ANZEIGE
ANZEIGE

Test: OBNE Beam Splitter, Distortion Pedal

Genialer Wahnsinn und wahnwitzige Genialität?

20. Januar 2026

OBNE Beam Splitter Aufmacher

Der OBNE Beam Splitter ist ein Overdrive/Distortion-Pedal mit drei parallelen Drive-Sektionen, individuellen Delay-Funktionen und Stereo-Routing-Optionen. Das Pedal richtet sich an experimentierfreudige Gitarristen und Produzenten, die massive Klangwände und Multi-Tracking-Effekte ohne aufwendiges Studio-Setup suchen.

Bewertung

Old Blood Noise Endeavors Beam Splitter

Finger WegUngenügendBefriedigendGutSehr GutBest BuyNicht bewertet
Bewertung des Autors
Leser
Finger WegUngenügendBefriedigendGutSehr GutBest BuyNicht bewertet
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.
ANZEIGE
Kurz & knapp
Was ist es? OBNE Beam Splitter – Multidrive-Pedal mit drei Gain-Sektionen, Delay-Funktionen, Deviation-Regelung und kreativen Routing-Optionen.
  • Konzept: Drei unabhängig regelbare Overdrive-/Distortion-Sektionen, kombinierbar für breite, modulierte Klangwände.
  • Features: Delay-Zeiten, Feedback-Regler, zufällige Modulation per Deviate-Control, Expression-kompatibel.
  • Praxis: Ideal für Studio, Sounddesign und experimentelle Live-Setups – kein Allrounder, aber extrem vielseitig.
  • Zielgruppe: Für Gitarristen, Produzenten und Tüftler, die Klangschichtung, Chaos und Vielschichtigkeit suchen.

Affiliate Links
Old Blood Noise Endeavors Beam Splitter Distortion
Old Blood Noise Endeavors Beam Splitter Distortion
Kundenbewertung:
(8)

OBNE Beam Splitter – vorgezogenes Fazit

Wer hier auf der Suche nach dem heiligen Gral des natürlichen Röhrensounds ist, kann gleich weiterblättern. Der Beam Splitter ist nichts für Puristen, die ihren Les Paul Traditional-Sound mit einem Hauch von Transparenz veredeln wollen. Vielmehr handelt es sich um ein Werkzeug für jene Spezies von Gitarristen, die gerne mal drei Amps gleichzeitig durch die Halle jagen würden – aber weder das Budget noch die Geduld ihrer Mitmusiker dafür aufbringen können. Old Blood Noise Endeavors hat hier ein Konzept umgesetzt, das zwischen genialem Wahnsinn und wahnwitziger Genialität changiert – je nachdem, wie viel Zeit man bereit ist zu investieren.

Das Pedal eignet sich primär für Alternative-, Space- und Stoner-Rock-Enthusiasten, die den Begriff „Klangwand“ nicht metaphorisch verstehen. Wer mit analogem Equipment experimentiert und das Prinzip des Gain-Stackings bereits kennt, findet hier die konsequente Weiterentwicklung dieses Ansatzes. Allerdings muss man ehrlich sein: Die schiere Fülle an Möglichkeiten ist gleichzeitig der größte Nachteil dieses Monsters. Man kann live immer nur einen Sound abrufen, obwohl das Pedal theoretisch Hunderte verschiedener Kombinationen bietet.

OBNE Beam Splitter Profil vor weissem Hintergrund

Das Konzept hinter dem Chaos

Immer wenn man denkt, der gesamte Bereich der Overdrive-, Distortion- oder Fuzz-Pedale sollte nun doch einmal komplett ausgereizt sein, passiert etwas Unerwartetes. Ein Anbieter kommt daher, der mit einem auf den ersten Blick gar nicht mal so ungewöhnlichen, mir bisher aber unbekannten Konzept einen völlig neuen Ansatz bietet.

Wir alle kennen ja das Prinzip des Stackings. Und es wird wohl jeder unter den Lesern – zumindest jene, die noch gerne mit analogem Equipment experimentieren – einmal ausprobiert haben, wie zwei hintereinandergeschaltete Low-Gain-Overdrives einen cleanen Amp zu einem Dreikanaler mutieren lassen.

Was aber, wenn man drei unterschiedlich ausgelegte Pedale in einer Mischsektion bei Bedarf zu einem massiven Wall-of-Sound-Monster mutieren lassen kann – ohne sich Sorgen um übermäßigen Noise-Anteil oder Feedback machen zu müssen? Eben dies wurde beim OBNE Beam Splitter umgesetzt.

Der OBNE Beam Splitter arbeitet mit drei parallelen Drive-Varianten, die sorgfältig aufeinander abgestimmt wurden. Das Signal wird vom Mono-Eingang gleichzeitig an alle drei Sektionen verteilt, wo es unabhängig voneinander bearbeitet wird. Zwei dieser Sektionen verfügen zusätzlich über variable Delay-Zeiten bis zu 125 ms, die mit Feedback-Reglern kombiniert werden können. Das Resultat ist eine zeitlich gedehnte, dynamisch komprimierte Verzerrung mit reichhaltigem Obertongehalt, der erstaunlicherweise die Klarheit nicht beeinträchtigt.

ANZEIGE

OBNE Beam Splitter Stirnseite vor weissem Hintergrund

Die drei Gesichter des Wahnsinns

Die violette Sektion des OBNE Beam Splitter liefert eine Hard-Clipping-Distortion und fungiert als Kern-Gain-Sound des Pedals. Von den drei Stufen ist diese die massivste und am stärksten komprimierte. Mit den Reglern für Gain, Volume und Tone lässt sich ein Spektrum von moderat verzerrt bis nahezu Fuzzbox-artig abdecken. Der Tone-Regler zeigt dabei einen beeindruckenden Wirkungsbereich – von weich und cremig bis richtig aggressiv und bissig. Die EQ-Charakteristik verändert sich je nach Drive-Einstellung, was durchaus sinnvoll ist, aber auch bedeutet, dass man beide Parameter im Zusammenspiel betrachten muss.

Die grüne Sektion kombiniert Soft- und Hard-Clipping für einen dezenten Overdrive mit hellerem Charakter. Diese Stufe reicht von nahezu clean bis zu moderatem Drive, wobei bewusst etwas Bass abgeschnitten wurde, um matschige Sounds zu vermeiden. Hier findet sich auch der erste Time-Regler für die Delay-Funktion. Bei parallelem Betrieb mit den anderen Stufen entstehen durch verschiedene Delay-Zeiten alles von engen Kammfilter-Effekten über lockere Doubling-Delays bis hin zu kurzen Slapbacks. Der Decay-Regler steuert das Feedback – von einer einzelnen Wiederholung bis zu vielen ausklingenden Echos. Bei Kammfilter-Einstellungen lässt sich damit die Resonanz erhöhen.

Die blaue Sektion präsentiert einen Transistor-Overdrive als neutralste und dynamischste der drei Gain-Stufen mit mittlerem Gain-Bereich. Ein Kippschalter bestimmt den Verzerrungsgrad: In der unteren Position klingt sie weniger übersteuert mit geringerer Kompression in Mitten und Höhen, in der oberen aggressiver und stärker verzerrt. Auch hier gibt es Time- und Decay-Regler für die integrierte Delay-Stufe. Die Verwendung eines Schalters statt eines Drehreglers für das Gain ist allerdings diskussionswürdig – hier hätte ich mir mehr Flexibilität gewünscht, besonders für niedrigere Gain-Einstellungen.

OBNE Beam Splitter Vorderansicht vor weissem Hintergrund

Deviation und die Kunst der Zufälligkeit

Der zentrale weiße Deviate-Regler fügt den Delays der grünen und blauen Sektion zufällige Zeitabweichungen hinzu. Bei Nullstellung sind die Delay-Zeiten starr – darüber hinaus variieren sie zunehmend und schneller. Diese Funktion soll das Gefühl von mehrfachen Aufnahmen simulieren, als würde man den Track tatsächlich zweimal spielen – mit natürlichen Timing-Schwankungen. Je nach Einstellung entstehen dabei Anklänge von Flanging, Chorusing oder gebrochenem Vibrato. Per Expression-Pedal am entsprechenden Eingang lässt sich dieser Parameter in Echtzeit steuern, was durchaus interessante Performance-Optionen eröffnet.

Routing-Optionen für Wahnsinnige

Das Routing-Konzept ist ebenso simpel wie genial: ein Mono-Eingang, drei mögliche Ausgänge. Nutzt man nur den Main-Ausgang, werden alle drei Sektionen parallel gemischt und in Mono ausgegeben. Schließt man auch die beiden anderen Ausgänge an, erhält man die drei Drive-Stufen getrennt. Hier eröffnet sich ein Spielplatz für Kreative: Drei unterschiedliche Amps mit individueller Mikrofonierung – und man hat plötzlich eine Stereo- oder sogar Tri-Amp-Anlage, die klingt, als hätte man tatsächlich drei Takes eingespielt.

Im Studio mit Multitracking und entsprechender Emulations-Software lassen sich die mannigfaltigen Stereomöglichkeiten des Pedals voll ausreizen. Wer aber die volle Packung haben möchte, nimmt natürlich drei unterschiedliche Amps (Achtung: galvanische Trennung nicht vergessen!) mit entsprechender Mikrofonierung, um dann später im Mix das maximale Klangergebnis erzielen zu können. Die Krönung ist natürlich, ein solches Setup im Live-Betrieb mit entsprechender Stereo-Mikrofonierung zu verwenden – was in der Tat eine massive Klangwand erzeugt. Jetzt noch entsprechend flächig angelegte Spielweise und man hat eine LSD-Mucke der ersten Güteklasse.

OBNE Beam Splitter im Einsatz auf Holzfußboden

Praxis und Pragmatismus

Die Bedienung wirkt auf den ersten Blick überladen, ist aber durch die farbcodierte Reglerzuordnung schneller erfasst als befürchtet. Jede Sektion hat ihre eigene Farbwelt, was die Navigation erheblich erleichtert. Die Verarbeitung ist solide amerikanische Handarbeit mit True-Bypass-Schaltung. Die Stromaufnahme von 150 mA ist moderat und sollte von jedem halbwegs dimensionierten Netzteil problemlos geliefert werden können.

In der Praxis – kombiniert mit einem cleanen Amp – entsteht durch geschicktes Mischen der drei Bereiche plus Delay-Justierung tatsächlich die Illusion von Multi-Tracking. Der Sound wird enorm breit und massiv – allerdings passt dieser Charakter eher zu Alternative, Space Rock oder Stoner als zu klassischem Rock. Wer Free statt Mastodon anstrebt, wird hier nicht wirklich glücklich. Das Verschieben der drei Sounds um minimale Zeiteinheiten erzeugt durch Kammfilterung interessante Klangveränderungen, weshalb sich der OBNE Beam Splitter auch mit Synthesizern, Bässen oder Drumcomputern effektiv einsetzen lässt.

Das grundsätzliche Dilemma

Der OBNE Beam Splitter hat aber auch leider einen massiven Nachteil: Man kann vom Konzept her immer nur einen Sound abrufen, obwohl die Flexibilität des Pedals eine nahezu unbegrenzte Auswahl an Kombinationsmöglichkeiten bietet. Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige User sich irgendwann einmal nicht mehr entscheiden können, welchen Sound sie wählen wollen. Im Studio mit Multitracking und entsprechender Emulations-Software ist es aber wohl ein Einfaches, auch die mannigfaltigen Stereomöglichkeiten des Pedals nutzen zu können.

Die Entscheidungsparalyse ist real. Mit drei Gain-Stufen, zwei Delay-Sektionen, verschiedenen Feedback-Einstellungen und der Deviation-Funktion ergeben sich theoretisch Tausende Kombinationen. Das ist Fluch und Segen zugleich. Wer gerne experimentiert und Zeit hat, wird hier glücklich werden. Wer beim Soundcheck zehn Minuten braucht, um seinen Sound zu finden, wird zum Problemfall für die Band.

OBNE Beam Splitter Seitenansicht auf Holzfußboden

Psychedelische Anmerkungen

Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob die Konstrukteure des Pedals nicht zumindest eine massive Gras-Erfahrung hatten, als sie das Layout des Pedals entworfen haben. Die Farbzusammenstellung und das psychedelische Design lassen zumindest diesen Schluss zu. Ach ja: Wenn man an das Gehäuse klopft – insbesondere an der Unterseite –, ertönt in der Tat ein reinrassiger C-Dur-Dreiklang. Kein Witz! Ich bin mir zwar relativ sicher, dass dies ein Zufall ist – aber ganz sicher ist man sich bei den Hippies ja nie.

Abschließende Gedanken

Für wen ist der OBNE Beam Splitter also geeignet? Für Studio-Musiker, die komplexe Gitarrentexturen ohne mehrfaches Einspielen erzeugen wollen. Für Alternative- und Space-Rock-Gitarristen, die Klangwände lieben. Für experimentelle Musiker, die auch mal Synthesizer oder andere Signalquellen durch Distortion jagen. Und für alle, die bereit sind, das Konzept des „einen perfekten Sounds“ aufzugeben und stattdessen einen Sound-Generator zu nutzen, der bei jedem Auftritt anders klingen kann.

Wer hingegen einen verlässlichen, schnell einstellbaren Classic-Rock-Overdrive sucht oder keine Lust auf stundenlanges Tweaking hat, sollte die Finger davon lassen. Der Beam Splitter ist ein Nischenprodukt für eine spezifische Käufergruppe – aber für diese Gruppe ist es möglicherweise genau das richtige Werkzeug.

OBNE Beam Splitter Profil 2 auf Holzfußboden

ANZEIGE
Klangbeispiele
Fazit

Der OBNE Beam Splitter ist kein Pedal für Traditionalisten oder Spieler, die einen transparenten Boost suchen. Es ist ein Experimentier-Werkzeug für Klangforscher, die bereit sind, Zeit in die Soundentwicklung zu investieren. Die Kombination aus drei parallel arbeitenden Drive-Stufen mit integrierten, modulierbaren Delays ist innovativ und bietet tatsächlich Sounds, die mit konventionellem Equipment nur schwer zu erreichen sind.

Die Qualität der einzelnen Drive-Stufen ist durchweg solide, wenn auch nicht überragend. Jede für sich würde als eigenständiges Pedal funktionieren, aber keines würde die Welt aus den Angeln heben. Die Magie entsteht erst im Zusammenspiel, wenn man die richtige Balance findet. Und genau hier liegt die Herausforderung: Dieses Pedal fordert Engagement. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem massiven, dreidimensionalen Sound belohnt, der sich deutlich von Standard-Overdrive-Pedalen abhebt.

Plus

  • Sound
  • Flexibilität
  • einzigartiges Konzept

Minus

  • nur Gain-Schalter Blue Channel
  • keinerlei Schutz für die herausstehenden Regler
  • nur ein Sound einstellbar

Preis

  • 235,- Euro
Affiliate Links
Old Blood Noise Endeavors Beam Splitter Distortion
Old Blood Noise Endeavors Beam Splitter Distortion
Kundenbewertung:
(8)
ANZEIGE
Affiliate Links
Old Blood Noise Endeavors Beam Splitter Distortion
Old Blood Noise Endeavors Beam Splitter Distortion
Kundenbewertung:
(8)
Über den Autor
Profilbild

Axel Ritt RED

Axel Ritt studierte Musik + Architektur und arbeitet(e) seit nunmehr 40 Jahren als professioneller Musiker und Tonmeister für die Bands JÄST, GRAVE DIGGER, HELLRYDER, DOMAIN und MONSTERGROOVE.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    uelef

    Im vollkommen übersättigtem Distortion-Pedal-Markt ist das doch zum einen ein Hingucker, zum anderen mal ein anderes Konzept. Finde ich gut. Aber im Prinzip bräuchte man halt für die drei Sektionen je einen Fußschalter zur Aktivierung, damit man live ansatzweise etwas mehr von der Vielfalt hat. Das Ganze ist leider nicht zu Ende gedacht, scheint mir. Es bräuchte ein V2.

  2. Profilbild
    ollo AHU

    Das ist wieder ein gutes Beispiel, bei dem es Schade ist, dass es nur mit Gitarren getestet wurde. Das Teil wird erst mit anderen Sounds so richtig spannend, hier zB mal mit Beats und Synthies: https://www.youtube.com/watch?v=PWVBgVIa2HM

    Interessantes Teil und 235€ sind vergleichsweise günstig, wenn man guckt, was andere Pedale so kosten können.

  3. Profilbild
    Emil Erpel

    Schöner Test. @Axel Ritt Kannst du uns die Signalkette verraten, die du bei den sehr gut klingenden Klangbeispielen verwendet hast?

  4. Mehr anzeigen
Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung. Wir behalten uns die Löschung von Inhalten vor. Dies gilt insbesondere für Inhalte, die nach unserer Einschätzung gesetzliche Vorschriften oder Rechte Dritter verletzen oder Diffamierungen, Diskriminierungen, Beleidigungen, Hass, Bedrohungen, politische Inhalte oder Werbung enthalten.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
X
ANZEIGE X
ANZEIGE X