Test: Olympus LS-P4, Audiorecorder

Inbetriebnahme des Olympus LS-P4

Die optionale Tasche des Olympus LS-P4 kann auch als Tischstativ genutzt werden

Nach dem Einschalten ist das Gerät nach gut drei Sekunden einsatzbereit. Im Tiefschlafmodus geht das etwas schneller, störend kann hier lediglich die Aufnahmebereitschaft sein. Während man bei der DM-Serie, LS-12, LS-14 und vielen Zoom-Geräten nur einmal auf die Aufnahmetaste drücken muss, braucht es bei Olympus traditionell zwei Betätigungen. Ich hätte es schön gefunden, wenn man den Startmodus im Menü hätte verändern können. Warum man nicht von eigenen guten Ideen und Geräten der selben Serie lernt, ist nicht nachvollziehbar. Immerhin ist die Bedienung bei allen Rekordern des Herstellers bis auf den LS-100 sehr ähnlich und intuitiv. Im Menü sorgen fünf grobe Einteilungen (Datei, Aufnahme, Wiedergabe, Display/Klang und System) für die grobe Einteilung, darunter sind jeweils die passenden Einstellungen zu finden. Ohne Menü geht also nichts, weil hier nahezu alles konfiguriert werden muss. Das betrifft auch die Aufnahmeformate: MP3 mit 64 Kbit/s (Mono), 128 und 320 Kbit/s, Linear-PCM oder FLAC mit 16 Bit und 44,1KHz (Mono und Stereo), 48KHz und 24 Bit mit 44,1, 48, 88,2 und 96KHz. Man könnte sich für den MP3-Modus zwar noch mehr Formate wünschen, aufgrund des unterdurchschnittlichen Codecs ist dies aber zu vernachlässigen, darauf gehe ich später noch ein.

FLAC ist daher ein willkommenes Format für Anwender, die ihre Aufnahmen in sehr guter Qualität einfach nur archivieren wollen. So ist es auch sehr ungünstig, dass die internen Bearbeitungsfunktionen genau bei diesem Format nicht genutzt werden können. Die Abkürzung steht übrigens für Free Lossless Audio Codec und bezeichnet ein Komprimierungsverfahren für Linear-PCM, das im Gegensatz zu MP3 verlustfrei arbeitet. Das wird in High-End-Kreisen zwar kontrovers diskutiert, für mich zählt allerdings meine eigene Hörerfahrung und in zahlreichen Hörtests konnte ich zumindest keinen Unterschied zu WAV-Dateien ausmachen. Richtig platzsparend ist FLAC allerdings nicht. Nimmt man dauerhaft im internen 8GB Speicher auf, passen im WAV-Format mit 24 Bit bei 96KHz dreieinhalb Stunden Audiomaterial hinein, bei gleicher Auflösung in FLAC sind es gerade einmal eineinhalb Stunden mehr. Bei CD-Qualität, L-PCM bei 16 Bit mit 44,1KHz, wären elf Stunden möglich, im FLAC-Format sind es immerhin 16. Mit MP3 lässt sich deutlich mehr Platz sparen, 320 Kbit/s erlauben 50 Stunden Aufnahmezeit, bei 64 Kbit/s sind es sogar enorme 253 Stunden. FLAC bietet sich also vorwiegend an, wenn man seine Aufnahmen bei gleichbleibender Qualität etwas komprimiert abspeichern will. Das kommt blinden Anwendern zu Gute, die ihren Rekorder als „akustische Digitalkamera“ einsetzen wollen. Aufnahmen werden übrigens bei 2GB automatisch unterteilt, das sichert eine systemweite Kompatibilität.

Features des Olympus LS-P4

Olympus LS-P4 Mikrofonkapseln

Olympus gibt die Batterielaufzeit mit 39 Stunden für die Aufnahme und 31 Stunden für die Wiedergabe an. In der Praxis hält der Akku bei regelmäßiger Nutzung eine gefühlte Ewigkeit. Nach dem Einschalten begrüßt der Olympus LS-P4 mit drei auswählbaren Funktionen. Musik und Rekorder unterteilen die beiden getrennten Bereiche. Im Musik-Ordner, wahlweise im internen Speicher oder auf der SD-Karte, können maximal 300 Ordner mit je 200 Dateien abgelegt werden. Im Aufnahme-Ordner stehen fünf Unterordner bereit, die im Gegensatz zu anderen Rekordern von Olympus nicht umbenannt werden können. Der Kalender erlaubt die Suche nach Aufnahmen zu einem bestimmten Datum, ein hilfreiches Feature für Journalisten. Für die Wiedergabe können die Abspielgeschwindigkeit in einer relativ guten Qualität, Equalizer-Einstellungen und auch verschiedene Abspielmodi (Dateireihenfolge, Wiederholung oder zufällig) gewählt werden. Ein besonderer Sprachmodus überspringt automatisch Pausen in reinen Sprachaufzeichnungen und staucht diese etwas zusammen, ein Sprachfilter kann auch Hintergrundgeräusche beim Abspielen herausfiltern. Auch A/B-Repeat steht zur Verfügung, um eine bestimmte Passage dauerhaft wiederholen zu lassen. Dateien können geteilt, geschnitten oder Teile gelöscht werden, die Normalisierungsfunktion kann nachträglich die Lautstärke angleichen und ein Dateischutz verhindert versehentliches Löschen.

Olympus LS-P4 hinten links

Neu im Olympus LS-P4 ist die Funktion zum Ein- und Ausblenden, eine neue Aufnahmesituation für laute Umgebungen und ein einfaches Overdubbing. Geblieben ist hingegen der etwas schwachbrüstige Kopfhörerausgang, der selbst Standard-Hörer nicht laut antreiben kann. Vermutlich liegt dies an der geringen Spannung durch nur eine Zelle, denn verwendet man ihn als Audio-Interface, ist der Kopfhörerausgang deutlich lauter. Eine Alternative ist das Bluetooth-Modul mit dem betagten 2.1 EDR-Standard, so dass man Lautsprecher und Headsets mit dem Olympus LS-P4 verbinden kann, wenn auch mit dem verlustbehafteten SBC-Codec (A2DP). Für Android steht die Olympus Audio Control App kostenlos im Play Store bereit, die eine rudimentäre Fernbedienung über drei virtuelle Tasten ermöglicht und die es nicht für das iPhone gibt. Olympus hätte besser eine optionale Hardware-Fernbedienung anbieten sollen.

Auch wenn beide Modelle bis auf die Features gleich wirken, zeigt sich auf dem zweiten Blick, dass man die Abstimmung der Mikrofonkapseln etwas optimiert hat. Im Direktvergleich wirken die Aufnahmen etwas detailreicher und im Hochtonbereich minimal besser aufgelöst. Das gilt auch für die Wiedergabe, subjektiv klingt der Olympus LS-P4 detailreicher als sein Vorgänger. Unverständlich ist, dass man nach dem inzwischen abgelösten LS-14 bewährte Funktionen, wie Peak-Level, Metronom oder Tuner, nicht integriert hat. Wer vom LS-14 auf den Olympus LS-P4 umsteigt, muss auch auf den Line-Eingang verzichten. Immerhin gelingen bei geringer Aussteuerung auch mit Hochpegel-Geräten relativ passable Aufnahmen. Der Mikrofoneingang liefert übrigens auch eine Speisespannung mit, das ist man von Olympus seit je her gewohnt und wird für die Spannungsversorgung externer Electred-Kapseln benötigt.

Voice Guidance des Olympus LS-P4

Ein Steckenpferd von Olympus, worüber sich nicht nur blinde und sehbehinderte Anwender freuen, ist die Sprachbedienerführung. Hier lassen sich nahezu alle Funktionen über eine auf Phrasen basierte Sprachausgabe abrufen. Leider hat man vom DM-770 nichts dazu gelernt, dieser spricht auch Aufnahmedatum, Datum und Uhrzeit und Systeminformationen. Das fehlte schon dem LS-P2 und auch im Olympus LS-P4 hat man nicht nachgebessert. Dafür aber ist das vollständige Menü und sämtliche Gerätefunktionen per Sprachausgabe abrufbar, einschließlich Akkustand. Beim Erststart wird Voice Guidance angeboten, die Funktion lässt sich nachträglich im Menü aktivieren. Die Sprechgeschwindigkeit und Sprachlautstärke sind anpassbar, beim Wechsel der Gerätesprache ändert sich auch die Sprachausgabe entsprechend. Für blinde Anwender gibt es übrigens auch eine akustische Bedienungsanleitung für den LS-P2, die bis auf die neuen Funktionen auch für den Nachfolger passt.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Coin  AHU

    Hatte das Mic bestellt, aber enttäuscht wieder zurück geschickt.
    Es kann Dank des Rauschfilters sehr rauscharme Aufnahmen machen,
    besser als Zoom H4/H5
    Aber, der Aufnahmepegel war stets sehr niedrig.
    Sowohl mit manuellem Pegel (voll), als auch mit den Aufnahme-Profilen
    musste ich die Lautstärke der Samples in der DAW immer locker 30 db anheben.
    (Wir haben direkt in das Mic gesprochen)
    Würde gern mal wissen, wie Olympus das Video vom LS-P4 hinbekommen hat ?
    Der Stativadapter nervt etwas.

    @ Stephan – hast Du auch Probleme mit der Lautstärke gehabt ?

  2. Profilbild
    Stephan Merk  RED

    Nein, diesbezüglich hatte ich mit keinem der Rekorder je Probleme. Einzig der LS-14 hatte mal in einem früheren Test etwas angeeckt, das lag am zentralen Mikrofon. Gerade vorletzte Woche hatte ich für eine Produktion auf einer Messe H2n und LS-P4 mit, den H2n hatte ich aufgrund des viel zu unruhigen Klangbildes am zweiten Tag zuhause gelassen, das liegt aber an der Kapselanordnung. Ich habe bei Interviews selbst in ruhiger umgebung schon fast zu viel Pegel gehabt als zu wenig. Mit dem LS-P2, im Wesentlichen baugleich, habe ich vor zwei Jahren auf dem Schützenfest Hannover in Verbindung mit dem Ohrwurm 3 Onride-Aufnahmen für einen Test gemacht, auch da immer mit vollem Pegel. Kann ich also überhaupt nicht bestätigen, zumal die Range ja auch ziemlich groß ist.

    • Profilbild
      Coin  AHU

      Hi Stephan, ok, hätte mich auch gewundert, wenn das normal wäre.
      Vielleicht hatte ich ein Montagsgerät.

      Danke für den Test.

  3. Profilbild
    Stephan Merk  RED

    In der Tat sehr seltsam, zumal Du ja auch nichts wirklich falsch machen kannst. Absenken lässt sich der Pegel nur durch die automatischen Aussteuerungs-Modi, der Limiter begrenzt ja nur Clipping. Oder hast Du bei „manuell“ nicht mit Pfeil rechts den Pegel erhöht? Pfeil rauf/runter regelt die Lautstärke, seitlich den Aufnahmepegel. Aber Du wirst ja auch das Display beobachtet haben. Ich weiß zumindest von einem nahe gelegenen Händler, dass die Rücklaufraten extrem niedrig sind.

    • Profilbild
      Coin  AHU

      Hey Stephan, ich habe alle Funktionen getestet, die das Gerät hatte.
      Leider weiss ich jetzt nicht mehr wie die verschiedenen Modi hiessen,
      es ist zu lange her.
      Wenn ich mir die aufgenommenen Files jetzt anhöre,
      sind diese entweder zu leise,
      oder verrauscht. (Ohne Rauschfilter)

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        Stephan Merk  RED

        Irgendwas hat dann da wirklich nicht gestimmt, verrauscht ist definitiv unüblich. Schau mal hier: https://www.amazona.de/test-marantz-pmd661-mkiii/ Ich hatte in einem Klangbeispiel auch den Olympus LS-P2 mit einbezogen, der mich vom Eigenrauschen her sogar überrascht hat. Wenn man die Aufnahmesituation ausschaltet und Aussteuerung manuell wählt, kann man ihn deutlich hörbar überfahren. So können wir nun leider nicht mehr nachvollziehen, wo das Problem gelegen haben kann.

  4. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Der Recorder wird es in seiner Preisklasse sehr schwer haben.
    Was mich dann aber doch sehr erstaunt hat, ist die Zielgruppe »Menschen mit körperlichen Problemem«.
    Mir ist kein Hersteller bekannt, der sich überhaupt Gedanken dazu macht.
    Ich fand es sehr gut darüber etwas zu erfahren. Andere Hersteller sollten sich das mal abschauen.
    So gesehen ein Alleinstellungsmerkmal, womit der Recorder dann doch noch Extrapunkte gut machen kann.

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