Genau das ermöglicht auch das Spielen nur mit Kopfhörer, wenn man nicht zwischen Kopfhörerausgang und Master-Out umstecken möchte.

Numark DJ2GO2 Touch

Die „Mixer-Sektion“ des kleinen Controllers

Ein wenig ungewöhnlich sind die Level=Gain-Potis direkt neben dem Master- und Cue-Level. Die Kanal-Level-Potis sind schwarz, Master- und Cue-Level sind grau – den Unterschied sieht man jedoch im Dunklen nicht mehr. Man sollte sich also mindestens diese Anordnung einprägen.

Performance-Pads am DJ-Controller in Brief-Größe?

Seit der zweiten Generation hat der Numark DJ2GO auch Performance-Pads. Ich lasse die Anführungsstriche jetzt weg, auch wenn es keine Pads sind, sondern Tasten. Entsprechend lassen sich diese nun auch drücken.

Numark DJ2GO2 Touch

Show me your pads!

Die Performance-Pads bieten vier unterschiedliche Modi. Zum ersten gibt es vier Cue-Punkte, die gesetzt werden können, per Pad-Mode-Taste und das Hot-Cue-Pad kann man diese auch direkt wieder löschen.
Natürlich gibt es auch Loops, manuelle (dritter Pad-Mode) und Auto-Beat-Loops. Auch hiervon gibt es vier, die man per Drücken aktiviert und erneutem Drücken wieder verlässt. Voreingestellt sind beim Öffnen von Serato DJ die Loop-Längen 1/8 Beat bis 1 Beat. Das ist natürlich herzlich sinnfrei. Laut Bedienungsanleitung kann man diese aber auch in Serato noch auf 1 bis 8 Beats umstellen. Das wäre natürlich sinniger, lässt sich aber leider nicht realisieren. Man kann die Werte der obersten Reihe zwar verändern, das aber primär zu kleiner. Die maximale Loop-Länge, die ich hier über die Pads ansteuern kann, sind zwei Beats. Sollte das an meiner Serato-Kompetenz liegen, klärt mich bitte auf. Aber da ich mit den vier Pads nur die oberste Reihe der Werte anspielen kann, ist die maximale Loop-Länge auf Pad 2 zwei Beats. Vier bis 32 Beats sind in der zweiten Reihe und können nicht angewählt werden.

Numark DJ2GO2 Touch

Die maximal wählbare Loop-Länge beträgt in diesem Fall 2 Beats

Per manuellem Loop können Loops mit gewünschtem Start- und Endpunkt gesetzt werden. Drückt man diese nach dem Setzen des Loops erneut, kann man mit dem Jog-Wheel die beiden Punkte manuell verändern, der Loop läuft ab der jeweils gewählten Position weiter. Per Pad 3 verlässt man diesen Loop, per Pad 4 kann man diesen re-triggern.

Last but not least, Pad Mode Nummer 4: Samples. Hier können vier Samples aus dem Sampler abgefeuert werden. Nicht vergessen, den Output-Kanal zuzuweisen und das Level vom Sampler hochzudrehen!

Haptisch sind die Performance-Pads natürlich kein Highlight. Die Kunststofftasten sind hart, geben kaum nach und haben einen harten und lauten Druckpunkt. Es ist nun einmal ein Controller für unter 100,- Euro – das spürt man dann an diesen Stellen.

Let’s Scratch! Kapazitive Jog-Wheels als Spaßfaktor?

Oder nicht? Was vorher nur „Jog-Wheels“ waren, sind nun kapazitive Plattenteller, zumindest so halb und das mit einem Durchmesser unter dem einer Bierflasche.
Knappe 4,5 cm sind die Jog-Wheels im Durchmesser und haben nun oben eine Platte aus Metall, notwendiger Schritt, damit die Jog-Wheels kapazitiv sein können.

Numark DJ2GO2 Touch

Von nun an kapazitiv: die Jog-Wheels des Mini-DJ-Controllers

Die Jog-Wheels haben den Vorteil, dass nicht mehr nur die Bewegung des Jog-Wheels in der Gesamtheit, also Außenring und Oberseite als eine Einheit, genutzt wird, sondern es einen Unterschied zwischen Außenring und der Oberseite gibt.

Der Außenring ist nach wie vor wie ein normales Jog-Wheel zu nutzen, das heißt, mit diesem kann man den laufenden Track anschieben oder abbremsen, während er weiterläuft.

Das kapazitive Jog-Wheel gibt aber nun die Möglichkeit, mit dem Jog-Wheel zu scratchen, wie man es von einer Schallplatte her kennt – oder einem Pioneer CDJ/Denon SC-5000, sofern man sich im Vinyl-Mode befindet.

Pluspunkt an der ganzen Sache? Nun, man kann nun scratchen wie ein kleiner Weltmeister, aber auch natürlich das Jog-Wheel zum schnellen Scrollen durch den Track oder Beat-Matching verwenden.

Das funktioniert in der Praxis auch ganz wunderbar, so wunderbar, wie man es nun von Jog-Wheels mit unter 5 cm Durchmesser erwarten kann.

Auf eine Sache muss man in der Praxis nun jedoch achten: Möchte man nicht das Jog-Wheels als „Plattenteller“ nutzen, sondern wirklich nur leicht anschieben oder den Track abbremsen, sollte man mit den Fingern aufpassen, denn Achtung: Oben ist es nun kapazitiv. Drückt man die Wurstfinger also zu doll über den Rand, so wird aus dem leichten Abbremsen schnell mal ein schnelles Zurückdrehen. Das könnte selbstverständlich extrem ungünstig sein.

Erschwert wird jedoch die Kontrolle durch die gesamte Größe des Controllers, denn genau neben dem Jog-Wheel sitzt zum einen der Pitch-Fader wie aber auch ein Poti. Ein wirklich freier Zugriff auf das Jog-Wheel ist nicht gegeben und so ist der Außenrand doch eher eine Fingerspitzenangelegenheit.

Qualität und Haptik

Dieser Punkt ist, da müssen wir ehrlich sein, stark von dem Preis beeinflusst. Der Numark DJ2GO 2 ist klein, kompakt und sehr leicht. Das kann man erwarten, nicht erwarten kann man aber natürlich so Ausstattungen wie gummierte Performance-Pads, große Jog-Wheels, die nicht wackeln, lange Pitchfader oder hochwertige Potis.

Was  man sagen kann ist, dass die Jog-Wheels erstaunlich gut laufen und sich auch so bedienen lassen.

Wenn der automatische Sync ein wenig daneben liegt, kann man erstaunlich gut mit den kleinen Jog-Wheels nachkorrigieren. Aufpassen muss man jedoch auf seine Finger, denn die Jog-Wheels sind nun kapazitiv.

Die Performance-Pads tun ihren Dienst, nicht gummiert wie genannt, aber beleuchtet samt Rückmeldung über den Status.
Der Push-Encoder zum Scrollen in Playlisten ist ganz griffig und macht einen guten Eindruck, das hätte ich mir bei den anderen Potis auch gewünscht. Diese sind ein wenig glatt geraten.

Nicht so ganz überzeugen mich die 3,5 mm Anschlüsse für Main-Out und Kopfhörer. Zum einen hätte ich mir einen Cinch-Out auf dem Main-Out gewünscht, zum anderen bestehen die Buchsen halt aus Kunststoff, also so richtig Kunststoff. Kein Außenring aus Metall oder ähnlich, der zumindest ein wenig Stabilität verspricht. Nun gut, könnte man wieder den Preis-Punkt anführen, stimmt auch.

Fazit

Generation 3 des Numark DJ2GO2 Touch, der kleine Controller muss also seine Fans haben. Nachdem die erste Generation in Grau noch echt billig aussah, ist das zweite und nun auch das dritte Modell kantiger und dunkler geworden. Mit den Grundfunktionen eines DJ-Controllers (absolute Grundfunktionen) und Performance-Pads bietet der Controller rudimentäre Steuerungsmöglichkeiten als Einsteiger-Spaß-Controller oder Havarie-Gerät, wenn mal wirklich gar nichts mehr geht. Achtung, der Controller hat nun kapazitive Jog-Wheels, jedoch keine Line-Fader und keinen EQ. Damit muss man leben, dafür gibt es den Controller zu einem Preis von 79,- Euro mitsamt einer Serato DJ Lite-Version.

Plus

  • kapazitive Jog-Wheels 
  • sehr günstiger Controller 
  • Serato DJ Lite Version im Lieferumfang 
  • Performance-Pads mit vier Modi 

Minus

  • keine Line-Fader, kein EQ 
  • Loop-Steuerung über Pads unzureichend 

Preis

  • 79,- Euro
Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.