Mehr Transparenz im Mix? Soothe3 ausprobiert
Soothe von Oeksound ist eines dieser Plug-ins, über das man immer wieder stolpert und das anscheinend von allen namhaften Top-Produzenten benutzt wird. Grund genug, uns die neueste Auflage dieses modernen Klassikers anzuschauen. Ist Oeksound Soothe3 noch immer die Nummer 1 im Bereich Resonanzunterdrückung? Und wie sinnvoll sind die neu hinzugekommenen Features? Das erfahrt ihr in diesem Testbericht.
Was ist es? Oeksound Soothe3 ist ein dynamischer Resonanz-Suppressor zur intelligenten und automatischen Unterdrückung störender Frequenzen in Mix und Mastering.
- Neuer Soft-Modus: Klingt transparenter als der Vorgänger und arbeitet mit dynamischem Threshold besonders musikalisch.
- Workflow: Vereinfachte Bedienung durch aufgeräumte Oberfläche, neue Filtertypen und zusammengefassten Detail-Regler.
- Praxis: Besonders stark bei Vocals, akustischen Instrumenten und problematischen Aufnahmen mit störenden Resonanzen.
- Features: Low-Latency-Modus, Linear-Phase-Bearbeitung, Sidechain-Funktionen und Unterstützung bis 9.1.6 Atmos.
- Fazit: Gelungenes Update mit hörbar verbessertem Klang und praxisnahen Erweiterungen zum fairen Upgrade-Preis.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Oeksound Soothe3 für ein Plug-in?
Oeksound selbst bezeichnet Soothe3 als einen „Dynamic Resonance Suppressor“. Damit ist gemeint, dass das Plug-in nicht statisch, sondern dynamisch arbeitet, also immer nur dann, wenn es tatsächlich notwendig ist. So ähnlich kennen wir das auch von dynamischen Equalizern. Soote 3 geht aber noch einen Schritt weiter, indem es diese Resonanzen selbst findet und dem Anwender damit massiv Zeit sparen kann.
Außerdem folgt das Plug-in den Resonanzen, wenn sich diese im Frequenzbereich verschieben, was gerade zum Beispiel bei Stimmen häufig passiert. Hier wäre es sehr aufwendig, die Frequenz der zu bearbeitenden Resonanz ständig im Blick zu haben und zum Beispiel mit der Automation zu verfolgen.
Dazu kommt, dass Soothe3 nur arbeitet, wenn ein bestimmter Frequenzbereich als zu stark, sprich resonant, empfunden wird. Ein statischer Equalizer würde hingegen diese besagte Frequenz immer absenken und so manchmal mehr Schaden anrichten als hilfreich sein.
Ganz besonders bewährt hat sich Soothe in den letzten Jahren bei der Bearbeitung von Gesangsaufnahmen, da hier mehrere komplexe Faktoren zusammenspielen. Zum einen können sich die Resonanzen, wie schon erwähnt, im Laufe des Songs verändern, etwa wenn der Song sich in der Tonhöhe ändert. Zum anderen haben wir es hier mit einem komplexen Zusammenspiel aus Stimme, Raum und Mikrofon zu tun, die alle ihre eigenen Resonanzen in die Gleichung mit einbringen. Arbeitet man hier mit suboptimalen Voraussetzungen, wie es heutzutage ja leider häufig der Fall ist, kann einem ein Plug-in wie Soothe3 wirklich viel Arbeit abnehmen und auch suboptimale Aufnahmen noch professionell klingen lassen.
Was ist neu in Version 3 von Oeksound Soothe?
Schauen wir uns also an, was in Oeksound Soothe3 neu hinzugekommen ist. Zum einen wären da die neuen, überarbeiteten Algorithmen. Soothe3 besitzt nun einen Soft- und einen Hard-Modus. Der Soft-Modus ist für die meisten Anwendungen der zu bevorzugende. Er soll sehr transparent klingen und sich deutlich vom Vorgänger abheben. Außerdem hat er einen anpassbaren Threshold. Das heißt, man muss diesen nicht fix wählen, sondern Soothe3 schaut immer abhängig vom Eingangspegel, wo es diesen Threshold setzt und arbeitet damit pegelunabhängig.
Als Zweites haben wir den Hard-Mode. Der arbeitet klanglich und technisch eher so, wie wir es von Soothe2 gewohnt sind, mit einem fixen Threshold. Laut Hersteller ist er ideal für aggressive Kontrolle des Materials und für die Verwendung von Sidechain-Effekten, worauf wir später noch eingehen werden.
Ebenfalls neu hinzugekommen ist ein Low-Latency-Mode, mit dem Soothe3 nahezu latenzfrei arbeitet. (Oeksound spricht hier von einer Latenz von ungefähr 1 ms bei “normalen” Sample-Rates wie 44,1 und 48 kHz), wodurch das Plug-in auch beim Aufnehmen oder in Live-Situationen angewendet werden kann. Etwas, das bisher nicht möglich war, da der Vorgänger eine relativ hohe Latenz aufwies. Weitere Neuerungen betreffen vor allen Dingen Verbesserungen im Workflow. So gibt es einen neuen Detail-Parameter, der die Regler für Sharpness und Selectivity aus der Vorgängerversion zusammenfasst. Detail regelt, wie detailliert in das Audiosignal eingegriffen wird. Niedrige Werte sorgen, vereinfacht gesagt, für breite Absenkungen, während bei hohen Details Werten diese immer feiner werden. Vergleichbar mit einem breiten EQ-Band mit niedrigem Q-Wert und einem engbandigen Notchfilter bei einem normalen Equalizer.
Mit mehreren Equalizer-Kurven (die hier Nodes genannt werden) kann man dem Plug-in sagen, welche Bereiche des anliegenden Signals überhaupt bearbeitet werden sollen. So lassen sich mit High- und Low-Pass-Filtern ganze Frequenzbereiche ausblenden, die dann eben nicht bearbeitet werden. Hebt man hingegen einen der Nodes an, so arbeitet Soothe hier stärker, während eine Absenkung eines Nodes auch eine geringere Bearbeitung mit sich bringt.
Genau dieser Bereich ist nun auch deutlich flexibler geworden. So lassen sich bis zu acht unterschiedliche Bänder und Filterkurven nutzen. Dazu gehören neuerdings auch ein Bandpass- und Tilt-Filter. Außerdem ist die Oberfläche nun aufgeräumter, da eher spezialisierte Parameter, die man nicht ständig braucht, ausgeblendet werden können.
Über eine Tilt-Funktion lässt sich die Stärke der Bearbeitung für verschiedene Parameter wie Detail, Attack oder Release frequenzabhängig einstellen. Um einen gewählten Kipppunkt herum definiert man zum Beispiel, dass der Bassbereich weniger detailliert und der Höhenbereich detaillierter bearbeitet werden soll. Gleiches kann man auch für Attack und Release einstellen. So lassen sich im Bass- und Tiefmittenbereich grobe Korrekturen vornehmen, während im Höhenbereich gezielt störende Frequenzen eliminiert werden können.
Mit dem Parameter MaxCut stellt man eine maximale Bearbeitungstiefe für die Bänder ein. Hierüber kann gewährleistet werden, dass auch bei starken Depth-Werten nicht übermäßig stark und hörbar in ein Signal eingegriffen wird. Zu guter Letzt gibt es nun noch einen linearphasigen Modus, der noch feinere und artefaktfreie Bearbeitung ermöglicht. Außerdem werden sich alle freuen, die mit immersiven Formaten wie Dolby Atmos arbeiten, dass Soothe3 nun Formate bis hin zu 9.1.6 ermöglicht.
Einsatz von Oeksoound Soothe3 in der Praxis
Nach der Installation zeigt sich Soothe3 mit einer im Vergleich zum Vorgänger aufgeräumteren und einladenderen Oberfläche. Wie schon erwähnt, können nicht benötigte Parameter ausgeblendet werden. Und ganz ehrlich gesagt, habe ich diese meist auch nie wieder eingeblendet, sondern mich mit den Basisparametern wie Depth und Detail beschäftigt. Stellt man dann noch die Nodes vernünftig ein, um sich auf den Bereich zu fokussieren, den man tatsächlich bearbeiten will, so kommt man mit diesen wenigen Parametern in 9 von 10 Fällen schnell zum Ziel.
Sehr hilfreich sind dabei auch die zahlreichen Presets, die sich auf verschiedene Anwendungsfälle und vor allen Dingen Instrumentengruppen wie Drums, Bass, Gitarren und natürlich Vocals fokussieren. Hier hat man gute Startpunkte für eigene Experimente. Sehr hilfreich empfinde ich auch, dass zu jedem Preset ein kurzer Text gehört, der beschreibt, für welchen Anwendungsfall dieses Preset gedacht ist.
Wie bei allen Plug-ins sollte man sich vor dem Einsatz Gedanken machen, warum man genau jetzt auf dieser speziellen Spur dieses Plug-in benutzen möchte. Soothe3 ist kein Allheilmittel für schlechte Aufnahmen, aber gezielt eingesetzt lassen sich deutliche Verbesserungen erzielen.
Dabei sollte man zwei Dinge beachten. Zum einen ist auch hier oft weniger mehr. Sprich, wenn man Oeksound Soothe3 zu stark nutzt, können auch hier Artefakte auftreten. Aber das ist, denke ich, bei jedem Plug-in der Fall.
Zum anderen sollte man das Plug-in nicht gedankenlos auf jede Spur einsetzen und alle Resonanzen, die es finden kann, unkritisch herausfiltern. Dadurch riskiert man, dass der eigene Mix schnell, leblos und ohne Charakter daherkommt. Also immer erst überlegen, wo man das Plug-in einsetzen möchte. Den Klang einstellen, bis es gut klingt und dann vielleicht den Depth und die Detailparameter etwas zurückfahren.
Generell kann man sagen, dass der neue Soft-Algorithmus im Vergleich zur Version 2 deutlich transparenter und unauffälliger klingt. Es ist echt großartig, was man hier teilweise aus Aufnahmen noch herausholen kann.
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Oeksound Soothe3: Klangbeispiele
In den Klangbeispielen hört ihr zunächst ein akustisches Schlagzeug. Das erste Beispiel ist ohne Soothe3, danach hört ihr die Bearbeitung mit dem Plug-in. Ich habe hier versucht, die Schärfe in den Becken etwas abzumildern, was, wie ich finde, hier ganz gut gelungen ist.
Als drittes Beispiel hört ihr das gleiche Schlagzeug noch mit der sogenannten Delta-Einstellung von Oeksound Soothe3, in der ihr nur hören könnt, was das Plug-in aus dem Signal herausgerechnet hat. Das ist ein sehr hilfreiches Feature, mit dem man checken kann, ob man es mit der Bearbeitung übertrieben hat. Und ich hoffe, es kann euch hier in Form eines Klangbeispiels einen Eindruck vermitteln, wie Soothe3 arbeitet.
Danach hört ihr eine akustische Gitarre, die im Stereo-AB-Verfahren aufgenommen wurde. Hier habe ich versucht, die Boxiness, also das Matschige, Dröhnende, das akustische Gitarren ja oft haben, etwas abzumildern. Auch hier überzeugt mich das Ergebnis, wobei man das vermutlich mit einem normalen Equalizer auch so hinbekommen hätte. Aber es geht mit Soothe3 eben deutlich schneller.
Zu guter Letzt hört ihr noch eine Sprachaufnahme, die ich vor Kurzem mit dem Lewitt Pure 440 aufgenommen habe. Ich habe hier versucht, mithilfe unseres Testkandidaten die Schärfe des Mikrofons etwas abzumildern. Auch die S-Laute lassen sich damit gut in den Griff bekommen, wodurch Soothe3 auch als De-Esser fungieren kann.
Übrigens, Oeksound Soothe3 bietet auch einen Sidechain-Eingang, wodurch man alle klassischen Sidechain-Tricks mit dem Plug-in ebenfalls gut umsetzen kann. So lässt sich Soothe3 etwa auf einem Instrumentenbus laden und als Sidechain eine Stimme hinzuführen. Mit diesem einfachen Trick kann man immer schön Platz für eine Stimme schaffen. Das hilft vor allem in dichten Arrangements.
Ein weiterer klassischer Trick ist das Ducking einer Bassline von der Kick-Drum, um für diese mehr Platz im Mix zu schaffen. Für all diese Sidechain-Verwendungen empfiehlt es sich, den Hard-Modus zu nutzen.




































Ich habe mir gerade vor ein paar Monaten Soothe 2 gekauft und benutze es auf fast allen Spuren. Ich habe vorher andere PlugIns dieser Art gekauft u.a. Smooth Operator 2. Aber irgendwie klingt Soothe viel besser. Ich bin mal gespannt wie Soothe 3 klingt…
@Radioman Dito, von allen kostenpflichtigen und -losen (Anina…) funktioniert Soothe für mich am „unauffälligsten“, und darum geht es doch hierbei…
Auch ich verwende soothe2 seit Jahren mit Begeisterung. Gerade als DE-Esser absolut essentiell !
Da ich viel mit Saturation arbeite und selbige manchmal etwas harsch klingt, ist soothe2 hier oftmals die Rettung.
Wenn Version 3 wirklich signifikant besser sein sollte … Ein Bravissimo nach Finnland.