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Test: Old Blood Noise Endeavors Procession, Effektgerät

31. August 2017

Bemüht nach neuen Sphären

Die Nachfrage nach Boutique-Pedalen mit Premiumsound scheint nach wie vor ungebrochen. Immer neue Firmen sprießen aus dem Boden und beliefern unsere Pedalboards mit zum Teil sehr experimentellen Effekten, die der Kreativität einen Schub verpassen sollen. Einer dieser vielen Effekte stammt von der jungen amerikanischen Firma mit dem ominösen Namen Old Blood Noise Endeavors und vereint einen Hall zusammen mit drei Modulationseffekten in einem Pedalgehäuse. Das Old Blood Noise Endeavors Procession richtet sich vornehmlich an Klangtüftler, für die ein Hall mehr ist als bloß die Vergrößerung irgendeines Raumes. Was man mit dem Procession alles anstellen kann und was nicht, werden wir im folgenden Test erfahren.

Facts & Features

Was erwartet man von einem Boutique-Pedal dieser Preisklasse? Na klar, neben dem besonderen Sound natürlich auch eine besonders gute Verarbeitung! Und damit kann das Old Blood Noise Endeavors Procession dienen, das wird schon nach wenigen Augenblicken der Betrachtung deutlich. Das 126 x 73 x 57 mm große Metallgehäuse besitzt zwar keinen besonders originellen Aufdruck, dafür aber robuste Bedienelemente auf der Oberseite, die schon den einen oder anderen Tritt locker wegstecken dürften. Dazu gehören die vier mit dem Gehäuse verschraubten und auf ihren dicken Achsen sitzenden Potis genau so dazu, wie auch die verbauten Metallschalter.

Der kleinste der drei Schalter ist genau genommen eine Dreifachausführung, der einen der drei Modulationseffekte auswählt. Er sitzt gut geschützt gegen Tritte mittig auf der Oberfläche des Pedals. Die beiden großen Metallschalter hingegen übernehmen die Funktionen für „An/Aus“ und „Hold“, bei dem das Signal während des Gedrückthaltens den momentan gespielten Effektsound „einfriert“.

Rein und raus in das Old Blood Noise Endeavors Procession geht es leider wieder nur an den Außenseiten des Gehäuses. Neben dem Ein- und Ausgang befindet sich an der rechten Seite eine weitere Buchse, die für das Anschließen eines Expressionpedals vorgesehen ist. Möglich steuerbare Parameter sind hier die Halldauer oder aber die Modulationsgeschwindigkeit der drei zusätzlichen Effekte. Eingestellt wird das über einen Schalter im Innern des Gehäuses. Hier kann man dann auch gleich auswählen, ob man das Pedal im True- oder Bypass-Buffered-Modus betreiben möchte.

Darüber hinaus gibt es auf der Platine noch ein Trimmpoti, mit dem man die globale Ausgangslautstärke des Procession regeln kann. In Verbindung mit meinem Orange Micro Dark gab es im Test bezüglich der Pegel keine Probleme, in Foren liest man ja des Öfteren von Schwierigkeiten beim Anpassen an das eigene Setup. Sollte es wider Erwarten diesbezüglich mit dem eigenen Amp nicht so recht klappen, hilft ein Nachjustieren an dieser Stelle.

Ein Batteriebetrieb ist beim Old Blood Noise Endeavors Procession nicht möglich, der passende Netzadapter wird leider auch nicht mitgeliefert. Wie in aller Regel funktioniert aber auch hier wieder der gängige IBZ/BOSS Standard mit seinem 9 Volt Netzteil, das an der Stirnseite angeschlossen wird. Wie hochwertig das Pedal verarbeitet wurde, merkt man auch an dieser Stelle durch die Ummantelung der Netzbuchse, die so zuverlässig gegen Feuchtigkeit und Schmutz gesichert ist. Man weiß ja nie, was einem auf der Bühne so entgegen kommt.

Die Bedienelemente des Old Blood Noise Endeavors Procession

Die vier Drehregler wurden natürlich fest mit dem Gehäuse verschraubt und so weit voneinander angebracht, dass man sie bequem mit zwei oder mehr Fingern umfassen kann. Die Regler steuern folgende Funktionen mit butterweichem Lauf:

  • Speed dient zum Einstellen der Modulationsgeschwindigkeit der drei zusätzlichen Effekte.
  • Depth regelt die Intensität des gewählten Mod-Effekts.
  • Reverb steuert die Raumgröße des Halls.
  • Mix dient zum Einstellen das Verhältnis von Original- zu Effektsignal.

Ein zentral auf der Oberfläche angebrachter und knackig einrastender Dreifach-Minischalter dient zur Auswahl der Modulationseffekte Flanger, Filter und Tremolo.Seine Position im Schatten der vier Potis und der zwei großen Metallschalter an der Unterseite ist gut gewählt, ein etwaiger Fehltritt mit dem Knobelbecher bliebe hier ganz sicher ohne weitere Folgen.

Die beiden großen Schalter sorgen zum einen für das Aktivieren des Pedals („Bypass“) und zum anderen zum „Einfrieren“ des aktuellen Sounds („Hold“). Für den Bypassschalter wurde eine elektrische Variante gewählt, die ohne nerviges Klicken oder gar Krachen das Old Blood Noise Endeavors Procession zum Leben erweckt. Und das wird auch optisch angezeigt in Form einer roten LED, die, ganz im Gegensatz zu vielen Pedalen der Mitbewerber, nur so hell wie nötig leuchtet und somit ein sicheres Bedienen des Pedals bzw. der Regler auch in dunkler Umgebung noch möglich macht.

Warum man das nicht auch bei dem Hold-Schalter so gemacht hat, ist nicht zu erklären. Immerhin scheint man auch hier auf  einen eher hochwertigen Typ zurückgegriffen zu haben, denn die Schaltgeräusche fallen wirklich nur sehr gering aus. Gitarristen oder generell Musiker, die den Procession überwiegend im Bereich der Füße einsetzen wollen, werden sich an diesen Knackgeräuschen vielleicht nicht sonderlich stören bzw. sogar über die Rückmeldung aus dem Fußraum freuen. Anders sieht es dagegen bei Musikern aus, die ein solches Pedal im Studio oder neben dem Synthesizer betreiben – hier kann das Geknacke schon ganz schön auf die Nerven fallen!

Sound & Praxis Old Blood Noise Endeavors Procession

Die Anforderungen an Hardware und Ausstattung für ein Effektpedal dieser Preisliga stimmen absolut, aber wie steht es nun mit dem Sound der Kiste? Was tut es? Nun, Gitarristen, die auf der Suche nach dem ultimativen Springreverb für die Tom-Petty-Coverband sind, werden am Old Blood Noise Endeavors Procession garantiert keine Freude haben, obwohl auch bereits die kleinen Räume sehr gut klingen. Für Fans von Ambientsounds oder Gitarristen, die gerne experimentieren, hingegen dürfte das eher unspektakuläre (oder sollte man besser sagen lieblos) designte Pedal eine wahre Spielwiese für Klangreisen sein, die eine eher düstere Atmosphäre verbreiten.

Einzig und allein das Grundrauschen nervt dann und wann, bei manchen Settings ist die Wellenbewegung bzw. das „Pumpen“ des LFOs im allgemeinen Rauschteppich deutlich wahrzunehmen. Das hängt wie üblich davon ab, wie stark das Effektsignal dem Originalsound zugemischt wird.

Hören wir rein in das Old Blood Noise Endeavors Procession, für die Klangbeispiele wurde das Pedal im Effektweg meines Orange Micro Dark platziert. Der Amp hing an einer H&K GL112 Box mit einem 12″ Celestion Vintage 30 Lautsprecher, vor der wiederum ein AKG C3000 Mikrofon zur Abnahme platziert wurde. Als Gitarre wurde meine Music Man Silhouette Special mit unterschiedlichen Pickup-Einstellungen genutzt.

Als Erstes hören wir einen sehr großen Raum, kombiniert mit einem Tremolo und mittlerer Modulationsgeschwindigkeit. Beeindruckend ist die lebendige Dynamik, mit der das Pedal eingespielte Akkorde und Töne wiedergibt.

Nun das Tremolo mit erhöhter Geschwindigkeit und einem kleineren Raum.

Jetzt der Sound in Verbindung mit dem Flanger, zwischen den einzelnen drei Modi besteht übrigens keine Latenz beim Umschalten. Es kann munter hin- und her geschaltet werden, der integrierte DSP scheint wohl recht flott zu sein. Der Klang ist ideal, um düstere Atmosphären zu schaffen.

In Klangbeispiel 4 nun ein verzerrter Sound im Flanger-Modus. Auch hier wird die quicklebendige Dynamik spürbar, die aus dem eingegebenen Sound zum Teil etwas ganz Eigenes macht.

Abschließend noch ein Beispiel vom Klang des Filtermodus, meiner Meinung nach der Schwächste der drei Modi und ganz besonders anfällig, wenn es um Nebengeräusche geht. Bereits ohne einen Ton gespielt zu haben, ist das Pumpen des LFOs deutlich im Signal zu hören. Schade, aber das kostet dem Pedal einen Punktabzug bei einer ansonsten sehr ordentlichen Vorstellung.

Fazit

Wer auf düstere und Ambient-lastige Hallräume steht und diese dabei noch gerne wenn nötig bis zur Unkenntlichkeit, modulieren lässt, dürfte im Old Blood Noise Endeavors Procession ein ideales Spielzeug gefunden haben. Bis auf das Grundrauschen gibt es an diesem Pedal nichts auszusetzen, die Klangqualität und die hochwertige Verarbeitung entsprechen den Erwartungen an ein Boutique-Pedal vollkommen. Zudem stehen dem Benutzer mit der Hold-Funktion und dem Anschluss für ein Expressionpedal weitere Optionen offen, um aus der Prozession eine gelungene zu machen.

Plus

  • Klangqualität
  • drei verschiedene Modulationsmodi
  • Hold-Funktion
  • Expressionpedal-Anschluss
  • hochwertige Verarbeitung
  • Kreativitätspotenzial

Minus

  • mal mehr, mal weniger auffälliges Grundrauschen

Preis

  • Ladenpreis: 249,90 Euro
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    Die aufgemalten Figürchen finde ich cool, jedoch diese Drehregler waren von der preisgünstigen Sorte. Das wichtigste ist der Effekt und der klingt mir nicht gerade neuartig? Es ist schwierig was neues zu erfinden, aber vielleicht wollte man das gar nicht. Boutique hin oder her, das kann ja jeder auf sein Produkt schreiben, siehe Roland,das erinnert mich etwas an die Produktbezeichnung BIO…. auch nicht wirklich genormt. Also 250 Euro sind schon eine schwierige Preislage für das gebotene.

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