Test: Orchestral Tools Glory Days Big Band Horns, Soundlibrary

6. Februar 2019

Big Band Bläser in Bestform

orchestral tools glory days

Die Freiburger Software-Schmiede Orchestral Tools hat es sich vor einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, den bis dato recht überschaubaren Markt der Orchester-Soundlibrarys aufzumischen. Seitdem sind unter den Namen Berlin Series oder Metropolis Ark Series exzellente Librarys entwickelt worden, die weltweit von führenden Film-, Game- und Multimedia-Komponisten eingesetzt werden. Mit Orchestral Tools Glory Days Big Band Horns wagen sich die Freiburger nun an eine andere Stilrichtung: Big-Band-Musik. Trompeten, Saxophone und Posaunen stehen also im Fokus der Glory Days Library und wir haben uns die Sounds sowie den Aufbau der Library angehört und angeschaut.

Einstieg zu Orchestral Tools Glory Days Big Band Horns

Als kleinen Einstieg, um was es hier geht, empfehle ich folgendes Promo-Video:

Alle Aufnahmen zu Glory Days wurden in der Berliner Teldex Scoring Stage aufgezeichnet. Hier wurden u. a. schon Filmmusiken für Danny Elfman, Howard Shore, Alan Silvestri oder David Newman aufgenommen, auch klassische Orchester kommen hier gerne für Aufnahmen zusammen.

orchestral tools glory days

Die Instrumentenliste von Glory Days Big Band Horns umfasst die folgenden Bestandteile:

  • Alto Saxophone 1
  • Alto Saxophone 2
  • Tenor Saxophone 1
  • Tenor Saxophone 2
  • Baritone Saxophone
  • Trumpet 1
  • Trumpet 2
  • Trumpet 3
  • Trumpet 4
  • Trombone 1
  • Trombone 2
  • Trombone 3
  • Bass Trombone

Zusätzlich wurden Trompeten und Posaunen mit weitreichenden Mute-Artikulationen wie Bucket, Cup, Harmon, Plunger, Solotone oder Pixie Mutes aufgezeichnet. Die Auswahl erscheint nicht nur auf den ersten Blick sehr groß, tatsächlich befinden sich unzählige Artikulationsmöglichkeiten im Repertoire der Library. Und das vor allem vor dem Hintergrund, dass der Bereich der Big Band Bläser bisher kaum von den großen Sample Library Spezialisten bedacht wurde. Da setzt Orchestral Tools die Messlatte für kommende Konkurrenz-Produkte enorm hoch. Als Beispiel: Vier Trompeten und drei Posaunen, alle als einzelne Preset Instrumente mit einer Vielzahl von Ausdrucksmöglichkeiten und individuellen Instrumente ist schon eine Wucht.

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Hinsichtlich der Aufnahmetechnik hat man sich bei Orchestral Tools nach eigenen Aussagen für einen weniger klassischen Weg entschieden und aus dem Fundus der Teldex Studio auf seltenere Mikrofone zurückgegriffen. So sollen der Sound und der Charme der Aufnahmen ganz zum Stil der Big-Band-Musik passen. Herausgekommen sind Aufnahmen in 24 Bit und 48 kHz, die Gesamtgröße der Library nimmt 75 GB Festplattenspeicher ein. Diese müssen zunächst über den Continuata Connect Download Manager heruntergeladen werden. Nach Wahl des gewünschten Installationsordners installiert sich die Library dann eigenständig. Auf Wunsch lässt sich die Library aber auch manuell installieren.

Bedienung von Orchestral Tools Glory Days Big Band Horns

Glory Days basiert auf dem Native Instruments Kontakt Format, hierfür wird die Vollversion ab 5.8.1 vorausgesetzt. Die Preset-Auswahl unterteilt sich zunächst in Multi- und Single-Instruments. Während man bei den Multi-Instrumenten mehrere Artikulationen unter den Fingern hat, umfassen die Single-Instrumente stets nur eine einzelne Artikulation. Je nach Arbeitsweise und persönlicher Vorliebe bzw. Verteilung auf einzelne DAW-Spuren kann das deutliche Vorteile haben und spart letztlich auch RAM-Ressourcen.

Doch die Multi-Instrumente bieten noch ein sehr interessantes Features namens Poly KS. Hierüber lassen sich bis zu vier verschiedene Artikulationen zusammenfassen und über unterschiedliche Parameter steuern. Beispielsweise könnte man zwei kurze Artikulationen kombinieren und diese per Velocity-Stärke oder das Modulationsrad wechseln. Noch weiter reichen die Möglichkeiten mit der Option XFade. Hiermit lässt sich in Echtzeit zwischen Artikulationen morphen, d. h. eine Sustain-Note kann in ein Sforzando oder Shake übergehen (Crossfade). Dabei ist alles natürlich auf beliebige MIDI-Hardware programmierbar und wiederum in Echtzeit umsetzbar. Echte Musiker können das schon lange, Orchestral Tools ermöglicht dies nun auch der programmierenden Zunft.

XFade 2D ist eine Abwandlung der XFade-Option und erlaubt das Zuweisen von bis zu vier Artikulationen auf einem Koordinatensystem. Wie auf einem X/Y-Pad lässt sich dann völlig frei zwischen den Spielweisen morphen. Folgendes Video erklärt die Single- und Multi-Instrumente von Orchestral Tools anschaulich, weitere Beispiele findet ihr in den weiter unten folgenden Videos.

Das GUI von Glory Days ist ansprechend gestaltet und leicht verständlich. Bei den Multi-Instrumenten sieht man auf einer horizontalen Linie, welche Artikulationen vorhanden sind, diese lassen sich per Keyswitch umschalten. Kleine Symbole verdeutlichen, welche Art von Klang bzw. Artikulation sich hinter den Kürzeln SUSWD, STACS, SCOOP oder BENDS verstecken, nicht nur geübte User haben somit sicherlich kein Problem, die gewünschte Artikulation zu finden.

orchestral tools glory days

Auswahl der Mikrofonpositionen

Über den links angebrachten Reiter kann man zu den Unterseiten Mix, Settings und Dynamics weiterschalten. Hierüber lässt sich u. a. die Mikrofonposition auswählen. Orchestral Tools bietet bei Glory Days sechs unterschiedliche Positionen:

  • Spot
  • Close 1
  • Close 2
  • AB
  • Tree
  • Surround

Alle sechs Mikrofonpositionen lassen sich individuell aktivieren und zusammenmischen. So lässt sich schnell der gewünschte Raumklang gestalten, entweder um einen bestimmten Sound zu erzielen oder den Sound der Bläser an andere Instrumente/Räume anzupassen, sehr schön.

Über die weiteren Reiter Settings und Dynamics lassen sich weitere Parameter wie Cutoff-Filter, Attack- und Release-Kurven sowie Controller-Table anpassen.

Klang von Orchestral Tools Glory Days

Wie bereits erwähnt, bietet Glory Days eine große Anzahl von Artikulationen, so dass sich Orchestral Tools hierbei nicht nur auf die klassischen Long- oder Short-Artikulationen konzentriert hat, sondern vor allem auch Big-Band-typische Spielweisen wie Shakes, Bends, Doits und mehr umgesetzt hat. Fertige Patches für Sektionen gibt es bei Glory Days nicht, das hätte dem einen oder anderen User möglicherweise gut gefallen, ist vor dem Hintergrund, dass realistisch klingende Sections aber ohne über die Programmierung von Einzelinstrumenten erst richtig wirken, für mich ohnehin kein Kritikpunkt.

Gepaart mit den sehr gut geratenen Samples, d. h. der guten Programmierung und der Tatsache, dass Störgeräusche während des Tests nicht festgestellt werden konnten, ergibt dies einen sehr guten Sound. Die Samples allein genommen zeugen bereits von hoher Qualität, doch kombiniert man die einzelnen Solo-Instrumente zu einer Sax- oder Brass-Section, kommt Glory Days klanglich erst so richtig in Fahrt. Die durch die Aufnahme der Einzelinstrumente entstehenden Ungleichheiten sorgen im 3er oder 4er Pack für einen enorm fetten Sound, den ich in dieser Art und Weise noch von keiner anderen Sample-Library gehört habe.

Orchestral Tools präsentiert dies auch im Rahmen von diversen YouTube Videos:

Fazit

Mit Glory Days legt Orchestral Tools eine auf Big-Band-Sound spezialisierte Sample-Library vor. Der Sound, die Anzahl der Instrumente sowie die umfangreichen Artikulationen, mit denen ein typischer Big-Band-Sound überhaupt erst möglich wird, sind fester Bestandteil dieser Library. Hiermit legt Orchestral Tools die Messlatte für kommende Librarys auf ein enorm hohes Niveau, denn die Arbeitsweise ist sehr intuitiv, geradlinig und macht enorm viel Spaß. Daher ist Glory Days ohne Einschränkungen zu empfehlen.

Plus

  • Sound
  • Bedienung

Preis

  • Ladenpreis: 599,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    hejasa  

    spiele lieber mit realen Bläsern, aber die Instrumente der Library klingen sehr gut, zum Arrangieren eines Songs top.

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