Test: One Control Golden Acorn Overdrive Special, Verzerrer-Pedal

23. Juni 2020

Howard Dumble Overdrive Special in a tiny Box?

One Control Golden Acorn Overdrive Special

Golden Acorn Overdrive Special

Der Dumble Overdrive Special zählt zu den seltensten und teuersten Röhren-Amps aller Zeiten. Neu gibt es sie ihn nicht mehr und wenn man einen gebrauchten Dumble hier und da schon mal in den Kleinanzeigen findet, dann sind Preise von bis zu 80.000,- Euro keine Seltenheit. Damit lassen Mythen und obskure Geschichten rund um diesen natürlich nicht lange auf sich warten, an Musiker-Stammtischen werden diese Amps als wahre Wunder in Klang und Dynamik gelobpreist und als das absolute Non-Plus-Ultra der Gitarrenverstärkung beschrieben. Kaum ein Modeling-Amp kommt ohne ein Dumble-Preset aus und auch im Bereich der Gitarreneffekte gibt es eine ganze Reihe von Metallkästchen, die sich am Klang und Charakter des legendären Dumble versuchen. Darunter auch die japanische Firma One Control, die mit dem Golden Acorn Overdrive Special eines dieser Overdrive-Pedale im Programm führt. Low-Gain-Dumble-Sound für knapp über 100,- Euro? Machen wir den Test!

Golden Acorn Overdrive Special – Facts & Features

OK, ich gebe es gleich zu Beginn zu: Leider hatte ich bislang nicht die Gelegenheit, einen echten Dumble zu spielen, geschweige denn ausgiebig zu testen. Ich versuche deshalb, in diesem Test so gut es geht die Möglichkeiten zu beschreiben, die das kleine, in Gold eloxierte Pedal uns bieten kann. Vielleicht gibt es ja unter unseren Lesern jemanden, der schon mal die Gelegenheit hatte, einen Dumble Overdrive Special auf den Zahn zu fühlen und sich anhand der Beschreibung der Sounds, des Klangverhaltens insgesamt und nicht zuletzt aufgrund der Klangbeispiele dazu äußern kann. Ich würde herzlich darum bitten!

So, nun aber zu dem Pedal, für dessen Entwicklung sich One Control den schwedischen Effektspezialisten Björn Juhl mit ins Boot geholt hat. Zu erkennen ist dies an der Beschriftung des Golden Acorn Overdrive Special, unter der neben dem eigentlichen Produktnamen des Pedals der Hinweis „Designed by BJF“ zu finden ist. „BJF“ steht für „Björn Juhl Förstärkaelektronik“ und unser goldenes Kistchen ist nicht das einzige Pedal, bei dem der schwedische Effekt-Gott die Finger mit im Spiel hatte. Das Sounddesign einer ganzen Reihe von Overdrive- und Boost-Pedalen im Sortiment von One Control gehen auf seine Rechnung. Sie alle sind recht winzig geraten, so besitzt auch unser Golden Acorn Overdrive Special lediglich eine Größe von 47 x 48 x 100 mm, bei einem Gewicht von rund 160 g. Das ist in der Tat ganz schön winzig und kann mit eingesteckten Klinkenkabeln schon eine recht wackelige Angelegenheit werden, da dürften die vier der Verpackung beigelegten Gummifüße nicht viel dran ändern. Also gilt es, den goldenen Zwerg am besten mit Klettband auf dem Pedalboard zu fixieren oder auf eine andere Art irgendwie vorm Wegrutschen zu sichern.

Trotz dieser zierlichen Dimensionen besitzt das Pedal tatsächlich noch genügend Platz, um eine 9-Volt-Batterie aufzunehmen. Dazu muss aber die Rückseite mit vier Schrauben komplett abgenommen werden, um den Saftspender zu tauschen. Besser ist es, man wählt die Stromversorgung mittels eines 9-Volt-Netzadapters, der Anschluss dafür befindet sich an der rechten Seite des Gehäuses in unmittelbarer Nähe der Eingangsbuchse. Gegenüber geht es wieder raus und im Idealfall zu einem Gitarren-Amp.

One Control Golden Acorn Overdrive Special Batterie

Kaum zu glauben – selbst ein dicker 9-Volt-Block findet im Gehäuse des Acorn Overdrive Special noch seinen Platz!

Dass alle drei Buchsen an den Außenseiten sitzen, ist keine schöne Sache, das Design ließ aber hier dem Hersteller wohl keine andere Wahl. Für Gerangel auf dem einen oder anderen Pedalboard könnte das aber trotzdem mal wieder sorgen, also heißt es, im Notfall an dieser Stelle auf angewinkelte Klinkenstecker zu setzen.

Golden Acorn Special – die Oberseite

One Control Golden Acorn Overdrive Special right angel

Das Pedal besitzt zwar keinen Softklick-Metallschalter, der hier verbaute gehört aber eher zu der weicheren Sorte und startet das One Control Golden Acorn Overdrive Special daher mit einem eher moderaten Klickgeräusch. Der Schalter wurde auch maximal weit von den drei Reglern platziert, sodass hier Fehltritte auf die Potis nahezu ausgeschlossen werden können. Sollte trotzdem mal ein Tritt mit dem dicken Stiefel daneben gehen, so dürften die Potis das locker wegstecken – sie sind nämlich fest mit dem Gehäuse verschraubt. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Kandidaten dieser Kategorie Effekte, bei denen die Regler auf der Platine sitzen und entsprechend mit einem mehr oder weniger starken Wackeln und oftmals einer schwammigen Bedienung auffallen.

Etwas mehr Platz hätte es zwischen den Reglern trotzdem sein können, speziell das obere Poti (Volume) kann zumindest ich nur mit den Fingerspitzen bedienen, „Bright“ und „Tone“ hingegen lassen sich immerhin mit zwei Fingern sicher umschließen. Die Funktionen der Regler gestalten sich wie folgt:

  • Volume – regelt die Lautstärke des Signals
  • Bright – ein rudimentäres Tone-Poti mit Fokus auf Betonung der Höhen
  • Ratio – bestimmt die Stärke der Verzerrung, vergleichbar also mit einem Gain-Regler

Zwischen den Reglern sitzt eine LED, die über den Betriebszustand informiert. Bei eingeschaltetem Pedal leuchtet sie erfreulich moderat, ja geradezu dezent in orange auf. So dezent, dass man auch bei Dunkelheit die Bedienelemente noch gut erkennen kann. Keine Blendgranate also, wie man sie ebenfalls von den Geräten zahlreicher Mitbewerber kennt. Und was dann aus dem goldenen Kistchen tönt, ist mehr als überraschend!

Golden Acorn Overdrive Special – in der Praxis

Zu Beginn des Artikels habe ich ja gestanden, dass ich noch nie die Gelegenheit hatte, einen echten Howard Dumble Overdrive Special Amp zu spielen. Hier an dieser Stelle möchte ich ergänzen, dass ich eigentlich auch überhaupt kein Fan von Verzerrer-Pedalen bin: Zu künstlich im Klang scheinen für mich die meisten dieser Pedale, zu sehr eingeschränkt deren Dynamik und damit das verbundene Spielgefühl. Ich glaube aber, ab heute ändere ich meine Meinung, denn was aus dem Golden Acorn Overdrive Special an das Ohr gelangt, ist ein wunderbar süßlicher, weicher Ton, der absolut präzise auf die Dynamik der eingespielten Noten reagiert.

Zwar ermöglichen die beiden Regler „Bright“ und „Ratio“ keine Quantensprünge hinsichtlich der Gestaltung des Klangs, aber der Grundsound des Pedals ist einfach überwältigend warm und herrlich singend zugleich. Je nach verwendeter Gitarre reicht die erreichbare Verzerrung von mildem Crunch bis hin zur Verzerrung für Hardrock-Sounds – wohlgemerkt an einem Amp angeschlossen, der einen Cleansound verpasst bekommen hat. Wer gerne mehr möchte, der kann ja das Gain am Amp noch entsprechend erhöhen und sich trotzdem über einen klar definierten und frei von Matschen agierenden Sound freuen. Und dazu über einen Klang, der nahezu ohne jegliche Nebengeräusche auskommt, selbst bei voll aufgeregelten Bright- und Ratio-Potis weht nicht mal ein laues Lüftchen aus dem Speaker des Amps.

Das beste Bild gibt das Pedal bei den Leadsounds ab, hier singt und schmatzt es wunderbar. Abstriche muss man hingegen bei den Rhythmus-Sounds machen, die nicht in allen Facetten ein solch überzeugendes Bild abgeben.

Denkbar wäre auch, das Golden Acorn Overdrive Special einfach als Booster dauerhaft in der Signalkette vor dem Amp zu schalten, dermaßen veredelt wird der Grundsound der Gitarre dadurch. Ich bin ehrlich verblüfft und nach dieser Erfahrung mit einer Nachbildung des Klangs eines Dumble Overdrive Special noch heißer darauf, einen dieser echten Dumbles wirklich mal anzutesten. Hat denn keiner einen für uns übrig?

Golden Acorn Overdrive Special Klangbeispiele

Für die nun folgenden Klangbeispiele habe ich das kleine goldene Pedal zusammen mit einer Harley Benton Telecaster, einem Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion Vintage 30 Box und einem AKG C3000 als Mikrofon für die Aufnahme verwendet. Für das erste Beispiel wurde der Pickup am Hals gewählt, in den übrigen Tracks hört man das Golden Acor Special mit dem Steg-Singlecoil der HB-Tele.

Fazit

Unabhängig davon, ob das One Control Golden Acorn Overdrive Special nun klingt, wie ein echter Howard Dumble Overdrive Special Amp oder auch nicht: Es ist einfach ein wunderbar warm, süßlich und herrlich vintage klingendes Verzerrer-Pedal, das zudem mit einer überzeugenden Dynamik ausgestattet ist und zudem noch beste Rauschwerte besitzt. Ein absoluter Tipp für alle die, die auf klassische und singende Leadsounds mit nicht ganz so viel Verzerrung, aber mit einer Menge Charakter stehen. Antesten!

Plus

  • exzellenter Klang
  • beste Rauschwerte
  • gute Verarbeitung
  • Batteriebetrieb möglich
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 129,- Euro
Klangbeispiele
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