Test: Overloud Breverb Halleffekt Plugin

5. November 2007

Sehr feines Halleffekt Plugin

Hall-PlugIns gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Doch lädt man sich mal die wichtigsten auf dem Rechner und vergleicht diese mit den besten Hallgeräten dieser Welt, so stellen sich schnell Aha-Momente ein, manchmal auch Oho-, oder Naja-Momente. In 90% der Fälle deinstalliere ich die PlugIns schnell wieder, da mich der Klang nicht überzeugt. Wie dies beim Overloud Breverb abgelaufen ist werden Sie in den folgenden Zeilen lesen.

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Overloud ist eine italienische Firma, die sich unter anderem auch aus ehemaligen IK-Multimedia Mitarbeitern zusammensetzt. Vor rund einem Jahr hat sich Overloud entschieden das Breverb anzukündigen, nun ist es endlich lieferbar. Ähnlich wie beim Bricasti M7 wurden auch hier wieder deftig Gerüchte gekocht, es würde sich um eine Lexicon 480L Emulation handeln. Sogar die Overloud Mitarbeiter sprachen schon vor Monaten davon ein amerikanisches Reverb der 80er mit einer weißen Fernbedienung als Vorbild zu nehmen.

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Breverb

Das Breverb ist mit einem iLOK kopiergeschützt und erscheint nach der Installation wie gewohnt in den üblich verdächtigen Ordnern der jeweiligen DAW. In unserem Fall testeten wir auf einem PC unter Cubase4.

Nach dem Öffnen einer Instanz springt einem eine moderne 3D-Oberfläche ins Gesicht. Die PlugIn-Oberfläche ist recht groß, kann aber durch einen einfach Druck auf den rechten Minus-Button verkleinert werden. Zudem können die sechs Regler bei Bedarf auch auf die Seite gelegt werden.

Das PlugIn ist Stereo ausgelegt und bietet vier Algorithmen an: Hall, Room, Plate und Inverse. Jeder Algorithmus hat ein anderes Parameterset.

Hall

Der True-Stereo Hallalgorithmus spielt, wie der Name schon sagt seine Stärken in großen Räumen aus. Das Parameterset gleicht einem Lexicon Hall, auch wenn die Benennung etwas anders ist. Neben Time, Size und Diffusion findet man hier auch Shape und Spread, sowie Regen, Motion und Depth. Allesamt alte Bekannte, die fast genauso reagieren.

Room

Der Room ist ein etwas abgewandelter Hall-Algortihmus mit anderem Parmeterset, so kann man hier auch die Decay-Kurve bis hin zu einem NonLinearen Reverb biegen. Klanglich absolut 80er!

Plate

Die Plate wurde ebenfalls nach einer Lexicon Plate modelliert, klingt also nicht etwa wie die EMT Plate der UAD-1.

Inverse

Für mich ein echter Favorit, denn exakt so einen Inverse-Hall habe ich schon lange als PlugIn gesucht. Der Hall geht von Stereo invers auf Mono über. Ebenfalls very ’80s‘!! Die Motion und Depth Parameter tun hier aber nicht viel.

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Bedienung

Die unteren sechs Fader können pro Preset verschiedenen sinnvollen Parametern zugeordnet und selbstverständlich auch per MIDI ferngesteuert werden. Die übrigen Einstellungen nimmt man im virtuellen Display vor. Die Benutzerführung ist für den fortgeschrittenen Anwender ohne einen Blick ins Handbuch selbsterklärend. Leider ist der Presetbrowser für eine schnelle Bedienung etwas zu klein geraten und auch das nötige Umschalten zwischen den Parameterseiten halte ich in Anbetracht einer Software-Oberfläche für unangebracht. Es wäre besser alle Parameter gleichzeitig im Blick zu haben.

Dem Reverb sind ein EQ und ein Gate für die typischen Effekte nachgeschaltet. Ebenso gibt eine praktische A/B Vergleichsfunktion, wie sie auch von Waves PlugIns bekannt ist, sowie eine Undo/Redo Funktion.

Klang

Worauf es jedoch bei einem Hall wirklich ankommt ist der Klang. Hier werden sich die Geister scheiden, denn während Einer auf dänischen Hall steht, so schwört der Andere auf Bayern-Hall und der Dritte auf einen Amerikaner. Im Falle des Breverb werden wohl die Liebhaber der amerikanischen Hallen von der italienischen Firma angesprochen.

Breverb ist ein opulenter Sustain-Hall, der sich kaum mit TC, Quantec oder den neueren Lexicon-Geräten vergleichen lässt. Ebenso ist nicht mit dem IK-Multimedia Hall CSR zu vergleichen, Breverb spielt in einer höhren Liga! Er erinnert umgehend an wolkige Enya-Balladen, also an die Lexicon 224, 300 und 480, mit denen man Signale jeglicher Art richtig groß aufblasen kann. Der Hall Algorithmus spielt seine Stärken vor allem bei langen und großen Hallen aus, diese klingen breit und extrem dicht. Zudem erzeugt auch Breverb einen gewissen cineastischen Charme, wie man ihn von großen Hollywood Produktionen her kennt. Ich möchte hier keine Diskussion beginnen, ob Breverb nun wie ein Lexicon klingt oder nicht, es erinnert auf jeden Fall daran auch wenn es doch einen eigenen Charakter hat.

Dem Hall-Algorithmus sehr ähnlich klingt der Room, auch wenn er eben für kleinere Räume optimiert ist. Die Plate konnte mir zwar gefallen, jedoch ziehe ich hier die UAD-1 Plate vor. Ganz anders und richtig schön 80er-mäßig klingt der Inverse-Algorithmus, leicht rau und kaputt, also genau was ich persönlich von so einem Effekt erwarte. Unerwünschte Nebeneffekte wie Flattern, Eiern oder ungewollte Grobkörnigkeit bleiben beim Breverb aus, es sei denn man experimentiert mit Extremeinstellungen der Parameter. Durch diese Attribute unterscheiden sich oft die weniger guten Hall-PlugIns von den richtig Guten. Breverb gehört zweifelsohne zu den Reverbs, die spalten werden. Das bedeutet, die Einen werden es lieben, den Anderen ist es zu kitschig. Pragmatiker werden es für Balladen, Film-Trailer oder auch Schlager einsetzen, während sie für härtere Musik wohl eher zu anderen Hallgeräten greifen. Für mich gehört das Breverb also zu den PlugIns, die auf jeden Fall NICHT wieder deinstalliert werden :-) !

Ein Wort zur Mono-Kompatibilität, so lange Breverb in Stereo abgehört wird erzeugt es eine sehr breite beeindruckende Hallwand. Werden die Kanäle mono summiert, so sinkt die empfundene Lautheit merklich ab. Dies kann ja nach Mischung auch von Vorteil sein, denn so werden Signale in der Stereomitte nicht vom Hall überdeckt.

Beim Test fiel auf, dass das Breverb teilweise Kammfiltereffekte hervorruft, bei denen z.B. der Bassanteil des Originalsignals weggesaugt wird oder auch das komplette Originalsignal vom Hall in der Lautstärke verändert wird, so dass bei einer Halleinstellung auch gleich wieder die Pegel angeglichen werden müssen. Generell ist dies zwar für manche ältere Hallgeräte nicht untypisch und gehört sicherlich zu einer Eigenart des Breverb-Algorithmus, jedoch muss man sich während einer Mischung damit auseinandersetzen.

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Performance

Auf unserem Testrechner, einem Pentium D mit 2,66 GHz und PC800er RAM genehmigt sich das Breverb rund 3% auf einer CPU. Leider hat sich Overloud in der derzeitigen Version noch nicht um die Sortierung der Automations-Parameter gekümmert. Diese sind ungenau bezeichnet und wirr verstreut. Hier sollte Overloud auf jeden Fall noch nachbessern.

Mitbewerber

Im Zusammenhang mit Breverb fallen häufig Namen wie TC VSS3, Arts Acoustic Reverb, IK-Multimedia CSR oder Magix Variverb Pro. Allesamt PlugIns, die sich klanglich nicht verstecken brauchen. Genauso wenig muss sich ein Faltungshall verstecken. Das Overloud Breverb kann rein Qualitativ absolut mit den eben Genannten mithalten. Jedoch sollte jeder für sich selber herausfinden, ob der Klang passt oder nicht. Es emuliert eben einen 80er Jahre Hall.

Fazit

Overloud hat den Mund bei den Ankündigungen nicht zu voll genommen! Es besitzt eine deutliche Affinität zu den großen Lexicons und muss sich nicht mal dahinter verstecken. Dennoch hat es einen eigenen Charakter der ebenso gefällt. Breverb ist real in der Lage einer trockenen Orchester-Sample-Library einen kinotauglichen Charme aufzustempeln ohne dass man stundenlang herumschrauben muss. Doch hören Sie einfach selber in unsere Klangbeispiele hinein. In einer der nächsten Versionen wird Overloud nach eigener Ankündigung noch den Sound der alten 16-Bit-Wandler zuschaltbar machen, den viele Anwender so schätzen :-)

 

Plus

  • sehr guter Hallalgorithmus
  • Opulenter 80er Jahre Klangcharakter
  • CPU-Last

Minus

  • Kammfilter / Leveleffekte
  • Parameter über Automation (s.o.)

Preis

  • Online-Preis: 299 Euro
Klangbeispiele
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    Schöner Test, leider mal wieder keine Rede davon ob´s das auch für den Mac (UB-AU-Plug)gibt (??)..

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    Hi, das Breverb ist für PC unter Windows XP und Mac OSX als AU und VST erhältlich.

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    Anzumerken wäre noch, daß dieses Plugin leider nicht vollständig kompatibel ist mit Sequencern wie FLStudio oder ähnlichen, die mit variablen Buffer-Größen arbeiten.

    Schade, der Klang scheint echt nice zu sein.

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    Das Breverb ist recht nett jedoch meiner Ansicht nach noch viel zu gut in diesem Testbericht weggekommen.

    Es soll den Anschein machen das User Iniferface eines 480er Lexicons zu beherbergen kleines Manko ist, dass das Breverb klanglich davon Meilen weit entfernt ist.

    Doch der Ansatz ist nicht schlecht endlich gibt es mal an einem Plug In die Parameter Spread und Shape und die machen auch was sie sollen.

    Trarig ist halt das hier die klanglichen Versprechen auf der Website mal wieder weit hinter den Erwartungen die geweckt wurden bleiben. Selbst eine schlechte Impulsantwort aus Altiverb liefert mehr tiefe und löst Wohlbefinden aus.

    Um unter Brüdern zu testen:
    Selbst Arts Acoustic schlägt Breverb meiner Meinung nach um längen.

    Hier muss man sich klanglich noch anstrengen wenn man die Marketing Versprechen auch wirklich einlösen will.

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      Andere Ohren, andere Eindrücke. Ars Acoustic klingt wie Plastik im Vergleich zu BReverb.

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    Die ersten Bilder der GUI, damals noch Pre-Release, haben natürlich die Leute neugierig gemacht. Die GUI wurde ja letztlich zum Release noch verändert, um Ärger mit den Hardwareherstellern zu umgehen.

    Breverb hat mich nicht sonderlich überzeugt. Hier waren die Versprechen wiedermal im Vorfeld grösser gewesen, als dann die reale Umsetzung.

    ArtsAcoustic, UAD Plate140, CSR, Vss3 oder Altiverb bleiben weiterhin das Mass der Dinge. Breverb muss sich leider hinten anstellen und noch etwas üben wenn es mit den grossen mitspielen will ;)

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