Space-, Raum-, Delay-Effekte und Sounscapes in Pedalformat
Das OBNE Dark Light Dual Reverb ist kein Hallpedal für klassische Sounds, sondern ein kreatives Werkzeug für Sounddesigner, Ambient-Musiker und Filmmusiker. Wer Brot-und-Butter-Reverbs sucht, ist hier falsch, wer spacige Klangflächen und modulierte Abgründe liebt, wird begeistert sein.
- Zwei Klangwelten: Dark Star und Sunlight kombinieren Pitch-Delays, Bitcrush und modulierten Hall.
- Stereobetrieb & Routing: Mono, Mono-zu-Stereo und echtes Stereo – flexibel nutzbar im Studio oder Live-Setup.
- Kreativ statt konventionell: Ideal für Sounddesigner und Ambient-Musiker, nicht für klassische Reverb-Anwendungen.
- Kein MIDI, keine Presets: Alles direkt per Hand – inspirierend, aber nicht speicherbar.
Inhaltsverzeichnis
OBNE Dark Light Dual Reverb
Wer sich auf den Seiten der Old Blood Noise Endeavors, dem Boutique-Pedal-Hersteller, „herumtreibt“, wird feststellen, dass es dort eine Vielzahl von sehr speziellen Pedalen zu erstehen gibt, die deutlich komplexer, abseits des Mainstream und erwartungsgemäß auch etwas kostenintensiver sind. Der Hersteller mit dem langen Namen (später auch OBNE genannt) hat sein Dark Star Pedal bereits seit Jahren im Programm, dieses wurde von meinem geschätzten Kollegen Stephan Güte auf dieser Plattform bereits ausführlich getestet.
Nun gibt es auch eine Kombination beider Pedale mit exorbitanten Möglichkeiten und Stereobetrieb. Das heutige Testobjekt Old Blood Noise Endeavors Dark Light Dual Reverb kombiniert Dark Stars Pitch-Shifted-Delay- und Bitcrushed-Reverb-Klänge mit Sunlight’s modulierter, kammgefilterter und bandpassgeformter Hallästhetik. Beide Instanzen lassen sich unabhängig oder auch gemeinsam betreiben.
Dieses Pedal eignet sich für experimentierfreudige E-Gitarristen, die einen individuellen Sound anstreben, aber auch für Filmmusiker, denn es erzeugt neben den „klassischen Aufgaben“ bei Bedarf auch lebendige bzw. ausgesprochen „spacige“ Klangflächen.
Facts & Features
Die Verarbeitung des schicken und kreativ designten Pedals ist ausgesprochen solide. Es macht einen wertigen Eindruck, was bei seinem satten Preis auch erwartet werden darf. Die Stromversorgung erfolgt wahlweise über einen 9-V-Block (aufgrund der Stromaufnahme von ca. 150 mA nicht empfehlenswert) oder über einen 9-V-DC-Netzadapter, der nicht im Lieferumfang enthalten ist. Der Netzadapter-Anschluss ist Standard (Hohlsteckerbuchse 5,5 x 2,1 mm, Minuspol innen).
Das Pedal kann natürlich auch in Mono betrieben werden. Das Routing ermöglicht aber auch Mono-zu-Stereo- und True-Stereo-Bearbeitung des Signals.
Regler & Bedienelemente
Mir kam bis dato noch kein Pedal (für Gitarre) unter die Finger, das eine derart enorme Anzahl an Reglern besitzt. Durch den intuitiven Zugriff auf so viele Parameter sind dem spontanen Spielspaß keine Grenzen gesetzt, ähnlich wie bei einem alten analogen Synthesizer. Für unerfahrene Nutzer ist dies möglicherweise nicht empfehlenswert. Es kann nicht schaden, wenn man bereits Erfahrung mit dem Editieren von Multieffekten besitzt.
Dark Star und Sunlight haben gemeinsam:
Das Eingangs- und Ausgangs-Routing erfolgt unabhängig für jedes Pedal. Beide Effekte lassen sich unabhängig oder gemeinsam (Mitte) per Fußschalter aktivieren.
- Dry, Wet: Damit lassen sich die Lautstärkenverhältnisse zwischen dem unbearbeiteten Direktsignal (Dry) und dem Effektsignal (Wet) einstellen, jeweils unabhängig für beide Seiten.
- Spread bestimmt die Stereobreite des Ausgangssignals.
- Der kleine Toggle-Switch in der Mitte gestattet das „Einfrieren“ des momentanen Sounds (Hold). Über den Expression-Pedal-Eingang lässt sich mithilfe eines Expression-Pedals ein gewünschter Parameter in Echtzeit steuern.
Dark Star:
Ein kleiner Kippschalter (links) entscheidet, auf welche Parameter mit den Knöpfen Contr. 1 und Contr. 2 Einfluss genommen wird. Beim Dark Star existieren die Optionen: Pitch, Delay bzw. Crush.
Sunlight:
Hier finden sich Regler für Rate (Modulationsgeschwindigkeit), Depth (Effektintensität) und Decay (Raumgröße). Der Halltyp des Sunlights lässt sich mittels des korrespondierenden rechten Kippschalters wählen: Tape, Comb (Kammfilter) oder Pass (Bandpass).
Die Bezeichnungen der Klinkenbuchsen für Ein- und Ausgänge sowie zur externen Steuerung der Parameter wurden auf der Stirnseite „falsch herum“ angebracht. Dies ist sicherlich Ausdruck einer gewissen Individualität – und beim Anschließen durchaus sinnvoll.
Bedauerlicherweise wurde in das Pedal kein MIDI implementiert. Die Sounds sind also nicht exakt reproduzierbar, zumal man auch keine Presets abspeichern oder wieder aufrufen kann. Das verwundert etwas, denn kauft man beide „Pedalhälften“, also Dark Star und Sunlight, separat, wäre dies möglich – beide wurden mit MIDI ausgestattet. Daran sollte man in zukünftigen Versionen arbeiten, denn sonst bleiben die erzeugten Klangflächen nur Unikate bzw. Momentaufnahmen. Vermutlich musste man hier aus Platzgründen auf MIDI verzichten.
Bedienung
Man darf anmerken, dass allein schon das OBNE Dark Star Stereo Reverb (die linke Abteilung des Pedals) alles andere als ein gewöhnlicher Hall ist. Von Ambient-Flächen, eindrucksvollen Pitch-Modulationen hin zu LoFi-Gewaber wird es schnell zum Sounddesign-Werkzeug. Abgesehen davon kann man auch nur die rechte Abteilung (Sunlight) bedienen oder beide Effekte gemeinsam betreiben.
Die klanglichen Varianten des Pedals sind enorm. Dreht man an einem beliebigen Regler, führt dies zu weitreichenden Veränderungen im Sound. Dies in Worte zu fassen, ist quasi unmöglich, man muss es hören. Deshalb empfehle ich, einfach zu experimentieren und sich die beiden Videos anzusehen.
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Auch hier geht es sehr spacig zu:
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Sound
Beim Antesten und Erstellen der Klangbeispiele stellt sich schnell heraus, dass sich dieses Pedal nicht mit einem „normalen Hallgerät“ vergleichen lässt. Ein exaktes (mathematisches) Einstellen der Parameter ist nicht möglich. Somit wird es auch schwer, dem Pedal die sogenannten „Brot-und-Butter-Sounds“ zu entlocken.
Wer genau solche Sounds sucht, sollte unbedingt zu einer Alternative greifen. Die „wabernden“, flächigen Klänge lassen sich gerade im Hold-Modus nur schwer bändigen. Sie oszillieren unter Umständen sogar selbst und treiben den Ausgangspegel gefährlich in den roten Bereich. Für einen „normalen Gitarristen“, der sich schöne, exakt einstellbare Hallräume wünscht, gilt: Finger weg. Für Filmmusiker hingegen mag dieses Pedal genau die richtige Inspirationsquelle sein.
Hier hören wir einige spacig-experimentelle Klangbeispiele, die von Jan Steiger eingespielt wurden, dem das Gerät ebenfalls zur Verfügung stand.
(Anm. von Jan): Die eingespielten Beispiele zeigen eins deutlich: Das Gerät ist kaum vorhersehbar und erzeugt teils breite, teils chaotische Sounds, was der Philosophie von OBNE entspricht, aber nicht für jeden geeignet ist. Verzerrungen im Sound sind durchaus gewollt, allerdings nicht wirklich steuerbar, was teilweise der Selbstoszillation zuzuschreiben ist. Wer gern experimentiert, bekommt hier eine Spielwiese voller Möglichkeiten, sollte allerdings das Dark Light Stereo Reverb eher als eigenes Instrument, denn als Effektpedal wahrnehmen.



































Geschmack von meiner Seite: Die Potikappen würde ich tauschen.
Elegant sehen die originalen nicht aus🙁
Habe lange Finger, wie ist denn der Abstand der Achsen so zu untereinander, und
sitzen diese stramm oder mehr leichtgängig?
Ansonsten: taugt zum Verlieben😍
Danke für Euren Test!
@Viertelnote Diese Potikappen sehen aus als wären sie essbar
– guten Appetit allerseits.
Mir gefallen sie auch nicht.
Der minime Abstand der Potis ist wirklich auffallend.
Das könnte gefährlich werden für feine Finger.
@masterBlasterFX bin ich nicht allein mit meinen Eindruck.😀sehr schön
Wenn ich schrauben will ,so ich keine Behinderung haben möchte.
Ideal wäre natürlich total control mit geschlossenen /verbunden Augen.
Aber der Sound ist echt gut, Strymon ist edeler und da sehe ich eine sehr
gute Ergänzung / Combination. Unberechenbar trifft es aber gut. wehrlos zu sein
sollte man genießen können nicht nur 1h
🙂
@Viertelnote Die Klangbeispiele hören sich brauchbar an.
Für Saiten Instrumentalisten in richtung Ambient wahrscheinlich eine Spielwiese.
Die Kombination mit einem Digitalen Strymon würde den Klang aufs höchste Level heben 🚀
Mich triggert dieses Effektpedal aber nicht in meine Richtung.
Sich nicht wehren zu müssen ist anstrebsahm.
@masterBlasterFX Die Sky Variations sind mir so allein gesehen
zuviel Sugar:-)
Viel wehren gibt Kratzer, ruhig mal Augen zu und so geschehen lassen.
Aber nicht schlafen dabei.😀
@Viertelnote Lange Finger sind kein Problem, dicke Finger schon 😅
Der Abstand liegt bei etwa 0,7 cm!
@Jan Steiger Lange Finger sind ein Problem.
Plötzlich ist das Gerät verschwunden.
@Jan Steiger THX:-) 0,7mm wirklich nicht viel ist.
„Verzerrungen im Sound sind durchaus gewollt, allerdings nicht wirklich steuerbar,“
puh, sowas muss man wirklich wollen und gut finden … 😬
für ambient wolken aller art (von hübsch bis absurd) ist das eher nix, imho.
reverb, bitcrusher und combfilter is auch ne arg schräge Mischung – man will hier krach machen;
ob das Ergebnis gefällt oder nicht ist eindeutig Geschmacksache, mir schmeckt´s nicht.
@plumperquatsch Campino auf der Zunge magst Du nicht?
@Viertelnote ich benutzt auch mal ne wild modulierte delaykette die total ausflippt,
verzerren darf da aber nix wenn ich es nicht will. ;)
ich lasse die puppe tanzen, nicht die puppe bewegt sich von selbst. :)
nix gegen chaos, ich muss aber immer noch Herr der Lage sein.
Wow, keine Presets bei all dem klanglichen Umfang und Preis sind eine Ansage.