Live Gigs mit echten AUv3-Plug-ins
Open Planet Sessions ist ein AUv3-Plug-in und Live-Performance-Host für Apple iPad und Mac, mit dem sich endlich Audio Unit AUv3-Plug-ins von Universal iOS/macOS-Plug-ins auf dem Mac auch außerhalb von Apple Logic, Mainstage und GarageBand nutzen lassen. Grund genug zum Feiern!
- Universalkauf: Eine Lizenz für iPad und Mac, kompatibel ab macOS 13 / iPadOS 13.
- Besonderheit: Lädt AUv3-Plug-ins außerhalb von Logic, Mainstage und GarageBand – einzigartig auf dem Mac.
- Live-Fokus: 12 Scene-Reiter, Makro-Regler, Widgets und MIDI-Steuerung für schnelle Performance-Wechsel.
- Recorder: Nimmt Audio automatisch mit bis zu 96 kHz/32 Bit Float auf.
- Fazit: Stabiler, moderner AUv3-Host mit klarer Roadmap – schon jetzt „sehr gut“, aber MIDI-Plug-ins fehlen derzeit noch.
Inhaltsverzeichnis
Update V5
Gerade ein Tag vor Veröffentlichung dieses Testberichts kam Sessions V5 heraus. Hier die wesentlichen Neuerungen:
- Session Mix: Eine neue Ansicht, die es erlaubt alle 12 Scenes auf einem Raster darzustellen und zu bearbeiten.
- Pinned Scenes: Erlaubt das Aktivieren von mehr als einer Scene auf einmal, auch über MIDI steuerbar
- Scene-Namen
- Mac: Bildschirmschoner bleibt automatisch deaktiviert, so lange die App im Vordergrund ist
- Stabilitätsverbesserungen für Sessions mit Hardware-Anbindung
Getestet wurde Open Planet Session 4 unter macOS 26.0.1 (M-Serie) bzw. iPadOS 26.0.1. Benötigt wird jedoch nur macOS 13 oder iPadOS 13 (oder neuer). Eine Demoversion gibt es nur für den Mac. Open Planet Session ist für 22,99 Euro für iPad und Mac im Apple App-Store zu erwerben.
Was ist ein „Live-Host“
Bei dieser Art von Software handelt es sich nicht um eine vollwertige (komplexe) DAW, sondern die Software konzentriert sich darauf, verschiedenste Plug-ins (und eventuell andere Set-List-Daten, die man auf der Bühne so braucht), Gig-tauglich zu organisieren und vor allem schnell aufzurufen. Fähigkeiten, wie schnelle Patch-, Scene- oder Setup-Wechsel, sind hier wichtig.
Diese Art des Live- oder Performance-Hosts ist besonders auf dem iPad beliebt. Apps wie Kymatica AUM, Audio Modelling Camelot Pro oder Beepstreet Drambo haben sich bei Live-Gigs mit dem iPad besonders bewährt.
Für Desktop-Computer gibt es als Live-Hosts z. B. Apple Mainstage oder Plugin Alliance Gig Performer. Ableton Live ist als vollwertige DAW ein Sonderfall und hat sich seinen Platz als „Live-Host“ hart erarbeitet und die Kombo Macbook & Ableton ist auf Gigs wirklich extrem häufig anzutreffen.
AUv3-Plug-ins auf dem Mac
Open Planet Sessions ist als Universalkauf im Apple App-Store für iPadOS und macOS verfügbar und ist eines der ultraseltenen Nicht-Apple-Produkte, die echte AUv3-Plug-ins, wie sie auf iOS benutzt werden, laden können.
Ableton Live 12+ ist die einzige mir bekannte DAW außerhalb der Apple-Landschaft, die ebenfalls AUv3s laden kann. Alle anderen DAWs auf dem Mac stecken immer noch bei AUv2 fest. Das ist also ein ziemlich großer Fortschritt, dem wir hier beiwohnen dürfen!
Open Planet Sessions kann auf dem Mac aber auch AUv2-Plug-ins laden, damit man auch seine alten Plug-ins weiter nutzen kann.
Die Frage „Warum dann nicht einfach Apple-Apps nutzen?“ lässt sich recht einfach beantworten. Zum einen mag nicht jeder den Workflow von Apple (ich persönlich nutze zwar einen Mac, mache aber eine weiten Bogen um die meisten Apple-Apps, weil mir zu viel an deren Workflow nicht passt, z. B. das gezwungene Destructive Editing in Preview), und zum anderen haben die Apple-Apps die unangenehme Eigenschaft „mit dem Betriebssystem zu wandern“. Neue Funktionen gibt es mitunter nur mit dem neuen Betriebsystem, was im schlimmsten Fall öfter als nötig einen neuen Mac oder ein neues iPad bedeuten kann.
Open Planet Sessions – macOS/iPadOS
Open Planet Sessions bietet erstmal 12 Scene-Reiter sowie drei unterschiedliche Kanalarten, die auf dem Mac über das Menü Scene -> New Channel (Apfel+N) instanziiert werden können. Die Kanalarten sind
- Software Instrument
- Audio Channel
- AUX (also Busse)
Beim Audio Channel können externe Signale in die Software eingeschleift und dann mit Effekten etc. versehen werden.
Beim Kanaltyp „Software Instruments“ werden Klangerzeuger- und Effekt-Plug-ins eingefügt.
MIDI-Effekte werden in Session V4 noch nicht unterstützt, aber das steht ganz oben auf der To-do-Liste von Open Planet.
Jeder der Reiter bietet seine eigenen Kanalzuweisungen für MIDI-Filter und MIDI-Channel-Auswahl, Keyboard-Zonen, acht Send-Kanäle, eine beliebige Anzahl von AUX-Bussen (bei 20 hab ich aufgehört zu zählen) und Audio-Ein- und -Ausgänge. Letzteres natürlich abhängig vom angeschlossenem Audiointerface.
Hinzu kommt ein Scene-Ausgang, also ein interner Summenmixer für den Reiter, wobei bisher immer nur ein Reiter auf einmal aktiv sein kann. So lässt sich schnell zwischen verschiedenen Sets umschalten.
In zukünftigen Updates soll es aber auch möglich sein, mehrere Reiter aktiv zu schalten, um z. B. eine Drummachine oder Backing-Tracks etc. im Hintergrund laufen zu lassen.
Seltsamerweise lassen sich die AUX-Busse (bisher) aber nicht mehr löschen. Also die Panels schon, aber die Busse an sich bleiben auch weiterhin auswählbar. In jedem AUX-Bus kann auf Wunsch auch eine weitere Effektkette instanziiert werden.
Bibliothek und Plug-in-Manager
In diesem Fenster von Open Planet Sessions werden die Plug-ins in Klangerzeuger, Effekte und Patches unterteilt. Die ersten beiden sind selbsterklärend, Patches sind komplette Scenes und Kanalzüge, die individuell abgespeichert werden können.
Hiermit können oft benötigte Zusammenstellungen schnell aufgerufen werden, auch außerhalb der aktuellen Session.
Zum Instanziieren werden die Plug-ins einfach aus dem Plug-in-Browser auf den gewünschten Reiter gezogen und können danach auch per Drag & Drop, selbst über die Kanalzüge hinweg, in der gewünschten Reihenfolge arrangiert werden.
Es gibt auch einen Plug-in-Manager. Hier können nicht nur die Plug-ins aussortiert werden, die man live bestimmt nicht braucht, wie z. B. Post-Produktions-Plug-ins, sondern auch solche, die sich als nicht-kompatibel mit Open Planet Sessions erweisen.
Widgets in Open Planet Sessions
Jedes Plug-in wird durch ein sogenanntes Widget repräsentiert. Mit einem Klick auf Icon am rechten Rand kann das Plug-in dann in voller Schönheit angezeigt werden.
Auf dem Mac gibt es in den DISPLAY-Voreinstellungen wahlweise das Hauptfenster von Sessions oder ein eigenen Fenster für die AUv3s. Letztere Option gibt es auf dem iPad nicht.
Auf dem Mac gibt es derzeit auch noch Probleme bei der Skalierung. Die AUv3s werden in Open Planet Sessions V4 auf dem Mac nicht skaliert und man bekommt immer die originale Auflösung, die anscheinend davon abhängt, ob das AUv3 Retina-Auflösung (2048 x 1536 oder mehr) unterstützt oder nicht.
Unter iOS ist die Skalierbarkeit der AUV3-GUIs ja Pflicht, aber auf dem Mac ist hier mit einem 1080p-Bildschirm nichts zu holen.
Hier drei 1:1 GUI Beispiele auf dem Mac im Vergleich:
Zurück zu den Widgets: Mit einem Klick auf das Icon vor dem Namen wird das Verwaltungsmenü geöffnet. Das Augenmerk liegt hier auf dem Widget-Builder. Mit den drei Elementen „Regler“, „Schalter“ und „Trennleiste“ können die (wichtigsten) Parameter des Plug-ins direkt zugänglich gemacht werden, ohne die AUv3-Oberfläche öffnen zu müssen.
Den Bedienelementen können einfach die gewünschten MIDI-/Automationsparameter des Plug-ins zugeordnet werden und als Sahnehäubchen können diese erstellten Widgets auch als Default-Zustand abgespeichert werden.
Makro-Regler
Aber damit der Live-Optimierung noch nicht genug. Für jeden der 12 Scene-Reiter gibt noch jeweils 17 Macro-Regler, die mit mehreren MIDI-CC auf einmal angelernt werden können, inklusive Namensgebung und Skalierung der Parameterwerte. Dabei ist zu beachten, dass die einzelnen Parameter der AUv3s, sollten sie in einem Macro verwendet werden, immer noch unabhängig eingestellt werden können. Aber wenn der Macro-Regler bedient wird, werden sie auf dessen Wert gesetzt. Vielleicht wäre hier noch eine Option interessant, bei der sich der Macro-Regler nur relativ auswirkt und nicht absolut.
Es gibt sogar MIDI-Unterstützung für den Wechsel des Scene-Reiters sowie Start und Stop, so dass man im Idealfall gar nicht mehr auf den Bildschirm schauen muss.
Mit Widgets und Makros kann in Open Planet Sessions eine Große Anzahl an Parametern auf wenige übersichtliche Bedienelemente reduziert werden, was Live immer von Vorteil ist.
Open Planet Sessions: Live-Recorder
Ein beliebtes Feature für Übungen und Live-Gigs, aber auch in so mancher Kompositions-Software, ist der Live-Recorder. Dieser schneidet die Audioausgabe von allem mit was Open Planet Sessions ausgibt, ohne dass der Aufnahmeschalter betätigt wurde. Bei Open Planet Session werden so „nachträglich“ bis zu 15 Minuten aufgenommen, d. h. solange keine Audioausgabe erfolgt, wird die Aufnahme nach 15 min im Arbeitsspeicher wieder überschrieben.
Leider lässt sich in Open Planet Session V4 kein spezifisches Laufwerk für die Aufnahme festlegen, es geht also immer auf die System-SSD.
Mitschnitte können als AAC bis 48 kHz oder im WAV-Format bis 96 kHz bei 32 Bit Float aufgenommen werden, was dann schon ein paar Gigabyte verschlingen kann.
Auch das Einschleifen externer Audioquellen ist möglich und es gibt für den Recorder sogar eine Voreinstellung, ab welcher externen Eingangslautstärke der kontinuierliche Mitschnitt starten soll.
Damit ist Open Planet Session schon jetzt eine umfassende Steuerzentrale für Live-Gigs für Macs und iPads. Die Aufnahmen können nachträglich noch grob geschnitten werden, weitere Bearbeitungsmöglichkeiten gibt es aber nicht.
In der Pipeline von Open Planet Session
Diese Neuerungen sind bereits angekündigt:
- Sidechains z. B. für Vocoder, Kompressoren etc.
- AU MIDI Plug-ins (MIDI-Plug-ins mit Noteneingang, wie z. B. Vocoder oder Sequencer)
- Always-on-Recorder auch für MIDI
- Updates für Performer
- Backing-Tracks,
- Umschalten zwischen großen Scenes
- Always-on-Scenes.
Weitere Informationen findet ihr auf der Website von Open Planet.
























































1 Tag zuvor wurde auch schon wieder Sessions V5 veröffentlich, mit etlichen Neuerungen und Verbesserungen. Es geht also rasant voran!
Wäre cool wenn man auch die Logic Plugins nutzen könnte, z. B. Alchemy, aber das ist wohl was anderes bzw gar nicht möglich? Davon abgesehen, Alchemy in Ableton Live wäre eh der Knaller 😁
@Soundreverend Wenn ich mich recht erinnere sind die Logic-Plug-Ins alle in den Programmcode selbst eingebaut – aka „hardcoded“.
Grüße,
M. :)
@Soundreverend Hab die Woche Gerüchte, dass Apple Main Stage für’s iPad veröffentlicht. Ob da Alchemy nutzbar ist, weiß ich nicht
@Arne Gab … war gemeint