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Test: Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee

24. November 2021

Die volle Ladung Orchester

Die Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee, das wird ein Fest! Die bekannte deutsche Firma der erstklassigen Sample-Librarys Orchestral Tools und das wohl renommierteste Musik-Colllege der USA, das Berklee College of Music, sind eine Kooperation eingegangen. Ja, d-a-s Berklee College, das so illustre Namen wie Jan Hammer, Esperanza Spalding, Al Di Meola, Hiromi Uehara oder auch einen Steve Vai hervorgebracht hat. Wenn man sich die Liste der Alumni ansieht, im Prinzip das Who-is-who der (modernen) Jazz-Szene und darüber hinaus.

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Entsprechend horcht man auf, wenn dieses College eine Kooperation eingeht, um eine vor allem auf einfache Bedienung zugeschnittene Library mitzuentwickeln. Dabei gab es einige Kriterien. Sie soll nicht so resourcenhungrig sein, damit sie auch auf Laptops der Studenten läuft. Ein weiteres Merkmal ist die Besetzung der einzelnen Orchester-Sektionen, vor allem die Blechbläser stechen hervor. Denn es gibt nicht nur erst und zweite, sondern auch eine dritte Solo-Trompete. Bei den Flügelhörnern gibt es gar vier Solisten. Hinzu kommen noch die Ensembles der jeweiligen Instrumente. Alle Samples der Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee sind von den Berlin-Series von Orchestral Tools und sollen damit von derselben Qualität sein wie die, welche die Top-Hollywood-Scorer auch einsetzen.

Aber mal von vorne eins, zwei, drei vier.

Installation der Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee

Nach der Registrierung muss man sich erst mal den Orchestral Tools Sine-Player herunterladen – eine Kontakt-Version der Library gibt es nämlich nicht. Der Player wird als Plug-in für Win/Mac in den Formaten VST/AU und neuerdings auch AAX (Pro Tools) ausgeliefert. Darüber hinaus wird eine Standalone-Version installiert, die auch am besten für das Herunterladen der Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee genutzt werden sollte.

Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee - Instrument Sections

Berlin Orchestra – Instrument Sections

Nach einem Challenge-Response-Verfahren ist die Lizenz aktiviert und man kann mit dem Download der im SINEarc-Format komprimierten 40,7 GB beginnen. Als 24Bit/48 kHz Samples ergibt das 91,4 GB im entpackten Format. SINEarc ist eine verlustfreie Kompression, die on-the-fly vom SINEplayer entpackt wird, weswegen auch die CPU mehr als bei anderen Librarys beansprucht wird. Kleiner Hinweis: Es gibt auch komplett kostenlose Librarys für den Player unter diesem Link.

Die Systemvoraussetzungen lauten:
Mac OS 10.13, i5, 4 GB RAM (16+ GB empfohlen)
Windows 10, Intel Core i5 or vergleichbar (Windows 7 wird nicht offiziell supported)

SINE-Player ist Voraussetzung für Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee

Beim Herunterladen muss man etwas Geduld mitbringen, denn je nach Tageszeit kann es unterschiedlich lange dauern. Meine Download-Zeit betrug ca. 3 Stunden. Danach sind die komprimierten Daten bereit, um in das Projekt übernommen zu werden. Der SINE-Player präsentiert sich mit einer aufgeräumten Oberfläche, dessen Struktur leicht zu erlernen ist.

Beschäftigt man sich jedoch eingehender mit der Software, merkt man, dass hier auch viel im Detail versteckt liegt – mehr als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Der Funktionsumfang des SINE-Players sprengt aber dieses Library-Review und es soll genügen, wenn ich sage, dass er alles mitbringt, was man für eine lebensechte Orchester-Performance benötigt. Das betrifft Legato-Einstellungen sowie Keyswitches und das Einladen bestimmter Sektionen oder Spieltechniken und, und, und.

Klang und Aufbau

Was unterschiedet eigentlich die Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee von den „großen“ Produkten von Orchestral Tools? Dazu lohnt es sich, einen Überblickschart anzuschauen.

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Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee - Collection Vergleich

Orchestral Tools Collection Vergleich

Der große Unterschied ist die Detailgenauigkeit und das namentlich in den enthaltenen Artikulationen (max. 8 für das Berlin Orchestra, bis zu 35 für die anderen Collections) und den Mikrofonpositionen. Für die anderen Collections gibt es bis zu 6 Positionen, darunter auch Nahmikrofonierungen; Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee bietet hier tatsächlich nur eine Position und zwar die Totale. Will sagen, alle Instrumente kommen positions- und klangmäßig über die Hauptmikrofone so, wie sie auch in einem Orchester sitzen würden. In dem Fall, wie sie in der Teldex Scoring Stage, Berlin sitzen würden.

Zum einen klingt das Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee sofort authentisch und „richtig“. Man muss nicht erst lange mit Mic-Positionen ringen, bis man einen guten Klang bekommt. Zum anderen hat man immer den gesamten Raumklang mit auf der Aufnahme, zu dem addiert sich das Rauschen. Über den Mixer kann man zwar Instrumente auf andere Ausgänge schicken (beim Mac nur in der VST-Version) und die Release-Kurve beeinflussen – aber die volle Kontrolle über die Räumlichkeit hat man definitiv nicht.

Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee im Einsatz

Die Library von Orchestral Tools soll speziell für schwächere Systeme entwickelt worden sein und so scheinen die Hardware-Anforderungen auch moderat. Tatsächlich kam mein Test-Setup nicht ins Schwitzen. Denn eins ist klar: So eine Library geht ganz schön auf den Speicher. In der Abbildung sieht man ein kleines Ensemble, das schon 2 GB RAM-Verbrauch auf die Waage bringt. Schraubt man den Preload-Buffer auf 384 Samples, werden daraus 3,2 GB. Andere Programme wie Browser sollten also nicht geöffnet sein.

Auf meinem Mac mini (Ende 2014), 2,6 GHz Intel Core i5, 8 GB 1600 MHz DDR3 war ich locker in der Lage, das gezeigte Ensemble frei von Unterbrechungen zu spielen. Immer wieder stieg die CPU-Last bis auf über 100 %.

Selbst bei ca. 100 benutzen Voices stieg die CPU-Last bis selten über 10 %. Und das bei aktivierter Legato- und Round-Robin-Funktion.

Ich hatte für den Test die Library ja auf die interne SSD kopiert, um die Performance zu beurteilen, nahm ich noch eine Installation auf einer USB-3.0 HDD vor. Selbstverständlich dauert das Laden eines Projektes sehr viel länger (würde mal sagen Faktor 5 bis 7). Das Problem ist aber, dass man viel mehr mit den Advanced-Einstellungen arbeiten muss. Mir gelang es trotzdem nicht, die Library komplett ohne Aussetzer in situ zu spielen. Erst wenn man alle verwendeten Noten mindestens einmal gespielt hat, geht es.

Klangbeispiele

Da mich die Leute ja schon vieles genannt haben, aber garantiert keinen Komponisten für Filmmusik, verweise ich hier auf die Beispiele von der Orchestral Tools Website.

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Und hier noch ein schönes Walkthrugh-Video:

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Fazit

Einen Rechner, der nicht älter als sechs/sieben Jahre ist, wird man hier schon brauchen, Hauptsache, man installiert auf eine SSD. Dann allerdings kommt man in den Genuss von Hi-End-Orchester-Klängen, die gemeinhin sonst nur den Profis vorenthalten sind. Natürlich muss man die Library als eine abgespeckt Version betrachten, aber das Potential, was darin steckt, ist mächtig. Oder wie es auf der Website des Berklee College heißt: Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee i-s-t das Curriculum. Wer hiermit das Scoring, die Orchestrierung lernt, kann das auch überall anders anwenden.

Wahrscheinlich bekommen die in Berklee Studierenden die Orchestral Tools Berlin Orchestra Created with Berklee im Zuge ihrer College-Fee „gratis“. Der Preis für Interessierte von außerhalb ist dann allerdings nicht mehr so studentisch: Die Library kostet 849,- Euro ohne Mehrwertsteuer (also 1010,30 Euro mit 19 % MwSt. in Deutschland). Es gibt allerdings einen EDU-Discount von 50 %. Der Fairness halber muss man aber erwähnen, dass alleine die große Berlin Strings Collection mit 840,- Euro fast genau so viel kostet und es eine Library fürs Leben ist.

Persönlich hätte ich eine Ansiedlung im unter 600,- Euro Segment angemessener gefunden, allerdings reicht mir das doch nicht, um einen Stern abzuziehen – denn Klang und Handhabung sind wirklich einfach fantastisch.

Plus

  • profesionele Aufnahmen aus der Teldex Scoring Stage
  • komplette Orchestrierung samt Percussion

Minus

  • SSD im Prinzip zwingend notwendig

Preis

  • 1.010,30 Euro
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Forum
  1. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Den beinahe zwingenden Einsatz einer SSD empfinde ich aktuell nicht wirklich als Negativpunkt. Zumindest bei der aktuell freundlichen Preissituation. Auch 32 GB RAM und mehr sollten in einer DAW nichts außergewöhnliches sein.

    Ich könnte mir sogar vorstellen, dass in professionellen Studios ein Threadripper im schmerzhaften Preisbereich als Sampleserver steht und das regelt. Abgesehen davon, dass der Tontechniker damit ja nicht surfen soll, sollte dann auch ein geöffneter Browser kein Problem darstellen ;-)

  2. Profilbild
    Martin Knuppse

    Die Nutzung einer SSD als Minuspunkt für eine große, professionelle Orchester Library ?

    Der Einsatz von SSDs für professionelle Sample Libraries ist eine Selbstverständlichkeit. Und auch dieser Hinweis , im Sinne von ….“Huch, brauchst einen Rechner , der nicht alter sein darf als sechs/sieben Jahre“ ist mir schleierhaft, so what ? Wer macht Musikproduktionen auf 6-7 Jahre alten Kisten ? Im Hobby Bereich , klaro und warum auch nicht. Aber der Rechner im prof Studio ist nach 3 Jahren abegschrieben. Und auch wenn es Ausnahmen von der Regel geben mag niemand , der eine Library für über 1000 Euro kauft macht sich Gedanken, ob die auf einem Mac Mini von 2014 läuft , der keine SDD eingebaut hatte.

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