Test: Nux Mighty Air, Gitarrenverstärker

11. Mai 2021

Mini Bluetooth Workstation

Nux Mighty Air

Nux Mighty Air

Mit dem Mighty Air präsentiert der chinesische Hersteller Nux einen kleinen, vielseitig ausgestatteten Combo-Amp für die Session und das Üben in den heimischen vier Wänden. Neben dem eigentlichen Verstärken von Gitarren und sogar auch Bässen verfügt der Mighty Air über eine große Effektsektion, eine Drum-Machine, Bluetoothkompatibilität zum Abspielen von Backing-Tracks oder den Lieblingssongs sowie eine Wireless Verbindung zum Instrument – der Sender befindet sich mit im Lieferumfang. Zudem kann der Winzling bis zu 18 Stunden jenseits des Stromnetzes betrieben werden, ein per USB aufladbarer Lithium-Ionen-Akku im Innern des kompakten und zugleich robusten Gehäuses macht dies möglich. Zum Einstellen der wichtigsten Parameter reicht ein Griff auf das Bedienpanel, vollen Zugriff auf den Funktionsumfang erhält man jedoch über die MightyAmp Mobile App für iOS und Android, mit der sich bis zu 13 Verstärkermodelle für Gitarre und Bass, 20 Impulse Responses sowie 19 Effekte via Bluetooth über das Handy/Tablet einstellen und dauerhaft in Presets abspeichern lassen. Die Fakten klingen zumindest schon mal sehr vielversprechend; wie sich der kleine Combo in der Praxis zeigt, werden wir im folgenden Review mal beleuchten.

Nux Mighty Air – Facts & Features

In dem nur 186 x 91 x 98 mm großen und 780 Gramm schweren Kunststoffgehäuse verbergen sich zwei 2″ Lautsprecher zusammen mit einer passiven Bassmembran, die von einer 10 Watt starken Endstufe befeuert werden. Das ist jetzt nicht unbedingt berauschend, sollte aber für den Einsatz zwischen Wohn- und Schlafzimmer vollkommen ausreichen. Zumindest aber ist der Mighty Air so kompakt, dass man ihn auch mühelos in den Rucksack stecken kann, um auch unterwegs Freude mit ihm zu haben. Obwohl eine umfangreiche Bedienung nur mittels Smartphone möglich ist (darauf gehen wir ein Stück später noch genauer ein) lassen sich auf dem Bedienpanel doch die wichtigsten Funktionen aufrufen. Schauen wir uns mal an, was wir dort vorfinden.

Mighty Air Bedienpanel

Nux Mighty Air Panel

Zunächst wäre da natürlich die Eingangsbuchse für die Gitarre oder den Bass, denn auch für die Freunde der Tieftonfraktion hat der Mighty Air immerhin drei Presets an Bord. Ein Taster mit der Bezeichnung „Receiver“ dient zum Koppeln des Amps mit dem mitgelieferten Sender, dieser besitzt ebenfalls einen Lithium-Akku im Innern und kann wahlweise durch Einstecken in die Eingangsbuchse oder separat mit dem ebenfalls mitgelieferten USB-Kabel aufgeladen werden. Im Test funktionierte die Zusammenarbeit zwischen Amp und Sender absolut problemlos, Latenzen oder Nebengeräusche traten zu keiner Zeit auf. Über den beleuchteten Taster „Channel“ werden die vier Presets ausgewählt, ab Werk stehen hier die Sounds Clean, Overdrive, Distortion sowie ein Akustiksimulator für Gitarre bereit. Mittels der Mighty App können aber auch die drei Bass-Sounds Pop, Rock und Funk als Set-up dauerhaft eingestellt werden. Der Taster wechselt je nach gewähltem Preset seine Farbe zwischen Grün, Gelb, Rot oder Fuchsia bzw. Grün, orange und Blau für die drei Bass-Sounds.

Der Mighty Air verfügt über eine rudimentäre Drum-Machine mit 10 Stilistiken und einem schlichten Metronom. Gesteuert wird diese Funktion mit dem „Drum Style Button“, der die Presets auswählt und zugleich auch startet, mit dem Tap-Taster direkt daneben kann man die gewünschte Geschwindigkeit durch zweimaliges Drücken bestimmen. Gleichzeitig dient der Tap-Taster auch dafür, die Verzögerungszeit des Delay-Effekts einzustellen. Der untere Teil auf dem Bedienpanel entspricht der Funktion eines normalen Gitarren-Amps, hier lassen sich mit Gain, Volume und Tone die Presets dem persönlichen Geschmack anpassen, während das Delay/Reverb Poti die Intensität des gewählten Effekts bestimmt. Neben der Eingangsbuchse gibt es auf dem Bedienpanel noch zwei weitere Anschlüsse: einen für den Kopfhörer und ein AUX-IN, um externe Signale per Kabel hinzuzufügen. Das Einspielen von Playbacks oder Backing-Tracks kann jedoch auch die Bluetoothfunktion übernehmen; eine blaue LED informiert darüber, ob die Kopplung mit dem Bluetoothgerät gelungen ist. Auch das funktionierte im Test mit meinem iPhone absolut problemlos.

Abschließend finden wir auf der Rückseite einen USB-Port, der zum einen das Aufladen des Lithium-Akkus ermöglicht und zum anderen die Möglichkeit bietet, den Nux Mighty Air direkt als Recording-Hardware aus der DAW des Computers anzusprechen. In der Praxis funktioniert auch das wunderbar, so wurde der kleine Amp bei mir unter Logic Audio als Aufnahmequelle angezeigt und damit auch die Klangbeispiele aufgenommen.

MightyAmp Mobile App

Wie erwähnt: Die Möglichkeiten auf dem Bedienpanel sind faktisch nur die Spitze des Eisbergs von dem, was der Mighty Amp an Möglichkeiten bietet. Die MightyAmp Mobile App hingegen ermöglicht einen vollen Zugriff auf die gesamte Palette der Features, steuerbar über eine übersichtliche und einfach zu bedienende Oberfläche. Für die unverzerrten Sounds stehen drei Amp-Typen zur Auswahl, die den Klassikern von Fender mit dem Twin Reverb und dem Deluxe Reverb und Roland mit dem legendären JC 120 nachempfunden wurden. Unter den Overdrive-Amps tummeln sich von Marshall der Plexi, der Lead 100 sowie die Emulation des Vox AC30 Top Boost, während die High-Gain-Abteilung einen Diezel VH4 sowie zwei weitere Typen mit den Bezeichnungen „Fireman“ und „Recto“ bereitstellt. Im Gegensatz zur rudimentären Tonblende auf dem Bedienpanel sind die Amps vielseitig einstellbar, das gleiche gilt auch für die Anzahl der Effekte und deren Parameter. Hier findet sich alles, was das Herz begehrt: Chorus, Delay, Flanger, Phaser, Delays und Reverbs mit verschiedenen Charakteren, verschiedene Distortion-Pedale sowie ein Dreiband-EQ bestimmen die Auswahl. Ebenso gibt es eine reichhaltige Auswahl an Boxen-Emulationen, die von 1×10″ über 2×12″ bis zur klassischen 4×12″ reichen.

Ein Druck auf den Bass-Button bietet ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so umfangreiches Bild, dennoch sind auch hier eine Menge Effekte und Boxentypen am Start. Ist der entsprechende Sound zurecht geschraubt, dann kann das Ergebnis dauerhaft gesichert werden. Darüber hinaus beinhaltet die App eine ganze Reihe von Backing-Tracks, die in gitarristenfreundlichen Tonarten zum Jammen einladen, und auch die Drum-Begleitung kann mit der App bequem gesteuert werden.

Nux MightyAmp App

Ein Blick auf die Nux MightyAmp App

Und so klingt der Mighty Air

Nun ja, der Schein des kleinen Mighty Air trügt nicht. Ihn als „Tischhupe“ zu bezeichnen wäre vielleicht etwas übertrieben, allerdings ist der Klang doch recht bescheiden, was ja bei diesen winzigen Maßen auch mehr oder weniger zu erwarten war. Kaum zu glauben, dass der kleine Amp auch Bassisten glücklich machen soll, trotz der Bassmembran ist hier von Bässen nämlich nicht viel zu bemerken. Gut, für unterwegs im Hotelzimmer oder die Session allein zu Hause kann das vielleicht für den einen oder anderen noch ausreichen, ernsthaft anrücken zum Musizieren mit Freunden oder Bandkollegen sollte man mit dem Mighty Air jedoch besser nicht. Hinzu kommt, dass vor allem die verzerrten Sounds/Presets recht schnell zum Matschen neigen und sich nicht besonders dynamisch zeigen.

Besser gefallen da schon die unverzerrten Sounds, die zusammen mit den Modulationseffekten aufgrund der Stereosignalführung ein recht ordentliches, breites Bild abgeben. Deutlich besser klingt die Sache dann, wenn man den Amp via USB über einen Rechner bzw. eine dort angeschlossene Monitoranlage abhört. Die verzerrten Sounds werden dann zwar auch nicht dynamischer, ein Satz größerer Lautsprecher sorgt hier aber für ein deutlich aufgeräumtes Klangbild und macht den Nux Mighty Air in gewissem Maße sogar tauglich für das Recording. Vielleicht nicht unbedingt für den professionellen Einsatz, jedoch in Grenzen für das Festhalten von Ideen.

Alles andere am Mighty Air funktioniert tadellos und so, wie es sein sollte. Die Bluetoothverbindung ist genau so stabil wie die Wireless-Connection mit dem beigefügten Sender und mit der MightyAmp Mobile App kann man alle Funktionen des Amps ganz bequem vom Smartphone aus bedienen – der Griff auf das Bedienpanel erübrigt sich damit völlig.

Nux Mighty Air Klangbeispiele

Wie bereits erwähnt, habe ich die Klangbeispiele direkt aus dem USB-Port des Mighty Air in Logic Audio aufgenommen. Zum Einspielen der Tracks habe ich meine Music Man Silhouette Special verwendet, weitere Effekte wurden keine benutzt.

Fazit

Der Funktionsumfang ist riesig – der Klang jedoch eher bescheiden. Die Grenzen der Physik lassen sich auch mit einer Bassmembran nicht überlisten, von daher sollte man aus dem kleinen Gehäuse des Nux Mighty Air mit seinen zwei 2″ Lautsprechern einfach keine Klangwunder erwarten. Aufgrund seiner vielen Features jedoch bin ich dazu geneigt, dem kleinen Amp noch mit einem „befriedigend“ als Gesamturteil davonkommen zu lassen.

Plus

  • Funktionsumfang
  • stabile Wireless- und Bluetooth-Verbindung
  • App-Unterstützung
  • Drum-Begleitung an Bord

Minus

  • Klang doch sehr eingeschränkt

Preis

  • 169,- Euro
Klangbeispiele
Forum

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